K/L
Herrn
Sehr verehrter Herr Schönberg!
Ihr Telegramm und Brief vom 11. ds. M. ist buchstäblich und
inhaltlich an eine unrichtige Adresse gerichtet.
Ich kann es nicht verhindern, dass Sie offenbar jeden Verleger
und damit auch meine Person als minderwertiges Subjekt ansehen, ich bin
aber trotzdem auf meinen Beruf und dessen ideale Ziele stolz und keines-
wegs verpflichtet, auf so weinig höfliche Zuschriften einzugehen. Ich wer-
de daher weitere derartige Mitteilungen unerledigt lassen.
Ich erlaube mir darauf aufmerksam zu machen, dass mein Verlag
mit Ihnen in keinerlei Vertragsverhältnis steht und daher keine Erlaub-
nis und kein Verbot meinen Verlag betreffen kann, ebenso wie Sie gegen
mich mit keinem „Mittel“ einschreiten können. Das Mittel welches Sie
„gegen“ mich schützt, ist der Respekt, welchen ich vor einem Kunst-
werk habe und aus diesem Grunde wurde die Anordnung und Revision des
Stiches der Kammersymphonie Ihrem Vertrauensmann, Kapellmeister Erwin
Stein
, übergeben. Ich möchte Sie daher ersuchen sich bei genanntem
Herrn zuerst zu informieren, bevor Sie mir derartige Telegramme und
Briefe zusenden.
In unveränderter Hochschätzung

K/L
Sehr verehrter Herr Schönberg!
Ihr Telegramm und Brief vom 11. ds. M. ist buchstäblich und inhaltlich an eine unrichtige Adresse gerichtet.
Ich kann es nicht verhindern, dass Sie offenbar jeden Verleger und damit auch meine Person als minderwertiges Subjekt ansehen, ich bin aber trotzdem auf meinen Beruf und dessen ideale Ziele stolz und keineswegs verpflichtet, auf so wenig höfliche Zuschriften einzugehen. Ich werde daher weitere derartige Mitteilungen unerledigt lassen.
Ich erlaube mir darauf aufmerksam zu machen, dass mein Verlag mit Ihnen in keinerlei Vertragsverhältnis steht und daher keine Erlaubnis und kein Verbot meinen Verlag betreffen kann, ebenso wie Sie gegen mich mit keinem „Mittel“ einschreiten können. Das Mittel welches Sie „gegen“ mich schützt, ist der Respekt, welchen ich vor einem Kunstwerk habe und aus diesem Grunde wurde die Anordnung und Revision des Stiches der Kammersymphonie Ihrem Vertrauensmann, Kapellmeister Erwin Stein, übergeben. Ich möchte Sie daher ersuchen sich bei genanntem Herrn zuerst zu informieren, bevor Sie mir derartige Telegramme und Briefe zusenden.
In unveränderter Hochschätzung Dr Alfred Kalmus

14. September 1923


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Wiener Philharmonischer Verlag an Arnold Schönberg, 14. September 1923, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.22086.

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