D/M.
Wien, 16. September 1926.
Herrn
PÖRTSCHACH am See,
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Ich bestätige den Empfang Ihres an die Universal-Edition
gerichteten Schreibens vom 14. d. M., sowie des unterfertigten Ver-
lagscheines über die „SUITE“. Was den Verlagschein betrifft, so
möchte ich bemerken, dass Sie in diesem einiges einfügen, das sich
rückwirkend auf alle anderen Abmachungen beziehen soll und daher
in dieser Form keine Auswirkung haben kann. Wir müssen wohl über
diesen Gegenstand mündlich eine Verständigung treffen. Ich habe
das von Ihnen gefertigte Urheberrechts-Exemplar inzwischen beiseite
gelegt. Nachdem ohnedies ein sehr ausführlicher Vertrag über das
Verlagsverhältnis zwischen uns besteht, ist eine separate Urheber-
rechtsabtretung für jedes einzelne Werk an sich vollständig über-
flüssig und wenn wir solche einverlangen, so geschieht dies aus-
schliesslich aus dem Grund, um in jenen Fällen, wo wir Dritten gegen-
über unsere Verlagsrechte in irgend einer Form geltend machen müs-
sen, nicht den Generalvertrag zu produzieren, sondern den auf das
einzelne Werk bezüglichen Sondervertag. Das Verhältnis zwischen
Autor und Verlag hängt mir dieser neuerlichen Abtretung des Ur-
heberrechtes in keiner Weise zusammen und es ist schon aus diesem
Grunde undenkbar, dass in dieses Formular Dinge eingefügt werden,

die mit dem Vertrag selbst in Gegensatz stehen. Wie gesagt, soll
aber diese Angelenheit mündlich in eingehender Weise besprochen
werden.
Was nun Ihre Reklamationen betrifft, so möchte ich Ihnen
nur bemerken, dass Ihre beiden Chorwerke1 schon in den allernächsten
Tagen aus dem Druck kommen, sodass der von Ihnen gestellte Termin
gar nicht ausgenützt wird. Was nun die „SUITE“ betrifft, so ist Ihre
Verärgerung diesbezüglich vollständig ungerechtfertigt. Ich habe un-
sere Verlagsabteilung beauftragt, den Sachverhalt darzulegen. Über
all die sonstigen Konklusionen Ihres Schreibens können wir uns wohl
am besten ebenfalls persönlich unterhalten.
Zum Schlusse danke ich Ihnen noch für Ihr freundliches
Interesse an meinem Befinden. Ich fühle mich zwar noch immer nicht
ganz befriedigend, aber es geht schon etwas besser und ich hoffe,
dass die Attacke auf meine manchmal etwas zu sehr in Anspruch ge-
nommenen Herz- und Gehirnnerven der Hauptsache nach abgeschlagen ist.
Mit vielen herzlichen Grüssen an Sie und Ihre verehrte Frau, Ihr ganz ergebener

