Arnold Schönberg an Universal-Edition
28. Oktober 1934
Lieber Herr Dr. Kalmus,
Vorerst meinen Dank für die gesendeten
Drucksachen, von denen allerdings die Zeitungsausschnitte
bisher nicht eingetroffen sind.
Drucksachen, von denen allerdings die Zeitungsausschnitte
bisher nicht eingetroffen sind.
Heute drei andere Angelegenheiten.
1. Ich habe Ihnen gelegentlich unserer neu-
esten Abmachung versprochen, mich eventuell der Oest. Aut.
Ges. anzuschliessen, falls ich bei der GDT austrete. Diese
Frage wird nun akut und ich stehe vor der Wahl, ob ich
der amerikanischen, der englischen oder tschechoslovaki-
schen (ich bin tsch. slov. Staatsbürger) beitreten soll und
Sie werden begreifen, dass ich diejenige vorziehen muss, die
mir die grössten Vorteile bietet. Selbstverständlich ziehe
ich auch die Autoren Gesellschaft in Betracht, aber nur,
wenn diese bei dem Angebot dass sie mir zu machen hätte,
zugrundelegt: 1. dass ich zuletzt in Berlin bereits M 4000
erhielt, in welchen aber trotz meiner Proteste, zahlreiche
mir bekannte Aufführungen nicht verrechnet waren. 2. Dass
trotz des Entfalls meiner deutschen Aufführungen, meine
Aufführungszahl zunimmt. 3. Dass die Aut. Ges. mehr als zehn
Jahre zwar für mich einkassiert, mir aber nichts ausgezahlt
hat. 4. weiss ich wohl, dass die Aut. Ges. die meisten ihrer
Mitglieder viel höher schätzt als mich, würde es aber nicht
für ungerecht finden, wenn sie davon Kenntnis nehmen woll-
te, dass das Ausland umgekehrter Meinung ist, so dass so-
gar Gesellschaften in die ich eigentlich nicht hineinge-
höre, mich ehrenhalber aufnehmen wollen (und bezahlen!!!).
5. müsste mir zugesagt werden, dass die Klasse, resp. die Sum-
me, die mir zugestanden wird, als Mindestsumme für die Dauer
des Verwaltungsbetrages angesehen wird.
esten Abmachung versprochen, mich eventuell der Oest. Aut.
Ges. anzuschliessen, falls ich bei der GDT austrete. Diese
Frage wird nun akut und ich stehe vor der Wahl, ob ich
der amerikanischen, der englischen oder tschechoslovaki-
schen (ich bin tsch. slov. Staatsbürger) beitreten soll und
Sie werden begreifen, dass ich diejenige vorziehen muss, die
mir die grössten Vorteile bietet. Selbstverständlich ziehe
ich auch die Autoren Gesellschaft in Betracht, aber nur,
wenn diese bei dem Angebot dass sie mir zu machen hätte,
zugrundelegt: 1. dass ich zuletzt in Berlin bereits M 4000
erhielt, in welchen aber trotz meiner Proteste, zahlreiche
mir bekannte Aufführungen nicht verrechnet waren. 2. Dass
trotz des Entfalls meiner deutschen Aufführungen, meine
Aufführungszahl zunimmt. 3. Dass die Aut. Ges. mehr als zehn
Jahre zwar für mich einkassiert, mir aber nichts ausgezahlt
hat. 4. weiss ich wohl, dass die Aut. Ges. die meisten ihrer
Mitglieder viel höher schätzt als mich, würde es aber nicht
für ungerecht finden, wenn sie davon Kenntnis nehmen woll-
te, dass das Ausland umgekehrter Meinung ist, so dass so-
gar Gesellschaften in die ich eigentlich nicht hineinge-
höre, mich ehrenhalber aufnehmen wollen (und bezahlen!!!).
5. müsste mir zugesagt werden, dass die Klasse, resp. die Sum-
me, die mir zugestanden wird, als Mindestsumme für die Dauer
des Verwaltungsbetrages angesehen wird.
