Dr. K./Wi.
Wien, 30. Januar
Lieber Herr Schönberg!
Das, was wir hier für Ihren Sohn Georg tun, machen wir wirk-
lich gerne und wir wollten nur, dass wir ihnen hiebei mehr Sorge
abnehmen könnten. Es ist uns jetzt durch unseren Berliner Repräsen-
tanten gelungen, die Polizeibestätigungen über den Aufenthalt Georgs
in Berlin zu erhalten und wenn er auch die noch aus Paris ausständi-
gen bekommt, dann wären diese Vorarbeiten für das Visum erledigt.
Jetzt fehlt vor allem eine notariell beglaubigte Bestätigung1 von
Ihnen, dass Sie ihn drüben erhalten werden und dann kann man auf
Grund dieser Unterlagen weiterarbeiten. Sie müssen nur uns oder
Georg direkt mitteilen, für welche der drei Möglichkeiten Sie sich
entscheiden:
a) Ob er sicher annehmen kann, dass Sie ihn nach Amerika so
rasch als möglich herüberkommen lassen oder
b) Dass Sie ihm zu seinem Lebensunterhalt in Wien jenen mini-
malen Beitrag senden, mit dem er halbwegs auskommen kann, wobei ich
glaube, dass unter S 200.– monatlich eine Familie von 3 Personen
schwer auskommen kann. Das entspricht ungefähr $ 40.–. Wir wollen
annehmen, dass er wenigstens S 50.– im Monat verdienen kann, wobei
wir ihm soweit als irgend möglich Arbeit verschaffen wollen (aber auch
diese ist in der heutigen Zeit ziemlich dünn gesät), so würde, soweit
wir im Bilde sind, immer noch ein Betrag von etwa $ 30.– fehlen, auf
den Georg offenbar rechnen muss, da er sonst von niemandem eine Un-
terstützung bekommen kann und auch die Aussichten, dass er diesen

fehlenden Betrag regelmässig verdient, sehr gering sind. Sollte Ihnen
eine solche Zusage nicht möglich sein, wobei wir uns eventuell bereit
erklären würden, das Geld für ihn zu übernehmen und ihm, wenn wir
sehen, dass er etwas mehr verdient, entsprechend weniger aus Ihrer
Tasche ausbezahlen, so müssten Sie sich dazu entschliessen, dass
c) Georg mit einer regelmässigen Unterstützung Ihrerseits,
solange er sich in Wien aufhält, nicht rechnen kann, wobei wir aller-
dings nicht wissen, wie er sich weiter durchbringen soll.
Verzeihen Sie, dass wir uns so sehr in Georgs Angelegenhei-
ten einmengen, aber es ergibt sich dies notwendigerweise aus unseren
Bemühungen, ihm bei der Ausreise nach U.S.A. behilflich zu sein. Je-
denfalls bitten wir Sie, uns umgehend nach Erhalt dieses Schreibens
ganz klar zu sagen, wie Sie bezüglich Ihres Sohnes entscheiden. Die
U.E. würde gerne mehr tun, aber sie ist leider heute nicht dazu in
der Lage.
Für die A.K.M. senden wir Ihnen gleichzeitig eine Anmeldung
mit Statuten mit der Bitte, die Anmeldung unterfertigt zu retournieren2. Wir bitten
Sie auch, die Liste Ihrer Werke insoweit auszufüllen, als es sich um
Werke handelt, die nicht in unserem Verlag enthalten sind, darunter
auch alle Manuskriptwerke. Die im U.E.-Katalog enthaltenen Werke wer-
den wir dann noch hinzufügen. Sobald Ihre Anmeldung eintrifft, werden
wir dieselbe der A.K.M. übermitteln und alles daran setzen, dass Sie
raschest aufgenommen werden. Der Vorgang ist dann der, dass seitens
der A.K.M. innerhalb eines gewissen Zeitraums (2–4 Wochen) alle
Autorengesellschaften der Welt davon verständigt werden, dass Sie als
Mitglied der A.K.M. fungieren und von da an beginnen die betreffenden
Gesellschaften Aufführungen Ihrer Werke an die A.K.M. zu verrechnen.
Was Amerika anbelangt, so werden jene Orchesterwerke, die in unserem
Katalog enthalten sind, auch bezüglich der Aufführungsgebühren direkt

