30. April 1919
P. T. Universal Edition, von der Konzerthausgesellschaft
erfahre ich, dass Schalk im Februar die Gurrelieder aufführen
will und dass zwischen ihm und Dr Botstiber eine Ueberein-
kunft getroffen wurde, nach der die Konzh. Ges die G. L. im Herbst
unter meiner Leitung und unabhängig davon der Singverein
seine im Februar machen soll.
da ich das an folgendes nicht glaube:
  • I. dass eine Aufführung im September wirklich zustande-
    kommen kann; weil weder Mitwirkende noch sonst etwas bis
    heute festgesetzt ist;
  • II. dass Schalk ein Interesse daran haben kann, die GL. welche
    im September wenigstens 3-mal sein müssten (Kostenfrage!)
    im Februar nochmals zu geben; –
da ich dagegen ferner überzeugt bin, dass
  • I. Schalk nicht die von mir geforderte Probenanzahl
    einräumt
  • II überhaupt unfähig ist und insbesondere dazu; die Aufführung
    also einem Mord an dem Werk gleichkäme; i
so erkläre ich, dass ich die Aufführung durch Schalk
nur zulassen werde, wenn vorher eine unter meiner
Leitung stattgefunden hat und bitte daher, ihm das Aufführungs-
recht nur unter folgenden Bedingungen zu überlassen:
  • I. Er darf d. GL. nur aufführen, nachdem eine[r]
    Aufführung in Wien1 unter meiner Leitung.

  • II. Wenn er nicht das von mir studierte Orchester und
    dieselben Sänger benutzt, so muss er die von mir geforderte
    Zahl von Proben abhalten
Eine Aufführung, die gegen diese Bedingungen verstößt,
werde ich unter allen Umständen unter Anwendung äußerster
Mittel zu verhindern imstande sein. Die Vorbereitungen
hiefür sind bereits eingeleitet!
Zum Schluss will ich noch für alle Fälle sagen,
gegen welche vielleicht vorausgesehene, jedenfalls
aber vorauszusehende Eventualität ich geschützt werden
will: Nämlich:
Die Aufführung im Herbst kommt aus irgendeinem
(leicht vorauszusehenden) Grund, wahrscheinlich nicht zu-
stande; und so umgeht Herr Schalk meine Proben-
bedingungen und schmeißt das Werk mit 5–6 Proben
heraus!
Das soll ihm nicht gelingen!
Ich ersuche um freundliche Bestätigung und Nachricht
Hochachtungsvoll Arnold Schönberg
30. April 1919
P. T. Universal Edition, von der Konzerthausgesellschaft erfahre ich, dass Schalk im Februar die Gurrelieder aufführen will und dass zwischen ihm und Dr Botstiber eine Uebereinkunft getroffen wurde, nach der die Konzh. Ges die G. L. im Herbst unter meiner Leitung und unabhängig davon der Singverein seine im Februar machen soll.
da ich an folgendes nicht glaube:
  • I. dass eine Aufführung im September wirklich zustandekommen kann; weil weder Mitwirkende noch sonst etwas bis heute festgesetzt ist;
  • II. dass Schalk ein Interesse daran haben kann, die GL. welche im September wenigstens 3-mal sein müssten (Kostenfrage!) im Februar nochmals zu geben; –
da ich dagegen ferner überzeugt bin, dass
  • Schalk nicht die von mir geforderte Probenanzahl einräumt
so erkläre ich, dass ich die Aufführung durch Schalk nur zulassen werde, wenn vorher eine unter meiner Leitung stattgefunden hat und bitte daher, ihm das Aufführungsrecht nur unter folgenden Bedingungen zu überlassen:
  • I. Er darf d. GL. nur aufführen, nach einer Aufführung in Wien1 unter meiner Leitung.
  • II. Wenn er nicht das von mir studierte Orchester und dieselben Sänger benutzt, so muss er die von mir geforderte Zahl von Proben abhalten
Eine Aufführung, die gegen diese Bedingungen verstößt, werde ich unter allen Umständen unter Anwendung äußerster Mittel zu verhindern imstande sein.
Zum Schluss will ich noch für alle Fälle sagen, gegen welche vielleicht vorausgesehene, jedenfalls aber vorauszusehende Eventualität ich geschützt werden will: Nämlich:
Die Aufführung im Herbst kommt aus irgendeinem (leicht vorauszusehenden) Grund, wahrscheinlich nicht zustande; und so umgeht Herr Schalk meine Probenbedingungen und schmeißt das Werk mit 5–6 Proben heraus!
Das soll ihm nicht gelingen!
Ich ersuche um freundliche Bestätigung und Nachricht
Hochachtungsvoll Arnold Schönberg

30. April 1919


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 30. April 1919, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.525.

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