D/M.
Herrn
BERLIN-CHARLOTTENBURG 2,
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Ich war in der ersten Woche nach meiner Rückkehr
aus Berlin so mit Arbeit überhäuft, dass ich Ihnen gar nicht
schreiben konnte. Nun will ich aber, bevor ich wieder auf Rei-
sen gehe, Ihnen einiges berichten.
Aus Amerika kam ein Telegramm, dass Stock,
Chicago, die Bedingungen für die „GURRELIEDER“ verlangt. Ich
habe ausführlich zurückgeschrieben, dass ich über die „Gurre-
lieder
“ für Amerika zunächst nur dann verfügen möchte, wenn da-
mit eine Reise resp. Tournee für Sie in Betracht käme. Viel-
leicht wird in Chicago das, was in New York misslungen1 ist,
leichter gehen und wir wollen ja sehen, was Stock über die
Sache meldet. Eine andere Sache, die Sie interessieren dürfte,
betrifft die „Glückliche Hand“. Bruno Walter wäre nicht
abgeneigt, das Werk in Berlin herauszubringen. Der Plan steckt
noch in den ersten Ansätzen. Haben Sie die Möglichkeit, sich
mit Walter persönlich über die Sache zu unterhalten?
Und nun muss ich Ihnen eine mir nicht angenehme Mit-
teilung machen. Der Humor unseres Anbruch-Redaktions-Komitees,
der, wie ich Ihnen schon persönlich mitgeteilt habe, so spärlich

war, dass ich wenig Hoffnung hatte, das diesjährige Abbruch-
Heft
2 herauszubekommen, ist vollständig versiegt und hat die
Humorlosigkeit einen Grad erreicht, der zu dem Entschluss
führte, trotz Ihrer (den anderen nicht bekannten) ausgezeichneten Beiträge den diesjährigen
Abbruch überhaupt fallen zu lassen. Ich musste meinen Mit-
arbeitern immerhin recht geben, dass man weder von ihnen noch
von den Lesern jetzt jene Faschingsstimmung verlangen dürfte, die für
den Erfolg des Abbruches unerlässlich ist. Wir wollen also,
um nicht die Idee des Abbruchs zu diskreditieren, lieber bis
zum nächsten Fasching warten und hoffen, dass dann allen Be-
teiligten das Richtige einfällt. Ich glaube, dass einige Ihrer
glänzenden, mir mitgegebenen Beiträge bis dahin ihre Aktualität
nicht verloren haben werden und wenn Sie mir gestatten würden,
dass ich das Manuskript inzwischen wohl verwahrt hier behalte,
würde ich das gerne tun. Anderenfalls stelle ich es Ihnen selbst-
verständlich wieder zurück. Es ist nicht unmöglich, dass ich auf
der Durchreise zwischen Bremen und Breslau innerhalb der
nächsten 8–10 Tage nach Berlin komme und ich lasse gleichzeitig
bei Ihrer Frau Schwiegermutter wegen des Präparates, das Sie in
Berlin nicht bekommen, anfragen und hoffe, es Ihnen mitbringen
zu können.
Ich denke noch mit Vergnügen an die Stunden, die ich
mit Ihnen und Ihrer lieben Frau verbringen durfte und verbleibe
mit vielen herzlichen Grüssen an Sie Beide
Ihr, in Verehrung ergebener
Emil Hertzka

D/M.
Herrn
BERLIN-CHARLOTTENBURG 2,
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Ich war in der ersten Woche nach meiner Rückkehr aus Berlin so mit Arbeit überhäuft, dass ich Ihnen gar nicht schreiben konnte. Nun will ich aber, bevor ich wieder auf Reisen gehe, Ihnen einiges berichten.
Aus Amerika kam ein Telegramm, dass Stock, Chicago, die Bedingungen für die „GURRELIEDER“ verlangt. Ich habe ausführlich zurückgeschrieben, dass ich über die „Gurrelieder“ für Amerika zunächst nur dann verfügen möchte, wenn damit eine Reise resp. Tournee für Sie in Betracht käme. Vielleicht wird in Chicago das, was in New York misslungen1 ist, leichter gehen und wir wollen ja sehen, was Stock über die Sache meldet. Eine andere Sache, die Sie interessieren dürfte, betrifft die „Glückliche Hand“. Bruno Walter wäre nicht abgeneigt, das Werk in Berlin herauszubringen. Der Plan steckt noch in den ersten Ansätzen. Haben Sie die Möglichkeit, sich mit Walter persönlich über die Sache zu unterhalten?
Und nun muss ich Ihnen eine mir nicht angenehme Mitteilung machen. Der Humor unseres Anbruch-Redaktions-Komitees,der, wie ich Ihnen schon persönlich mitgeteilt habe, so spärlich war, dass ich wenig Hoffnung hatte, das diesjährige Abbruch-Heft2 herauszubekommen, ist vollständig versiegt und hat die Humorlosigkeit einen Grad erreicht, der zu dem Entschluss führte, trotz Ihrer (den anderen nicht bekannten) ausgezeichneten Beiträge den diesjährigen Abbruch überhaupt fallen zu lassen. Ich musste meinen Mitarbeitern immerhin recht geben, dass man weder von ihnen noch von den Lesern jetzt jene Faschingsstimmung verlangen dürfte, die für den Erfolg des Abbruches unerlässlich ist. Wir wollen also, um nicht die Idee des Abbruchs zu diskreditieren, lieber bis zum nächsten Fasching warten und hoffen, dass dann allen Beteiligten das Richtige einfällt. Ich glaube, dass einige Ihrer glänzenden, mir mitgegebenen Beiträge bis dahin ihre Aktualität nicht verloren haben werden und wenn Sie mir gestatten würden, dass ich das Manuskript inzwischen wohl verwahrt hier behalte, würde ich das gerne tun. Anderenfalls stelle ich es Ihnen selbstverständlich wieder zurück. Es ist nicht unmöglich, dass ich auf der Durchreise zwischen Bremen und Breslau innerhalb der nächsten 8–10 Tage nach Berlin komme und ich lasse gleichzeitig bei Ihrer Frau Schwiegermutter wegen des Präparates, das Sie in Berlin nicht bekommen, anfragen und hoffe, es Ihnen mitbringen zu können.
Ich denke noch mit Vergnügen an die Stunden, die ich mit Ihnen und Ihrer lieben Frau verbringen durfte und verbleibe mit vielen herzlichen Grüssen an Sie Beide
Ihr, in Verehrung ergebener
Emil Hertzka

17. April 1926


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 17. April 1926, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.17657.

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