durch die Associated Music Publishers, Inc., New York, an uns und
von uns an Sie weiterverrechnet. Diese Weiterverrechnung würde, wenn
Sie A.K.M.-Mitglied werden, dann nicht mehr an Sie direkt, sondern
an die A.K.M. gehen. Was Aufführungen von Kammermusikwerken, Liedern,
Klavierstücken etc. in U.S.A. anbelangt, so ist nach den bisherigen
Usancen in U.S.A. weder durch die ASCAP noch durch die AMP. mit der
Eintreibung von Aufführungsgebühren zu rechnen, weil solche dort
überhaupt nicht bezahlt werden und man vorläufig kostspielige Pro-
zesse zur Durchsetzung eines Anspruchs nicht riskieren will. Amerika
ist in dieser Beziehung um viele Jahre hinter den europäischen Staa-
ten zurück, was ja auch schon daraus hervorgeht, dass Amerika als
das einzige Land in der Welt den Urheberrechtsschutz nur nach der
Erfüllung der Copyright-Eintragungsformalitäten gewährt und der Zeit-
punkt des Beitritts von U.S.A. zur Berner Konvention noch ein sehr
ungewisser ist.
Den Empfang des Journals habe ich Ihnen schon bestätigt und
danke Ihnen auch noch im Namen Ihrer Freunde, die es von uns bekom-
men haben, vielmals.
Die Suite3 ist noch nicht eingetroffen; sobald das Material
ankommt, werden wir die Lichtpausen durch Ihren Sohn schreiben las-
sen und die billigsten Kosten an Sie oder an den betreffenden Ver-
leger bekanntgeben. Wir werden ihm Georg auch die Arbeit entsprechend
bevorschussen. Der übliche Preis für eine Lichtpause-Stimmen-Seite
ist hier 2–2 1/2 Schilling.

Berg’s 50. Geburtstag ist am 9. Februar. Wir werden ihm
von Ihren guten Wünschen Mitteilung machen. – Ob der „Anbruch“ die-
ses Jahr weiter erscheint, ist noch fraglich.
Wir haben gerne zur Kenntnis genommen, dass die Kammer-
suite für Orchester
bereits auf Lichtpausepapier angefangen ist.
Mit besten Wünschen auch an Ihre verehrte Frau und Nuria von uns
allen Ihr sehr ergebener
Suite4 eben eingetroffen.
Die Arbeit ist Georg
bereits zur raschesten
Fertigstellung übergeben