Ich rechne sehr auf Ihre Unterstützung
in dieser Angelegenheit, umsomehr, als ja die UE wirklich
ein Interesse daran hat, mich auf diese Art zufrieden zu
stellen, wo doch heute so unglaublich geringe Anteile in
ihren Abrechnungen ausgewiesen werden.
in dieser Angelegenheit, umsomehr, als ja die UE wirklich
ein Interesse daran hat, mich auf diese Art zufrieden zu
stellen, wo doch heute so unglaublich geringe Anteile in
ihren Abrechnungen ausgewiesen werden.
2. Durch Verschulden der UE und ohne mein Wissen
sind eini-
ge meiner Hauptwerke und eben diejenigen, welche jetzt
reif sind, Erträgnisse zu liefern, nicht copyrightet. Wenn
ich Ihnen jetzt einen Vorschlag mache, der diesen Schaden
teilweise vermeiden hilft, so tue ich das unter Vorbehalt
aller sich aus Ihrer Schuld entstandenen Ansprüche. Ich bin
bereit von der Verklärten Nacht, den Gurreliedern und der
Kammersymphonie neue Partituren, Neubearbeitungen, herzustel-
len, welche dann zum Copyright angemeldet werden können und
nicht bloss in Amerika, sondern auch in Europa weiter an Stel-
le der Erstausgaben
ge meiner Hauptwerke und eben diejenigen, welche jetzt
reif sind, Erträgnisse zu liefern, nicht copyrightet. Wenn
ich Ihnen jetzt einen Vorschlag mache, der diesen Schaden
teilweise vermeiden hilft, so tue ich das unter Vorbehalt
aller sich aus Ihrer Schuld entstandenen Ansprüche. Ich bin
bereit von der Verklärten Nacht, den Gurreliedern und der
Kammersymphonie neue Partituren, Neubearbeitungen, herzustel-
len, welche dann zum Copyright angemeldet werden können und
nicht bloss in Amerika, sondern auch in Europa weiter an Stel-
le der Erstausgaben
verwendet werden
sollen. Diese Bearbeitungen würden die
Aufführungsschwierigkeiten (auf Grund meiner Erfahrungen)
auf einen Bruchteil reduzieren, sodass endlich die Gurrelie-
der wirklich in kleineren Städten, mit schwächeren Chören
und mit einem Wort „soweit die vorhandenen Kräfte reichen“
gegeben werden könnten und die Kammersymphonie endlich
ihren Platz im Konzertleben einnehmen könnte. Ich habe da-
für eine Menge neuer Ideen; praktische! Ich hätte damit un-
gefähr sechs Monate zu tun und müsste dafür entschädigt
werden, würde aber die neuen Partituren, voraussichtlich
auf Transparentpapier schreiben, sodass die Druckkosten we-
sentlich geringer würden. Ich empfehle Ihnen die Sache
mit einem amerikanischen Verleger gemeinschaftlich zu ma-
chen. In erster Linie mit Schirmer, bei dem ich jetzt einiges
verlege1. Bitte schreiben Sie mir Ihre Meinung hierüber um-
gehend, denn diese Sache muss unbedingt repariert werden –
und wenn ich es selbst tun müsste!
Aufführungsschwierigkeiten (auf Grund meiner Erfahrungen)
auf einen Bruchteil reduzieren, sodass endlich die Gurrelie-
der wirklich in kleineren Städten, mit schwächeren Chören
und mit einem Wort „soweit die vorhandenen Kräfte reichen“
gegeben werden könnten und die Kammersymphonie endlich
ihren Platz im Konzertleben einnehmen könnte. Ich habe da-
für eine Menge neuer Ideen; praktische! Ich hätte damit un-
gefähr sechs Monate zu tun und müsste dafür entschädigt
werden, würde aber die neuen Partituren, voraussichtlich
auf Transparentpapier schreiben, sodass die Druckkosten we-
sentlich geringer würden. Ich empfehle Ihnen die Sache
mit einem amerikanischen Verleger gemeinschaftlich zu ma-
chen. In erster Linie mit Schirmer, bei dem ich jetzt einiges
verlege1. Bitte schreiben Sie mir Ihre Meinung hierüber um-
gehend, denn diese Sache muss unbedingt repariert werden –
und wenn ich es selbst tun müsste!
