Arnold Schönberg an Universal-Edition
7. März 1910
7/3.1910
Verehrter Herr Direktor Herzka, durch die Dazwischenkunft Schrekers kam ich
nicht dazu noch eine Sache mit Ihnen zu besprechen.
nicht dazu noch eine Sache mit Ihnen zu besprechen.
Ich möchte Sie nämlich ersuchen, mir womöglich irgend eine Arbeit
(Revision, Klavierauszug oder dergl) für die Universal Edition zu
geben, da ich genötigt bin, mein Einkommen irgendwie zu ver-
größern. Sie wissen ich habe heuer wenig Stunden. Mein
Einkommen hat sich verringert, meine Ausgaben haben sich erhöht.
Ich muss da etwas thun. Aus dem Verlag werde ich doch, wie
es scheint nicht sehr bald etwas bekommen. Vor Allem aber
brauche ich jetzt sehr dringend Geld. Ich denke Sie werden schon
irgend eine Arbeit für mich finden (eventuell Instrumenta-
tion?).
(Revision, Klavierauszug oder dergl) für die Universal Edition zu
geben, da ich genötigt bin, mein Einkommen irgendwie zu ver-
größern. Sie wissen ich habe heuer wenig Stunden. Mein
Einkommen hat sich verringert, meine Ausgaben haben sich erhöht.
Ich muss da etwas thun. Aus dem Verlag werde ich doch, wie
es scheint nicht sehr bald etwas bekommen. Vor Allem aber
brauche ich jetzt sehr dringend Geld. Ich denke Sie werden schon
irgend eine Arbeit für mich finden (eventuell Instrumenta-
tion?).
Aber ich wollte Ihnen noch etwas anderes sagen.
Sie wissen, dass ich
male1. Aber Sie wissen nicht, dass meine Arbeiten von Sachver-
ständigen sehr gelobt werden. Ich soll auch nächstes Jahr ausstellen2.
Und da denke ich, vielleicht könnten Sie bekannte Mäcene
veranlassen, mir Bilder abzukaufen, oder sich von mir
malen zu lassen. Ich bin gerne bereit Ihnen als ein Probe-
bild zu machen. Ich möchte Sie unentgeltlich malen, wenn
Sie mir zusichern, dass Sie mir dann Aufträge verschaffen.
Nur dürfen Sie den Leuten nicht sagen, dass Ihnen meine
Bilder gefallen werden. Sondern Sie müssen Ihnen
begreiflich machen, dass Ihnen meine Bilder gefallen
müssen, weil sie von Fachautoritäten gelobt wurden;
und vor Allem aber, dass es doch höchstviel interessanter ist
von einem Musiker meines Rufes gemalt zu werden oder
ein Bild zu besitzen, als von irgend einem Kunsthandwerker,
dessen Namen in 20 Jahren kein Mensch mehr kennt,
während meiner schon heute der Musikgeschichte angehört.
Ich verlange für ein Porträt3 in Lebensgröße 2 bis sechs Sitzungen
und zweihundert bis 400 Kronen. Das ist doch sehr billig,
male1. Aber Sie wissen nicht, dass meine Arbeiten von Sachver-
ständigen sehr gelobt werden. Ich soll auch nächstes Jahr ausstellen2.
Und da denke ich, vielleicht könnten Sie bekannte Mäcene
veranlassen, mir Bilder abzukaufen, oder sich von mir
malen zu lassen. Ich bin gerne bereit Ihnen als ein Probe-
bild zu machen. Ich möchte Sie unentgeltlich malen, wenn
Sie mir zusichern, dass Sie mir dann Aufträge verschaffen.
Nur dürfen Sie den Leuten nicht sagen, dass Ihnen meine
Bilder gefallen werden. Sondern Sie müssen Ihnen
begreiflich machen, dass Ihnen meine Bilder gefallen
müssen, weil sie von Fachautoritäten gelobt wurden;
und vor Allem aber, dass es doch höchstviel interessanter ist
von einem Musiker meines Rufes gemalt zu werden oder
ein Bild zu besitzen, als von irgend einem Kunsthandwerker,
dessen Namen in 20 Jahren kein Mensch mehr kennt,
während meiner schon heute der Musikgeschichte angehört.
Ich verlange für ein Porträt3 in Lebensgröße 2 bis sechs Sitzungen
und zweihundert bis 400 Kronen. Das ist doch sehr billig,
wenn man bedenkt, dass man für diese Bilder in 20 Jahren
das 10fache und 40 Jahren das 100fache bezalen wird.
Das wissen Sie wol selbst und ich hoffe Sie machen über eine
so ernste Sache keine schlechten Witze, sondern nehmen
sie so ernst, wie sie ist.
das 10fache und 40 Jahren das 100fache bezalen wird.
