Arnold Schönberg an Universal-Edition
12. Juli 1929
12.VII.1929
Lieber Herr Direktor da uns zu Verhandlungen keine Zeit mehr blie-
be wenn Sie mir einen Antrag stellten, den ich nicht akzeptieren
kann, so möchte ich Ihnen[e] noch rechtzeitig in Erinnerung bringen,
aus welchen Gründen ich bereit bin, die Beziehungen zur UE wieder
aufzunehmen. Ich verzichte darauf, einedie mir angebote[t]ne[n] Summe in
kurzer Frist und unabhängig vom Tageserfolg ausgezahlt zu bekommen,
unter der Vorauss[e]tzung, dass mein Konto alte Werke und alles was
damit zusammenhängt, im besprochenen Sinn und im Sinn des Ihnen
von mir schriftlich überreichten Vorschlages1 geregelt wird. Ich bin
von den Schwierigkeiten der Materialherstellung2 ermüdet und will
Frieden und meine Nerven für meine Arbeit ruhig haben und ziehe
das einem gewissen Vorteil vor obwohl man mich fachmännischerseits
über den Ausgang eines eventuellen Prozesses3 sehr beruhigt hat.
be wenn Sie mir einen Antrag stellten, den ich nicht akzeptieren
kann, so möchte ich Ihnen[e] noch rechtzeitig in Erinnerung bringen,
aus welchen Gründen ich bereit bin, die Beziehungen zur UE wieder
aufzunehmen. Ich verzichte darauf, einedie mir angebote[t]ne[n] Summe in
kurzer Frist und unabhängig vom Tageserfolg ausgezahlt zu bekommen,
unter der Vorauss[e]tzung, dass mein Konto alte Werke und alles was
damit zusammenhängt, im besprochenen Sinn und im Sinn des Ihnen
von mir schriftlich überreichten Vorschlages1 geregelt wird. Ich bin
von den Schwierigkeiten der Materialherstellung2 ermüdet und will
Frieden und meine Nerven für meine Arbeit ruhig haben und ziehe
das einem gewissen Vorteil vor obwohl man mich fachmännischerseits
über den Ausgang eines eventuellen Prozesses3 sehr beruhigt hat.
Ich hoffe, dass Sie eine gerechte Lösung vorschlagen, wenn[l]
gleich Sie Edelmut ja ablehnen. Aber bedenken Sie selbst auch, ob
meine nicht nur juristisch, sondern auch moralisch sehr starke Po-
sition und der grosse Widerhall, den ein solcher Process in der Oef-
fentlichkeit finden würde, in unserem Alter, wo wir alle bereits eine
gewisse Abklärung zeigen, Ihnen sehr erwü[n]scht sein kann. Vielleicht
wäre ein Prozess mir noch unerwü[n]schter, als Ihnen. Aber notfalls muss
ich eben wieder meine Jugendenergie aufbringen!
gleich Sie Edelmut ja ablehnen. Aber bedenken Sie selbst auch, ob
meine nicht nur juristisch, sondern auch moralisch sehr starke Po-
sition und der grosse Widerhall, den ein solcher Process in der Oef-
fentlichkeit finden würde, in unserem Alter, wo wir alle bereits eine
gewisse Abklärung zeigen, Ihnen sehr erwü[n]scht sein kann. Vielleicht
wäre ein Prozess mir noch unerwü[n]schter, als Ihnen. Aber notfalls muss
ich eben wieder meine Jugendenergie aufbringen!
Hoffentlich sind diese meine B[e]denken bereits
gegenstands-
los! Niemand würde [d]as herzlicher wünschen, wie ich, denn Sie wissen
dass ich bei aller Gegensätzlichkeit, für Ihre Person und Leistung [gr]
grösste Hochschätzung habe.
los! Niemand würde [d]as herzlicher wünschen, wie ich, denn Sie wissen
dass ich bei aller Gegensätzlichkeit, für Ihre Person und Leistung [gr]
grösste Hochschätzung habe.
Mit vielen herzlichen Grüssen bin ich
Ihr Arnold Schönberg
Ihr Arnold Schönberg
Vorschlages
Ein solches Dokument liegt nicht
vor, es muss u. a. Schönbergs
Forderung eines Honorars von 30.000 RM für die Überlassung der Oper
Von heute auf morgen op. 32 enthalten
haben (Arnold Schönberg an Universal-Edition,
15. Juli 1929). Vermutlich wurde es bei einem persönlichen
Treffen mit Emil Hertzka in
Berlin übergeben.
