Lieber Herr Direktor, Sie fragten Herrn
Greissle um die Ursachen zu meinem Er-
suchen
, mir alle Botschaften schrif[t]lich [u]nd
durch die Post zu senden. Ist eine Erläu-
terung hiefür nötig? Meinetwegen also:
Ich anerkenne also nur die schriftlich von
mir herrührenden Aufträge [m]als wirklich
durchm mich erteilt, weil ich nicht Miss-
verständnissen und Willkür ausgesetzt sein
mag. Ich wünsche mir jede Ihrer Fragen
nach meinem Belieben lange überlegen zu
können, während mündlich gestellte und ü-
berbrachte nur eine gewisse für beide Tei-
le unerfreuliche Ueberraschung erzielen.
Ich wünsche dann auch für jede Frage die
sie mir stellen, den schriftlichen Beweis
zu erhalten und (, da ich meine Antworten
stets mit Durchschlag schreibe) auch stets
[...] meine Antwort [...] überprüfen zu kön-
nen. Darum nehme ich seit langem [...] [münd-]
mündliches nicht mehr zur Kenntnis. Fällt
ihnen das erst heute auf? Ich habe es al[ler]
[ler dings noch [nie so ausführlich begrün-]]

lerdings noch nie so ausführlich begrün-
det, aber immer so gehandelt.
Sie waren so freundlich mir Ihren Be-
such in baldige Aussicht zu stellen. Das
würde mich nicht nur sehr freuenu, son-
dern wäre auch sehr nötig, da wir ja un[ser]
ser Verhältnis unbedingt revidieren müs[sen]
sen. Ich bitte Sie aber lieber Samstag [nach]
nachmittags zu kommen und es mich 1–2 Ta-
ge früher wissen zu lassen. Denn am Sonn-
tag, der der Zerstreuung gewidmet ist, sind
wir nur selten ungestört. So gerne ich mit
Ihnen dann von allen möglichen anderen
Dingen mich unterhielte, so schwer wäre [es]
es mir, meine andern Gäste im Stich zu
lassen, die mich höchstens an diesem ei-
nen Tag sehen können, während ich Ihnen
ausserdiesem auch noch den Samstag Nach-
mittag zur Verfügung stelle. Darf ich Sie [d]
dann für den Abend zu Tisch bitten?
Viele herzliche Grüsse Ihr
Was haben Sie nach Fra[n]kfurt geantwortet? Sie
retournieren den Brief ohne ein Wort dazu!
=== Der vor 3 Tagen angekündigte Klavi[e]rauszug
Pierrot ist bis jetzt nicht eingetroffen: of-
fenbar wurde er noch nicht abgeschickt!!!
Lieber Herr Direktor, Sie fragten Herrn Greissle um die Ursachen zu meinem Ersuchen, mir alle Botschaften schriftlich und durch die Post zu senden. Ist eine Erläuterung hiefür nötig? Meinetwegen also: Ich anerkenne also nur die schriftlich von mir herrührenden Aufträge als wirklich durch mich erteilt, weil ich nicht Missverständnissen und Willkür ausgesetzt sein mag. Ich wünsche mir jede Ihrer Fragen nach meinem Belieben lange überlegen zu können, während mündlich gestellte und überbrachte nur eine gewisse für beide Teile unerfreuliche Ueberraschung erzielen. Ich wünsche dann auch für jede Frage die sie mir stellen, den schriftlichen Beweis zu erhalten und (, da ich meine Antworten stets mit Durchschlag schreibe) auch stets meine Antwort überprüfen zu können. Darum nehme ich seit langem mündliches nicht mehr zur Kenntnis. Fällt ihnen das erst heute auf? Ich habe es al lerdings noch nie so ausführlich begründet, aber immer so gehandelt.
Sie waren so freundlich mir Ihren Besuch in baldige Aussicht zu stellen. Das würde mich nicht nur sehr freuen, sondern wäre auch sehr nötig, da wir ja un ser Verhältnis unbedingt revidieren müs sen. Ich bitte Sie aber lieber Samstag nachmittags zu kommen und es mich 1–2 Tage früher wissen zu lassen. Denn am Sonntag, der der Zerstreuung gewidmet ist, sind wir nur selten ungestört. So gerne ich mit Ihnen dann von allen möglichen anderen Dingen mich unterhielte, so schwer wäre es mir, meine andern Gäste im Stich zu lassen, die mich höchstens an diesem einen Tag sehen können, während ich Ihnen ausserdiesem auch noch den Samstag Nachmittag zur Verfügung stelle. Darf ich Sie dann für den Abend zu Tisch bitten?
Viele herzliche Grüsse Ihr
Arnold Schönberg
Was haben Sie nach Frankfurt geantwortet? Sie retournieren den Brief ohne ein Wort dazu! === Der vor 3 Tagen angekündigte Klavierauszug Pierrot ist bis jetzt nicht eingetroffen: offenbar wurde er noch nicht abgeschickt!!!

14. Mai 1923


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 14. Mai 1923, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.839.

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