18/9. 1912
Lieber Herr Direktor, damit ich nicht wieder
einen Unsinn mache, verständige ich Sie
von folgendem:
Ich instrumentiere für Frau Culp 4 Schubert-
Lieder1, für die ich das sehr hohe Honorar von
1000 Mark bekomme. Nun meldet sich
ihr Mann und sagt, ich müsste ihr zusagen,
dass die Sachen nicht verlegt werden und
vielleicht nach einem Jahr von jedem Sänger
für 1.50 oder dergl gekauft und benutzt werden
können. Und ich finde (und habe ihm das
auch zugegeben) dass er damit Recht hat.
Ich habe ihm gesagt, ich anerkenne das und
werde ihm mit ihm (das verlangt er) eine
schriftliche Abmachung darüber treffen, dass
[s]eine Frau für eine Reihe von Jahren
das alleinige Aufführungsrecht habe. Ich schlug
ihm 3 Jahre vor; dann kämen bei cirka 20 Auf-
führungen 50 Mark auf eine Aufführung.
Das wäre ja wirklich viel. Ich denke aber

mit 5 Jahren, wird er einverstanden sein.
Nun bitte ich Sie, mir vielleicht einen
Vertrags-entwurf zu schicken, damit ich dem
Mann das geben kann. Gegen eines möchte
ich mich sichern: nämlich, in 3 Jahren hat
Frau Culp vielleicht überhaupt keine Stim[me]
mehr, da hat doch ein 5jähriges alleiniges
Recht keinen Sinn. Falls Sie nicht mehr
singt, müsste das an mich zurückfallen.
Ich glaube, diese Sache gehört nicht
in den Vertrag zwischen mir und der
Un. E. Aber dennoch bitte ich Sie um Ihren
Rat. Und falls Sie doch dazu gehört, um
Ihr äußerstes Entgegenkommen. Denn ich
möchte nicht auf dieses hohe Honorar ver-
zichten müssen. Und es ist doch gewiss
kein dringendes Bedürfnis, dass diese
Instrumentation innerhalb 5 Jahren gedruckt
wird.
Vielleicht aber könnte man folgenden
Ausweg finden. Frau Culp erwirbt

das alleinige Auff. Recht für ...x Jahre. Und bezahlt
hiefür für insgesamt ….x Aufführungen
eine Tantieme von x…M. zusammen
1000 Mark. Sollte das Stück früher gedruckt
werden, so erhält Frau Culp so und so
viel von dem Verlag zurück. Oder so ähnlich?
Geht das? Oder was sonst?
Bitte beantworten Sie das schleunigst!
Denn ich soll nächste Woche hinkommen
um es zu ordnen.
Mit vielen herzl Grüßen Ihr Arnold Schönberg
NB: Korrekturen der Kammersinfonie
habe ich eben erhalten. Sieht ausgezeichnet
a[us]
!! Ich habe mich sehr gefreut!!
Herzl Dank!!
18/9. 1912
Lieber Herr Direktor, damit ich nicht wieder einen Unsinn mache, verständige ich Sie von folgendem:
Ich instrumentiere für Frau Culp 4 Schubert- Lieder1, für die ich das sehr hohe Honorar von 1000 Mark bekomme. Nun meldet sich ihr Mann und sagt, ich müsste ihr zusagen, dass die Sachen nicht verlegt werden und vielleicht nach einem Jahr von jedem Sänger für 1.50 oder dergl gekauft und benutzt werden können. Und ich finde (und habe ihm das auch zugegeben) dass er damit Recht hat.
Ich habe ihm gesagt, ich anerkenne das und werde mit ihm (das verlangt er) eine schriftliche Abmachung darüber treffen, dass seine Frau für eine Reihe von Jahren das alleinige Aufführungsrecht habe. Ich schlug ihm 3 Jahre vor; dann kämen bei cirka 20 Aufführungen 50 Mark auf eine Aufführung. Das wäre ja wirklich viel. Ich denke aber mit 5 Jahren, wird er einverstanden sein. Nun bitte ich Sie, mir vielleicht einen Vertrags-entwurf zu schicken, damit ich dem Mann das geben kann. Gegen eines möchte ich mich sichern: nämlich, in 3 Jahren hat Frau Culp vielleicht überhaupt keine Stimme mehr, da hat doch ein 5jähriges alleiniges Recht keinen Sinn. Falls Sie nicht mehr singt, müsste das an mich zurückfallen.
Ich glaube, diese Sache gehört nicht in den Vertrag zwischen mir und der Un. E. Aber dennoch bitte ich Sie um Ihren Rat. Und falls Sie doch dazu gehört, um Ihr äußerstes Entgegenkommen. Denn ich möchte nicht auf dieses hohe Honorar verzichten müssen. Und es ist doch gewiss kein dringendes Bedürfnis, dass diese Instrumentation innerhalb 5 Jahren gedruckt wird.
Vielleicht aber könnte man folgenden Ausweg finden. Frau Culp erwirbt das alleinige Auff. Recht für ...x Jahre. Und bezahlt hiefür für insgesamt ….x Aufführungen eine Tantieme von x…M. zusammen 1000 Mark. Sollte das Stück früher gedruckt werden, so erhält Frau Culp so und so viel von dem Verlag zurück. Oder so ähnlich? Geht das? Oder was sonst?
Bitte beantworten Sie das schleunigst! Denn ich soll nächste Woche hinkommen um es zu ordnen.
Mit vielen herzl Grüßen Ihr Arnold Schönberg
NB: Korrekturen der Kammersinfonie habe ich eben erhalten. Sieht ausgezeichnet aus!! Ich habe mich sehr gefreut!! Herzl Dank!!

18. September 1912


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Kartenbrief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 18. September 1912, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.7005.

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