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Ich kann weder nicht genug französisch, um in dem vorliegenden Elaborat die politischen Phrasen von den gesetzgeberischen zu unterscheiden zu können. Der Sache selbst stehe ich mit jener vielleicht etwas ungerechten Skepsis gegenüber, welche alle heute jeder Desillusionierte derartigen solchen sozialen Verbesserungen heute entgegenbringt: die letzten Jahre haben uns gelehrt, an solche Dinge derlei nicht für Chimären zu halten. „Es wäre schön, wenn das möglich wäre“ – alle so so ist es stets bei diesen Zukunftsträumen.
Man muss sehr optimistisch sein, dran zu glauben, dass eine Taxe bis zu 6 % wirklich gezahlt werden wird. In der Tat ist sie auch sehr hoch und es ist unwahrscheinlich, dass ein Maler der 250 Mark Schulden hat und ein Bild für 200 verkaufen kann, seinen „Gönner“ zwingen wird 3 % zu zahlen. Gönner aber drehen sich bei 5 Mark um – man wird sich also einigen, den Kaufpreis entsprechend nie driger anzugeben – nicht einmal, sondern jedesmal.
Ich finde es auch sehr viel verlangt, dass die sogenannten „gutgehenden“ Künstler nun auch hier wieder nicht nur die talentierten noch nicht gehenden, sondern auch die untalentierten zukunftslosen erhalten sollen. Vergißt man ganz, dass sie es längst bei allen Tantièmenorga nisationen und ähnlichen Gesellschaften längst tun. Ja, bedenkt
man denn gar nicht, dass der Verlag schlechte oder unrentable Werke eben ausschließlich auf Kosten, der gutgehenden gesteht, also von ihnen bezahlt wird?
Wenn Herrn Herzkas Vorschlag keine andre Einnahme quelle kennt, als, Geschenke, Legate, Subventionen und, insbesondere diese „Taxe“, so wird er wohl ins Auge fassen müssen, die Zuwendungen an die Künstler hauptsächlich aus den Subventionen be streiten zu müssen. Denn soviel ich sehe, erhal erreichen sogar die Einnahmen selbst aus den Verkäufen die uns der Verleger giebt und ebenso die aus den Aufführungstantiemen auch bei gutgehenden Autoren keine ausreichende Höhe. Wie hoch werden dann also bis 2–4 und 6 % davon sein, die man ja 10 gutgehenden Autoren abnimmt um sie an mehrere hundert schlecht gehender zu verteilen?
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an unbekannt, ohne Datum, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/documents/document.572.