8/7.1913
z. Z. Gautzsch bei Leipzig, Charlottenstr. 18
per Adr. Dr F. Zehme
Lieber Herr Direktor I. ich habe bereits an Polnauer
geschrieben1 wegen der „Bläser-Partituren-Stimmen“.
Ich bin im Ganzen dafür, denn es hat den Vorteil, dass
die Bläser einander gegenseitig als Stichwort dienen.
Immerhin sollte man noch einige Orchestermitglieder
befragen
2
. Wenn man es aber macht, dann meine
ich: immer eine ganze Gruppe zusammen; also
alle 10 Hörner, alle 6 Trp, alle 8 Posaunen ; Nur
wenn das geht, hat es Zweck. Man muss eben
Stichproben machen. Meines Erachtens dürften sobald alle 10 (resp 8
oder 6) Instrumente gleichzeitig beschäftigt
I sind, mehrere unisono spielen, wodurch für diese unisono-
spielenden stets eine Zeile genügte, so dass die Partitur
im Durchschnitt höchstens 6–8 Zeilen [...] und das an nicht allzu
vielen Stellen! erreichen dürfte. Allerdings: jede Stimme
muss (jedes einzelne Instrument!!) muss wenden können.
Ob das geht kann ich nicht beurteilen.
II Sollten Sie sich aber doch dafür entscheiden,
nicht alle Hörner in eine Partitur zu geben, dann

ist es besser, die I. (1. 3 u. 5.) und die II. (2. 4 u. 6)
in je eine Partitur zu bringen und für 7. 8. 9. 10 eine
3 Partitur anzulegen.
Bei den Trompeten müßte man 1. 2. 3 4
und 5. 6. und Bss Trompeten teilen.
Bei den Posaunen: Alt, I. II. III. IV u Bss Posaune in Es
Ctrbss Pos u Ctrbss Ta
Bei den Clarinetten: 1. 2 Es Cl 1. 2. 3. A (B) Cl
1. 2 Bss Cl
Bei den Flöten 1. 2. 3. 4 gr. 1. 2. 3. 4 kl
〃 〃 [Bei den] Oboen 1. 2 3 Ob 1. 2 EH
〃 〃 [Bei den] Fagotten 1. 2 3 Fg 1. 2 Ctr Fg
II. Ich nehme mir jetzt die Gurre
Partitur3 vor um etwaige Änderungen noch
rechtzeitig zu nennen. Ich hoffe diese Arbeit4
in cirka 6–8 Tagen erledigt zu haben.
III. Bitte senden Sie mir eine Pelleas-
Partitur
5; ich will auch hier einige Änderungen
eintragen (für mein Material)
IV. Das Cello-Konzert von Monn
scheinen Sie nicht erwerben zu wollen. Wenn

das so ist[,] dann bitte ich um Nachricht, da ich es
leicht Peters oder Eulenburg geben kann.
V.
Nun muss ich Ihnen noch etwas sehr Wichtiges
sagen. Nämlich: es sind nun 3 3/4 Jahre ver-
flossen seit wir unseren Vertrag abgeschlossen haben
und 3 Jahre ist er in Kraft und ebenso lange bin
ich verpflichtet gewesen zu warten, ob Sie meine
Werke herausgeben. Das Autorengesetz bestimmt
nun, dass wenn ein Werk innerhalb 3 Jahren
nicht gedruckt wird, der Autor frei wird und
die gezahlten Vorschussbeträge zu seinen Gunsten
verfallen. Ehe ich nun von diesem Recht Gebrauch
mache, möchte ich Ihnen noch Gelegenheit geben
Ihrer Druckverpflichtung nachzukommen und
bin geneigt die Ausübung meines Rechtes solange
hinauszuschieben damit ich innerhalb 8 Tagen bis ich von Ihnen die Zusicherung
habe, dass Sie außer den freigewordenen Werken
auch diejenigen sofort drucken, die noch nicht
frei sind.
  • Es sind frei: I. Das Monodram
    „Glückliche Hand“
    6

Noch nicht frei dagegen
Ich bitte Sie mir innerhalb 8 Tagen mitzuteilen,
ob Sie bereit sind auf diese Bedingungen einzugehen:
sofort in Druck zu geben und dafür zu sorgen, dass
sie in längstens 2 Monaten zur I. Korrektur und
in längstens 4 Monaten von heute zum Verkauf fertig sind.
zur I. Korrektur und in 7 Monaten von heute zum
Ausgab Verkauf fertig sind.
Sollten Sie auf diese Bedingungen nicht
eingehen können, so müsste ich mein gesetzliches

Recht benutzen.
Es täte mir das sehr leid. Vor allem weil
ich darauf halte, dass meine Sachen möglichst
in einem Verlag bleiben. Insbesondere aber,
weil ich um jeden Preis eine Trübung unseres
freundschaftlichen Verhältnisses vermeiden
[mö]chte.
Aber, da es für mich klar ist, dass meine
Noten für mich nicht eher einen Ertrag ab-
liefern können, als alles gedruckt ist und
!! da ich ja gar keine Beträge ausbezahlt
bekommen kann, solange Werke mit
Vorschuss belastet sind, die weil sie nicht
gedruckt sind, nicht verkauft werden können!!
So muss ich so vorgehen.
Ich hoffe, Sie sehen das selbst ein und sind
mir nicht böse. Ich kann es sehr gut verstehen,
dass Sie infolge anderer Verpflichtungen (gegen
jüngere und wahrscheinlich bedeutendere Autoren
als ich) nicht imstande sind meinen Werken
genügend Arbeit zu widmen. Aber ich muss nun

