29/6 1912
Lieber Herr Direktor, es ist ein Irrtum von
Ihnen, wenn Sie annehmen, dass Sie die Partitur
[m]einer Melodramen (Pierrot lunair.) für
6 Mark geben können. Ich sage Ihnen, sie
wird cirka 80 Seiten stark werden und das
kostet wohl sicher 12 Mark (vielleicht sogar 15)
Ich habe mich also nicht bloß an die Angebote anderer
Firmen gehalten. Aber ich finde: Sie könnten
es mir erleichtern über das Peinliche meiner
Situation hinweg zu kommen: dass ich mir näm-
lich stets höhere Angebote entgehen lassen muss,
weil ich einen Vertrag mit Ihnen gerne halten
möchte! Und deshalb erhoffe ich mir bestimmt,
dass Sie bereit sein werden mir 500
Mark zu geben und zwar unter den Voraus-
setzungen meines vorigen Briefes, für
alle dort genannten Werke, also auch für die
Lieder1 und Balladen, wobei ich es Ihnen

anheimstelle, diese Lieder und Balladen inner-
halb 3er Jahre zu drucken.
Sollten Sie damit einverstanden sein,
dann bitte ich Sie, mir die betreffende
Summe (500 MK) wieder an die Dresdner
Bank, Filiale Zehlendorf
U2 Hauptstraße [7]
zu senden.
Berücksichtigen Sie dabei dass es ja
für mich eine schwere Schädigung wäre,
wenn Sie stets nur diejenigen Werke
auswählen, von denen Sie sich momentanen
Erfolg versprechen und die anderen, die durch
Ihre Ablehnung auch für andere Verleger
entwertet sind, ausschließen. Ich meine
aber: warum sollten denn diese Sachen
gerade schlechter gehen? Es ist höchst wahr-
scheinlich, dass sie sehr gut gehen, sobald
meine Lieder überhaupt in Schwung kommen.
Bitte um umgehende Nachricht.
Viele herzliche Grüße Ihr Arnold Schönberg
29/6 1912
Lieber Herr Direktor, es ist ein Irrtum von Ihnen, wenn Sie annehmen, dass Sie die Partitur meiner Melodramen (Pierrot lunair.) für 6 Mark geben können. Ich sage Ihnen, sie wird cirka 80 Seiten stark werden und das kostet wohl sicher 12 Mark (vielleicht sogar 15) Ich habe mich also nicht bloß an die Angebote anderer Firmen gehalten. Aber ich finde: Sie könnten es mir erleichtern über das Peinliche meiner Situation hinweg zu kommen: dass ich mir nämlich stets höhere Angebote entgehen lassen muss, weil ich einen Vertrag mit Ihnen gerne halten möchte! Und deshalb erhoffe ich mir bestimmt, dass Sie bereit sein werden mir 500 Mark zu geben und zwar unter den Voraussetzungen meines vorigen Briefes, für alle dort genannten Werke, also auch für die Lieder1 und Balladen, wobei ich es Ihnen anheimstelle, diese Lieder und Balladen innerhalb 3er Jahre zu drucken.
Sollten Sie damit einverstanden sein, dann bitte ich Sie, mir die betreffende Summe (500 MK) wieder an die Dresdner Bank, Filiale Zehlendorf U2 Hauptstraße 7 zu senden.
Berücksichtigen Sie dabei dass es ja für mich eine schwere Schädigung wäre, wenn Sie stets nur diejenigen Werke auswählen, von denen Sie sich momentanen Erfolg versprechen und die anderen, die durch Ihre Ablehnung auch für andere Verleger entwertet sind, ausschließen. Ich meine aber: warum sollten denn diese Sachen gerade schlechter gehen? Es ist höchst wahrscheinlich, dass sie sehr gut gehen, sobald meine Lieder überhaupt in Schwung kommen.
Bitte um umgehende Nachricht.
Viele herzliche Grüße Ihr Arnold Schönberg

29. Juni 1912


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 29. Juni 1912, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.6988.

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