CHARLOTTENBURG 2
PENSION BAVARIA
22.IV.1926
Lieber Herr Doktor Kalmus, ich antworte Ihnen sofort, damit die
Sache endlich vorwärts kommt. Ich bin über diese Verzöge-
rung sehr bös. Alles das hätte man mich schon vor zwei
Monaten fragen können
I. Der Untersatz in de[n] Spiegelkanons1 soll so durchgeführt
werden, wie Sie schreiben, also: jede längere Note in die
Mitte zwischen die nächst kürzere.
II. Der Text hinge[n]gen kann, wie im Manuskript, normal ge-
stochen werden, da man nur die Tatsache der Notenumkehrung
zu entnehmen braucht, denn die Worte sind ja nicht umge-
kehrt.
III. Es muss (wie Sie richtig konstatieren) heissen: Ein Spruch und zwei Variationen über ihn. „drei“ ist also falsch. Besten Dank!
IV. Die Kopiatur der Suite möchte ich doch in Berlin vor-
nehmen lassen, denn es steht mir hiefür Kapellmeister
Schmied zur Verfügung, der mir durch seine ausgezeichnete
Arbeit einen guten Dienst lei[s]t[e]n und auch die Parti-
tur gut korrigier[e]n wird[.] Vor allem aber mag ich es nicht
riskieren, das Manuskript2 durch [d]ie Post zu schicken, weil
mir die Neuanfertigung einer Partitur zuviel Mühe machen
würde. Herr Schmied hat übrigens versprochen, nicht die Ber
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Preise zu berechnen, sondern wird sich mit einem ge-
ringerem Satz zufrieden geben, so dass sein[e] Arbeit für die
UE gar nicht zu teuer kommt, da man ja dadurch Revisions-
gelder ersparen wird. Bitte teilen Sie mir also umgehend
den Höchstbetrag, den Sie pro Seite zahlen wollen, mit. Ver
gessen Sie aber dabei nicht, dass meine Noten immer am teu
ersten sind, weil nicht nur bei jeder Note 2–3 Zeiche[n] ste-
hen, sondern auch die Einteilung eh[e]r schwierig ist. Ich
mag auch nicht soviel Zeit verlieren, bis das den Weg nach
Wien und zurück gemacht hat und bis man sich in Wien zu
einer Arbeit entschliesst, ist man wo anders schon längst
fertig damit. Und mit meinen Arbeiten hat es ja die UE [sch]
scheinbar nicht so eilig.
Bitte beschleunigen Sie nun alles wirklich.
Herzlichste
Grüße, Ihr


CHARLOTTENBURG 2
PENSION BAVARIA
22.IV.1926
Lieber Herr Doktor Kalmus, ich antworte Ihnen sofort, damit die Sache endlich vorwärts kommt. Ich bin über diese Verzögerung sehr bös. Alles das hätte man mich schon vor zwei Monaten fragen können
I. Der Untersatz in den Spiegelkanons1 soll so durchgeführt werden, wie Sie schreiben, also: jede längere Note in die Mitte zwischen die nächst kürzere.
II. Der Text hingegen kann, wie im Manuskript, normal gestochen werden, da man nur die Tatsache der Notenumkehrung zu entnehmen braucht, denn die Worte sind ja nicht umgekehrt.
III. Es muss (wie Sie richtig konstatieren) heissen: Ein Spruch und zwei Variationen über ihn. „drei“ ist also falsch. Besten Dank!
IV. Die Kopiatur der Suite möchte ich doch in Berlin vornehmen lassen, denn es steht mir hiefür Kapellmeister Schmied zur Verfügung, der mir durch seine ausgezeichnete Arbeit einen guten Dienst leisten und auch die Partitur gut korrigieren wird. Vor allem aber mag ich es nicht riskieren, das Manuskript2 durch die Post zu schicken, weil mir die Neuanfertigung einer Partitur zuviel Mühe machen würde. Herr Schmied hat übrigens versprochen, nicht die Berliner Preise zu berechnen, sondern wird sich mit einem geringerem Satz zufrieden geben, so dass seine Arbeit für die UE gar nicht zu teuer kommt, da man ja dadurch Revisionsgelder ersparen wird. Bitte teilen Sie mir also umgehend den Höchstbetrag, den Sie pro Seite zahlen wollen, mit. Vergessen Sie aber dabei nicht, dass meine Noten immer am teuersten sind, weil nicht nur bei jeder Note 2–3 Zeichen stehen, sondern auch die Einteilung eher schwierig ist. Ich mag auch nicht soviel Zeit verlieren, bis das den Weg nach Wien und zurück gemacht hat und bis man sich in Wien zu einer Arbeit entschliesst, ist man wo anders schon längst fertig damit. Und mit meinen Arbeiten hat es ja die UE scheinbar nicht so eilig.
Bitte beschleunigen Sie nun alles wirklich.
Herzlichste Grüße, Ihr Arnold Schönberg

22. April 1926


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 22. April 1926, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.1210.

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