Dr. K./Wi.
Wien, 30. Januar
Lieber Herr Schönberg!
Das, was wir hier für Ihren Sohn Georg tun, machen wir wirklich gerne und wir wollten nur, dass wir ihnen hiebei mehr Sorge abnehmen könnten. Es ist uns jetzt durch unseren Berliner Repräsentanten gelungen, die Polizeibestätigungen über den Aufenthalt Georgs in Berlin zu erhalten und wenn er auch die noch aus Paris ausständigen bekommt, dann wären diese Vorarbeiten für das Visum erledigt. Jetzt fehlt vor allem eine notariell beglaubigte Bestätigung1 von Ihnen, dass Sie ihn drüben erhalten werden und dann kann man auf Grund dieser Unterlagen weiterarbeiten. Sie müssen nur uns oder Georg direkt mitteilen, für welche der drei Möglichkeiten Sie sich entscheiden:
a) Ob er sicher annehmen kann, dass Sie ihn nach Amerika so rasch als möglich herüberkommen lassen oder
b) Dass Sie ihm zu seinem Lebensunterhalt in Wien jenen minimalen Beitrag senden, mit dem er halbwegs auskommen kann, wobei ich glaube, dass unter S 200.– monatlich eine Familie von 3 Personen schwer auskommen kann. Das entspricht ungefähr $ 40.–. Wir wollen annehmen, dass er wenigstens S 50.– im Monat verdienen kann, wobei wir ihm soweit als irgend möglich Arbeit verschaffen wollen (aber auch diese ist in der heutigen Zeit ziemlich dünn gesät), so würde, soweit wir im Bilde sind, immer noch ein Betrag von etwa $ 30.– fehlen, auf den Georg offenbar rechnen muss, da er sonst von niemandem eine Unterstützung bekommen kann und auch die Aussichten, dass er diesen fehlenden Betrag regelmässig verdient, sehr gering sind. Sollte Ihnen eine solche Zusage nicht möglich sein, wobei wir uns eventuell bereit erklären würden, das Geld für ihn zu übernehmen und ihm, wenn wir sehen, dass er etwas mehr verdient, entsprechend weniger aus Ihrer Tasche ausbezahlen, so müssten Sie sich dazu entschliessen, dass
c) Georg mit einer regelmässigen Unterstützung Ihrerseits, solange er sich in Wien aufhält, nicht rechnen kann, wobei wir allerdings nicht wissen, wie er sich weiter durchbringen soll.
Verzeihen Sie, dass wir uns so sehr in Georgs Angelegenheiten einmengen, aber es ergibt sich dies notwendigerweise aus unseren Bemühungen, ihm bei der Ausreise nach U.S.A. behilflich zu sein. Jedenfalls bitten wir Sie, uns umgehend nach Erhalt dieses Schreibens ganz klar zu sagen, wie Sie bezüglich Ihres Sohnes entscheiden. Die U.E. würde gerne mehr tun, aber sie ist leider heute nicht dazu in der Lage.
Für die A.K.M. senden wir Ihnen gleichzeitig eine Anmeldung mit Statuten mit der Bitte, die Anmeldung unterfertigt zu retournieren2. Wir bitten Sie auch, die Liste Ihrer Werke insoweit auszufüllen, als es sich um Werke handelt, die nicht in unserem Verlag enthalten sind, darunter auch alle Manuskriptwerke. Die im U.E.-Katalog enthaltenen Werke werden wir dann noch hinzufügen. Sobald Ihre Anmeldung eintrifft, werden wir dieselbe der A.K.M. übermitteln und alles daran setzen, dass Sie raschest aufgenommen werden. Der Vorgang ist dann der, dass seitens der A.K.M. innerhalb eines gewissen Zeitraums (2–4 Wochen) alle Autorengesellschaften der Welt davon verständigt werden, dass Sie als Mitglied der A.K.M. fungieren und von da an beginnen die betreffenden Gesellschaften Aufführungen Ihrer Werke an die A.K.M. zu verrechnen. Was Amerika anbelangt, so werden jene Orchesterwerke, die in unserem Katalog enthalten sind, auch bezüglich der Aufführungsgebühren direkt durch die Associated Music Publishers, Inc., New York, an uns und von uns an Sie weiterverrechnet. Diese Weiterverrechnung würde, wenn Sie A.K.M.-Mitglied werden, dann nicht mehr an Sie direkt, sondern an die A.K.M. gehen. Was Aufführungen von Kammermusikwerken, Liedern, Klavierstücken etc. in U.S.A. anbelangt, so ist nach den bisherigen Usancen in U.S.A. weder durch die ASCAP noch durch die AMP. mit der Eintreibung von Aufführungsgebühren zu rechnen, weil solche dort überhaupt nicht bezahlt werden und man vorläufig kostspielige Prozesse zur Durchsetzung eines Anspruchs nicht riskieren will. Amerika ist in dieser Beziehung um viele Jahre hinter den europäischen Staaten zurück, was ja auch schon daraus hervorgeht, dass Amerika als das einzige Land in der Welt den Urheberrechtsschutz nur nach der Erfüllung der Copyright-Eintragungsformalitäten gewährt und der Zeitpunkt des Beitritts von U.S.A. zur Berner Konvention noch ein sehr ungewisser ist.
Den Empfang des Journals habe ich Ihnen schon bestätigt und danke Ihnen auch noch im Namen Ihrer Freunde, die es von uns bekommen haben, vielmals.
Die Suite3 ist noch nicht eingetroffen; sobald das Material ankommt, werden wir die Lichtpausen durch Ihren Sohn schreiben lassen und die billigsten Kosten an Sie oder an den betreffenden Verleger bekanntgeben. Wir werden Georg auch die Arbeit entsprechend bevorschussen. Der übliche Preis für eine Lichtpause-Stimmen-Seite ist hier 2–2 1/2 Schilling.
Berg’s 50. Geburtstag ist am 9. Februar. Wir werden ihm von Ihren guten Wünschen Mitteilung machen. – Ob der „Anbruch“ dieses Jahr weiter erscheint, ist noch fraglich.
Wir haben gerne zur Kenntnis genommen, dass die Kammersuite für Orchester bereits auf Lichtpausepapier angefangen ist.
Mit besten Wünschen auch an Ihre verehrte Frau und Nuria von uns allen Ihr sehr ergebener
Rothe
Dr Kalmus
Suite4 eben eingetroffen. Die Arbeit ist Georg bereits zur raschesten Fertigstellung übergeben

30. Jänner 1935


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Gertrud Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 30. Jänner 1935, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.20246.

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