Erwin Stein an Arnold Schönberg
17. Jänner 1936
17.I.1936
Lieber Herr Schönberg! Helene Berg hat, soviel ich weiß, es nicht
über sich gebracht, Ihnen
Genaues über das Ende unseres Freundes zu schreiben1: die Todesursache war Blutvergiftung als
Folge einer Furunkulose, der Tod selbst erfolgte aus Herzschwäche. Er hatte, wie Sie vielleicht
wissen, öfters im Leben an Furunkulose gelitten. Diesen Sommer hatte er zweimal eine Karbun-
kel, die angeblich beide ganz geheilt waren. Hier in Wien, wo er Mitte November ankam, bekam er
eine drtt dritte Karbunkel. Er hat sich dann allerdings nicht geschont, war bei den Proben und der
Aufführung (11. Dezember) seiner Lulu-Stücke. Paar Tage später bekam er plötzlich hohes Fieber;
sein Arzt hielt es für Grippe und leugnete den Zusammenhang mit der Furunkel. An diesem
Montag (16.) geschah sicher ein Versäumnis. Der Arzt hat sich dumm und auch später noch
skandalös benommen. Das Furunkel könne er sich ambulatorisch im Spital schneiden lassen, das
habe aber keine Eile. Als Berg dann Dienstag früh ins Rudolfs-Spital kam, mit furchtbaren Schmerzen
und 40° Fieber, wurde er sofort operiert (von Prof Demel). Aber der Eiterherd wurde nicht gefunden.
Man machte dann eine Bluttransfusion (die Ärzte hielten das wegen desseines großen Blutverlustes für nötig)
und eine zweite Operation, die auch ohne Resultat war. Am Sonntag sagte Demel zu Helene, daß er
nur mehr wenig Hoffnung habe, da das Herz zu versagen begann. Nun wurde ein Internist zugezogen.
Er bekam alle Arten von herzstärkenden Mitteln, Prozeduren, die eine fürchterliche Qual für den Kranken
waren. Es gelang aber nur, das Ende um ein paar Stunden hinauszuschieben. Der Tote Sein Sterben
soll sehr schwer gewesen sein. Helene und ihre Schwester2 waren bei ihm. Der Körper war in schrecklicher
Unruhe. Helene sagt, daß er sich den Verband heruntergerissen, sich aufgebäumt, dann die Arme
ausgebreitet und immer wieder „es ist genug“ gesagt hat. Arme Helene, das anzusehn! „Das war
der letzte Mord der Lulu“ behauptet sie.
Genaues über das Ende unseres Freundes zu schreiben1: die Todesursache war Blutvergiftung als
Folge einer Furunkulose, der Tod selbst erfolgte aus Herzschwäche. Er hatte, wie Sie vielleicht
wissen, öfters im Leben an Furunkulose gelitten. Diesen Sommer hatte er zweimal eine Karbun-
kel, die angeblich beide ganz geheilt waren. Hier in Wien, wo er Mitte November ankam, bekam er
eine drtt dritte Karbunkel. Er hat sich dann allerdings nicht geschont, war bei den Proben und der
Aufführung (11. Dezember) seiner Lulu-Stücke. Paar Tage später bekam er plötzlich hohes Fieber;
sein Arzt hielt es für Grippe und leugnete den Zusammenhang mit der Furunkel. An diesem
Montag (16.) geschah sicher ein Versäumnis. Der Arzt hat sich dumm und auch später noch
skandalös benommen. Das Furunkel könne er sich ambulatorisch im Spital schneiden lassen, das
habe aber keine Eile. Als Berg dann Dienstag früh ins Rudolfs-Spital kam, mit furchtbaren Schmerzen
und 40° Fieber, wurde er sofort operiert (von Prof Demel). Aber der Eiterherd wurde nicht gefunden.
Man machte dann eine Bluttransfusion (die Ärzte hielten das wegen desseines großen Blutverlustes für nötig)
und eine zweite Operation, die auch ohne Resultat war. Am Sonntag sagte Demel zu Helene, daß er
nur mehr wenig Hoffnung habe, da das Herz zu versagen begann. Nun wurde ein Internist zugezogen.
Er bekam alle Arten von herzstärkenden Mitteln, Prozeduren, die eine fürchterliche Qual für den Kranken
waren. Es gelang aber nur, das Ende um ein paar Stunden hinauszuschieben. Der Tote Sein Sterben
soll sehr schwer gewesen sein. Helene und ihre Schwester2 waren bei ihm. Der Körper war in schrecklicher
Unruhe. Helene sagt, daß er sich den Verband heruntergerissen, sich aufgebäumt, dann die Arme
ausgebreitet und immer wieder „es ist genug“ gesagt hat. Arme Helene, das anzusehn! „Das war
der letzte Mord der Lulu“ behauptet sie.
