Nieder Oesterreich
Lieber Herr Schönberg!
So schnell wie Sie denken wird sich Ihre Angelegenheit wohl
nicht regeln lassen. Herr Messner lebt in München, und das Hin und
Her erfordert viel Zeit. Es handelt sich hier um einen Entschluss
von ziemlicher Tragweite. Läge Ihnen daran Ihre Arbeiten einstweilen
nur gedruckt zu haben, so liesse sich vielleicht schneller eine Eini-
gung erzielen. Ein Verleger, der Ihnen alle Ihre Sachen druckt, ohne
Ihnen einstweilen ein Honorar zu geben, übernimmt schon dadurch ein
Risiko, das nicht klein zu nennen ist. Ein Verleger, der Geschäfte
machen will, wird sich, soweit ich die Sachlage übersehen kann, nie-
mals bereit finden mit Ihnen in Verbindung zu treten. Deshalb glaube
ich auch einstweilen noch nicht daran, dass die Universal-Edition
oder Breitkopf und Härtel Ihnen Anträge machen werden. Sollte es doch
der Fall sein und zwar bevor wir uns einigen könnten, so hätten wir
wohl oder übel das Nachsehen. – Es mag sein, dass Busoni1 ein feiner
Kopf ist; ein unklarer ist er sicherlich und von einem ästhetischen
Snobismus befallen, der nicht gerade angenehm wirkt.
Mit besten Grüssen
Max Marschalk

Nieder Oesterreich
Lieber Herr Schönberg!
So schnell wie Sie denken wird sich Ihre Angelegenheit wohl nicht regeln lassen. Herr Messner lebt in München, und das Hin und Her erfordert viel Zeit. Es handelt sich hier um einen Entschluss von ziemlicher Tragweite. Läge Ihnen daran Ihre Arbeiten einstweilen nur gedruckt zu haben, so liesse sich vielleicht schneller eine Einigung erzielen. Ein Verleger, der Ihnen alle Ihre Sachen druckt, ohne Ihnen einstweilen ein Honorar zu geben, übernimmt schon dadurch ein Risiko, das nicht klein zu nennen ist. Ein Verleger, der Geschäfte machen will, wird sich, soweit ich die Sachlage übersehen kann, niemals bereit finden mit Ihnen in Verbindung zu treten. Deshalb glaube ich auch einstweilen noch nicht daran, dass die Universal-Edition oder Breitkopf und Härtel Ihnen Anträge machen werden. Sollte es doch der Fall sein und zwar bevor wir uns einigen könnten, so hätten wir wohl oder übel das Nachsehen. – Es mag sein, dass Busoni1 ein feiner Kopf ist; ein unklarer ist er sicherlich und von einem ästhetischen Snobismus befallen, der nicht gerade angenehm wirkt.
Mit besten Grüssen
Max Marschalk

14. September 1909


Rückseite: Notizen von Arnold Schönberg

The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 14. September 1909, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.12414.

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