bis 11/8: Göhren auf Rügen
26/7. 1913
Lieber Herr Direktor, die Monn-Bear-
beitung des Herrn Szell sende ich Ihnen unan-
gesehen
zurück. Sie werden von mir nicht
verlangen können, dass ich über einen jungen
Menschen ein schlechtes Urteil abgebe, damit
ich davon einen Vorteil habe. Und da ich sonst gar
kein Interesse für diese Angelegenheit haben
kann, ziehe ich es vor, meine Zeit besser zu ver-
werten.
Ich kann Ihnen nun den Vorwurf nicht
ersparen: es war höchst unbedacht von Ihnen,
dass Sie, ohne meine Entscheidung abzuwarten
(denn ich habe nicht abgelehnt, sondern nur die
gestellte Frist von 14 Tagen benützt, um mir
die Sache klar zu machen; und habe sehr wohl
verstanden, dass Ihre Antwort1 mir sagte, Sie könnten
den Monn auch ohne meine Zustimmung heraus-
geben; hätte also eigentlich Anspruch darauf, dass

Sie Ihr Angebot, das ich angenommen [hä]tte, ein-
halten) Herrn Szell das Stück zur Bearbeitung
übergeben haben. Es ist möglich, dass Sie mich
dadurch um ein mir gebührendes Honorar
geschädigt haben, denn es wird für mich jetzt
gewiss nicht leicht sein, einen anderen Ver-
leger für dieses Stück zu finden. Und Sie
müssen es ja genau wissen, dass ich nicht
so ohneweiteres in der Lage bin auf solche
Honorare zu verzichten.
Aber ich will Ihnen die Einhaltung dieser
Abmachung nachsehen, kann aber, wie
gesagt, nicht darauf verzichten, meinen Stand-
punkt zu präcisieren.
Was nun die Orchesterlieder Frage anbelangt, so muss ich Ihnen sagen, dass ich die Ori-
ginal-Partituren (von denen es keine Abschrift
gibt!!) unmöglich an alle Dirigenten herum-
senden kann. Es sei denn, dass Sie sich aus-
drücklich verpflichten wollen Schadenersatz fürs
Verlorengehen zu leisten. Deshalb möchte ich Sie

bitten, die [P]artituren erst in Berlin kopieren
zu lassen. Womöglich in Berlin. Zemlinsky
(der 3 davon aufführt) braucht sie ja auch und
der czechische Dirigent ebenfalls. Man käme
ja gar nicht mit einer Abschrift aus. Ich
möchte Sie sehr bitten, doch endlich die Par-
tituren heraus zu geben. Sie sehen ja, dass
meine Sachen verkauft werden. Heute ist
es wohl kein Risiko mehr, eine Sache
von mir zu drucken, sondern im Gegen-
teil ein sicheres Geschäft. Sehen Sie doch selbst
einmal mein Conto an! Vielleicht ent-
schließen Sie sich dazu. Ich wäre sehr froh
darüber.
[...], bitte Sie, da Sie Pierrot2,
Klavierstücke3 und Harm.-Lied4 nicht freigeben
wollen: Geben Sie sie heraus! Es wird sich
sicher in kürzester Zeit rentieren. Sie wissen
doch wohl, dass man in Paris (!) daran ist
eine Schönberg-Woche zu veranstalten. Wenn
die zustande kommt, bin ich doch aus dem