Ob ihm zu helfen gewesen wäre? In den letzten Wochen glaube ich nicht mehr. Mitte
November, als
er aus Kärnten kam, waren bei unserer Begrüßung seine ersten Worte: das Arbeiten geht so gut wie
noch nie, aber der Körper will nicht mehr. Und dann klagte er, was ihm alles fehlte: Reißen in
den ganzen Beinen bis ins Kreuz, Zahnfleischschwund, daß die Hälfte der Zähne auszufallen droht.
er aus Kärnten kam, waren bei unserer Begrüßung seine ersten Worte: das Arbeiten geht so gut wie
noch nie, aber der Körper will nicht mehr. Und dann klagte er, was ihm alles fehlte: Reißen in
den ganzen Beinen bis ins Kreuz, Zahnfleischschwund, daß die Hälfte der Zähne auszufallen droht.
Er behauptete damals,
einen ausgezeichneten Arzt zu haben – das war der, der dann so versagt hat.
Ich mache mir Vorwürfe, daß ich ihn nicht damals schon bewogen habe, einen anderen Arzt zu nehmen,
aber da war er doch mit ihm zufrieden war... Ein andrer Arzt hätte es vielleicht nicht besser gemacht.
Ich war das letzte Mal Sonntag, 1 1/2 Tage vor seinem Tod bei ihm im Zimmer. Da war er
geistig unglaublich frisch und für alles interessiert. Man mußte ihn immer wieder vom Sprechen ab-
halten Er klagte, wie ihn die Ärzte maltraitieren. Dann aber fragte er z. B., was mit der Heirat3
von Trude Jalowetz ist (sie ist von früher her mit einem deutschen „arischen“ Bildhauer befreundet und
der junge Mann will ins Ausland, um sie heiraten zu können). Helene behauptet zwar, er habe seinen
Zustand gewußt und das nur vor ihr verborgen. Am Sonntag kann er sich aber noch nicht im
Klaren gewesen sein. Denn als ich ihn über irgend eine Folgeerscheinung der Operation, die ich ähnlich
erlebt hatte (ich lag diesen Sommer an Blinddarm-Durchbruch und Bauchfellentzündung 6 Wochen im
Spital), beruhigen wollte, meinte er, das sei bei mir doch viel ärger gewesen. Da hat’s mir einen
Riß gegeben, denn ich konnte ihm doch nicht widersprechen. Und wir wußten doch eigentlich schon, daß
große Gefahr für ihn besteht. Webern hat ihn dann noch am Montag einen Augenblick gesprochen.
Ich mache mir Vorwürfe, daß ich ihn nicht damals schon bewogen habe, einen anderen Arzt zu nehmen,
aber da war er doch mit ihm zufrieden war... Ein andrer Arzt hätte es vielleicht nicht besser gemacht.
Ich war das letzte Mal Sonntag, 1 1/2 Tage vor seinem Tod bei ihm im Zimmer. Da war er
geistig unglaublich frisch und für alles interessiert. Man mußte ihn immer wieder vom Sprechen ab-
halten Er klagte, wie ihn die Ärzte maltraitieren. Dann aber fragte er z. B., was mit der Heirat3
von Trude Jalowetz ist (sie ist von früher her mit einem deutschen „arischen“ Bildhauer befreundet und
der junge Mann will ins Ausland, um sie heiraten zu können). Helene behauptet zwar, er habe seinen
Zustand gewußt und das nur vor ihr verborgen. Am Sonntag kann er sich aber noch nicht im
Klaren gewesen sein. Denn als ich ihn über irgend eine Folgeerscheinung der Operation, die ich ähnlich
erlebt hatte (ich lag diesen Sommer an Blinddarm-Durchbruch und Bauchfellentzündung 6 Wochen im
Spital), beruhigen wollte, meinte er, das sei bei mir doch viel ärger gewesen. Da hat’s mir einen
Riß gegeben, denn ich konnte ihm doch nicht widersprechen. Und wir wußten doch eigentlich schon, daß
große Gefahr für ihn besteht. Webern hat ihn dann noch am Montag einen Augenblick gesprochen.
Helenes Zustand ist natürlich traurig. Ich
bin oft bei ihr, ebenso meine Frau,
überhaupt nehmen
sich viele Leute ihrer an. Sie nimmt sich sehr zusammen und man kann ganz vernünftig mit ihr
sprechen (ich bemühe mich, sie auch für die geschäftlichen Agenden Albans zu interessieren). Aber körperlich
ist sie sehr elend und will dabei nichts für sich tun. Es ist davon die Rede, daß sie zu Freunden
nach Gastein gehen soll. Vorläufig sträubt sie sich noch dagegen. – Ihre materielle Situation ist schlecht.