3. Eine ganz andere [G]eschichte, worin ich Sie
um eine grosse Gefälligkeit bitten muss. Nämlich mein Sohn,
den man nach Paris gebracht hat, als es anfangs Arbeit für
ihn gab, kann keinesfalls länger in Paris bleiben. Ich bin
nicht in der Lage, ihm mehr als $ 50 monatlich zu geben und
kann nicht garantieren, dass ich es ihm weiterhin zu geben
imstande sein werde. Und das genügt nicht, um in Paris davon
mit Frau und Kind sich einigermassen durchzuschlagen. Und so
muss ich mich entschliessen, ihn hieher zu bringen, wo man
mir von vielen Seiten Arbeit für ihn versprochen hat. Nun
sind hiebei einige grosse Schwerigkeiten und ich wende mich
an Sie, weil Sie Amerika kennen und wissen worum es sich
handelt und wo man sich erkundigen kann.
um eine grosse Gefälligkeit bitten muss. Nämlich mein Sohn,
den man nach Paris gebracht hat, als es anfangs Arbeit für
ihn gab, kann keinesfalls länger in Paris bleiben. Ich bin
nicht in der Lage, ihm mehr als $ 50 monatlich zu geben und
kann nicht garantieren, dass ich es ihm weiterhin zu geben
imstande sein werde. Und das genügt nicht, um in Paris davon
mit Frau und Kind sich einigermassen durchzuschlagen. Und so
muss ich mich entschliessen, ihn hieher zu bringen, wo man
mir von vielen Seiten Arbeit für ihn versprochen hat. Nun
sind hiebei einige grosse Schwerigkeiten und ich wende mich
an Sie, weil Sie Amerika kennen und wissen worum es sich
handelt und wo man sich erkundigen kann.
Die erste Schwierigkeit ist die Reisekostenfrage. Passagier-
dampfer nach NEW York kommt nicht in Frage. Ich glaube, die
einzige Möglichkeit ist ein Frachtdampfer nach San Fran-
cisco oder Los Angeles. Denn es ist für 2 1/2 Personen
Fahrt und Verpflegung zu bezahlen. Görgi hat von mir den
Auftrag2, sich in Paris zu erkundigen. Aber ich glaube, am bil-
ligsten müsste es doch auf einem italienischen kleineren
Frachtdampfer sein. Und das ist das erste, was ich Sie bitte
zu erfahren: ob inetwa Mitte November ein solches Boot abgeht
und was es für diese 2 1/2 Personen kosten würde.
dampfer nach NEW York kommt nicht in Frage. Ich glaube, die
einzige Möglichkeit ist ein Frachtdampfer nach San Fran-
cisco oder Los Angeles. Denn es ist für 2 1/2 Personen
Fahrt und Verpflegung zu bezahlen. Görgi hat von mir den
Auftrag2, sich in Paris zu erkundigen. Aber ich glaube, am bil-
ligsten müsste es doch auf einem italienischen kleineren
Frachtdampfer sein. Und das ist das erste, was ich Sie bitte
zu erfahren: ob inetwa Mitte November ein solches Boot abgeht
und was es für diese 2 1/2 Personen kosten würde.
Die zweite Schwierigkeit ist die Frage, ob ein Immigrations-
Visum beim amerikanischen Konsulat in Wien für ihn, als in
Wien geborenen (wenn auch nach Deutschland zuständigen) aus
Deutschland emigrierten und seine in Oesterreich gebo-
renen Angehörigen zu bekommen ist und was es kostet. *
Visum beim amerikanischen Konsulat in Wien für ihn, als in
Wien geborenen (wenn auch nach Deutschland zuständigen) aus
Deutschland emigrierten und seine in Oesterreich gebo-
renen Angehörigen zu bekommen ist und was es kostet. *
Die dritte Frage ist: ob Sie die (d. h. die UE) diese Beträge
mir auf meine nächste Abrechnung oder wenigstens für eini-
ge Monate vorstrecken wollen
mir auf meine nächste Abrechnung oder wenigstens für eini-
ge Monate vorstrecken wollen
Viertens aber würde ich Sie bitten, falls Sie das alles
im
günstigen Sinn erledigen können, dem Görgi:
günstigen Sinn erledigen können, dem Görgi:
einen Luftpostbrief zu schreiben und ihm mitzuteilen, dass
und was er zu tun hat, um hieher zu kommen und
und was er zu tun hat, um hieher zu kommen und
viertens müsste ich Sie dann auch bitten ihm einen auch
für eventuelle Schulden ausreichenden Reisevorschuss so-
wohl nach Paris zu senden, als eventuell auch, damit er sich
in Wien etwas zum Anziehn kaufen kann.
für eventuelle Schulden ausreichenden Reisevorschuss so-
wohl nach Paris zu senden, als eventuell auch, damit er sich
in Wien etwas zum Anziehn kaufen kann.