Das wissen Sie wol selbst und ich hoffe Sie machen über eine
so ernste Sache keine schlechten Witze, sondern nehmen
sie so ernst, wie sie ist.
Ich bin also, wie gesagt bereit, Ihr
Porträt4 als Probebild
unentgeltlich zu malen, wenn Sie mir zusichern, dass ich darauf-
hin Aufträge erhalte. Allerdings aber: darauf lasse ich
mich nicht ein, dass der Ankauf eines Bildes davon abhängt
ob es dem Besteller gefällt. Der Besteller weiß, wer
malt; er muß auch wissen, dass er nichts davon versteht,
dass aber das Bild Kunstwert oder doch mindestens historischen
Wert hat.
unentgeltlich zu malen, wenn Sie mir zusichern, dass ich darauf-
hin Aufträge erhalte. Allerdings aber: darauf lasse ich
mich nicht ein, dass der Ankauf eines Bildes davon abhängt
ob es dem Besteller gefällt. Der Besteller weiß, wer
malt; er muß auch wissen, dass er nichts davon versteht,
dass aber das Bild Kunstwert oder doch mindestens historischen
Wert hat.
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir in dieser
Hinsicht helfen wollten und glaube Sie würden sich nicht
nur um mich ein Verdienst erwerben, wenn Sie darin
nicht wienerisch, sondern großzügig: weltbürgerisch
denken wollten.
Hinsicht helfen wollten und glaube Sie würden sich nicht
nur um mich ein Verdienst erwerben, wenn Sie darin
nicht wienerisch, sondern großzügig: weltbürgerisch
denken wollten.
Bitte bestellen Sie das Gurre
Notenpapier5 sofort.
Ich habe trotz meiner von Ihnen boshafterweise als
„gefährliche Drohung“ aufgefassten Bemerkung schon
mit Vorarbeiten begonnen6.
Ich habe trotz meiner von Ihnen boshafterweise als
„gefährliche Drohung“ aufgefassten Bemerkung schon
mit Vorarbeiten begonnen6.
Herzl Gruß
Arnold Schönberg
dass ich male
Das bildnerische Werk
Arnold Schönbergs umfasst 347
Werknummern. Die Mehrzahl der Gemälde, Zeichnungen und Designs entstand
in den Jahren 1906 bis 1911 (Schönberg 2005).
ausstellen
8. Oktober 1910, Wien, Ausstellung im Kunstsalon Heller (Bienenfeld 1910, S. 18f.); 18. Dezember 1911–1. Jänner 1912, München, Galerie Thannhauser; Erste Ausstellung der
Redaktion Der Blaue Reiter (Gabriele
Münter, Fotos der Ausstellung Der Blaue Reiter; ASCI
PH8037, ASCI
PH8063, ASCI
PH8038); 6.– Ende Jänner 1912, Budapest, Künstlerhaus, Ausstellung der
Neukunst-Gruppe, Wien (Pester Lloyd
1912).
Porträt
Die portraitierten Personen
entstammen dem persönlichen Umfeld Schönbergs. Familie: Mathilde, Gertrude und Georg
Schönberg, Clara und
Alexander Zemlinsky; Freunde,
Schüler, Interpret:innen: Helene
Nahowski und Alban
Berg, Karl und
Etta Werndorff; Personen des
Wiener Kulturlebens: Musikwissenschaftler Hugo
Botstiber und Galerist Hugo
Heller (Schönberg 2005).
Ihr
Porträt
Arnold
Schönberg, Emil Hertzka, Öl auf Pappe, Catalogue raisonné 86 (ASCI
CR086; Schönberg
2005, S. 161, 91).
Notenpapier
Für die Arbeit der Gurre-Lieder benötigtes 48-zeiliges
Notenpapier, das neu hergestellt werden musste.
begonnen
Schönberg nahm nach über
sechsjähriger Unterbrechung die Arbeit an den Gurre-Liedern wieder auf (ASGA B 16/3, S.
25).
7/3.1910
Verehrter Herr Direktor Herzka, durch die Dazwischenkunft Schrekers kam ich nicht dazu noch eine Sache mit Ihnen zu
besprechen.
Ich möchte Sie nämlich ersuchen, mir womöglich irgend eine Arbeit (Revision,
Klavierauszug oder dergl) für die Universal
Edition zu geben, da ich genötigt bin, mein Einkommen
irgendwie zu vergrößern. Sie wissen ich habe heuer wenig Stunden. Mein
Einkommen hat sich verringert, meine Ausgaben haben sich erhöht. Ich
muss da etwas thun. Aus dem Verlag werde ich doch, wie es scheint nicht
sehr bald etwas bekommen. Vor Allem aber brauche ich jetzt sehr dringend Geld. Ich denke Sie werden schon irgend eine
Arbeit für mich finden (eventuell Instrumentation?).