Das Waldhaus, das sie gerne behalten möchte, ist belastet. Verlagserträgnisse sind, solange die Opern nicht
gegeben werden, gering; außerdem ist Bergs Konto bei der U. E. mit cca 14.000 Schilling belastet. Ich bin
aber sicher, daß sich der Verlag anständig benehmen wird und wenn sie jetzt etwas braucht, stellt er es
ihr zur Verfügung. Winter und ihr Anwalt Dr Liftschitz bemühen sich, sie auch auf die Dauer sicher-
zustellen. Die Spitalskosten hat die AKM (das sind Schweine!) gezahlt, das Grab hat die Gemeinde
Wien am Hietzinger Friedhof „ehrenhalber“ (nicht als „Ehrengrab“!) beigestellt. Winter nimmt sich Helenes
in sehr menschlicher Weise an und ist oft bei ihr. (Er hat voriges Jahr seine Frau verloren, das macht ihn besonders mitfühlend.)
sich viele Leute ihrer an. Sie nimmt sich sehr zusammen und man kann ganz vernünftig mit ihr
sprechen (ich bemühe mich, sie auch für die geschäftlichen Agenden Albans zu interessieren). Aber körperlich
ist sie sehr elend und will dabei nichts für sich tun. Es ist davon die Rede, daß sie zu Freunden
nach Gastein gehen soll. Vorläufig sträubt sie sich noch dagegen. – Ihre materielle Situation ist schlecht.
Das Waldhaus, das sie gerne behalten möchte, ist belastet. Verlagserträgnisse sind, solange die Opern nicht
gegeben werden, gering; außerdem ist Bergs Konto bei der U. E. mit cca 14.000 Schilling belastet. Ich bin
aber sicher, daß sich der Verlag anständig benehmen wird und wenn sie jetzt etwas braucht, stellt er es
ihr zur Verfügung. Winter und ihr Anwalt Dr Liftschitz bemühen sich, sie auch auf die Dauer sicher-
zustellen. Die Spitalskosten hat die AKM (das sind Schweine!) gezahlt, das Grab hat die Gemeinde
Wien am Hietzinger Friedhof „ehrenhalber“ (nicht als „Ehrengrab“!) beigestellt. Winter nimmt sich Helenes
in sehr menschlicher Weise an und ist oft bei ihr. (Er hat voriges Jahr seine Frau verloren, das macht ihn besonders mitfühlend.)
Ihr hochherziger Entschluß, Lulu zu vollenden4, war für uns alle eine Erlösung. Helene ist das
eine große Stütze und Ermutigung. Wir hatten schon frühe vorher, vor Ihrem Brief an sie, davon
gesprochen, daß nur Sie die Partitur vollenden können. Helene sagte noch naiv, wie glücklich das
Alban machen würde, wenn er es wüßte. Denn eine andere Hand über seinem Werk wäre ihm un-
erträglich. Wie diese dummen Zeitungsnotizen5 mit andern Namen entstanden sind, ist nicht zu eruieren –
ich habe mich darum bemüht. Im Verlag behauptet jeder, nichts gesprochen zu haben. Die Freunde,
Jalowetz an der Spitze, und Bergs Schüler sind glücklich – wenn das Wort heute am Platz ist –, daß
Sie die Oper fertig machen. Ich glaube, lieber Herr Schönberg, Sie wissen gar nicht mehr, was Sie
für uns sind, heute wie seit jeher. Aber Sie können uns mit Recht den Vorwurf machen, daß wir es
Ihnen zu selten zeigen. – Im Verlag hatte ich die Genugtuung, die Herren Winter, Kalmus, Frl. Rothe, Heins-
heimer und Roth zusammenzuberufen und Ihr Anerbieten an Frau Berg mitzuteilen. Alle waren
begeistert. Das Bedenken, das Sie wegen Deutschland äußerten, wurde von keinem geteilt, Da weil
alle glauben, daß Sie und Berg Hitler überdauern werden. Ich habe die Herren gleich darauf
aufmerksam gemacht, daß Ihre Hochherzigkeit den Verlag nicht vo Bergs Witwe gegenüber nicht den Verlag
betrifft und daß dieser die Pflicht hat, Ihnen eine Ehrengabe zu widmen. Auch das fand Zustimmung.
Wollen Sie mir sagen, wie Sie darüber denken? – Der Verlag läßt jetzt die ganze Partitur, soweit
sie vorliegt (außer den ohnedies gedruckten symphonischen Stücken) und das Particell des 3. Aktes
photografieren, um Ihnen das Ganze zu schicken. D. h. zuerst wird das Particell und die Partitur
vom 3. Akt fertig sein, was Sie ja vor allem brauchen. Diese Sendung geht schon früher an Sie ab.
