Berlin, Charlottenburg 2
Steinplatz 2. Pension.
Sehr geehrter Herr Direktor,
Ich schreibe Ihnen im Auftrage meines Mannes, der
mit Arbeit sehr überbürdet ist und da die Angelegenheit1
sehr eilt, Sie, verehrter Herr Direktor, bittet diese Form zu
entschuldigen.
Sein Schwiegersohn Felix Greissle hatte vor einigen Tagen
ein Konzert2 das[s] durch viel Missgeschick und vielleicht auch
durch ein bischen Leichtsinn und Leichtgläubigkeit seinerseits,
ein Defizit aufweist, das[s], da er noch überdies in grossen Schulden
steckt, unmöglich von ihm beglichen werden kann. Mein Mann möchte
Sie nun vielmals bitten, an seiner statt mit Greissle und vor
allem mit Kugel (der allem Anschein Greissle mit leeren Ver-
sprechungen hineingelegt hat) zu sprechen und den dann von Ihnen
als richtig befundenen Betrag von seinem Konto zu begleichen.
Ausserdem wird Dr. v. Webern3 sich bei der Universaledition zur
Tilgung der anderen Schulden einen Betrag von ungefähr S. 1700.-
abholen. Ich bitte Sie, verehrter Herr Direktor, diese beiden
Zahlungen (die den Betrag von 3000 S. aber nicht übersteigen
dürfen) zu bewilligen, mein Mann überlässt Ihnen die Art der
Verrechnung vollkommen.
Verzeihen Sie, dass wir dadurch Ihre Zeit in Anspruch nehmen,
aber seien Sie versichert, dass Sie uns mit diesem Dienst einer
grossen Sorge entheben und wir Ruhe schon sehr nötig hätten.
Mit den herzlichsten Grüssen von mir und meinem Mann
und im Voraus besten Dank
Lieber Herr Direktor, bitte nach der Auszahlung von Greissle auch eine schriftliche Erklärung
die ich über monatliche Zalungen an ihn abgegeben habe, zurückzufordern und sie mir
einzuschicken. Denn dies[e] Zalungen stelle ich für d[i]e nächste Zeit ein. Es ent-
fallen also die Auszalung[en] Ihrerseits, die wir zuletzt verabredet hatten. Herzliche Grüße Ihr
Arnold Schönberg
Bitte um Diskretion!
Ich arbeite nämlich soviel ich Zeit habe, an der
Herstellung der Reinschriften4 der beiden letzten
Chöre
5 , Und das Vorwort habe ich seither schon
dreimal neu gemacht. Die vorletzte Form6
werde ich Ihnen wahrscheinlich für den Anbruch als Aufsatz
schicken. Herzl Gruß Ihr Arnold Schönberg
Berlin, Charlottenburg 2
Steinplatz 2. Pension.
Sehr geehrter Herr Direktor,
Ich schreibe Ihnen im Auftrage meines Mannes, der mit Arbeit sehr überbürdet ist und da die Angelegenheit1 sehr eilt, Sie, verehrter Herr Direktor, bittet diese Form zu entschuldigen.
Sein Schwiegersohn Felix Greissle hatte vor einigen Tagen ein Konzert2 das durch viel Missgeschick und vielleicht auch durch ein bischen Leichtsinn und Leichtgläubigkeit seinerseits, ein Defizit aufweist, das, da er noch überdies in grossen Schulden steckt, unmöglich von ihm beglichen werden kann. Mein Mann möchte Sie nun vielmals bitten, an seiner statt mit Greissle und vor allem mit Kugel (der allem Anschein Greissle mit leeren Versprechungen hineingelegt hat) zu sprechen und den dann von Ihnen als richtig befundenen Betrag von seinem Konto zu begleichen. Ausserdem wird Dr. v. Webern3 sich bei der Universaledition zur Tilgung der anderen Schulden einen Betrag von ungefähr S. 1700.- abholen. Ich bitte Sie, verehrter Herr Direktor, diese beiden Zahlungen (die den Betrag von 3000 S. aber nicht übersteigen dürfen) zu bewilligen, mein Mann überlässt Ihnen die Art der Verrechnung vollkommen.
Verzeihen Sie, dass wir dadurch Ihre Zeit in Anspruch nehmen, aber seien Sie versichert, dass Sie uns mit diesem Dienst einer grossen Sorge entheben und wir Ruhe schon sehr nötig hätten.
Mit den herzlichsten Grüssen von mir und meinem Mann und im Voraus besten Dank
Gertrud Schönberg
Lieber Herr Direktor, bitte nach der Auszahlung von Greissle auch eine schriftliche Erklärung die ich über monatliche Zalungen an ihn abgegeben habe, zurückzufordern und sie mir einzuschicken. Denn diese Zalungen stelle ich für die nächste Zeit ein. Es entfallen also die Auszalungen Ihrerseits, die wir zuletzt verabredet hatten. Herzliche Grüße Ihr Arnold Schönberg
Bitte um Diskretion!
Ich arbeite nämlich soviel ich Zeit habe, an der Herstellung der Reinschriften4 der beiden letzten Chöre5 , das Vorwort habe ich seither schon dreimal neu gemacht. Die vorletzte Form6 werde ich Ihnen wahrscheinlich für den Anbruch als Aufsatz schicken. Herzl Gruß Ihr Arnold Schönberg

22. Jänner 1926


Datierung erschlossen aus Arnold Schönberg an Gertrude Schönberg, 22. Jänner 1926 (ASCC 1178)

Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief

Zitierhinweis:

Gertrud und Arnold Schönberg an Universal-Edition, 22. Jänner 1926, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.7160.

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