Universal-Edition an Arnold Schönberg
20. September 1929
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegr. Adr.: Musikedition, Wien. A. B. C. Code 5th. Ed. Mosse Code.
Telefon U-47-5-85 Serie. Bank-Konto: Zentral-Europä-
ische Länderbank Wien. Postsparkassen-Kto. 57557.
Wien, 20. September 1929.
D/M.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegr. Adr.: Musikedition, Wien. A. B. C. Code 5th. Ed. Mosse Code.
Telefon U-47-5-85 Serie. Bank-Konto: Zentral-Europä-
ische Länderbank Wien. Postsparkassen-Kto. 57557.
Wien, 20. September 1929.
Herrn
Professor Arnold Schönberg,
Katwijk aan
Zee,
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Ich möchte ganz ausserhalb unserer verlagsmässigen
Beziehungen Ihnen eine Mitteilung machen, die mir soeben zu-
gekommen ist. Der Pächter und Geschäftsführer der Stecherei,
Herr Hirsch, liess mir heute mitteilen, dass er mit Hinblick
auf die notwendig gewordene sehr einschneidende Verkürzung
der Arbeitszeit und des trotzdem noch zu grossen Personal-
standes gezwungen ist, zu den nun schon seit einiger Zeit
vorgenommenen Kündigungen auch noch weitere Kündigungen vor-
zunehmen und dass er daher zu seinem Bedauern nun auch Ihren
Sohn Georg kündigen müsste. Ich war über diese Mitteilung
sehr betroffen und habe alles versucht, um diesen Beschluss
rückgängig zu machen. Man teilte mir nun aber mit, dass Ihr
Sohn Georg, dem andere Arbeiten und Hantierungen nicht zu-
zusagen scheinen, sich ausschliesslich mit Korrekturarbeiten
der Abzüge beschäftigt und es ganz unmöglich ist, ihn bei
dieser fixen Beschäftigung zu belassen, weil die Anzahl der
Sticharbeiten derart abgenommen hat und angeblich für Kor-
rekturarbeiten höchstens 100 Seiten per Woche in Betracht kommen –
eine Arbeit, für die etwa 16 Stunden angenommen werden können,
Beziehungen Ihnen eine Mitteilung machen, die mir soeben zu-
gekommen ist. Der Pächter und Geschäftsführer der Stecherei,
Herr Hirsch, liess mir heute mitteilen, dass er mit Hinblick
auf die notwendig gewordene sehr einschneidende Verkürzung
der Arbeitszeit und des trotzdem noch zu grossen Personal-
standes gezwungen ist, zu den nun schon seit einiger Zeit
vorgenommenen Kündigungen auch noch weitere Kündigungen vor-
zunehmen und dass er daher zu seinem Bedauern nun auch Ihren
Sohn Georg kündigen müsste. Ich war über diese Mitteilung
sehr betroffen und habe alles versucht, um diesen Beschluss
rückgängig zu machen. Man teilte mir nun aber mit, dass Ihr
Sohn Georg, dem andere Arbeiten und Hantierungen nicht zu-
zusagen scheinen, sich ausschliesslich mit Korrekturarbeiten
der Abzüge beschäftigt und es ganz unmöglich ist, ihn bei
dieser fixen Beschäftigung zu belassen, weil die Anzahl der
Sticharbeiten derart abgenommen hat und angeblich für Kor-
rekturarbeiten höchstens 100 Seiten per Woche in Betracht kommen –
eine Arbeit, für die etwa 16 Stunden angenommen werden können,
also eigentlich etwa 2 volle
Tage, für die selbstredend seitens
Hirsch nicht der Lohn einer ganzen Woche bezahlt werden kann.