Gewiß werden Sie aber auch die ersten beiden Akte sehen wollen; die folgen dann bald nach. Zugleich
mit der 1. Sendung erhalten Sie eine Aufstellung von mir, die Ihnen das Nachschlagen erleichtern kann.
Ich kenne die Partitur sehr gut, weil ich am Klavierauszug arbeite; ich halte ungefähr b in der Mitte
des 2. Aktes. Ein Vergleich mit dem Particell zeigt, daß Berg in diesen ersten beiden Akten beim
Instrumentieren nicht viel Wesentliches mehr geändert hat, mitunter aber natürlich doch. Instrumentations-
hinweise fehlen im Particell fast ganz. Ich taxiere, daß noch cca 100 Partiturseiten zu schreiben sind.
eine große Stütze und Ermutigung. Wir hatten schon frühe vorher, vor Ihrem Brief an sie, davon
gesprochen, daß nur Sie die Partitur vollenden können. Helene sagte noch naiv, wie glücklich das
Alban machen würde, wenn er es wüßte. Denn eine andere Hand über seinem Werk wäre ihm un-
erträglich. Wie diese dummen Zeitungsnotizen5 mit andern Namen entstanden sind, ist nicht zu eruieren –
ich habe mich darum bemüht. Im Verlag behauptet jeder, nichts gesprochen zu haben. Die Freunde,
Jalowetz an der Spitze, und Bergs Schüler sind glücklich – wenn das Wort heute am Platz ist –, daß
Sie die Oper fertig machen. Ich glaube, lieber Herr Schönberg, Sie wissen gar nicht mehr, was Sie
für uns sind, heute wie seit jeher. Aber Sie können uns mit Recht den Vorwurf machen, daß wir es
Ihnen zu selten zeigen. – Im Verlag hatte ich die Genugtuung, die Herren Winter, Kalmus, Frl. Rothe, Heins-
heimer und Roth zusammenzuberufen und Ihr Anerbieten an Frau Berg mitzuteilen. Alle waren
begeistert. Das Bedenken, das Sie wegen Deutschland äußerten, wurde von keinem geteilt, Da weil
alle glauben, daß Sie und Berg Hitler überdauern werden. Ich habe die Herren gleich darauf
aufmerksam gemacht, daß Ihre Hochherzigkeit den Verlag nicht vo Bergs Witwe gegenüber nicht den Verlag
betrifft und daß dieser die Pflicht hat, Ihnen eine Ehrengabe zu widmen. Auch das fand Zustimmung.
Wollen Sie mir sagen, wie Sie darüber denken? – Der Verlag läßt jetzt die ganze Partitur, soweit
sie vorliegt (außer den ohnedies gedruckten symphonischen Stücken) und das Particell des 3. Aktes
photografieren, um Ihnen das Ganze zu schicken. D. h. zuerst wird das Particell und die Partitur
vom 3. Akt fertig sein, was Sie ja vor allem brauchen. Diese Sendung geht schon früher an Sie ab.
Gewiß werden Sie aber auch die ersten beiden Akte sehen wollen; die folgen dann bald nach. Zugleich
mit der 1. Sendung erhalten Sie eine Aufstellung von mir, die Ihnen das Nachschlagen erleichtern kann.
Ich kenne die Partitur sehr gut, weil ich am Klavierauszug arbeite; ich halte ungefähr b in der Mitte
des 2. Aktes. Ein Vergleich mit dem Particell zeigt, daß Berg in diesen ersten beiden Akten beim
Instrumentieren nicht viel Wesentliches mehr geändert hat, mitunter aber natürlich doch. Instrumentations-
hinweise fehlen im Particell fast ganz. Ich taxiere, daß noch cca 100 Partiturseiten zu schreiben sind.
Bitte schreiben Sie mir oder Helene, ob Sie für Ihre Arbeit irgendwelche
technische Anhaltspunkte
wünschen. Reich hat z. B. von Berg verschiedene schriftliche Aufschlüsse über die Reihe, die der
Komposition zugrundeliegt, und die in Beziehung auf bestimmte Personen verschiedene Formen
annimmt. Außerdem müßen die Transpositionstabellen der Reihe vorhanden sein. Ich weiß nicht, ob
Sie diese Reihen, die Sie ja gelegentlich, wenn Sie den Satz voller als im Particell machen wollen,
brauchen werden, lieber selbst aus der Komposition ersehen wollen oder ob es Ihnen eine angenehme
Erleichterung ist, Bergs Behelfe an der Hand zu haben. Wenn wir in der Sache nichts von Ihnen
hören, lasse ich Ihnen die Behelfe schicken, in separat geschlossenen Küvert, dasdamit Sie es öffnen
können, wenn Sie wollen, aber nicht irritiert sind.