Verlagsabteilung
Die Partitur2 des Werkes sowie zwei Sätze der Kla-
rinetten-Stimmen wurden der Verlagsabteilung am 5. August d. J.
von Herrn Greissle übergeben, der hiezu bemerkte, daß
der Rest der Stimmen „in den nächsten Tagen“ von Ihm abgeliefert
würde. Als nach 16 Tagen die Stimmen noch nicht abgeliefert wa-
ren, haben wir Herrn Greissle am 21. August an die Ablieferung
der restlichen Stimmen gemahnt, die wir daraufhin, am 24., von
ihm erhalten haben. Tags darauf wurde die Partitur samt den
Streicherstimmen der Stecherei Waldheim übergeben3, die infolge
außerordentlicher Ueberbürdung mit Stich von termingemäß zur
Saison fer[t]igzustellenden Bühnen- und Orchesterwerken erst am
9. September die zwei Probeseiten4, die ein für allemal bei Wer-
ken von Schönberg verlangt werden, um Herrn Schönberg vorgelegt
zu werden, liefern konnte.
Daß wir die Partitur erst nach Erhalt der Stimmen
der Stecherei übergeben haben, hat seinen Grund einerseits da-
rin, daß es wahrscheinlich war, daß sie bei Sticheinrichtung
der Stimmen benötigt würde, andererseits darin, daß die Stecherei
Waldheim, wie schon erwähnt, sehr stark überbürdet war und wir
das Werk nur von dieser Firma, die auf die Werke von Schönberg
eingearbeitet ist, stechen lassen wollten.
D/M.
Wien, 16. September 1926.
Herrn
PÖRTSCHACH am See,
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Ich bestätige den Empfang Ihres an die Universal-Edition gerichteten Schreibens vom 14. d. M., sowie des unterfertigten Verlagscheines über die „SUITE“. Was den Verlagschein betrifft, so möchte ich bemerken, dass Sie in diesem einiges einfügen, das sich rückwirkend auf alle anderen Abmachungen beziehen soll und daher in dieser Form keine Auswirkung haben kann. Wir müssen wohl über diesen Gegenstand mündlich eine Verständigung treffen. Ich habe das von Ihnen gefertigte Urheberrechts-Exemplar inzwischen beiseite gelegt. Nachdem ohnedies ein sehr ausführlicher Vertrag über das Verlagsverhältnis zwischen uns besteht, ist eine separate Urheberrechtsabtretung für jedes einzelne Werk an sich vollständig überflüssig und wenn wir solche einverlangen, so geschieht dies ausschliesslich aus dem Grund, um in jenen Fällen, wo wir Dritten gegenüber unsere Verlagsrechte in irgend einer Form geltend machen müssen, nicht den Generalvertrag zu produzieren, sondern den auf das einzelne Werk bezüglichen Sondervertag. Das Verhältnis zwischen Autor und Verlag hängt mir dieser neuerlichen Abtretung des Urheberrechtes in keiner Weise zusammen und es ist schon aus diesem Grunde undenkbar, dass in dieses Formular Dinge eingefügt werden, die mit dem Vertrag selbst in Gegensatz stehen. Wie gesagt, soll aber diese Angelenheit mündlich in eingehender Weise besprochen werden.
Was nun Ihre Reklamationen betrifft, so möchte ich Ihnen nur bemerken, dass Ihre beiden Chorwerke1 schon in den allernächsten Tagen aus dem Druck kommen, sodass der von Ihnen gestellte Termin gar nicht ausgenützt wird. Was nun die „SUITE“ betrifft, so ist Ihre Verärgerung diesbezüglich vollständig ungerechtfertigt. Ich habe unsere Verlagsabteilung beauftragt, den Sachverhalt darzulegen. Über all die sonstigen Konklusionen Ihres Schreibens können wir uns wohl am besten ebenfalls persönlich unterhalten.
Zum Schlusse danke ich Ihnen noch für Ihr freundliches Interesse an meinem Befinden. Ich fühle mich zwar noch immer nicht ganz befriedigend, aber es geht schon etwas besser und ich hoffe, dass die Attacke auf meine manchmal etwas zu sehr in Anspruch genommenen Herz- und Gehirnnerven der Hauptsache nach abgeschlagen ist.
Mit vielen herzlichen Grüssen an Sie und Ihre verehrte Frau, Ihr ganz ergebener
Emil Hertzka
Verlagsabteilung
Die Partitur2 des Werkes sowie zwei Sätze der Klarinetten-Stimmen wurden der Verlagsabteilung am 5. August d. J. von Herrn Greissle übergeben, der hiezu bemerkte, daß der Rest der Stimmen „in den nächsten Tagen“ von Ihm abgeliefert würde. Als nach 16 Tagen die Stimmen noch nicht abgeliefert waren, haben wir Herrn Greissle am 21. August an die Ablieferung der restlichen Stimmen gemahnt, die wir daraufhin, am 24., von ihm erhalten haben. Tags darauf wurde die Partitur samt den Streicherstimmen der Stecherei Waldheim übergeben3, die infolge außerordentlicher Ueberbürdung mit Stich von termingemäß zur Saison fertigzustellenden Bühnen- und Orchesterwerken erst am 9. September die zwei Probeseiten4, die ein für allemal bei Werken von Schönberg verlangt werden, um Herrn Schönberg vorgelegt zu werden, liefern konnte.
Daß wir die Partitur erst nach Erhalt der Stimmen der Stecherei übergeben haben, hat seinen Grund einerseits darin, daß es wahrscheinlich war, daß sie bei Sticheinrichtung der Stimmen benötigt würde, andererseits darin, daß die Stecherei Waldheim, wie schon erwähnt, sehr stark überbürdet war und wir das Werk nur von dieser Firma, die auf die Werke von Schönberg eingearbeitet ist, stechen lassen wollten.

16. September 1926


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 16. September 1926, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.17660.

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