Universal-Edition an Arnold Schönberg
6. Mai 1915
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien 6. Mai 1915.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien 6. Mai 1915.
W
Wohlgeboren
Herrn Arnold Schönberg
Lieber Herr Schönberg!
In sofortiger Beantwortung Ihres Schreibens1 vom 1. ds.
freue ich mich, dass Sie sich schon wieder von den Wiener Stra-
pazen erholt haben und ich bitte Sie überzeugt zu sein, dass
ich weder ungehalten noch beleidigt, geschweige denn bös war,
weil Sie ohne Abschied abgereist sind. Es hat mir nur sehr,
sehr leid getan, dass ich so wenig mit Ihnen zusammen sein
konnte und dass Sie sich vom ersten Moment ab mehr als es
mir für Sie gut schien, gesellschaftlichen Verpflichtungen
hingegeben haben. Ich schätze die Leute mit denen Sie umge-
hen viel zu hoch, als dass ich glauben könnte, dass sie sich
deswegen beleidigt hätten oder bös gewesen wären, wenn Sie die
wenigen Tage vor dem Konzert2 sich ausschliesslich und allein
auf dieses konzentriert hätten. Doch das ist ja nun geschehen
und wenn auch das Ergebnis in Wien nicht allen Wünschen entspro-
chen hat, so glaube ich, dass Sie sich darüber kein graues
Haar wachsen lassen sollen.
freue ich mich, dass Sie sich schon wieder von den Wiener Stra-
pazen erholt haben und ich bitte Sie überzeugt zu sein, dass
ich weder ungehalten noch beleidigt, geschweige denn bös war,
weil Sie ohne Abschied abgereist sind. Es hat mir nur sehr,
sehr leid getan, dass ich so wenig mit Ihnen zusammen sein
konnte und dass Sie sich vom ersten Moment ab mehr als es
mir für Sie gut schien, gesellschaftlichen Verpflichtungen
hingegeben haben. Ich schätze die Leute mit denen Sie umge-
hen viel zu hoch, als dass ich glauben könnte, dass sie sich
deswegen beleidigt hätten oder bös gewesen wären, wenn Sie die
wenigen Tage vor dem Konzert2 sich ausschliesslich und allein
auf dieses konzentriert hätten. Doch das ist ja nun geschehen
und wenn auch das Ergebnis in Wien nicht allen Wünschen entspro-
chen hat, so glaube ich, dass Sie sich darüber kein graues
Haar wachsen lassen sollen.
Zu Ihrer Musterung werden Sie ja doch hoffentlich
wieder nach Wien kommen. Nach den grossen Siegen der letzten
wieder nach Wien kommen. Nach den grossen Siegen der letzten
Tage ist ja Hoffnung vorhanden, dass Sie gar
nicht mehr für
die Front in Betracht kommen.
die Front in Betracht kommen.
Inmitten der Kriegszeit haben wir gestern eine recht
gelungene Kriegsmusik-Ausstellung3 des Wiener Tonkünstler-Vereins
eröffnet, in der viel interessantes Material gut zusammengestellt
zu sehen ist. Schade, dass Sie das nicht mehr sehen konnten, denn
Sie hätten hier unter den ausgestellten 40 oder 50 Schlachten-
Musiken vom 16. bis zum 20. Jahrhundert Vorstudien für Ihre
42 cm Symphonie4 machen können.
gelungene Kriegsmusik-Ausstellung3 des Wiener Tonkünstler-Vereins
eröffnet, in der viel interessantes Material gut zusammengestellt
zu sehen ist. Schade, dass Sie das nicht mehr sehen konnten, denn
Sie hätten hier unter den ausgestellten 40 oder 50 Schlachten-
Musiken vom 16. bis zum 20. Jahrhundert Vorstudien für Ihre
42 cm Symphonie4 machen können.
Sollten Sie sich in Berlin stellen, so
würde ich
mich freuen, von Ihnen nach Entscheidung recht bald Nachricht
zu erhalten.
mich freuen, von Ihnen nach Entscheidung recht bald Nachricht
zu erhalten.
Inzwischen verbleibe ich
mit herzlichen Grüssen
Ihr in Hochschätzung ergebener
Ihr in Hochschätzung ergebener
In sofortiger Beantwortung Ihres Schreibens
Konzert
Kriegsmusik-Ausstellung
42 cm Symphonie
Vorarbeiten zu einer
großangelegten Symphonie finden sich im
Werkkomplex des trotz jahrzehntelangen Auseinandersetzung Fragment
gebliebenen Oratoriums Die Jakobsleiter.
Die in der Korrespondenz auch verwendete Bezeichnung „42 cm Symphonie“
ist vermutlich eine Anspielung auf den im Ersten Weltkrieg erstmals
eingesetzten 42 Zentimeter-Mörser der Firma Krupp und bezieht sich auf
die große Besetzung der geplanten Symphonie für
Soli, Chor und Orchester (ASGA B 17/2, S. 314). Das
Geschütz war nahezu täglich Teil der Kriegsberichterstattung (z. B. Die Neue Zeitung
1915) und ging auch ins Kriegliedgut ein, etwa in Wilhelm Räderscheidt, Lied von der dicken Berta oder Victor Hollaender, Unsere 42 cm-Brummer.
gekommen
Erwin Stein hatte Schönberg bei der Korrektur des 2.