wünschen. Reich hat z. B. von Berg verschiedene schriftliche Aufschlüsse über die Reihe, die der
Komposition zugrundeliegt, und die in Beziehung auf bestimmte Personen verschiedene Formen
annimmt. Außerdem müßen die Transpositionstabellen der Reihe vorhanden sein. Ich weiß nicht, ob
Sie diese Reihen, die Sie ja gelegentlich, wenn Sie den Satz voller als im Particell machen wollen,
brauchen werden, lieber selbst aus der Komposition ersehen wollen oder ob es Ihnen eine angenehme
Erleichterung ist, Bergs Behelfe an der Hand zu haben. Wenn wir in der Sache nichts von Ihnen
hören, lasse ich Ihnen die Behelfe schicken, in separat geschlossenen Küvert, dasdamit Sie es öffnen
können, wenn Sie wollen, aber nicht irritiert sind.
13 Tage vor seinem Tod hat Berg noch die
Lulu Stücke gehört. Die Wiener
Aufführung6 durch
Kabasta (gemeinsame Veranstaltung Ges. d. Musikfreunde und Ravag) war nicht eigentlich gut.
Dazu hatte der Dirigent doch zu wenig Beziehung zu dieser Musik. Immerhin hat er 8 Proben
gehalten und sich große Mühe gegeben. So kam doch schließlich Manches heraus. Der Erfolg war
„umstritten“, aber weit mehr Klatschen als Zischen.
Kabasta (gemeinsame Veranstaltung Ges. d. Musikfreunde und Ravag) war nicht eigentlich gut.
Dazu hatte der Dirigent doch zu wenig Beziehung zu dieser Musik. Immerhin hat er 8 Proben
gehalten und sich große Mühe gegeben. So kam doch schließlich Manches heraus. Der Erfolg war
„umstritten“, aber weit mehr Klatschen als Zischen.
Hat Ihnen Berg noch von seinem letzten Werk,
dem Violinkonzert berichtet? Das ist
wunderschöne
Musik. Die Partitur wird jetzt gedruckt und dürfte in 2 Monaten fertig sein. Sie werden dann
gleich ein Exemplar erhalten. In diesem Sommer, wie ich krank war, schickte mir Berg mit einem lieben
Brief, die ersten Skizzen zum letzten Satz, einer Choralbearbeitung. Darüber hatte er groß die Textworte
geschrieben: „Es ist genug! So nimm Herr meinen Geist!“
Musik. Die Partitur wird jetzt gedruckt und dürfte in 2 Monaten fertig sein. Sie werden dann
gleich ein Exemplar erhalten. In diesem Sommer, wie ich krank war, schickte mir Berg mit einem lieben
Brief, die ersten Skizzen zum letzten Satz, einer Choralbearbeitung. Darüber hatte er groß die Textworte
geschrieben: „Es ist genug! So nimm Herr meinen Geist!“
Ich hoffe, daß ich Ihnen nicht zu viel geschrieben habe. Denn ich glaube, daß Sie
alles interessiert, was
dieser Brief enthält. Wenn Sie noch mehr wissen wollen (auch über Verlag, Politik und ev. Persönliches),
werde ich es gerne nachholen. Diesmal bin ich eigens auf den Semmering gefahren, um Ihnen in Ruhe
zu schreiben, und auch weil ich Erholung brauche.
dieser Brief enthält. Wenn Sie noch mehr wissen wollen (auch über Verlag, Politik und ev. Persönliches),
werde ich es gerne nachholen. Diesmal bin ich eigens auf den Semmering gefahren, um Ihnen in Ruhe
zu schreiben, und auch weil ich Erholung brauche.
schreiben
Schwester
Carola Heuduck oder Anna Lebert.
Heirat
Trude
Jalowetz und Walter Rössler
verlobten sich Ende 1932. Infolge
der im September 1935 von der NSDAP
erlassenen Nürnberger Gesetze waren Eheschließungen zwischen Juden und
Deutschen verboten, sodass Rössler
sich durch die Beziehung mit seiner in die Niederlande ausgewanderten Verlobten strafbar machte.
Da für Rössler die Gründung einer
Existenz im Ausland in mehreren Versuchen aussichtslos blieb, wurde die
Verlobung im September 1936 gelöst (Pohlmann 2003, S.
103ff.). Trude Jalowetz heiratete
am 1. April 1939 Paul Guermonprez (Schönberg-Jalowetz
2024, S. 332).
