D/Ma.
Herrn
Roquebrune-Cap Martin
Sehr verehrter, lieber Meister Schönberg!
Mit grösstem Interesse ersehe ich aus Ihrem so-
eben eingelangten geschätzten Schreiben vom 15. ds., dass Sie die
Absicht haben, eine einaktige komische Oper auf Grund eines Ihnen
zur Verfügung gestellten Opernbuches zu komponieren, und dass
Sie es für möglich halten, mit dem Werk bis Ende Februar fertig
zu werden.
Welches immer auch die Gründe wären, die Ihnen
Veranlassung geben, uns das Werk zu übergeben, jedenfalls ist
mir jeder Grund willkommen, denn ich würde mich selbstverständ-
lich sehr freuen, eine komische Oper von Ihnen in Verlag zu
nehmen. Gerade auf dem Gebiete des Bühnenvertriebes steht die
Universal Edition heute international an erster Stelle und kann
alle Möglichkeiten, die ein solches Werk bietet, weitaus besser
ausnützen als irgend ein anderer Verlag der Welt. – Sehr, sehr
schwer, ja beinahe unmöglich erscheint es mir, Ihnen auf Ihre
Mitteilung hin schriftlich „einen Antrag“ zu stellen. Ich glaube
aber, dass das auch deswegen nicht unerlässlich notwendig ist,
weil ich Sonntag, den 2. Dezember (zur Variationen Uraufführung1)
in Berlin sein werde, dort wahrscheinlich den grössten Teil der

Woche zwischen dem 2. und 8. verbleibe (am 7. ist die Uraufführung2
SCHREKERDer singende Teufel“), so dass wir Gelegenheit hätten,
über diese Angelegenheit ausführlich persönlich zu sprechen und
hoffentlich auch zu einer Verständigung zu gelangen.
Nachdem Sie ja, wie Sie selbst schreiben, nun doch
nach Berlin müssen (ich vermute, dass das in den allernächsten
Tagen der Fall sein wird), sich also wohl in den nächsten 10 bis
12 Tagen mit der Komposition schon mit Hinblick darauf, dass Sie
noch einige Aenderungen vom Autor verlangt haben, nicht befassen
können, glaube ich, dass die kleine Hinausschiebung in der Ver-
ständigung auch Ihren Wünschen entsprechen dürfte. Wir haben ja
in der beinahe 2 Dezenien währenden Verbindung so schwierige und
komplizierte Vertragsangelegenheiten mündlich schliesslich doch
zum Abschluss bringen können, sodass ich, da von meiner Seite
ebenfalls der beste Wille vorhanden ist, hoffe, dass wir uns
mündlich werden einigen können.
Indem ich Sie um gütige Mitteilung darüber bitte, ob
Sie in Berlin unter Ihrer früheren Adresse und Telephonnummer
erreichbar sein werden, begrüsse ich Sie und Ihre verehrte Frau,
mich auf ein baldiges Wiedersehen freuend, als
Ihr, in warmer Verehrung ergebener

D/Ma.
Herrn
Roquebrune-Cap Martin
Sehr verehrter, lieber Meister Schönberg!
Mit grösstem Interesse ersehe ich aus Ihrem soeben eingelangten geschätzten Schreiben vom 15. ds., dass Sie die Absicht haben, eine einaktige komische Oper auf Grund eines Ihnen zur Verfügung gestellten Opernbuches zu komponieren, und dass Sie es für möglich halten, mit dem Werk bis Ende Februar fertig zu werden.
Welches immer auch die Gründe wären, die Ihnen Veranlassung geben, uns das Werk zu übergeben, jedenfalls ist mir jeder Grund willkommen, denn ich würde mich selbstverständlich sehr freuen, eine komische Oper von Ihnen in Verlag zu nehmen. Gerade auf dem Gebiete des Bühnenvertriebes steht die Universal Edition heute international an erster Stelle und kann alle Möglichkeiten, die ein solches Werk bietet, weitaus besser ausnützen als irgend ein anderer Verlag der Welt. – Sehr, sehr schwer, ja beinahe unmöglich erscheint es mir, Ihnen auf Ihre Mitteilung hin schriftlich „einen Antrag“ zu stellen. Ich glaube aber, dass das auch deswegen nicht unerlässlich notwendig ist, weil ich Sonntag, den 2. Dezember (zur Variationen Uraufführung1) in Berlin sein werde, dort wahrscheinlich den grössten Teil der Woche zwischen dem 2. und 8. verbleibe (am 7. ist die Uraufführung2 SCHREKERDer singende Teufel“), so dass wir Gelegenheit hätten, über diese Angelegenheit ausführlich persönlich zu sprechen und hoffentlich auch zu einer Verständigung zu gelangen.
Nachdem Sie ja, wie Sie selbst schreiben, nun doch nach Berlin müssen (ich vermute, dass das in den allernächsten Tagen der Fall sein wird), sich also wohl in den nächsten 10 bis 12 Tagen mit der Komposition schon mit Hinblick darauf, dass Sie noch einige Aenderungen vom Autor verlangt haben, nicht befassen können, glaube ich, dass die kleine Hinausschiebung in der Verständigung auch Ihren Wünschen entsprechen dürfte. Wir haben ja in der beinahe 2 Dezenien währenden Verbindung so schwierige und komplizierte Vertragsangelegenheiten mündlich schliesslich doch zum Abschluss bringen können, sodass ich, da von meiner Seite ebenfalls der beste Wille vorhanden ist, hoffe, dass wir uns mündlich werden einigen können.
Indem ich Sie um gütige Mitteilung darüber bitte, ob Sie in Berlin unter Ihrer früheren Adresse und Telephonnummer erreichbar sein werden, begrüsse ich Sie und Ihre verehrte Frau, mich auf ein baldiges Wiedersehen freuend, als
Ihr, in warmer Verehrung ergebener
Emil Hertzka

19. November 1928


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 19. November 1928, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.17788.

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