Aber ich wollte Ihnen noch etwas anderes sagen.
Sie wissen, dass ich male1. Aber Sie wissen nicht, dass meine Arbeiten von Sachverständigen sehr gelobt werden. Ich soll auch nächstes Jahr ausstellen2. Und da denke ich, vielleicht könnten Sie bekannte Mäcene
veranlassen, mir Bilder abzukaufen, oder sich von mir malen zu lassen.
Ich bin gerne bereit Ihnen ein Probebild zu machen. Ich möchte Sie unentgeltlich malen, wenn
Sie mir zusichern, dass Sie mir dann Aufträge verschaffen. Nur dürfen
Sie den Leuten nicht sagen, dass Ihnen meine Bilder gefallen werden. Sondern Sie müssen Ihnen begreiflich
machen, dass Ihnen meine Bilder gefallen müssen, weil sie von
Fachautoritäten gelobt wurden;[?]
und vor Allem aber, dass es doch viel interessanter ist von einem Musiker meines Rufes gemalt zu werden
oder ein Bild zu besitzen, als von irgend einem Kunsthandwerker,
dessen Namen in 20 Jahren kein Mensch mehr kennt, während meiner schon
heute der Musikgeschichte angehört. Ich verlange für ein Porträt3
in Lebensgröße 2 bis sechs Sitzungen und
zweihundert bis 400 Kronen. Das ist doch sehr billig, wenn man bedenkt, dass man für diese Bilder in 20 Jahren das 10fache und
40 Jahren das 100fache bezalen wird. Das wissen Sie wol selbst und ich
hoffe Sie machen über eine so ernste Sache keine schlechten Witze, sondern
nehmen sie so ernst, wie sie ist.
Ich bin also, wie gesagt bereit, Ihr
Porträt4 als Probebild
unentgeltlich zu malen, wenn Sie mir zusichern, dass ich daraufhin Aufträge erhalte. Allerdings aber: darauf lasse ich
mich nicht ein, dass der Ankauf eines Bildes davon abhängt ob es dem
Besteller gefällt. Der Besteller weiß, wer malt; er muß auch wissen, dass
er nichts davon versteht, dass aber das Bild Kunstwert oder doch mindestens
historischen Wert hat.
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir in dieser Hinsicht helfen wollten
und glaube Sie würden sich nicht nur um mich ein
Verdienst erwerben, wenn Sie darin nicht wienerisch, sondern großzügig: weltbürgerisch denken
wollten.
Bitte bestellen Sie das Gurre
Notenpapier5 sofort. Ich habe trotz
meiner von Ihnen boshafterweise als „gefährliche Drohung“
aufgefassten Bemerkung schon mit Vorarbeiten begonnen6.
Herzl Gruß
Arnold Schönberg
dass ich male
Das bildnerische Werk
Arnold Schönbergs umfasst 347
Werknummern. Die Mehrzahl der Gemälde, Zeichnungen und Designs entstand
in den Jahren 1906 bis 1911 (Schönberg 2005).
ausstellen
8. Oktober 1910, Wien, Ausstellung im Kunstsalon Heller (Bienenfeld 1910, S. 18f.); 18. Dezember 1911–1. Jänner 1912, München, Galerie Thannhauser; Erste Ausstellung der
Redaktion Der Blaue Reiter (Gabriele
Münter, Fotos der Ausstellung Der Blaue Reiter; ASCI
PH8037, ASCI
PH8063, ASCI
PH8038); 6.– Ende Jänner 1912, Budapest, Künstlerhaus, Ausstellung der
Neukunst-Gruppe, Wien (Pester Lloyd
1912).
Porträt
Die portraitierten Personen
entstammen dem persönlichen Umfeld Schönbergs. Familie: Mathilde, Gertrude und Georg
Schönberg, Clara und
Alexander Zemlinsky; Freunde,
Schüler, Interpret:innen: Helene
Nahowski und Alban
Berg, Karl und
Etta Werndorff; Personen des
Wiener Kulturlebens: Musikwissenschaftler Hugo
Botstiber und Galerist Hugo
Heller (Schönberg 2005).
Ihr
Porträt
Arnold
Schönberg, Emil Hertzka, Öl auf Pappe, Catalogue raisonné 86 (ASCI
CR086; Schönberg
2005, S. 161, 91).
Notenpapier
Für die Arbeit der Gurre-Lieder benötigtes 48-zeiliges
Notenpapier, das neu hergestellt werden musste.
begonnen
Schönberg nahm nach über
sechsjähriger Unterbrechung die Arbeit an den Gurre-Liedern wieder auf (ASGA B 16/3, S.
25).
7. März 1910
Ort erschlossen
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief, Kopie
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 7. März 1910, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.150.