Auf meine Bemerkung, ob man nicht Herrn G. Sch. auch andere Ar-
beiten noch übertragen könnte, wurde mir bedeutet, dass er
solche Arbeiten nicht gerne leistet und dass sie ihm begreif-
licherweise mit Hinblick auf seine Bildung und Vorbildung nicht
sehr angenehm sein können. Es wurde mir gesagt, dass man Herrn
Schönberg gewiss sehr gerne für Korrektur-Lesearbeiten weiter
beschäftigen könnte, dass aber für diese Arbeiten nicht mehr
als ein Betrag von 20 Groschen pro Abzug (das ist der übliche
Satz seit vielen Jahren) bezahlt werden könnte. Mir war diese
Mitteilung im hohen Grade unangenehm und ich habe nun durchge-
setzt, dass die Kündigung vorerst nicht erfolgt und dass man
noch 14 Tage zuwartet in der Annahme, dass sich vielleicht doch
günstigere Arbeitsmöglichkeiten für die Stecherei in dieser
Zeit ergeben könnten. Ich halte mich für verpflichtet, Ihnen
von dieser Sachlage Kenntnis zu geben. Ich muss Ihnen ja zwar
offen sagen, dass die Aussichten, dass die Stecherei in den
nächsten 14 Tagen stärker beschäftigt wird, leider sehr gering
sind und dass ich kaum glaube, dass wir die Macht und die Mit-
tel haben werden, die Stecherei Hirsch zu veranlassen, dass Sie
Ihren Sohn nach 14 Tagen nicht kündigt. Ich möchte Sie bitten
mir mitzuteilen, ob und in welcher Weise ich Ihnen beziehungs-
weise Ihrem Sohne Georg für sein weiteres Fortkommen behilflich
sein kann. Ich will bestimmt mein Möglichstes tun. Wären die
Hirsch nicht der Lohn einer ganzen Woche bezahlt werden kann.
Auf meine Bemerkung, ob man nicht Herrn G. Sch. auch andere Ar-
beiten noch übertragen könnte, wurde mir bedeutet, dass er
solche Arbeiten nicht gerne leistet und dass sie ihm begreif-
licherweise mit Hinblick auf seine Bildung und Vorbildung nicht
sehr angenehm sein können. Es wurde mir gesagt, dass man Herrn
Schönberg gewiss sehr gerne für Korrektur-Lesearbeiten weiter
beschäftigen könnte, dass aber für diese Arbeiten nicht mehr
als ein Betrag von 20 Groschen pro Abzug (das ist der übliche
Satz seit vielen Jahren) bezahlt werden könnte. Mir war diese
Mitteilung im hohen Grade unangenehm und ich habe nun durchge-
setzt, dass die Kündigung vorerst nicht erfolgt und dass man
noch 14 Tage zuwartet in der Annahme, dass sich vielleicht doch
günstigere Arbeitsmöglichkeiten für die Stecherei in dieser
Zeit ergeben könnten. Ich halte mich für verpflichtet, Ihnen
von dieser Sachlage Kenntnis zu geben. Ich muss Ihnen ja zwar
offen sagen, dass die Aussichten, dass die Stecherei in den
nächsten 14 Tagen stärker beschäftigt wird, leider sehr gering
sind und dass ich kaum glaube, dass wir die Macht und die Mit-
tel haben werden, die Stecherei Hirsch zu veranlassen, dass Sie
Ihren Sohn nach 14 Tagen nicht kündigt. Ich möchte Sie bitten
mir mitzuteilen, ob und in welcher Weise ich Ihnen beziehungs-
weise Ihrem Sohne Georg für sein weiteres Fortkommen behilflich
sein kann. Ich will bestimmt mein Möglichstes tun. Wären die
Zeiten nicht so
ausserordentlich schwierig und nicht auch wir
gezwungen, einen grossen Abbau in unserem Personal vorzunehmen,
dann hätten wir ja alles daran gesetzt, um für Ihren Sohn
Georg eine feste Beschäftigung im Rahmen unseres Unternehmens
zu finden. So aber ist augenblicklich nicht daran zu denken.
Das, was ich hoffe ist, dass, wenn er die Korrekturen von Hirsch
erhält und diese pro Seite bezahlt werden, wir vielleicht im-
stande sein werden, ihm noch einige Korrekturarbeiten zu über-
lassen.
gezwungen, einen grossen Abbau in unserem Personal vorzunehmen,
dann hätten wir ja alles daran gesetzt, um für Ihren Sohn
Georg eine feste Beschäftigung im Rahmen unseres Unternehmens
zu finden. So aber ist augenblicklich nicht daran zu denken.
Das, was ich hoffe ist, dass, wenn er die Korrekturen von Hirsch
erhält und diese pro Seite bezahlt werden, wir vielleicht im-
stande sein werden, ihm noch einige Korrekturarbeiten zu über-
lassen.
Ich erwarte jedenfalls Ihre freundliche Rück-
äusserung und verbleibe mit den ergebensten Grüssen, auch
an Ihre verehrte Frau,
äusserung und verbleibe mit den ergebensten Grüssen, auch
an Ihre verehrte Frau,
in steter Verehrung
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegr. Adr.: Musikedition, Wien. A. B. C. Code 5th. Ed. Mosse Code.
Telefon U-47-5-85 Serie. Bank-Konto: Zentral-Europä-
ische Länderbank Wien. Postsparkassen-Kto. 57557.
