Roquebrune – Cap Martin
Frankreich
6.X.1928
Herrn Kapellmeister Erwin Stein
Herausgeber von „Pult und Taktstock
Lieber Stein, anbei sende ich Ihnen das „Intervieuw1“.
Ich denke, dass Sie wahrscheinlich die Fragen etwas besser
werden formulieren wollen und habe mir deshalb damit
keine besondere Mühe gegeben. Jedenfalls wird es gut sein,
wenn Sie, in Ihrem Namen (oder eventuell unter einem fingierten) als Intervieuwer, soviele Erweiterun-
gen daran vornehmen, als Ihnen erforderlich scheinen.
Es wäre eventuell auch zu bedenken, ob man den „Fluss mei-
ner Rede“ durch eine geschickt gestellte Frage (oder eine ein eingestreute Anmerkung) nicht unter-
brechen und das Ganze für den Leser damit schmackhafter
machen sollte. Jedenfalls bitte ich Sie, mir Ihre Aenderungen
auf verständliche Weise mitzuteilen (ich habe eine Kopie
des Artikels) und (jetzt kommt die Schwierigkeit!) diese auch an
Prunières, Herausgeber, resp. éditeur de la revue musicale,
Paris 87 Bvd St. Michel Ve diese zu senden, denn ich habe
ihm den Artikel auch gegeben
2. Er wird ihn vielleicht gleich-
zeitig mit Ihnen bringen, ich meine aber doch, dass mir die
UE trotzdem ein Honorar zahlen müsste. Wollen Sie das mit
Herzka abmachen? Sonst hat man mir 35 Mark pro Seite gezahlt;
das möchte ich natürlich auch gerne wieder haben (da ja
Prunières, wenn überhaupt, so sehr wenig zahlen wird: die Fran-
zosen haben noch gar nicht gelernt mit ih[r]er entwerteten
Valuta zu rechnen!), aber ich lasse es gegebenen Falls des-
wegen doch nicht zum Bruch kommen!
Bitte bestät[t]igen Sie mir gleich den Empfang.
Wie gefällt Ihnen meine Partitur3? Kann man Furtwängler nicht
fragen, ob er meinen letzten Brief4, vor ungefähr 14–18 Tagen
[erhalten hat?]

erhalten hat? Er war nach St. Moriz adressiert und ich
habe darin die Bedingungen angedeutet, die ich den Philhar
monikern
stellen würde und einiges über die Proben zu den
Variationen, über die Dauer etc.
Die letzte Nummer5 von Pult und Taktstock ist wieder sehr
gut. Ist die Liste6 der Orchester-Programme schon er-
schienen? Habe ich heuer gar keine Aufführungen? Ich habe
weder bei Ihnen noch im Anbruch etwas gelesen ausser von
den Gurreliedern7 (waren die jetzt im September oder kommt
das erst?). Giebt es nirgends eine Aufführung der „Suite“ ?
Und auch des Bläserquintettes nicht? Ich staune wirklich;
allerdings, wenn man sieht, wieviele Werke die UE in einer
Saison unterbringen muss, weil es solche sind, die in der
nächsten schon nicht mehr gehn würden, dann begreift man, [das]
dass ich warten muss.
Lassen Sie bald von sich hören. Viele herzliche Grüsse Ih
nen und Ihrer lieben Frau, herzlichsten Dank für die Ge-
burtstagswünsche, Ihr
Roquebrune – Cap Martin
Frankreich
6.X.1928
Herrn Kapellmeister Erwin Stein
Herausgeber von „Pult und Taktstock
Lieber Stein, anbei sende ich Ihnen das „Intervieuw1“.
Ich denke, dass Sie wahrscheinlich die Fragen etwas besser werden formulieren wollen und habe mir deshalb damit keine besondere Mühe gegeben. Jedenfalls wird es gut sein, wenn Sie, in Ihrem Namen (oder eventuell unter einem fingierten) als Intervieuwer, soviele Erweiterungen daran vornehmen, als Ihnen erforderlich scheinen.
Es wäre eventuell auch zu bedenken, ob man den „Fluss meiner Rede“ durch eine geschickt gestellte Frage (oder eine ein eingestreute Anmerkung) nicht unterbrechen und das Ganze für den Leser damit schmackhafter machen sollte. Jedenfalls bitte ich Sie, mir Ihre Aenderungen auf verständliche Weise mitzuteilen (ich habe eine Kopie des Artikels) und (jetzt kommt die Schwierigkeit!) diese auch an Prunières, Herausgeber, resp. éditeur de la revue musicale, Paris 87 Bvd St. Michel Ve zu senden, denn ich habe ihm den Artikel auch gegeben2. Er wird ihn vielleicht gleichzeitig mit Ihnen bringen, ich meine aber doch, dass mir die UE trotzdem ein Honorar zahlen müsste. Wollen Sie das mit Herzka abmachen? Sonst hat man mir 35 Mark pro Seite gezahlt; das möchte ich natürlich auch gerne wieder haben (da ja Prunières, wenn überhaupt, so sehr wenig zahlen wird: die Franzosen haben noch gar nicht gelernt mit ihrer entwerteten Valuta zu rechnen!), aber ich lasse es gegebenen Falls deswegen doch nicht zum Bruch kommen!
Bitte bestätigen Sie mir gleich den Empfang. Wie gefällt Ihnen meine Partitur3? Kann man Furtwängler nicht fragen, ob er meinen letzten Brief4, vor ungefähr 14–18 Tagen erhalten hat? Er war nach St. Moriz adressiert und ich habe darin die Bedingungen angedeutet, die ich den Philharmonikern stellen würde und einiges über die Proben zu den Variationen, über die Dauer etc.
Die letzte Nummer5 von Pult und Taktstock ist wieder sehr gut. Ist die Liste6 der Orchester-Programme schon erschienen? Habe ich heuer gar keine Aufführungen? Ich habe weder bei Ihnen noch im Anbruch etwas gelesen ausser von den Gurreliedern7 (waren die jetzt im September oder kommt das erst?). Giebt es nirgends eine Aufführung der „Suite“ ? Und auch des Bläserquintettes nicht? Ich staune wirklich; allerdings, wenn man sieht, wieviele Werke die UE in einer Saison unterbringen muss, weil es solche sind, die in der nächsten schon nicht mehr gehn würden, dann begreift man, dass ich warten muss.
Lassen Sie bald von sich hören. Viele herzliche Grüsse Ihnen und Ihrer lieben Frau, herzlichsten Dank für die Geburtstagswünsche, Ihr

6. Oktober 1928


Beilage vermutlich: Interview mit mir selbst (Typoskript ASC T20.29)

The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 6. Oktober 1928, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.1505.

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