endlich von meinen Werken dasetwas haben, und da
kann ich nicht länger warten.
Ich hoffe bald Nachricht zu haben und empfehle
mich Ihnen mit besten Grüßen Ihr ergebener Arnold Schönberg
8/7.1913
z. Z. Gautzsch bei Leipzig, Charlottenstr. 18
per Adr. Dr F. Zehme
Lieber Herr Direktor I. ich habe bereits an Polnauer geschrieben1 wegen der „Bläser-Partituren-Stimmen“. Ich bin im Ganzen dafür, denn es hat den Vorteil, dass die Bläser einander gegenseitig als Stichwort dienen. Immerhin sollte man noch einige Orchestermitglieder befragen2. Wenn man es aber macht, dann meine ich: immer eine ganze Gruppe zusammen; also alle 10 Hörner, alle 6 Trp, alle 8 Posaunen ; Nur wenn das geht, hat es Zweck. Man muss eben Stichproben machen. Meines Erachtens dürften sobald alle 10 (resp 8 oder 6) Instrumente gleichzeitig beschäftigt sind, mehrere unisono spielen, wodurch für diese unisonospielenden stets eine Zeile genügte, so dass die Partitur im Durchschnitt höchstens 6–8 Zeilen und das an nicht allzu vielen Stellen erreichen dürfte. Allerdings: jede Stimme (jedes einzelne Instrument!!) muss wenden können. Ob das geht kann ich nicht beurteilen.
Sollten Sie sich aber doch dafür entscheiden, nicht alle Hörner in eine Partitur zu geben, dann ist es besser, die I. (1. 3 u. 5.) und die II. (2. 4 u. 6) in je eine Partitur zu bringen und für 7. 8. 9. 10 eine 3 Partitur anzulegen.
Bei den Trompeten müßte man 1. 2. 3 4 und 5. 6. und Bss Trompeten teilen.
Bei den Posaunen: Alt, I. II. III. IV u Bss Posaune in Es Ctrbss Pos u Ctrbss Ta
Bei den Clarinetten: 1. 2 Es Cl 1. 2. 3. A (B) Cl 1. 2 Bss Cl
Bei den Flöten 1. 2. 3. 4 gr. 1. 2. 3. 4 kl
Bei den Oboen 1. 2 3 Ob 1. 2 EH
Bei den Fagotten 1. 2 3 Fg 1. 2 Ctr Fg
II. Ich nehme mir jetzt die Gurre Partitur3 vor um etwaige Änderungen noch rechtzeitig zu nennen. Ich hoffe diese Arbeit4 in cirka 6–8 Tagen erledigt zu haben.
III. Bitte senden Sie mir eine Pelleas-Partitur5; ich will auch hier einige Änderungen eintragen (für mein Material)
IV. Das Cello-Konzert von Monn scheinen Sie nicht erwerben zu wollen. Wenn das so ist, dann bitte ich um Nachricht, da ich es leicht Peters oder Eulenburg geben kann.
V.
Nun muss ich Ihnen noch etwas sehr Wichtiges sagen. Nämlich: es sind nun 3 3/4 Jahre verflossen seit wir unseren Vertrag abgeschlossen haben und 3 Jahre ist er in Kraft und ebenso lange bin ich verpflichtet gewesen zu warten, ob Sie meine Werke herausgeben. Das Autorengesetz bestimmt nun, dass wenn ein Werk innerhalb 3 Jahren nicht gedruckt wird, der Autor frei wird und die gezahlten Vorschussbeträge zu seinen Gunsten verfallen. Ehe ich nun von diesem Recht Gebrauch mache, möchte ich Ihnen noch Gelegenheit geben Ihrer Druckverpflichtung nachzukommen und bin geneigt die Ausübung meines Rechtes hinauszuschieben damit ich innerhalb 8 Tagen von Ihnen die Zusicherung habe, dass Sie außer den freigewordenen Werken auch diejenigen sofort drucken, die noch nicht frei sind.
Noch nicht frei dagegen
Ich bitte Sie mir innerhalb 8 Tagen mitzuteilen, ob Sie bereit sind auf diese Bedingungen einzugehen:
sofort in Druck zu geben und dafür zu sorgen, dass sie in längstens 2 Monaten zur I. Korrektur und in längstens 4 Monaten von heute zum Verkauf fertig sind.
zur I. Korrektur und in 7 Monaten von heute zum Verkauf fertig sind.
Sollten Sie auf diese Bedingungen nicht eingehen können, so müsste ich mein gesetzliches Recht benutzen.
Es täte mir das sehr leid. Vor allem weil ich darauf halte, dass meine Sachen möglichst in einem Verlag bleiben. Insbesondere aber, weil ich um jeden Preis eine Trübung unseres freundschaftlichen Verhältnisses vermeiden möchte.
Aber, da es für mich klar ist, dass meine Noten für mich nicht eher einen Ertrag abliefern können, als alles gedruckt ist und !! da ich ja gar keine Beträge ausbezahlt bekommen kann, solange Werke mit Vorschuss belastet sind, die weil sie nicht gedruckt sind, nicht verkauft werden können!! So muss ich so vorgehen.
Ich hoffe, Sie sehen das selbst ein und sind mir nicht böse. Ich kann es sehr gut verstehen, dass Sie infolge anderer Verpflichtungen (gegen jüngere und wahrscheinlich bedeutendere Autoren als ich) nicht imstande sind meinen Werken genügend Arbeit zu widmen. Aber ich muss nun endlich von meinen Werken etwas haben, und da kann ich nicht länger warten.
Ich hoffe bald Nachricht zu haben und empfehle
mich Ihnen mit besten Grüßen Ihr ergebener Arnold Schönberg

8. Juli 1913


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 8. Juli 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.6852.

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