Wien, 20. September 1929.
D/M.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegr. Adr.: Musikedition, Wien. A. B. C. Code 5th. Ed. Mosse Code.
Telefon U-47-5-85 Serie. Bank-Konto: Zentral-Europä-
ische Länderbank Wien. Postsparkassen-Kto. 57557.
Wien, 20. September 1929.
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Ich möchte ganz ausserhalb unserer verlagsmässigen Beziehungen Ihnen eine
Mitteilung machen, die mir soeben zugekommen ist. Der Pächter und Geschäftsführer der Stecherei, Herr Hirsch, liess mir heute mitteilen, dass er mit Hinblick auf
die notwendig gewordene sehr einschneidende Verkürzung der Arbeitszeit und
des trotzdem noch zu grossen Personalstandes gezwungen ist, zu den nun schon seit einiger Zeit
vorgenommenen Kündigungen auch noch weitere Kündigungen vorzunehmen und dass er daher zu seinem Bedauern nun auch Ihren
Sohn Georg kündigen
müsste.
Ich war über diese Mitteilung sehr betroffen und habe alles versucht, um
diesen Beschluss rückgängig zu machen. Man teilte mir nun aber mit, dass
Ihr Sohn Georg, dem andere Arbeiten
und Hantierungen nicht zuzusagen scheinen, sich ausschliesslich mit Korrekturarbeiten
der Abzüge beschäftigt und es ganz unmöglich ist, ihn bei dieser fixen
Beschäftigung zu belassen, weil die Anzahl der Sticharbeiten derart
abgenommen hat und angeblich für Korrekturarbeiten höchstens 100 Seiten per
Woche in Betracht kommen – eine Arbeit, für die etwa 16 Stunden
angenommen werden können, also eigentlich etwa 2 volle
Tage, für die selbstredend seitens
Hirsch
nicht der Lohn einer ganzen Woche bezahlt werden kann. Auf meine Bemerkung,
ob man nicht Herrn G. Sch. auch andere Arbeiten noch übertragen könnte, wurde mir bedeutet, dass er
solche Arbeiten nicht gerne leistet und dass sie ihm begreiflicherweise mit Hinblick auf seine Bildung und Vorbildung nicht
sehr angenehm sein können. Es wurde mir gesagt, dass man Herrn
Schönberg gewiss sehr gerne für
Korrektur-Lesearbeiten weiter beschäftigen könnte, dass aber für diese
Arbeiten nicht mehr als ein Betrag von 20 Groschen pro Abzug (das ist der
übliche Satz seit vielen Jahren) bezahlt werden könnte. Mir war diese
Mitteilung im hohen Grade unangenehm und ich habe nun durchgesetzt, dass die Kündigung vorerst nicht erfolgt und dass man
noch 14 Tage zuwartet in der Annahme, dass sich vielleicht doch
günstigere Arbeitsmöglichkeiten für die Stecherei in dieser Zeit
ergeben könnten. Ich halte mich für verpflichtet, Ihnen von dieser Sachlage
Kenntnis zu geben. Ich muss Ihnen ja zwar offen sagen, dass die Aussichten,
dass die Stecherei in den nächsten 14 Tagen stärker beschäftigt wird,
leider sehr gering sind und dass ich kaum glaube, dass wir die Macht und
die Mittel haben werden, die Stecherei Hirsch zu veranlassen, dass Sie Ihren Sohn nach 14 Tagen
nicht kündigt. Ich möchte Sie bitten mir mitzuteilen, ob und in welcher
Weise ich Ihnen beziehungsweise Ihrem Sohne Georg für
sein weiteres Fortkommen behilflich sein kann. Ich will bestimmt mein
Möglichstes tun. Wären die Zeiten nicht so
ausserordentlich schwierig und nicht auch wir gezwungen, einen grossen
Abbau in unserem Personal vorzunehmen, dann hätten wir ja alles daran
gesetzt, um für Ihren Sohn
Georg eine feste Beschäftigung im Rahmen
unseres Unternehmens zu finden. So aber ist augenblicklich nicht daran zu
denken. Das, was ich hoffe ist, dass, wenn er die Korrekturen von Hirsch
erhält und diese pro Seite bezahlt werden, wir vielleicht imstande sein werden, ihm noch einige Korrekturarbeiten zu überlassen.
Ich erwarte jedenfalls Ihre freundliche Rückäusserung und verbleibe mit den ergebensten Grüssen, auch
an Ihre verehrte Frau,
20. September 1929
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 20. September 1929, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.17347.