Schwierigkeiten der Materialherstellung
Im Juni wurde Felix Greissle in die Herstellung
einbezogen, die Schönberg aber erst
beginnen wollte, wenn er „einen Vertrag mit einer Bühne in der Hand
habe“ (Arnold Schönberg an Felix Greissle, 15. Juni 1929; ASCC
1526). Der Vertrag über die Uraufführung in Frankfurt (ASCI D007) enthielt die Verpflichtung, das gesamte Material
bis Mitte September zu liefern, weshalb
unter großem Zeitdruck Kopisten gefunden werden mussten.
Prozesses
Schönberg bezieht sich vermutlich
auf den „Verlags-Konkurrenz-Vertrag“ (Arnold
Schönberg an Universal-Edition, 17. Mai 1929).
12.VII.1929
Lieber Herr Direktor da uns zu Verhandlungen keine Zeit mehr bliebe wenn Sie mir einen Antrag stellten, den ich nicht akzeptieren
kann, so möchte ich Ihnen noch rechtzeitig in Erinnerung bringen, aus welchen Gründen ich bereit bin, die Beziehungen zur
UE wieder aufzunehmen. Ich verzichte
darauf, die mir angebotene Summe in kurzer Frist und unabhängig vom Tageserfolg ausgezahlt
zu bekommen, unter der Voraussetzung, dass
mein Konto alte Werke und alles was damit zusammenhängt, im besprochenen
Sinn und im Sinn des Ihnen von mir schriftlich überreichten Vorschlages1 geregelt wird. Ich bin von den Schwierigkeiten der Materialherstellung2 ermüdet und will Frieden und meine Nerven für meine Arbeit ruhig
haben und ziehe das einem gewissen Vorteil vor obwohl man mich fachmännischerseits über den Ausgang eines
eventuellen Prozesses3 sehr beruhigt hat.
Ich hoffe, dass Sie eine gerechte Lösung vorschlagen, wenn
gleich Sie Edelmut ja ablehnen. Aber bedenken Sie selbst
auch, ob meine nicht nur juristisch, sondern auch moralisch sehr starke Position und der grosse Widerhall, den ein
solcher Process in der Oeffentlichkeit finden
würde, in unserem Alter, wo wir alle bereits eine gewisse Abklärung zeigen,
Ihnen sehr erwünscht sein kann. Vielleicht
wäre ein Prozess mir noch unerwünschter, als
Ihnen. Aber notfalls muss ich eben wieder meine Jugendenergie aufbringen!
Hoffentlich sind diese meine Bedenken bereits
gegenstandslos! Niemand würde das herzlicher wünschen, wie ich, denn Sie wissen dass
ich bei aller Gegensätzlichkeit, für Ihre Person und Leistung
grösste Hochschätzung habe.
Mit vielen herzlichen Grüssen bin ich Ihr
Arnold Schönberg
Vorschlages
Ein solches Dokument liegt nicht
vor, es muss u. a. Schönbergs
Forderung eines Honorars von 30.000 RM für die Überlassung der Oper
Von heute auf morgen op. 32 enthalten
haben (Arnold Schönberg an Universal-Edition,
15. Juli 1929). Vermutlich wurde es bei einem persönlichen
Treffen mit Emil Hertzka in
Berlin übergeben.
Schwierigkeiten der Materialherstellung
Im Juni wurde Felix Greissle in die Herstellung
einbezogen, die Schönberg aber erst
beginnen wollte, wenn er „einen Vertrag mit einer Bühne in der Hand
habe“ (Arnold Schönberg an Felix Greissle, 15. Juni 1929; ASCC
1526). Der Vertrag über die Uraufführung in Frankfurt (ASCI D007) enthielt die Verpflichtung, das gesamte Material
bis Mitte September zu liefern, weshalb
unter großem Zeitdruck Kopisten gefunden werden mussten.
Prozesses
Schönberg bezieht sich vermutlich
auf den „Verlags-Konkurrenz-Vertrag“ (Arnold
Schönberg an Universal-Edition, 17. Mai 1929).
12. Juli 1929
15. Juli 1929
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Brief
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 12. Juli 1929, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.1569.