Notfalls kann er auch als temporary visitor kommen. Aber
dann ist es sehr schwer für ihn die Arbeitserlaubnis zu
bekommen und da ich dann allein die Garantie für seinen
Lebensunterhalt zu übernehmen hätte, so wäre das sehr un-
günstig.
* Zu Punkt zwei
ist noch hinzuzufügen (da er einen geforder-
ten Dollarbetrag irgend einer Höhe ja keinesfalls nach-
weisen könnte), dass ich ihn als meinen persönlichen Kopi-
sten und Sekretär beschäftigen werde (ich bin Lecturer and
Teacher, Professor of Music) und für seinen Lebensunter-
halt garantiere.
ten Dollarbetrag irgend einer Höhe ja keinesfalls nach-
weisen könnte), dass ich ihn als meinen persönlichen Kopi-
sten und Sekretär beschäftigen werde (ich bin Lecturer and
Teacher, Professor of Music) und für seinen Lebensunter-
halt garantiere.
Fünftens würde ich Sie bitten, mir nach Abschluss Ihrer
Ermittlungen auf meine Kosten ein Nightlettertelegram
von 20–40 Worten über das Ergebnis in Schlagworten zu
senden, und womöglich die Abreise so zu senden, dass noch
4–5 Tage Spielraum bleiben, so dass ich noch eine andere
Verfügung treffen kann. Falls nämlich der unwahrschein-
liche Fall eintritt, dass das Pr. Kultusministerium zu
einem Abfindungsvorschlag zustimmt, den ich ihm heute mache.
Ermittlungen auf meine Kosten ein Nightlettertelegram
von 20–40 Worten über das Ergebnis in Schlagworten zu
senden, und womöglich die Abreise so zu senden, dass noch
4–5 Tage Spielraum bleiben, so dass ich noch eine andere
Verfügung treffen kann. Falls nämlich der unwahrschein-
liche Fall eintritt, dass das Pr. Kultusministerium zu
einem Abfindungsvorschlag zustimmt, den ich ihm heute mache.
Ich glaube nun alles klar gesagt zu haben und bitte Sie
in Anbetracht der Dringlichkeit um grösste Beschleunigung.
in Anbetracht der Dringlichkeit um grösste Beschleunigung.
Mit vielem herzlichen Dank und den allerbesten Grüssen
bin ich Ihr
bin ich Ihr
verlege
Schönberg befand sich in
Verhandlungen mit G. Schirmer, Inc. über
Inverlagnahme von Matthias Georg Monn/Arnold
Schönberg, Konzert für Violoncello und Orchester D-Dur und
Georg Friedrich Händel/Arnold Schönberg, Concerto Grosso op. 6 Nr. 7 mit
der Absicht, einen Vorschuss zu generieren, um „diesen Winter zu
meiner Erholung und um einiges fertig zu bringen, in einer warmen Gegend
verbringen und nur gelegentliche Schüler oder Konzerte etc
annehmen“ zu müssen (Arnold Schönberg an G. Schirmer, Inc., 18. Oktober
1934; ASCC 2472; Arnold Schönberg an G. Schirmer, Inc., 20. August
1934; ASCC 2743).
Auftrag
Arnold Schönberg an Georg
Schönberg, 28. Oktober 1934 (ASCC
2475).
28.October 1934
Lieber Herr Dr. Kalmus,
Vorerst meinen Dank für die gesendeten Drucksachen, von denen allerdings die
Zeitungsausschnitte bisher
nicht eingetroffen sind.
Heute drei andere Angelegenheiten.