Lulu zu vollenden
Stein bezieht sich auf den
Kondolenzbrief Schönbergs an die
Witwe
Alban Bergs: „Als ich in einem
New Yorker
Zeitungsausschnitt las, dass die Lulu
nicht fertig instrumentiert ist und dass Krenek oder ein Anderer das machen sollte, hatte ich die
spontane Idee, dich zu fragen, ob ich es nicht soll. Aber meine Frau machte mich darauf
aufmerksam, dass bei den jetzigen Verhältnissen in Deutschland, das dem Werk sicher schaden
würde. Nun aber, falls Alban den
Wunsch geäussert haben sollte, dass ich den Rest instrumentiere, so
stehe ich, falls Du es auch für richtig findest, selbstverständlich ganz
und unentgeltlich zur Verfügung.“ (Arnold Schönberg an Helene Berg, 1.
Jänner 1936; ASCC
2800).
Zeitungsnotizen
z. B. Der Morgen 1935.
Aufführung
17.I.1936
Lieber Herr Schönberg! Helene Berg hat, soviel ich weiß, es nicht
über sich gebracht, Ihnen Genaues über das Ende unseres Freundes zu schreiben1: die Todesursache war Blutvergiftung als
Folge einer Furunkulose, der Tod selbst erfolgte aus Herzschwäche. Er
hatte, wie Sie vielleicht wissen, öfters im Leben an Furunkulose gelitten.
Diesen Sommer hatte er zweimal eine Karbunkel, die angeblich beide ganz geheilt waren. Hier in Wien, wo er Mitte November ankam, bekam er eine
dritte Karbunkel. Er hat sich dann allerdings nicht geschont, war bei den Proben
und der Aufführung (11. Dezember) seiner
Lulu-Stücke. Paar Tage später bekam er
plötzlich hohes Fieber; sein Arzt
hielt es für Grippe und leugnete den Zusammenhang mit der Furunkel. An diesem
Montag (16.) geschah sicher ein Versäumnis. Der
Arzt hat sich dumm und auch später noch skandalös benommen. Das Furunkel
könne er sich ambulatorisch im Spital schneiden lassen, das habe aber keine
Eile. Als Berg dann Dienstag früh ins Rudolfs-Spital kam, mit furchtbaren
Schmerzen und 40°[?] Fieber,
wurde er sofort operiert (von Prof Demel).
Aber der Eiterherd wurde nicht gefunden. Man machte dann eine
Bluttransfusion (die Ärzte hielten das wegen seines großen Blutverlustes für nötig) und eine zweite Operation, die
auch ohne Resultat war. Am Sonntag sagte Demel zu Helene, daß er
nur mehr wenig Hoffnung habe, da das Herz zu versagen begann. Nun wurde ein
Internist zugezogen. Er bekam alle Arten von herzstärkenden Mitteln,
Prozeduren, die eine fürchterliche Qual für den Kranken waren. Es gelang
aber nur, das Ende um ein paar Stunden hinauszuschieben. Sein Sterben soll sehr schwer gewesen sein. Helene und ihre Schwester2 waren bei ihm. Der Körper war in schrecklicher Unruhe. Helene sagt, daß er sich den Verband
heruntergerissen, sich aufgebäumt, dann die Arme ausgebreitet und immer
wieder „es ist genug“ gesagt hat. Arme Helene, das anzusehn! „Das war der letzte Mord der Lulu“
behauptet sie.
Ob ihm zu helfen gewesen wäre? In den letzten Wochen glaube ich nicht mehr. Mitte
November, als er aus Kärnten kam, waren bei
unserer Begrüßung seine ersten Worte: das Arbeiten geht so gut wie noch
nie, aber der Körper will nicht mehr. Und dann klagte er, was ihm alles fehlte:
Reißen in den ganzen Beinen bis ins Kreuz, Zahnfleischschwund, daß die
Hälfte der Zähne auszufallen droht. Er behauptete damals,
einen ausgezeichneten Arzt zu haben – das war der, der dann so versagt hat.
Ich mache mir Vorwürfe, daß ich ihn nicht damals schon bewogen habe, einen
anderen Arzt zu nehmen, aber da war er doch mit ihm zufrieden war... Ein
andrer Arzt hätte es vielleicht nicht besser gemacht. Ich war das letzte
Mal Sonntag, 1 1/2 Tage vor seinem Tod bei ihm im
Zimmer. Da war er geistig unglaublich frisch und für alles interessiert.
Man mußte ihn immer wieder vom Sprechen abhalten Er klagte, wie ihn die Ärzte maltraitieren. Dann aber
fragte er z. B., was mit der Heirat3
von Trude Jalowetz ist (sie ist von
früher her mit einem deutschen „arischen“ Bildhauer befreundet und der junge Mann will ins Ausland, um sie
heiraten zu können). Helene behauptet zwar,
er habe seinen Zustand gewußt und das nur vor ihr verborgen. Am Sonntag kann er sich aber noch nicht im Klaren
gewesen sein. Denn als ich ihn über irgend eine Folgeerscheinung der Operation,
die ich ähnlich erlebt hatte (ich lag diesen Sommer an Blinddarm-Durchbruch
und Bauchfellentzündung 6 Wochen im Spital), beruhigen wollte, meinte er,
das sei bei mir doch viel ärger gewesen. Da hat’s mir einen Riß gegeben,
denn ich konnte ihm doch nicht widersprechen. Und wir wußten doch eigentlich
schon, daß große Gefahr für ihn besteht. Webern hat ihn dann noch am Montag einen Augenblick gesprochen.
