Lieber Herr Schönberg!
Die Aufführung1 Ihres Sextettes liess sehr viel zu wünschen
übrig; einige Stellen gelangen den Herren sehr gut, andere dahin-
gegen wurden dermassen verpatzt, dass es zum Davonlaufen war.
Immerhin war die Aufführung besser als die, welche damals im Archi-
tektenhause
stattfand
2. Mir hat das Werk jetzt besser gefallen, und
wenn es mir im Ganzen auch noch etwas chaotisch vorkommt, wenn ich
die architektonische Gliederung auch noch nicht auffasse, so sehe ich
doch in vielen Stellen starke Talentproben! Die Aufnahme war sehr
freundlich, doch will das nichts besagen, da ein sehr schlechtes
Quartett von Juon noch freundlicher aufgenommen wurde. Einige Kriti-
ken
3 lege ich Ihnen bei. Es werden wohl noch mehr erschienen sein, doch
vermutlich keine guten mit Ausnahme der Nationalzeitung4, die ich mir
noch beschaffen will.*
Was Ihr Quartett anbelangt, so wollen wir es drucken, aber ich möch
te Ihnen doch dringend raten, eine Aufführung6 abzuwarten, damit nicht
ein Wunsch noch Aenderungen vorzunehmen zu spät kommt.
Fried hat noch nichts wieder von sich hören lassen. Da auch ein

anderes Orchester, das grosse Unternehmungen plant, auf Ihre sin-
fonische Dichtung
reflektiert, so werde ich jetzt noch einmal anfra-
gen.
Ich bin heute etwas pressiert und muss abbrechen. Die weiteren
Fragen Ihres Briefes7 werde ich nächster Tage beantworten.
Mit besten Grüssen auch an Ihre Frau
Ihr

Max Marschalk
Lieber Herr Schönberg!
Die Aufführung1 Ihres Sextettes liess sehr viel zu wünschen übrig; einige Stellen gelangen den Herren sehr gut, andere dahingegen wurden dermassen verpatzt, dass es zum Davonlaufen war. Immerhin war die Aufführung besser als die, welche damals im Architektenhause stattfand2. Mir hat das Werk jetzt besser gefallen, und wenn es mir im Ganzen auch noch etwas chaotisch vorkommt, wenn ich die architektonische Gliederung auch noch nicht auffasse, so sehe ich doch in vielen Stellen starke Talentproben! Die Aufnahme war sehr freundlich, doch will das nichts besagen, da ein sehr schlechtes Quartett von Juon noch freundlicher aufgenommen wurde. Einige Kritiken3 lege ich Ihnen bei. Es werden wohl noch mehr erschienen sein, doch vermutlich keine guten mit Ausnahme der Nationalzeitung4, die ich mir noch beschaffen will.
Was Ihr Quartett anbelangt, so wollen wir es drucken, aber ich möch te Ihnen doch dringend raten, eine Aufführung6 abzuwarten, damit nicht ein Wunsch noch Aenderungen vorzunehmen zu spät kommt.
Fried hat noch nichts wieder von sich hören lassen. Da auch ein anderes Orchester, das grosse Unternehmungen plant, auf Ihre sinfonische Dichtung reflektiert, so werde ich jetzt noch einmal anfragen.
Ich bin heute etwas pressiert und muss abbrechen. Die weiteren Fragen Ihres Briefes7 werde ich nächster Tage beantworten.
Mit besten Grüssen auch an Ihre Frau Ihr
Max Marschalk

30. Oktober 1906



The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 30. Oktober 1906, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.12395.

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