Lieber Herr Schönberg!
Ich beeile mich – Sie wissen ja, dass ich mich immer beeile! –
Ihre Fragen zu beantworten.
Ad 1. Ihr Quartett habe ich erhalten. Es ist schon beim Stecher1,
und wenn Sie etwas weniger bummlig mit dem Lesen der Korrektur sein
werden, als die Herren Autoren es gewöhnlich sind, so wird es im
Laufe des Monats herauskommen2 können.
Ad 2. Ihre Orchester-Lieder habe ich mir erst von Fried zurück
fordern müssen. Sie sind inzwischen dem Allgemeinen deutschen Musik-
verein
eingereicht worden. Versäumen Sie es nun nicht sofort einen
dringlichen Brief an Strauss zu schreiben, denn die Conferenz, in der
das Programm des nächsten Musikfestes3 beraten werden wird, wird, so
viel ich weiss, am 17. Januar stattfinden.
Ad. 3. Was Ihre Vorschussangelegenheit anbelangt, so ist sie in-
sofern geregelt, als Sie jetzt nicht in Anspruch genommen werden
sollen. Wir werden hoffe ich Gelegenheit haben in Wien über diese An-
gelegenheit eingehend zu conferieren, denn ich habe die Absicht den
Aufführungen4 Ihres Quartettes und Ihrer Kammersinfonie beizuwohnen,
wofern ich es werde ermöglichen können.
Ad 4. Von Ihren Liedern habe ich noch einmal eine Revision ein-
fordern müssen. Ich hoffe, dass sie rechtzeitig etwa bis zum 20. fer-
tig gestellt sein werden. Wir werden den Wiener Sortimentern brief-
lich Mitteilung machen und sie auffordern eine Conditions[.]-Sendung zu be-

stellen. Mehr zu tun liegt nicht in unserer Macht. Bieten Sie Ihren
und den Einfluss Ihrer Freunde auf, dass die Sortimenter Ihre Sa-
chen ausstellen.
Ad 5. Von Fried habe ich nichts wieder gehört. Ich nehme an, dass
er die sinfonische Dichtung aufführen5 wird. Die Stimmen6 können Sie
ja einstweilen schon immer an uns schicken, damit sie, sobald Fried
sie verlangt, zur Hand sind. Fried möchte übrigens sehr gern einen
Klavierauszug haben, und auch ich bin der Meinung, dass wir ohne einen
Klavierauszug nicht auskommen. Wenn Sie selbst keinen haben und auch
niemanden wissen, der ihn gut anfertigen könnte, so möchte ich die
Partitur7 einmal dem Otto Taubmann geben, der ein sehr guter Arrangeur
sein soll. Wären Sie damit einverstanden?
Ad 6. Die Drucklegung der Sinfonie hätte schon längst beendet
sein können, wenn Sie ein zweites Ex. zur Verfügung hätten. So müssen
wir warten, bis die Partitur wieder disponibel sein wird.
Ad 7. Die Korrektur in Op. 6 Nr. 3 können Sie selbst besorgen, da
Ihnen die Revision des Werkes8 noch einmal zugehen wird.
Ad 8. Ueber einen Beitrag zu den Abschreibekosten Ihres Quartet-
tes können wir mündlich verhandeln.
Ad 9. Ob ich nach Wien kommen werde, wird lediglich davon abhän-
gen, ob ich um die Zeit nicht gerade werde nach Stuttgart reisen müs-
sen, wo man voraussichtlich im Februar eine Oper von mir aufführen9
will.
Auch ich hoffe in Ihrem Interesse und in dem des Verlages, dass
Sie diesmal einen ausgesprochenen Erfolg haben werden. Sobald er da
sein wird, wird der Zeitpunkt für uns gekommen sein durch geeignete
Propaganda und Reklame etwas nachzuhelfen. Also: Ich wünsche Ihnen
im allgemeinen und im besonderen alles Gute und Schöne für das Jahr
1907.
Mit besten Grüssen von Haus zu Haus
Ihr

