Lieber Herr Marschalk, ich schrieb1 Ihnen seinerzeit, dass mein Monodram
Erwartung“ in Mannheim am Hoftheater zur Uraufführung2 gelangen soll
und ersuchte Sie um eine Erklärung ob Sie es erwerben wollen. Ich wieder-
hole diese Anfrage, die Sie unbeantwortet ließen, heute und stelle folgende
Bedingungen:
  • I. 300 Mark Honorarvorschuss bar
  • II 200 Mark Abschreibung vom Gesamtvorschuss
  • III. Der Klavier-Auszug muss bis spätestens 15 Februar gedruckt sein.
    Für jeden Tag, den er ohne mein Verschulden später erscheint erhalte ich als
    Entschädigung 5 Mark.
Ich sende Ihnen heute die Noten3 und das Textbuch4. Ich muss
Ihnen, da die Sache drängt und ich Ihre Neigung zum Verschleppen
kenne wieder einen Termin stellen. Sie müssen das einsehen,
denn ich kann doch unmöglich immer wieder geschädigt werden. Da die
Aufführung Mitte Februar sein soll, muss doch der Klavierauszug
rechtzeitig aufliegen.
Ich werde also annehmen, dass Sie auf das Werk nicht
reflektieren, wenn Sie mir von heute in 10 Tagen (d. i. also
am 9. Jänner 1910 [)] nicht mitgeteilt haben, dass Sie mit
den Bedingungen einverstanden sind und der Betrag von
300 Mark angewiesen, der von 200 Mark abgeschrieben
ist. Jede andere Wendung, die den Zweck haben könnte die
Sache hinauszuschieben, werde ich als Ablehnung ansehen müssen.
Uebrigens, was ist also mit Pelleas? Sie schrieben, meine
Bedingungen schienen Ihnen annehmbar, sagten aber Direktor
Herzka von der Universal Ed. ich müsste gewisse Bedingungen
erfüllen, die Sie mir mitgeteilt haben. Welche Bedingungen
sollen das denn sein? Was hat das wieder zu bedeuten?
Ich muss Ihnen auch in dieser Angelegenheit den selben Termin
stellen (9 Jänner 1910) da Nedbal das Werk für nächstes
Jahr wünscht und es sich jetzt schon durchstudieren will. Ich bitte
sich also auch darüber zu entscheiden. Habe ich bis zum 9. Jänner 1910

nicht schon zusagende Antwort, so werde ich über das Werk ander-
weitig verfügen, was wie Sie jetzt wissen keine leere Drohung
mehr ist; auch keine solche sein soll. Denn diese Absicht ist
mir stets ferne gelegen und niemand wäre froher gewesen, wie
ich, wenn wir beide hätten gut miteinander auskommen
können.
Ich hoffe, Sie nehmen mir die nötige Energie nicht übel.
Ich muss ja doch ins Reine kommen. Seit dem Dmoll
Quartett
5 haben Sie nichts von mir gedruckt, das schädigt
mich ja ungemein.
Also herzliche Neujahrswünsche Ihres Arnold Schönberg
Wien 30/12. 1909
Lieber Herr Marschalk, ich schrieb1 Ihnen seinerzeit, dass mein Monodram „Erwartung“ in Mannheim am Hoftheater zur Uraufführung2 gelangen soll und ersuchte Sie um eine Erklärung ob Sie es erwerben wollen. Ich wiederhole diese Anfrage, die Sie unbeantwortet ließen, heute und stelle folgende Bedingungen:
  • I. 300 Mark Honorarvorschuss bar
  • II 200 Mark Abschreibung vom Gesamtvorschuss
  • III. Der Klavier-Auszug muss bis spätestens 15 Februar gedruckt sein. Für jeden Tag, den er ohne mein Verschulden später erscheint erhalte ich als Entschädigung 5 Mark.
Ich sende Ihnen heute die Noten3 und das Textbuch4. Ich muss Ihnen, da die Sache drängt und ich Ihre Neigung zum Verschleppen kenne wieder einen Termin stellen. Sie müssen das einsehen, denn ich kann doch unmöglich immer wieder geschädigt werden. Da die Aufführung Mitte Februar sein soll, muss doch der Klavierauszug rechtzeitig aufliegen.
Ich werde also annehmen, dass Sie auf das Werk nicht reflektieren, wenn Sie mir von heute in 10 Tagen (d. i. also am 9. Jänner 1910 ) nicht mitgeteilt haben, dass Sie mit den Bedingungen einverstanden sind und der Betrag von 300 Mark angewiesen, der von 200 Mark abgeschrieben ist. Jede andere Wendung, die den Zweck haben könnte die Sache hinauszuschieben, werde ich als Ablehnung ansehen müssen.
Uebrigens, was ist also mit Pelleas? Sie schrieben, meine Bedingungen schienen Ihnen annehmbar, sagten aber Direktor Herzka von der Universal Ed. ich müsste gewisse Bedingungen erfüllen, die Sie mir mitgeteilt haben. Welche Bedingungen sollen das denn sein? Was hat das wieder zu bedeuten? Ich muss Ihnen auch in dieser Angelegenheit den selben Termin stellen (9 Jänner 1910) da Nedbal das Werk für nächstes Jahr wünscht und es sich jetzt schon durchstudieren will. Ich bitte sich also auch darüber zu entscheiden. Habe ich bis zum 9. Jänner 1910 nicht schon zusagende Antwort, so werde ich über das Werk anderweitig verfügen, was wie Sie jetzt wissen keine leere Drohung mehr ist; auch keine solche sein soll. Denn diese Absicht ist mir stets ferne gelegen und niemand wäre froher gewesen, wie ich, wenn wir beide hätten gut miteinander auskommen können.
Ich hoffe, Sie nehmen mir die nötige Energie nicht übel. Ich muss ja doch ins Reine kommen. Seit dem Dmoll Quartett5 haben Sie nichts von mir gedruckt, das schädigt mich ja ungemein.
Also herzliche Neujahrswünsche Ihres Arnold Schönberg
Wien 30/12. 1909

30. Dezember 1909


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Verlag Dreililien, 30. Dezember 1909, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.114.

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