1. Ich habe Ihnen gelegentlich unserer neuesten Abmachung versprochen, mich eventuell
der Oest. Aut. Ges. anzuschliessen, falls
ich bei der GDT austrete. Diese Frage wird
nun akut und ich stehe vor der Wahl, ob ich der amerikanischen, der englischen oder
tschechoslovakischen (ich bin tsch. slov. Staatsbürger) beitreten soll
und Sie werden begreifen, dass ich diejenige vorziehen muss, die mir
die grössten Vorteile bietet. Selbstverständlich ziehe ich auch die
Autoren Gesellschaft in Betracht, aber nur,
wenn diese bei dem Angebot dass sie mir zu machen hätte, zugrundelegt:
1. dass ich zuletzt in Berlin bereits M
4000 erhielt, in welchen aber trotz meiner Proteste, zahlreiche mir
bekannte Aufführungen nicht verrechnet waren. 2. Dass trotz des Entfalls
meiner deutschen Aufführungen, meine
Aufführungszahl zunimmt. 3. Dass die Aut.
Ges. mehr als zehn
Jahre zwar für mich einkassiert, mir aber nichts ausgezahlt hat. 4.
weiss ich wohl, dass die Aut. Ges. die meisten
ihrer Mitglieder viel höher schätzt als mich, würde es aber nicht für
ungerecht finden, wenn sie davon Kenntnis nehmen wollte, dass das Ausland umgekehrter Meinung ist, so dass sogar Gesellschaften in die ich eigentlich
nicht hineingehöre, mich ehrenhalber
aufnehmen wollen (und bezahlen!!!). 5. müsste mir zugesagt werden, dass die
Klasse, resp. die Summe, die mir
zugestanden wird, als Mindestsumme für die Dauer des Verwaltungsbetrages
angesehen wird.
Ich rechne sehr auf Ihre Unterstützung in dieser Angelegenheit, umsomehr,
als ja die UE wirklich ein Interesse daran
hat, mich auf diese Art zufrieden zu stellen, wo doch heute so unglaublich
geringe Anteile in ihren Abrechnungen ausgewiesen werden.
2. Durch Verschulden der UE und ohne mein Wissen
sind einige meiner Hauptwerke und eben diejenigen, welche jetzt reif
sind, Erträgnisse zu liefern, nicht copyrightet. Wenn ich Ihnen jetzt einen
Vorschlag mache, der diesen Schaden teilweise vermeiden hilft, so tue ich
das unter Vorbehalt aller sich aus Ihrer Schuld entstandenen Ansprüche. Ich
bin bereit von der Verklärten Nacht, den
Gurreliedern und der
Kammersymphonie neue Partituren, Neubearbeitungen,
herzustellen, welche dann zum Copyright angemeldet werden können und
nicht bloss in Amerika, sondern auch
in Europa weiter an Stelle der Erstausgaben verwendet werden
sollen. Diese Bearbeitungen würden die Aufführungsschwierigkeiten (auf
Grund meiner Erfahrungen) auf einen Bruchteil reduzieren, sodass endlich
die Gurrelieder wirklich in kleineren Städten, mit schwächeren
Chören und mit einem Wort „soweit die vorhandenen Kräfte reichen“
gegeben werden könnten und die Kammersymphonie endlich ihren Platz im Konzertleben einnehmen
könnte. Ich habe dafür eine Menge neuer Ideen; praktische! Ich hätte damit ungefähr sechs Monate zu tun und müsste dafür entschädigt
werden, würde aber die neuen Partituren, voraussichtlich auf
Transparentpapier schreiben, sodass die Druckkosten wesentlich geringer würden. Ich empfehle Ihnen die Sache mit
einem amerikanischen Verleger
gemeinschaftlich zu machen. In erster Linie mit Schirmer, bei dem ich jetzt einiges verlege1. Bitte schreiben Sie mir Ihre Meinung hierüber umgehend, denn diese Sache muss unbedingt repariert werden –
und wenn ich es selbst tun müsste!
3. Eine ganz andere Geschichte, worin ich Sie um eine grosse
Gefälligkeit bitten muss. Nämlich mein Sohn, den man nach Paris
gebracht hat, als es anfangs Arbeit für ihn gab, kann keinesfalls länger in
Paris bleiben. Ich bin nicht in
der Lage, ihm mehr als $ 50 monatlich zu geben und kann nicht garantieren,
dass ich es ihm weiterhin zu geben imstande sein werde. Und das genügt
nicht, um in Paris davon mit Frau
und Kind sich einigermassen durchzuschlagen. Und so muss ich mich
entschliessen, ihn hieher zu bringen, wo man mir von vielen Seiten Arbeit
für ihn versprochen hat. Nun sind hiebei einige grosse Schwerigkeiten und
ich wende mich an Sie, weil Sie Amerika kennen und wissen worum es sich handelt und wo man
sich erkundigen kann.