Helenes Zustand ist natürlich traurig. Ich
bin oft bei ihr, ebenso meine Frau,
überhaupt nehmen sich viele Leute ihrer an. Sie nimmt sich sehr zusammen
und man kann ganz vernünftig mit ihr sprechen (ich bemühe mich, sie auch
für die geschäftlichen Agenden Albans zu
interessieren). Aber körperlich ist sie sehr elend und will dabei nichts
für sich tun. Es ist davon die Rede, daß sie zu Freunden nach Gastein gehen soll. Vorläufig sträubt sie sich
noch dagegen. – Ihre materielle Situation ist schlecht. Das Waldhaus, das
sie gerne behalten möchte, ist belastet. Verlagserträgnisse sind, solange die
Opern nicht gegeben werden, gering; außerdem ist Bergs Konto bei der U. E. mit cca
14.000 Schilling belastet. Ich bin aber sicher, daß sich der Verlag
anständig benehmen wird und wenn sie jetzt etwas braucht, stellt er es ihr
zur Verfügung. Winter und ihr Anwalt Dr
Liftschitz bemühen sich, sie auch auf
die Dauer sicherzustellen. Die Spitalskosten hat die AKM (das sind Schweine!) gezahlt, das Grab hat die Gemeinde
Wien am Hietzinger Friedhof „ehrenhalber“ (nicht als „Ehrengrab“!)
beigestellt. Winter nimmt sich
Helenes
in sehr menschlicher Weise an und ist oft bei ihr. (Er hat voriges Jahr
seine Frau verloren, das macht ihn
besonders mitfühlend.)
Ihr hochherziger Entschluß, Lulu zu vollenden4, war für uns alle eine Erlösung. Helene ist das eine große Stütze und Ermutigung. Wir hatten
schon vorher, vor Ihrem Brief an sie, davon
gesprochen, daß nur[?] Sie
die Partitur vollenden können. Helene sagte
noch naiv, wie glücklich das
Alban machen würde, wenn er es wüßte. Denn
eine andere Hand über seinem Werk wäre ihm unerträglich. Wie diese dummen Zeitungsnotizen5 mit andern Namen entstanden sind, ist nicht zu eruieren – ich habe
mich darum bemüht. Im Verlag behauptet jeder, nichts gesprochen zu haben. Die
Freunde,
Jalowetz an der Spitze, und Bergs Schüler sind glücklich – wenn das Wort heute
am Platz ist –, daß Sie die Oper fertig machen. Ich glaube, lieber Herr
Schönberg, Sie wissen gar nicht mehr,
was Sie für uns sind, heute wie seit jeher. Aber Sie können uns mit Recht
den Vorwurf machen, daß wir es
Ihnen zu selten zeigen. – Im Verlag hatte ich die
Genugtuung, die Herren Winter, Kalmus, Frl.
Rothe, Heinsheimer und Roth zusammenzuberufen und Ihr Anerbieten an Frau Berg mitzuteilen. Alle waren begeistert. Das
Bedenken, das Sie wegen Deutschland
äußerten, wurde von keinem geteilt,
weil alle glauben, daß Sie und Berg
Hitler überdauern werden. Ich habe die
Herren gleich darauf aufmerksam gemacht, daß Ihre Hochherzigkeit
Bergs Witwe gegenüber nicht den Verlag
betrifft und daß dieser die Pflicht hat, Ihnen eine Ehrengabe zu widmen.
Auch das fand Zustimmung. Wollen Sie mir sagen, wie Sie darüber denken? –
Der Verlag läßt jetzt die ganze Partitur, soweit sie vorliegt (außer den
ohnedies gedruckten symphonischen
Stücken) und das Particell des 3. Aktes photografieren, um Ihnen das Ganze zu
schicken. D. h. zuerst wird das Particell und die Partitur vom 3. Akt
fertig sein, was Sie ja vor allem brauchen. Diese Sendung geht schon früher an
Sie ab. Gewiß werden Sie aber auch die ersten beiden Akte sehen wollen; die
folgen dann bald nach. Zugleich mit der 1.
