Dr. K./Wi.
Wien, 9. Juni 1934.
Herrn
Sehr verehrter Herr Schönberg!
Mit den in Ihrem letzten Brief gestellten Fragen haben wir
uns sehr intensiv beschäftigt und möchten zunächst zu Ihrer zwei-
ten Frage, zu welchem Preis die Universal-Edition alle Ihre Werke
in allen Ländern und Kontinenten abtreten würde, behandeln.
Wir haben niemals daran gedacht, uns von dem Gesamtwerk
Schönberg, für welches wir jahrelang mit Freude und Eifer gear-
beitet und gekämpft haben, zu trennen und wenn dies dennoch der
Fall sein sollte, so könnte dies nur unter dem in der heutigen
allgemeinen Weltwirtschaftslage immerhin verständlichen Gesichts-
punkt aus geschehen, dass für einen hohen Preis auch wertvolle
Objekte hergegeben werden. Ueber die Höhe des Preises selbst ver-
mögen wir leider ein Angebot nicht zu stellen, sondern möchten
Sie sehr bitten, dass Sie den betreffenden Interessenten veranlas-
sen, uns ein Anbot zu stellen, zumal Sie ja selbst eine persönliche
Schätzung des Wertes der Verlagsrechte, Vorräte und Platten Ihres
in der Universal-Edition vereinigten Schaffens gewiss in eine Ziffer
zusammenzufassen in der Lage sein werden. Es ist dabei zu bedenken,
dass auch die Ausnützung der Rechte während der ganzen gesetzlichen
Dauer der urheberrechtlichen Schutzfrist in Betracht gezogen werden
muss.
Eine Abtretung aller Verlagsrechte, Platten und Vorräte für
U.S.A.
allein würden wir für einen Pauschalbetrag von $ 50.000.–
vornehmen. Hiebei ist zu berücksichtigen, dass die das gesamte
Objekt, wenn die wichtigen amerikanischen Rechte für uns wegfallen,
wesentlich mehr entwertet ist, als dem normalen Absatzverhältnis
zwischen U.S.A. und der übrigen Welt entspricht.
Die ganze Sache ist, wie Sie begreifen werden, für uns eine
sehr schwierige und wir treten ihr nur mit grossem inneren Wider-
streben näher. Wenn unser heutiger Brief ein pr in diesem grossen
und komplizierten Komplex nur diese knappen Angaben beinhaltet, so
deshalb, weil wir zunächst eine prinzipielle Rückäusserung erbitten,
worauf dann alle Detailfragen in mit der entsprechenden Ausführlich-
keit zu behandeln sein werden.
Mit besten Empfehlungen ergebenst

Dr. K./Wi.
Wien, 9. Juni 1934.
Sehr verehrter Herr Schönberg!
Mit den in Ihrem letzten Brief gestellten Fragen haben wir uns sehr intensiv beschäftigt und möchten zunächst Ihre zweite Frage, zu welchem Preis die Universal-Edition alle Ihre Werke in allen Ländern und Kontinenten abtreten würde, behandeln.
Wir haben niemals daran gedacht, uns von dem Gesamtwerk Schönberg, für welches wir jahrelang mit Freude und Eifer gearbeitet und gekämpft haben, zu trennen und wenn dies dennoch der Fall sein sollte, so könnte dies nur unter dem in der heutigen allgemeinen Weltwirtschaftslage immerhin verständlichen Gesichtspunkt aus geschehen, dass für einen hohen Preis auch wertvolle Objekte hergegeben werden. Ueber die Höhe des Preises selbst vermögen wir leider ein Angebot nicht zu stellen, sondern möchten Sie sehr bitten, dass Sie den betreffenden Interessenten veranlassen, uns ein Anbot zu stellen, zumal Sie ja selbst eine persönliche Schätzung des Wertes der Verlagsrechte, Vorräte und Platten Ihres in der Universal-Edition vereinigten Schaffens gewiss in eine Ziffer zusammenzufassen in der Lage sein werden. Es ist dabei zu bedenken, dass auch die Ausnützung der Rechte während der ganzen gesetzlichen Dauer der urheberrechtlichen Schutzfrist in Betracht gezogen werden muss.
Eine Abtretung aller Verlagsrechte, Platten und Vorräte für U.S.A. allein würden wir für einen Pauschalbetrag von $ 50.000.– vornehmen. Hiebei ist zu berücksichtigen, dass das gesamte Objekt, wenn die wichtigen amerikanischen Rechte für uns wegfallen, wesentlich mehr entwertet ist, als dem normalen Absatzverhältnis zwischen U.S.A. und der übrigen Welt entspricht.
Die ganze Sache ist, wie Sie begreifen werden, für uns eine sehr schwierige und wir treten ihr nur mit grossem inneren Widerstreben näher. Wenn unser heutiger Brief in diesem grossen und komplizierten Komplex nur diese knappen Angaben beinhaltet, so deshalb, weil wir zunächst eine prinzipielle Rückäusserung erbitten, worauf dann alle Detailfragen mit der entsprechenden Ausführlichkeit zu behandeln sein werden.
Mit besten Empfehlungen ergebenst

Dr Kalmus

9. Juni 1934


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Nachlass Arnold Schönberg


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 9. Juni 1934, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.20233.

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