Die erste Schwierigkeit ist die Reisekostenfrage. Passagierdampfer nach NEW York
kommt nicht in Frage. Ich glaube, die einzige Möglichkeit ist ein
Frachtdampfer nach San Francisco oder Los
Angeles. Denn es ist für 2 1/2 Personen Fahrt und
Verpflegung zu bezahlen. Görgi hat von mir
den
Auftrag2, sich in Paris
zu erkundigen. Aber ich glaube, am
billigsten müsste es doch auf einem italienischen kleineren Frachtdampfer sein. Und das ist
das erste, was ich Sie bitte zu erfahren: ob inetwa Mitte November ein
solches Boot abgeht und was es für diese 2 1/2 Personen kosten würde.
Die zweite Schwierigkeit ist die Frage, ob ein Immigrations-Visum beim amerikanischen Konsulat in Wien für ihn, als in
Wien geborenen (wenn auch nach Deutschland zuständigen) aus
Deutschland
emigrierten und seine in Oesterreich geborenen
Angehörigen zu bekommen ist und was es kostet.
Die dritte Frage ist: ob Sie die (d. h. die UE) diese Beträge mir auf meine nächste
Abrechnung oder wenigstens für einige
Monate vorstrecken wollen
Viertens aber würde ich Sie bitten, falls Sie das alles
im günstigen Sinn erledigen können, dem Görgi:
einen Luftpostbrief zu schreiben und ihm mitzuteilen, dass und was er zu tun
hat, um hieher zu kommen und
viertens müsste ich Sie dann auch bitten ihm einen auch für eventuelle
Schulden ausreichenden Reisevorschuss sowohl nach Paris zu senden, als
eventuell auch, damit er sich in Wien etwas zum Anziehn kaufen kann.
Notfalls kann er auch als temporary visitor kommen. Aber
dann ist es sehr schwer für ihn die Arbeitserlaubnis zu
bekommen und da ich dann allein die Garantie für seinen
Lebensunterhalt zu übernehmen hätte, so wäre das sehr ungünstig.
Zu Punkt zwei
ist noch hinzuzufügen (da er einen geforderten Dollarbetrag irgend einer Höhe ja keinesfalls nachweisen könnte), dass ich ihn als meinen persönlichen
Kopisten und Sekretär beschäftigen
werde (ich bin Lecturer and Teacher, Professor of Music) und für seinen
Lebensunterhalt garantiere.
Fünftens würde ich Sie bitten, mir nach Abschluss Ihrer Ermittlungen auf meine Kosten ein
Nightlettertelegram von 20–40 Worten über das Ergebnis in
Schlagworten zu senden, und womöglich die Abreise so zu senden, dass noch
4–5 Tage Spielraum bleiben, so dass ich noch eine andere
Verfügung treffen kann. Falls nämlich der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass das Pr.
Kultusministerium zu einem Abfindungsvorschlag zustimmt, den
ich ihm heute mache.
Ich glaube nun alles klar gesagt zu haben und bitte Sie in Anbetracht der
Dringlichkeit um grösste Beschleunigung.
verlege
Schönberg befand sich in
Verhandlungen mit G. Schirmer, Inc. über
Inverlagnahme von Matthias Georg Monn/Arnold
Schönberg, Konzert für Violoncello und Orchester D-Dur und
Georg Friedrich Händel/Arnold Schönberg, Concerto Grosso op. 6 Nr. 7 mit
der Absicht, einen Vorschuss zu generieren, um „diesen Winter zu
meiner Erholung und um einiges fertig zu bringen, in einer warmen Gegend
verbringen und nur gelegentliche Schüler oder Konzerte etc
annehmen“ zu müssen (Arnold Schönberg an G. Schirmer, Inc., 18. Oktober
1934; ASCC 2472; Arnold Schönberg an G. Schirmer, Inc., 20. August
1934; ASCC 2743).
Auftrag
Arnold Schönberg an Georg
Schönberg, 28. Oktober 1934 (ASCC
2475).
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 28. Oktober 1934, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.2476.