Arnold Schönberg an Universal-Edition
28. Jänner 1926
Lieber Herr Direktor, heute endlich kann ich Ihnen die letzten Ma-
nuskripte1 zu opus 27 u. 28 senden. Die Abschriften haben mich umso-
mehr aufgehalten, als ich dergleichen heute nur mehr mit grösster
Unlust und mit höchstens drittgrösstem Fleiss tue. Zum Glück giebt
mir die Akademie derzeit ausser Brot nicht viel zu tun; sonst wäre
das noch nicht fertig. In Hinkunft werde ich meine ersten Nieder
schriften so einrichten, dass sie, photographiert als Druckvorlage
dienen können. Viel Arbeit hat mir auch noch das Vorwort gemacht,
dessen Wiener Fassung2 ich noch zweimal ganz umgearbeitet habe, um
dann das Ganze zu verwerfen und eine neue zu schreiben, die ich aber
auch noch zweimal überarbeitet habe. Jetzt bin ich damit allerdings ziem-
lich zufrieden, tummle mich aber jedenfalls, sonst schreibe ich am
Ende noch eine neue. – Sonst gefällt es mir hier eigentlich überraschend
gut. Man achtet mich hier wirklich: ich bin das gar nicht gewöhnt und
werde mir bald einbilden, dass ich das gar nicht verdiene. Ich kann
in die meisten Theater Freikarten bekommen, während ich in Wien in
allen abgewiesen worden bin. Mit Schrekers verkehren wir sehr gern,
er ist ein sehr lieber Kerl und ein guter Kamerad und sie ist auch
sehr nett. Dann war ich mit Schnabel beisammen, mit Walter, Schünemann [,]
Kestenberg etc. – Ich hoffe Sie waren so freundlich diese Greissle3 Affä Affäre
[re] günstig zu erledigen: Insbesondere verspreche ich mir eine ab
schreckende Einwirkung auf Kugel. Lesen Sie bitte auch Greissle ein
bischen die von ihm noch wenig gelesenen Leviten. Mir sind solche
Angelegenheiten schon darum höchst unerfreulich, weil ich bei eini-
ger Achtsamkeit mit meinem Gehalt doch recht gut werde leben können!
Wir sind in der Pension so zufrieden und finden es so angenehm
bekannte und begrenzte Ausgaben zu haben, dass wir vielleicht die
ganze Zeit hier bleiben werden. – Wann kommen Sie nach Berlin?
nuskripte1 zu opus 27 u. 28 senden. Die Abschriften haben mich umso-
mehr aufgehalten, als ich dergleichen heute nur mehr mit grösster
Unlust und mit höchstens drittgrösstem Fleiss tue. Zum Glück giebt
mir die Akademie derzeit ausser Brot nicht viel zu tun; sonst wäre
das noch nicht fertig. In Hinkunft werde ich meine ersten Nieder
schriften so einrichten, dass sie, photographiert als Druckvorlage
dienen können. Viel Arbeit hat mir auch noch das Vorwort gemacht,
dessen Wiener Fassung2 ich noch zweimal ganz umgearbeitet habe, um
dann das Ganze zu verwerfen und eine neue zu schreiben, die ich aber
auch noch zweimal überarbeitet habe. Jetzt bin ich damit allerdings ziem-
lich zufrieden, tummle mich aber jedenfalls, sonst schreibe ich am
Ende noch eine neue. – Sonst gefällt es mir hier eigentlich überraschend
gut. Man achtet mich hier wirklich: ich bin das gar nicht gewöhnt und
werde mir bald einbilden, dass ich das gar nicht verdiene. Ich kann
in die meisten Theater Freikarten bekommen, während ich in Wien in
allen abgewiesen worden bin. Mit Schrekers verkehren wir sehr gern,
er ist ein sehr lieber Kerl und ein guter Kamerad und sie ist auch
sehr nett. Dann war ich mit Schnabel beisammen, mit Walter, Schünemann [,]
Kestenberg etc. – Ich hoffe Sie waren so freundlich diese Greissle3 Affä Affäre
[re] günstig zu erledigen: Insbesondere verspreche ich mir eine ab
schreckende Einwirkung auf Kugel. Lesen Sie bitte auch Greissle ein
bischen die von ihm noch wenig gelesenen Leviten. Mir sind solche
Angelegenheiten schon darum höchst unerfreulich, weil ich bei eini-
ger Achtsamkeit mit meinem Gehalt doch recht gut werde leben können!