Abzuges unterstützt. Hier ist vermutlich der 3. Korrekturabzug der
Notenseiten des Erstdrucks, verschollen (ASGA B 6/2, Quelle E3*) gemeint. Aus der Korrespondenz
geht hervor, dass zunächst Alban
Berg am 7. Mai mit der
dritten Korrektur begann (Alban Berg an Arnold Schönberg, 6. und 7.
Mai 1915; ASCC 19935). Stein berichtet am 22. Mai von deren
Abschluß (Erwin Stein an Arnold Schönberg, 22. Mai 1915; ASCC 17021).
erinnern
Umarbeitung der Stimmen der
Kammersymphonie für 15 Soloinstrumente op.
9 gemäß der Änderungen in der Verbesserten Ausgabe (Edward
Clark an Arnold Schönberg, 12. Juli 1914; ASCC
10199; Edward Clark an Arnold Schönberg, 28. Juli 1914; ASCC
10200). Der Abschluss der Arbeit wurde vermutlich durch den
Beginn des Ersten Weltkriegs verhindert (ASGA B 11/4, S. 71).
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien 6. Mai 1915.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien 6. Mai 1915.
W
Lieber Herr Schönberg!
In sofortiger Beantwortung Ihres Schreibens1 vom 1. ds.
freue ich mich, dass Sie sich schon wieder von den Wiener Strapazen erholt haben und ich bitte Sie überzeugt zu sein, dass
ich weder ungehalten noch beleidigt, geschweige denn bös war, weil Sie
ohne Abschied abgereist sind. Es hat mir nur sehr, sehr leid getan, dass
ich so wenig mit Ihnen zusammen sein konnte und dass Sie sich vom ersten
Moment ab mehr als es mir für Sie gut schien, gesellschaftlichen
Verpflichtungen hingegeben haben. Ich schätze die Leute mit denen Sie
umgehen viel zu hoch, als dass ich glauben könnte, dass sie sich
deswegen beleidigt hätten oder bös gewesen wären, wenn Sie die wenigen
Tage vor dem Konzert2 sich
ausschliesslich und allein auf dieses konzentriert hätten. Doch das ist ja
nun geschehen und wenn auch das Ergebnis in Wien nicht allen Wünschen entsprochen hat, so glaube ich, dass Sie sich darüber kein graues
Haar wachsen lassen sollen.
Zu Ihrer Musterung werden Sie ja doch hoffentlich wieder nach Wien kommen. Nach den grossen Siegen der
letzten Tage ist ja Hoffnung vorhanden, dass Sie gar
nicht mehr für die Front in Betracht kommen.
Inmitten der Kriegszeit haben wir gestern eine recht gelungene Kriegsmusik-Ausstellung3 des Wiener Tonkünstler-Vereins
eröffnet, in der viel interessantes Material gut zusammengestellt zu
sehen ist. Schade, dass Sie das nicht mehr sehen konnten, denn Sie hätten
hier unter den ausgestellten 40 oder 50 Schlachten-Musiken vom
16. bis zum 20. Jahrhundert Vorstudien für Ihre
42 cm Symphonie4 machen können.
Sollten Sie sich in Berlin stellen, so
würde ich mich freuen, von Ihnen nach Entscheidung recht bald Nachricht
zu erhalten.
In sofortiger Beantwortung Ihres Schreibens
Konzert
Kriegsmusik-Ausstellung
42 cm Symphonie
Vorarbeiten zu einer
großangelegten Symphonie finden sich im
Werkkomplex des trotz jahrzehntelangen Auseinandersetzung Fragment
gebliebenen Oratoriums Die Jakobsleiter.
Die in der Korrespondenz auch verwendete Bezeichnung „42 cm Symphonie“
ist vermutlich eine Anspielung auf den im Ersten Weltkrieg erstmals
eingesetzten 42 Zentimeter-Mörser der Firma Krupp und bezieht sich auf
die große Besetzung der geplanten Symphonie für
Soli, Chor und Orchester (ASGA B 17/2, S. 314). Das
Geschütz war nahezu täglich Teil der Kriegsberichterstattung (z. B. Die Neue Zeitung
1915) und ging auch ins Kriegliedgut ein, etwa in Wilhelm Räderscheidt, Lied von der dicken Berta oder Victor Hollaender, Unsere 42 cm-Brummer.
gekommen
Erwin Stein hatte Schönberg bei der Korrektur des 2.
Abzuges unterstützt. Hier ist vermutlich der 3. Korrekturabzug der
Notenseiten des Erstdrucks, verschollen (ASGA B 6/2, Quelle E3*) gemeint. Aus der Korrespondenz
geht hervor, dass zunächst Alban
Berg am 7. Mai mit der
dritten Korrektur begann (Alban Berg an Arnold Schönberg, 6. und 7.
Mai 1915; ASCC 19935). Stein berichtet am 22. Mai von deren
Abschluß (Erwin Stein an Arnold Schönberg, 22. Mai 1915; ASCC 17021).
erinnern
Umarbeitung der Stimmen der
Kammersymphonie für 15 Soloinstrumente op.
9 gemäß der Änderungen in der Verbesserten Ausgabe (Edward
Clark an Arnold Schönberg, 12. Juli 1914; ASCC
10199; Edward Clark an Arnold Schönberg, 28. Juli 1914; ASCC
10200). Der Abschluss der Arbeit wurde vermutlich durch den
Beginn des Ersten Weltkriegs verhindert (ASGA B 11/4, S. 71).
6. Mai 1915
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 6. Mai 1915, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.17574.