Sendung erhalten Sie eine Aufstellung von mir, die Ihnen das Nachschlagen
erleichtern kann. Ich kenne die Partitur sehr gut, weil ich am Klavierauszug arbeite; ich halte ungefähr in der Mitte des 2. Aktes. Ein Vergleich mit dem
Particell zeigt, daß Berg in diesen ersten
beiden Akten beim Instrumentieren nicht viel Wesentliches mehr geändert
hat, mitunter aber natürlich doch. Instrumentationshinweise fehlen im Particell fast ganz. Ich taxiere, daß noch
cca 100 Partiturseiten zu schreiben sind. Bitte schreiben Sie mir oder Helene, ob Sie für Ihre Arbeit irgendwelche
technische Anhaltspunkte wünschen. Reich hat z. B. von Berg
verschiedene schriftliche Aufschlüsse über die Reihe, die der Komposition
zugrundeliegt, und die in Beziehung auf bestimmte Personen verschiedene Formen
annimmt. Außerdem müßen die Transpositionstabellen der Reihe vorhanden
sein. Ich weiß nicht, ob Sie diese Reihen, die Sie ja gelegentlich, wenn
Sie den Satz voller als im Particell machen wollen, brauchen werden, lieber
selbst aus der Komposition ersehen wollen oder ob es Ihnen eine angenehme
Erleichterung ist, Bergs Behelfe an der
Hand zu haben. Wenn wir in der Sache nichts von Ihnen hören, lasse ich
Ihnen die Behelfe schicken, in separat geschlossenen Küvert, damit Sie es öffnen können, wenn Sie
wollen, aber nicht irritiert sind.
13 Tage vor seinem Tod hat Berg noch die
Lulu Stücke gehört. Die Wiener
Aufführung6 durch
Kabasta (gemeinsame Veranstaltung Ges. d. Musikfreunde und Ravag) war nicht eigentlich gut. Dazu hatte der Dirigent
doch zu wenig Beziehung zu dieser Musik. Immerhin hat er 8 Proben gehalten
und sich große Mühe gegeben. So kam doch schließlich Manches heraus. Der Erfolg
war „umstritten“, aber weit mehr Klatschen als Zischen.
Hat Ihnen Berg noch von seinem letzten Werk,
dem Violinkonzert berichtet? Das ist
wunderschöne Musik. Die Partitur wird jetzt gedruckt und dürfte in 2
Monaten fertig sein. Sie werden dann gleich ein Exemplar
erhalten. In diesem Sommer, wie ich krank war,
schickte mir Berg mit einem lieben
Brief die ersten Skizzen zum letzten Satz,
einer Choralbearbeitung. Darüber hatte er groß die Textworte geschrieben:
„Es ist genug! So nimm Herr meinen Geist!“
Ich hoffe, daß ich Ihnen nicht zu viel geschrieben habe. Denn ich glaube, daß Sie
alles interessiert, was dieser Brief enthält. Wenn Sie noch mehr wissen
wollen (auch über Verlag, Politik und ev. Persönliches), werde ich es gerne
nachholen. Diesmal bin ich eigens auf den Semmering gefahren, um Ihnen in Ruhe zu schreiben, und
auch weil ich Erholung brauche.
schreiben
Schwester
Carola Heuduck oder Anna Lebert.
Heirat
Trude
Jalowetz und Walter Rössler
verlobten sich Ende 1932. Infolge
der im September 1935 von der NSDAP
erlassenen Nürnberger Gesetze waren Eheschließungen zwischen Juden und
Deutschen verboten, sodass Rössler
sich durch die Beziehung mit seiner in die Niederlande ausgewanderten Verlobten strafbar machte.
Da für Rössler die Gründung einer
Existenz im Ausland in mehreren Versuchen aussichtslos blieb, wurde die
Verlobung im September 1936 gelöst (Pohlmann 2003, S.
103ff.). Trude Jalowetz heiratete
am 1. April 1939 Paul Guermonprez (Schönberg-Jalowetz
2024, S. 332).
Lulu zu vollenden
Stein bezieht sich auf den
Kondolenzbrief Schönbergs an die
Witwe
Alban Bergs: „Als ich in einem
New Yorker
Zeitungsausschnitt las, dass die Lulu
nicht fertig instrumentiert ist und dass Krenek oder ein Anderer das machen sollte, hatte ich die
spontane Idee, dich zu fragen, ob ich es nicht soll. Aber meine Frau machte mich darauf
aufmerksam, dass bei den jetzigen Verhältnissen in Deutschland, das dem Werk sicher schaden
würde. Nun aber, falls Alban den
Wunsch geäussert haben sollte, dass ich den Rest instrumentiere, so
stehe ich, falls Du es auch für richtig findest, selbstverständlich ganz
und unentgeltlich zur Verfügung.“ (Arnold Schönberg an Helene Berg, 1.
Jänner 1936; ASCC
2800).
Zeitungsnotizen
z. B. Der Morgen 1935.
Aufführung
17. Jänner 1936
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Erwin Stein an Arnold Schönberg, 17. Jänner 1936, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.16832.