Roquebrune Cap Martin
Frankreich
31/X.1928
Lieber Stein, ich danke Ihnen für Ihren Brief, für
die Zusendung und Ausfüllung der Aufführungslisten
des vergangenen und dieses Jahres und ma[n]ches andere.
Dagegen habe[n] Sie aber fast alle Fragen meines letzten
Briefes nicht beantwortet. Insbesondere nicht die Hono-
rarfrage. Auch wegen der Buenos Ayeres Aufführung1 der
Gurrelieder u. s. w. – Ferner: was ist mit Ihren Fragen zum
Interwieuv; wann erscheint es etc?
Die Zahl meiner Aufführungen in diesem Jahre ist nicht
überwältigend, aber insgesammt doch besser, als ich ge-
glaubt hatte.
Was die Bach-Bearbeitung anbelangt, so kann ich eine
„zweite Fassung[“] hier nicht zugeben, da meine Leistung
ja hier nur in der „Fassung überhaupt“ besteht. Aber
ich habe nichts dagegen, wenn Sie etwa 2–3 Materiale
für kleinere Städte extra herrichten lassen, in welchem
die Einziehung (nur um eine solche darf es sich hier
handeln) systematisch durchgeführt wird. Ich habe
dann auch nichts dagegen, wenn man solche Exemplare
di[e]sen betreffenden Städten direkt anträgt. Aber ich
m[uss dan]n ganz sicher sein, dass nie eine Stad[d]t,
welche die Originalausgabe aufführen kann, auch nur von
der Existenz offizieller Ei[n]ziehungen erfährt!!!
Sie schreiben mir auch nicht, worum ich Sie bat, ob Furtwängler

meinen Brief2 von beiläufig dem 15.IX. erhalten hat.
Ich schrieb ihm darin auch, er möge die Variationen
längere Zeit vorher mit dem Orchester einmal durchlesen,
weil dann die Leute die Stimmen ein bischen üben werden,
wenn sie sehen, wie exponiert alles ist und das[s] man nicht
schwindeln kann.
Ich bleibe hier noch einige Wochen, wenn ich,
was ich hoffe, weiter gut arbeite.
Habe ich Ihnen gesagt, dass ich einen Text zu
einem Oratorium „Moses und Aron“ im ersten Entwurf fertig
gemacht habe? Ob ich das bald werde komponieren können,
weiss ich allerdings nicht.
Lassen Sie bald von sich hören! Viele herzlich-
ste Grüsse von meiner Frau und mir an Ihre Frau und Sie
Ihr
Roquebrune Cap Martin
Frankreich
31/X.1928
Lieber Stein, ich danke Ihnen für Ihren Brief, für die Zusendung und Ausfüllung der Aufführungslisten des vergangenen und dieses Jahres und manches andere. Dagegen haben Sie aber fast alle Fragen meines letzten Briefes nicht beantwortet. Insbesondere nicht die Honorarfrage. Auch wegen der Buenos Ayeres Aufführung1 der Gurrelieder u. s. w. – Ferner: was ist mit Ihren Fragen zum Interwieuv; wann erscheint es etc?
Die Zahl meiner Aufführungen in diesem Jahre ist nicht überwältigend, aber insgesammt doch besser, als ich geglaubt hatte.
Was die Bach-Bearbeitung anbelangt, so kann ich eine „zweite Fassung“ hier nicht zugeben, da meine Leistung ja hier nur in der „Fassung überhaupt“ besteht. Aber ich habe nichts dagegen, wenn Sie etwa 2–3 Materiale für kleinere Städte extra herrichten lassen, in welchem die Einziehung (nur um eine solche darf es sich hier handeln) systematisch durchgeführt wird. Ich habe dann auch nichts dagegen, wenn man solche Exemplare diesen betreffenden Städten direkt anträgt. Aber ich muss dann ganz sicher sein, dass nie eine Stadt, welche die Originalausgabe aufführen kann, auch nur von der Existenz offizieller Einziehungen erfährt!!!
Sie schreiben mir auch nicht, worum ich Sie bat, ob Furtwängler meinen Brief2 von beiläufig dem 15.IX. erhalten hat. Ich schrieb ihm darin auch, er möge die Variationen längere Zeit vorher mit dem Orchester einmal durchlesen, weil dann die Leute die Stimmen ein bischen üben werden, wenn sie sehen, wie exponiert alles ist und dass man nicht schwindeln kann.
Ich bleibe hier noch einige Wochen, wenn ich, was ich hoffe, weiter gut arbeite.
Habe ich Ihnen gesagt, dass ich einen Text zu einem Oratorium „Moses und Aron“ im ersten Entwurf fertig gemacht habe? Ob ich das bald werde komponieren können, weiss ich allerdings nicht.
Lassen Sie bald von sich hören! Viele herzlichste Grüsse von meiner Frau und mir an Ihre Frau und Sie
Ihr

31. Oktober 1928


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 31. Oktober 1928, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.1518.

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