W
Wohlgeboren
Sehr geehrter Herr Schönberg!
Ich bin eben im Begriffe gewesen, Ihr Schreiben vom
25. ds, zu beantworten, das einige Tage liegen bleiben musste,
weil ich noch immer an einem heftigen Unwohlsein laborierte, als
gerade Ihr Vorgestriges einlangte.
Selbstverständlich wäre Dresden mit Schuch bedeutend wich-
tiger als Mannheim und da ich, als der Verleger des Werkes bisher
dem Mannheimer Theater keinerlei Mitteilungen oder Rechte zukommen
liess, haben Sie die beste Ausrede gegenüber dieser Bühne u. z., dass
der Verleger einen Abschluss mit Dresden veranlasst hat.
Die Idee, dass alle drei Aufführungen1 am gleichen Tage statt-
finden sollen, halte ich für absolut schlecht und undurchführbar.
Es scheint mir unerlässlich, dass Sie der Uraufführung2 beiwohnen
und überhaupt das Studium, die Regie, etc. beaufsichtigen. Bei einem
bühnenmässigen Werk geht’s tatsächlich auch um den materiellen Erfolg,
der zwar viel weniger wichtiger ist als der künstlerische, aber für
Sie im vorliegenden Falle gewiss sehr erwünscht wäre. Bei der Urauf-
führung müsste tatsächlich alles Bühnenmässige ausgeschöpft werden
und eine Publikumswirkung erzielt werden, dann kommen alle anderen
Bühnen von selbst.

Dass Sie Schuch Partitur3, Klavierauszug4 und Buch geschickt
haben, war ja ganz gut; aber es ist unerlässlich, von ihm unter acht
Tagen eine Entscheidung zu erzwingen, da ohne einen solchen Zwang
der gute Mann keine Entscheidungen trifft. Wenn ihn die Sache wirklich
interessiert, entschließt er sich sofort; wenn er dies nicht tut,
dann darf man mit ihm überhaupt nicht weiter rechnen.
Ich lasse Ihnen gleichzeitig den Klavierauszug5 den ich hier
habe zugehen und erbitte mir baldigste Rücksendung. Wenn Schuch
bis etwa 15. November nicht abgelehnt hat, so würde ich einige Tage später
auf einer Reise nach Berlin, in Dresden persönlich Rücksprache pflegen,
um seine Ansicht zu erfahren.
Sobald wir die Uraufführung gesichert haben, gehe ich an die
Herstellung der Partitur. Wenn ich eine billige Partitur herstellen
lassen kann, können wir vorerst den Klavierauszug entbehren. Derselbe
wäre ja ohnedies nur für die Solistin zum Studieren erforderlich. Der-
artige Klavierauszüge sind ja doch niemals spielbar und für den Musi-
ker ersetzen sie die Partitur nur unvollständig. Wenn Sie glauben, dass
wir noch einen Klavierauszug notwendig brauchen, so bitte ich Sie,
die Kopiatur auf unsere Kosten in Berlin anfertigen zu lassen.
Mitfolgend retourniere ich Ihnen den Brief aus Mannheim, sowie
den des Kammersängers Soot. Ich hätte gerne von Soot erfahren,
mit welcher Wirkung er Ihre Lieder6 gesungen hat. Indem ich Ihnen noch
das einzige Buch7 von „Erwartung“ mit der Bitte einsende, mir so rasch
als möglich dasselbe zurückzuschicken, damit ich an den Satz desselben
schreiten kann, bleibe ich mit verbindlichsten Grüssen
Ihr ganz ergebener
N.S.
An Zemlinsky u. Webern sind die
Partituren der Orchesterlieder
abgegangen.

W
Wohlgeboren
Sehr geehrter Herr Schönberg!
Ich bin eben im Begriffe gewesen, Ihr Schreiben vom 25. ds, zu beantworten, das einige Tage liegen bleiben musste, weil ich noch immer an einem heftigen Unwohlsein laborierte, als gerade Ihr Vorgestriges einlangte.
Selbstverständlich wäre Dresden mit Schuch bedeutend wichtiger als Mannheim und da ich, als der Verleger des Werkes bisher dem Mannheimer Theater keinerlei Mitteilungen oder Rechte zukommen liess, haben Sie die beste Ausrede gegenüber dieser Bühne u. z., dass der Verleger einen Abschluss mit Dresden veranlasst hat.
Die Idee, dass alle drei Aufführungen1 am gleichen Tage stattfinden sollen, halte ich für absolut schlecht und undurchführbar. Es scheint mir unerlässlich, dass Sie der Uraufführung2 beiwohnen und überhaupt das Studium, die Regie, etc. beaufsichtigen. Bei einem bühnenmässigen Werk geht’s tatsächlich auch um den materiellen Erfolg, der zwar viel weniger wichtiger ist als der künstlerische, aber für Sie im vorliegenden Falle gewiss sehr erwünscht wäre. Bei der Uraufführung müsste tatsächlich alles Bühnenmässige ausgeschöpft werden und eine Publikumswirkung erzielt werden, dann kommen alle anderen Bühnen von selbst.
Dass Sie Schuch Partitur3, Klavierauszug4 und Buch geschickt haben, war ja ganz gut; aber es ist unerlässlich, von ihm unter acht Tagen eine Entscheidung zu erzwingen, da ohne einen solchen Zwang der gute Mann keine Entscheidungen trifft. Wenn ihn die Sache wirklich interessiert, entschließt er sich sofort; wenn er dies nicht tut, dann darf man mit ihm überhaupt nicht weiter rechnen.
Ich lasse Ihnen gleichzeitig den Klavierauszug5 den ich hier habe zugehen und erbitte mir baldigste Rücksendung. Wenn Schuch bis etwa 15. November nicht abgelehnt hat, so würde ich einige Tage später auf einer Reise nach Berlin, in Dresden persönlich Rücksprache pflegen, um seine Ansicht zu erfahren.
Sobald wir die Uraufführung gesichert haben, gehe ich an die Herstellung der Partitur. Wenn ich eine billige Partitur herstellen lassen kann, können wir vorerst den Klavierauszug entbehren. Derselbe wäre ja ohnedies nur für die Solistin zum Studieren erforderlich. Derartige Klavierauszüge sind ja doch niemals spielbar und für den Musiker ersetzen sie die Partitur nur unvollständig. Wenn Sie glauben, dass wir noch einen Klavierauszug notwendig brauchen, so bitte ich Sie, die Kopiatur auf unsere Kosten in Berlin anfertigen zu lassen.
Mitfolgend retourniere ich Ihnen den Brief aus Mannheim, sowie den des Kammersängers Soot. Ich hätte gerne von Soot erfahren, mit welcher Wirkung er Ihre Lieder6 gesungen hat. Indem ich Ihnen noch das einzige Buch7 von „Erwartung“ mit der Bitte einsende, mir so rasch als möglich dasselbe zurückzuschicken, damit ich an den Satz desselben schreiten kann, bleibe ich mit verbindlichsten Grüssen
Ihr ganz ergebener Hertzka
N.S. An Zemlinsky u. Webern sind die Partituren der Orchesterlieder abgegangen.

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 31. Oktober 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.17501.

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