Max Marschalk
Lieber Herr Schönberg!
Ich beeile mich – Sie wissen ja, dass ich mich immer beeile! – Ihre Fragen zu beantworten.
Ad 1. Ihr Quartett habe ich erhalten. Es ist schon beim Stecher1, und wenn Sie etwas weniger bummlig mit dem Lesen der Korrektur sein werden, als die Herren Autoren es gewöhnlich sind, so wird es im Laufe des Monats herauskommen2 können.
Ad 2. Ihre Orchester-Lieder habe ich mir erst von Fried zurück fordern müssen. Sie sind inzwischen dem Allgemeinen deutschen Musikverein eingereicht worden. Versäumen Sie es nun nicht sofort einen dringlichen Brief an Strauss zu schreiben, denn die Conferenz, in der das Programm des nächsten Musikfestes3 beraten werden wird, wird, so viel ich weiss, am 17. Januar stattfinden.
Ad. 3. Was Ihre Vorschussangelegenheit anbelangt, so ist sie insofern geregelt, als Sie jetzt nicht in Anspruch genommen werden sollen. Wir werden hoffe ich Gelegenheit haben in Wien über diese Angelegenheit eingehend zu conferieren, denn ich habe die Absicht den Aufführungen4 Ihres Quartettes und Ihrer Kammersinfonie beizuwohnen, wofern ich es werde ermöglichen können.
Ad 4. Von Ihren Liedern habe ich noch einmal eine Revision einfordern müssen. Ich hoffe, dass sie rechtzeitig etwa bis zum 20. fertig gestellt sein werden. Wir werden den Wiener Sortimentern brieflich Mitteilung machen und sie auffordern eine Conditions-Sendung zu bestellen. Mehr zu tun liegt nicht in unserer Macht. Bieten Sie Ihren und den Einfluss Ihrer Freunde auf, dass die Sortimenter Ihre Sachen ausstellen.
Ad 5. Von Fried habe ich nichts wieder gehört. Ich nehme an, dass er die sinfonische Dichtung aufführen5 wird. Die Stimmen6 können Sie ja einstweilen schon immer an uns schicken, damit sie, sobald Fried sie verlangt, zur Hand sind. Fried möchte übrigens sehr gern einen Klavierauszug haben, und auch ich bin der Meinung, dass wir ohne einen Klavierauszug nicht auskommen. Wenn Sie selbst keinen haben und auch niemanden wissen, der ihn gut anfertigen könnte, so möchte ich die Partitur7 einmal dem Otto Taubmann geben, der ein sehr guter Arrangeur sein soll. Wären Sie damit einverstanden?
Ad 6. Die Drucklegung der Sinfonie hätte schon längst beendet sein können, wenn Sie ein zweites Ex. zur Verfügung hätten. So müssen wir warten, bis die Partitur wieder disponibel sein wird.
Ad 7. Die Korrektur in Op. 6 Nr. 3 können Sie selbst besorgen, da Ihnen die Revision des Werkes8 noch einmal zugehen wird.
Ad 8. Ueber einen Beitrag zu den Abschreibekosten Ihres Quartettes können wir mündlich verhandeln.
Ad 9. Ob ich nach Wien kommen werde, wird lediglich davon abhängen, ob ich um die Zeit nicht gerade werde nach Stuttgart reisen müssen, wo man voraussichtlich im Februar eine Oper von mir aufführen9 will.
Auch ich hoffe in Ihrem Interesse und in dem des Verlages, dass Sie diesmal einen ausgesprochenen Erfolg haben werden. Sobald er da sein wird, wird der Zeitpunkt für uns gekommen sein durch geeignete Propaganda und Reklame etwas nachzuhelfen. Also: Ich wünsche Ihnen im allgemeinen und im besonderen alles Gute und Schöne für das Jahr 1907.
Mit besten Grüssen von Haus zu Haus Ihr
Max Marschalk

9. Jänner 1907


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 9. Jänner 1907, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.12397.

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