Schl/Wi.
Wien, 2. Mai 1946.
Herrn
Brentwood Park
Los Angeles, Californien
Sehr verehrter Meister!
Im August oder September wollen wir das erste Heft unserer
neuen Musikzeitschrift1 herausbringen. Die Zeitschrift, die
wir zwar als eine Fortsetzung des „Anbruch“ ansehen, soll
sich von diesem in vielen Punkten unterscheiden. Es soll
keine Zeitschrift sein, die Verlagspolitik betreibt. Es soll
in dieser Zeitschrift auch nicht ausschliesslich über moderne
Musik gesprochen werden, sondern der Begriff „Neu“ soll sich
nicht nur auf die Produktion, sondern auch auf die Reproduk-
tion beziehen: „neu“ in diesem Sinn sollen auch musikhistori-
sche Erkenntnisse sein, zu denen wir heute gelangt sind. Wir
legen Wert darauf, dass es eine unbestechliche Zeitschrift
ist und dass die Aufsätze nicht allgemeine, sondern speziale
Themen behandeln und diese möglichst erschöpfen, sodass die
Zeitschrift Quellenmaterial für eine Betrachtung der musika-
lischen Situation in unseren Jahren zusammenstellt.
Selbstverständlich soll sie ausserdem möglichst genau alle
Aufführungen neuer Musik registieren. Diese Zeitschrift wird
von Swarowsky und mir redigiert.
Ich würde mich unendlich freuen, wenn wir von Ihnen schon für
das erste Heft einen Beitrag erhielten. Rufer schrieb mir vor
einiger Zeit, dass Sie ihm einen grösseren Aufsatz über Zwölf-
tonkomposition geschickt hätten. Vielleicht ist dieser für die
Veröffentlichung geeignet oder liesse sich dafür einrichten.
Ich habe Ihnen jedenfalls gleichzeitig telegrafiert und ich
hoffe zuversichtlich auf eine zustimmende Antwort. *
Mit vorzüglicher Hochachtung
ergebenst


Schlee
P. S. Wir haben noch keinen
endgültigen Titel für die
Zeitschrift, denken aber an
„Musica Universalis“. Was
halten Sie davon?

Schl/Wi.
Wien, 2. Mai 1946.
Herrn
Brentwood Park
Los Angeles, Californien
Sehr verehrter Meister!
Im August oder September wollen wir das erste Heft unserer neuen Musikzeitschrift1 herausbringen. Die Zeitschrift, die wir zwar als eine Fortsetzung des „Anbruch“ ansehen, soll sich von diesem in vielen Punkten unterscheiden. Es soll keine Zeitschrift sein, die Verlagspolitik betreibt. Es soll in dieser Zeitschrift auch nicht ausschliesslich über moderne Musik gesprochen werden, sondern der Begriff „Neu“ soll sich nicht nur auf die Produktion, sondern auch auf die Reproduktion beziehen: „neu“ in diesem Sinn sollen auch musikhistorische Erkenntnisse sein, zu denen wir heute gelangt sind. Wir legen Wert darauf, dass es eine unbestechliche Zeitschrift ist und dass die Aufsätze nicht allgemeine, sondern speziale Themen behandeln und diese möglichst erschöpfen, sodass die Zeitschrift Quellenmaterial für eine Betrachtung der musikalischen Situation in unseren Jahren zusammenstellt.
Selbstverständlich soll sie ausserdem möglichst genau alle Aufführungen neuer Musik registieren. Diese Zeitschrift wird von Swarowsky und mir redigiert.
Ich würde mich unendlich freuen, wenn wir von Ihnen schon für das erste Heft einen Beitrag erhielten. Rufer schrieb mir vor einiger Zeit, dass Sie ihm einen grösseren Aufsatz über Zwölftonkomposition geschickt hätten. Vielleicht ist dieser für die Veröffentlichung geeignet oder liesse sich dafür einrichten. Ich habe Ihnen jedenfalls gleichzeitig telegrafiert und ich hoffe zuversichtlich auf eine zustimmende Antwort.
Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst

Schlee
P. S. Wir haben noch keinen endgültigen Titel für die Zeitschrift, denken aber an „Musica Universalis“. Was halten Sie davon?

2. Mai 1946


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 2. Mai 1946, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.17731.

Download:
Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen