12.VII.1929
Lieber Herr Direktor da uns zu Verhandlungen keine Zeit mehr blie-
be wenn Sie mir einen Antrag stellten, den ich nicht akzeptieren
kann, so möchte ich Ihnen[e] noch rechtzeitig in Erinnerung bringen,
aus welchen Gründen ich bereit bin, die Beziehungen zur UE wieder
aufzunehmen. Ich verzichte darauf, einedie mir angebote[t]ne[n] Summe in
kurzer Frist und unabhängig vom Tageserfolg ausgezahlt zu bekommen,
unter der Vorauss[e]tzung, dass mein Konto alte Werke und alles was
damit zusammenhängt, im besprochenen Sinn und im Sinn des Ihnen
von mir schriftlich überreichten Vorschlages1 geregelt wird. Ich bin
von den Schwierigkeiten der Materialherstellung2 ermüdet und will
Frieden und meine Nerven für meine Arbeit ruhig haben und ziehe
das einem gewissen Vorteil vor obwohl man mich fachmännischerseits
über den Ausgang eines eventuellen Prozesses3 sehr beruhigt hat.
Ich hoffe, dass Sie eine gerechte Lösung vorschlagen, wenn[l]
gleich Sie Edelmut ja ablehnen. Aber bedenken Sie selbst auch, ob
meine nicht nur juristisch, sondern auch moralisch sehr starke Po-
sition und der grosse Widerhall, den ein solcher Process in der Oef-
fentlichkeit finden würde, in unserem Alter, wo wir alle bereits eine
gewisse Abklärung zeigen, Ihnen sehr erwü[n]scht sein kann. Vielleicht
wäre ein Prozess mir noch unerwü[n]schter, als Ihnen. Aber notfalls muss
ich eben wieder meine Jugendenergie aufbringen!
Hoffentlich sind diese meine B[e]denken bereits gegenstands-
los! Niemand würde [d]as herzlicher wünschen, wie ich, denn Sie wissen
dass ich bei aller Gegensätzlichkeit, für Ihre Person und Leistung [gr]
grösste Hochschätzung habe.
Mit vielen herzlichen Grüssen bin ich
Ihr
Arnold Schönberg
12.VII.1929
Lieber Herr Direktor da uns zu Verhandlungen keine Zeit mehr bliebe wenn Sie mir einen Antrag stellten, den ich nicht akzeptieren kann, so möchte ich Ihnen noch rechtzeitig in Erinnerung bringen, aus welchen Gründen ich bereit bin, die Beziehungen zur UE wieder aufzunehmen. Ich verzichte darauf, die mir angebotene Summe in kurzer Frist und unabhängig vom Tageserfolg ausgezahlt zu bekommen, unter der Voraussetzung, dass mein Konto alte Werke und alles was damit zusammenhängt, im besprochenen Sinn und im Sinn des Ihnen von mir schriftlich überreichten Vorschlages1 geregelt wird. Ich bin von den Schwierigkeiten der Materialherstellung2 ermüdet und will Frieden und meine Nerven für meine Arbeit ruhig haben und ziehe das einem gewissen Vorteil vor obwohl man mich fachmännischerseits über den Ausgang eines eventuellen Prozesses3 sehr beruhigt hat.
Ich hoffe, dass Sie eine gerechte Lösung vorschlagen, wenn gleich Sie Edelmut ja ablehnen. Aber bedenken Sie selbst auch, ob meine nicht nur juristisch, sondern auch moralisch sehr starke Position und der grosse Widerhall, den ein solcher Process in der Oeffentlichkeit finden würde, in unserem Alter, wo wir alle bereits eine gewisse Abklärung zeigen, Ihnen sehr erwünscht sein kann. Vielleicht wäre ein Prozess mir noch unerwünschter, als Ihnen. Aber notfalls muss ich eben wieder meine Jugendenergie aufbringen!
Hoffentlich sind diese meine Bedenken bereits gegenstandslos! Niemand würde das herzlicher wünschen, wie ich, denn Sie wissen dass ich bei aller Gegensätzlichkeit, für Ihre Person und Leistung grösste Hochschätzung habe.
Mit vielen herzlichen Grüssen bin ich Ihr Arnold Schönberg

12. Juli 1929

15. Juli 1929

Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection

Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 12. Juli 1929, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.1569.

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