Wir sind in der Pension so zufrieden und finden es so angenehm
bekannte und begrenzte Ausgaben zu haben, dass wir vielleicht die
ganze Zeit hier bleiben werden. – Wann kommen Sie nach Berlin?
Viele herzlichste Grüsse, auch an Frl. Rothe, Ihr
Arnold Schönberg
Beste Grüße auch von meiner Frau.
Manuskripte
Reinschrift. Stichvorlage
für den Originaldruck (ASGA B 18/2, Quelle C); Reinschrift und Stichvorlage
(ASGA B 18/2, Quelle H).
Wiener Fassung
Zu den ungedruckten
Vorstufen vgl. Bungardt et
al. 2011, S. 405.
Greissle
Von Felix Greissle und der Konzertdirektion Kugel veranstaltetes, defizitäres
Konzert. Schönberg nahm sich
auf Bitten seiner Tochter Gertrude der Schuldenfrage an (Gertrude Greissle an
Arnold Schönberg, 19. Jänner 1926; ASCC 10910; Erklärung, 19.
Jänner 1926; Erklärung, 22.
Jänner 1926).
28.I.1926
Lieber Herr Direktor, heute endlich kann ich Ihnen die letzten Manuskripte1 zu opus 27 u. 28 senden. Die Abschriften haben mich umsomehr aufgehalten, als ich dergleichen heute nur mehr mit
grösster Unlust und mit höchstens drittgrösstem Fleiss tue. Zum Glück giebt
mir die Akademie derzeit ausser Brot nicht
viel zu tun; sonst wäre das noch nicht fertig. In Hinkunft werde ich meine
ersten Niederschriften so einrichten, dass sie, photographiert
als Druckvorlage dienen können. Viel Arbeit hat mir auch noch das Vorwort gemacht, dessen Wiener Fassung2 ich noch zweimal ganz umgearbeitet habe, um dann das Ganze zu
verwerfen und eine neue zu schreiben, die ich aber auch noch zweimal
überarbeitet habe. Jetzt bin ich damit allerdings
ziemlich zufrieden, tummle mich aber jedenfalls, sonst schreibe ich
am Ende noch eine neue. – Sonst gefällt es mir hier eigentlich überraschend gut. Man achtet mich hier wirklich:
ich bin das gar nicht gewöhnt und werde mir bald einbilden, dass ich das
gar nicht verdiene. Ich kann in die meisten Theater Freikarten bekommen,
während ich in Wien in allen
abgewiesen worden bin. Mit Schrekers verkehren wir sehr gern, er ist ein sehr lieber Kerl und ein guter Kamerad
und sie ist auch sehr nett. Dann war
ich mit Schnabel beisammen, mit Walter, Schünemann
,
Kestenberg etc. – Ich hoffe Sie waren so
freundlich diese Greissle3
Affäre
günstig zu erledigen: Insbesondere verspreche ich mir eine abschreckende Einwirkung auf Kugel. Lesen Sie bitte auch Greissle ein bischen die von ihm noch wenig gelesenen
Leviten. Mir sind solche Angelegenheiten schon darum höchst unerfreulich,
weil ich bei einiger Achtsamkeit mit meinem Gehalt doch recht gut werde leben
können! Wir sind in der Pension so zufrieden und finden es so angenehm
bekannte und begrenzte Ausgaben zu haben, dass wir vielleicht die
ganze Zeit hier bleiben werden. – Wann kommen Sie nach Berlin?
Viele herzlichste Grüsse, auch an Frl. Rothe, Ihr
Arnold Schönberg
Beste Grüße auch von meiner Frau.
Manuskripte
Reinschrift. Stichvorlage
für den Originaldruck (ASGA B 18/2, Quelle C); Reinschrift und Stichvorlage
(ASGA B 18/2, Quelle H).
Wiener Fassung
Zu den ungedruckten
Vorstufen vgl. Bungardt et
al. 2011, S. 405.
Greissle
Von Felix Greissle und der Konzertdirektion Kugel veranstaltetes, defizitäres
Konzert. Schönberg nahm sich
auf Bitten seiner Tochter Gertrude der Schuldenfrage an (Gertrude Greissle an
Arnold Schönberg, 19. Jänner 1926; ASCC 10910; Erklärung, 19.
Jänner 1926; Erklärung, 22.
Jänner 1926).
28. Jänner 1926
29. Jänner 1926
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Brief, Kopie
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 28. Jänner 1926, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.1179.