Wasser und die Sensation, die [e]ine solche
ganze Woche in Paris!!! auslöst, wird sicher dazu
führen, dass meine Werke überall aufge-
führt und gekauft werden. Es wäre doch
schade, wenn die Universal-Edition
da zu spät käme und hätte keine Noten
fertig. Sie sind doch etwas anders als
sonst die Oesterreicher, die nach dem
Grundsatz: „Langsam voran“, den man
am besten durch das vormärzliche „Zarrück“
übersetzt, überall geschlagen werden. Geben
Sie doch Ihre Zaghaftigkeit mir gegen-
über auf und erkennen Sie doch, dass ich
knapp vor einem großen Aufstieg stehe. Glau-
ben Sie mir: Sie werden sonst zu spät
kommen.
Hoffentlich bekomme ich von Ihnen ange-
nehme Nachricht. Sie sind leider der einzige
mit dem ich in den Angelegenheiten meiner Werke
verhandle, von dem ich keine angenehmen
Nachrichten erhalte.
Mit besten Grüßen Ihr Arnold Schönberg
NB: Die Gurrelieder werden außer in Berlin5 auch in Leipzig6 und
Dresden unter meiner Leitung aufgeführt.
bis 11/8: Göhren auf Rügen
26/7. 1913
Lieber Herr Direktor, die Monn-Bearbeitung des Herrn Szell sende ich Ihnen unangesehen zurück. Sie werden von mir nicht verlangen können, dass ich über einen jungen Menschen ein schlechtes Urteil abgebe, damit ich davon einen Vorteil habe. Und da ich sonst gar kein Interesse für diese Angelegenheit haben kann, ziehe ich es vor, meine Zeit besser zu verwerten.
Ich kann Ihnen nun den Vorwurf nicht ersparen: es war höchst unbedacht von Ihnen, dass Sie, ohne meine Entscheidung abzuwarten (denn ich habe nicht abgelehnt, sondern nur die gestellte Frist von 14 Tagen benützt, um mir die Sache klar zu machen; und habe sehr wohl verstanden, dass Ihre Antwort1 mir sagte, Sie könnten den Monn auch ohne meine Zustimmung herausgeben; hätte also eigentlich Anspruch darauf, dass Sie Ihr Angebot, das ich angenommen hätte, einhalten) Herrn Szell das Stück zur Bearbeitung übergeben haben. Es ist möglich, dass Sie mich dadurch um ein mir gebührendes Honorar geschädigt haben, denn es wird für mich jetzt gewiss nicht leicht sein, einen anderen Verleger für dieses Stück zu finden. Und Sie müssen es ja genau wissen, dass ich nicht so ohneweiteres in der Lage bin auf solche Honorare zu verzichten.
Aber ich will Ihnen die Einhaltung dieser Abmachung nachsehen, kann aber, wie gesagt, nicht darauf verzichten, meinen Standpunkt zu präcisieren.
Was nun die Orchesterlieder Frage anbelangt, so muss ich Ihnen sagen, dass ich die Original-Partituren (von denen es keine Abschrift gibt!!) unmöglich an alle Dirigenten herumsenden kann. Es sei denn, dass Sie sich ausdrücklich verpflichten wollen Schadenersatz fürs Verlorengehen zu leisten. Deshalb möchte ich Sie bitten, die Partituren erst kopieren zu lassen. Womöglich in Berlin. Zemlinsky (der 3 davon aufführt) braucht sie ja auch und der czechische Dirigent ebenfalls. Man käme ja gar nicht mit einer Abschrift aus. Ich möchte Sie sehr bitten, doch endlich die Partituren heraus zu geben. Sie sehen ja, dass meine Sachen verkauft werden. Heute ist es wohl kein Risiko mehr, eine Sache von mir zu drucken, sondern im Gegenteil ein sicheres Geschäft. Sehen Sie doch selbst einmal mein Conto an! Vielleicht entschließen Sie sich dazu. Ich wäre sehr froh darüber.
[...], bitte Sie, da Sie Pierrot2, Klavierstücke3 und Harm.-Lied4 nicht freigeben wollen: Geben Sie sie heraus! Es wird sich sicher in kürzester Zeit rentieren. Sie wissen doch wohl, dass man in Paris (!) daran ist eine Schönberg-Woche zu veranstalten. Wenn die zustande kommt, bin ich doch aus dem Wasser und die Sensation, die eine solche ganze Woche in Paris!!! auslöst, wird sicher dazu führen, dass meine Werke überall aufgeführt und gekauft werden. Es wäre doch schade, wenn die Universal-Edition da zu spät käme und hätte keine Noten fertig. Sie sind doch etwas anders als sonst die Oesterreicher, die nach dem Grundsatz: „Langsam voran“, den man am besten durch das vormärzliche „Zarrück“ übersetzt, überall geschlagen werden. Geben Sie doch Ihre Zaghaftigkeit mir gegenüber auf und erkennen Sie doch, dass ich knapp vor einem großen Aufstieg stehe. Glauben Sie mir: Sie werden sonst zu spät kommen.
Hoffentlich bekomme ich von Ihnen angenehme Nachricht. Sie sind leider der einzige mit dem ich in den Angelegenheiten meiner Werke verhandle, von dem ich keine angenehmen Nachrichten erhalte.
Mit besten Grüßen Ihr Arnold Schönberg
NB: Die Gurrelieder werden außer in Berlin5 auch in Leipzig6 und Dresden unter meiner Leitung aufgeführt.

26. Juli 1913


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 26. Juli 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.6857.

Download:
Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen