Charlottenburg 2
Pension Bavaria
13.III.1926
Pt. UE
Lieber Herr Doktor Kalmus, diese „Anfrage“ der Stecherei, nach-
dem sie mit dem Stich begonnen hat, finde ich sehr komisch! Es
wäre doch eben früher zu entscheiden gewesen! Wenn nicht mit
diesem Stechzeug zwei Systeme auf die Seite giengen, könnte
man nur folgendes tun.
I. Eventuell die Chornoten einen Grad kleiner nehmen. Das aber
nur dann, wenn sie für den Dirigenten dann noch gross genug
sind!
II. Notfalls könnte man höchstens noch die beiden Streichinstru-
mente auch kleiner (aber in jedenfalls derselben Grösse wie die
Chorstimmen) machen. (Die Chorstimmen brauchen nicht mehr aufzu
fallen, als alles andere; denn da der Dirigent mit den Chören
am meisten Probieren muss, kennt der die Partitur in dieser Hin-
sicht ohnedies am besten).
III. Müsste man sich aber entschliessen, diealle Begleitungsstim-
men kleiner zu stechen (was ich sehr ungünstig fände) so gienge
das nur, wenn extra eine Stimme für den Klavierspieler1 heraus-
gegeben würde. In dieser müsste die Klavierstimme dann so
gross gestochen sein, wie in Klavierquintetten, und die Chor-
und Streicherstimmen entsprechend kleiner. Also selbstverständ-
lich eine Partitur! Für die Herausgabe einer solchen
Stimme bin ich ja sehr, weil die Aufführenden dann nicht zwei
ganze Exemplare des ganzen Opus kaufen müssten. Aber ebenso-
sehr bin ich eigentlich gegen zweierlei Schriften in einer
Dirigierpartitur. Vielleicht hätte man ein etwas grösseres
Format von vornherein wählen sollen. Der Stich könnte als

Dirigierpartitur kaum kleiner genommen werden. Als Spielstim-
me (daran scheint die Stecherei gar nicht gedacht zu haben) ist
sie ohnedies schon fast zu klein.
Zwei Systeme sollten beim letzten Stück unbedingt auf der
Seite stehen.
ACHTUNG: bitte auf jeder Seite alle Systeme zu bringen
auch wenn die betreffenden Stimmen Pausen haben. Bei einer
so kleinen Partitur gewöhnt man sich nicht so leicht an
differierende Notenbilder.
Ich bin mit Ihrem Vorschlag, auf Quartformat zu drucken sehr
einverstanden. Es sieht viel besser aus.
Bitte machen Sie mir auch gleich Vorschläge für die Herstel-
lung des Stimmenmaterials.
Ich lege die Probeseite2 gleich hier bei, damit der Brief noch
heute fortgeht. Bitte beschleunigen Sie den Stich aufs äusser-
ste. Es ist nicht unmöglich, dass ich noch heuer eine Aufführung
davon mache.
Mit besten Grüssen und schönstem Dank, Ihr
Charlottenburg 2
Pension Bavaria
13.III.1926
Pt. UE
Lieber Herr Doktor Kalmus, diese „Anfrage“ der Stecherei, nachdem sie mit dem Stich begonnen hat, finde ich sehr komisch! Es wäre doch eben früher zu entscheiden gewesen! Wenn nicht mit diesem Stechzeug zwei Systeme auf die Seite giengen, könnte man nur folgendes tun.
I. Eventuell die Chornoten einen Grad kleiner nehmen. Das aber nur dann, wenn sie für den Dirigenten dann noch gross genug sind!
II. Notfalls könnte man höchstens noch die beiden Streichinstrumente auch kleiner (aber in jedenfalls derselben Grösse wie die Chorstimmen) machen. (Die Chorstimmen brauchen nicht mehr aufzufallen, als alles andere; denn da der Dirigent mit den Chören am meisten Probieren muss, kennt der die Partitur in dieser Hinsicht ohnedies am besten).
III. Müsste man sich aber entschliessen, alle Begleitungsstimmen kleiner zu stechen (was ich sehr ungünstig fände) so gienge das nur, wenn extra eine Stimme für den Klavierspieler1 herausgegeben würde. In dieser müsste die Klavierstimme dann so gross gestochen sein, wie in Klavierquintetten, und die Chor- und Streicherstimmen entsprechend kleiner. Also selbstverständlich eine Partitur! Für die Herausgabe einer solchen Stimme bin ich ja sehr, weil die Aufführenden dann nicht zwei ganze Exemplare des ganzen Opus kaufen müssten. Aber ebensosehr bin ich eigentlich gegen zweierlei Schriften in einer Dirigierpartitur. Vielleicht hätte man ein etwas grösseres Format von vornherein wählen sollen. Der Stich könnte als Dirigierpartitur kaum kleiner genommen werden. Als Spielstimme (daran scheint die Stecherei gar nicht gedacht zu haben) ist sie ohnedies schon fast zu klein.
Zwei Systeme sollten beim letzten Stück unbedingt auf der Seite stehen.
ACHTUNG: bitte auf jeder Seite alle Systeme zu bringen auch wenn die betreffenden Stimmen Pausen haben. Bei einer so kleinen Partitur gewöhnt man sich nicht so leicht an differierende Notenbilder.
Ich bin mit Ihrem Vorschlag, auf Quartformat zu drucken sehr einverstanden. Es sieht viel besser aus.
Bitte machen Sie mir auch gleich Vorschläge für die Herstellung des Stimmenmaterials.
Ich lege die Probeseite2 gleich hier bei, damit der Brief noch heute fortgeht. Bitte beschleunigen Sie den Stich aufs äusserste. Es ist nicht unmöglich, dass ich noch heuer eine Aufführung davon mache.
Mit besten Grüssen und schönstem Dank, Ihr
Arnold Schönberg

13. März 1926


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 13. März 1926, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.1197.

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