14.I.1935
Herrn Direktor Dr. Kalmus
Wien
Lieber Herr Dr. Kalmus,
vor Allem sage ich Ihnen meinen herz-
lichsten Dank für alles, was Sie für Görgi ge-
tan haben. Es ist wirklich sehr, sehr lieb von
Ihnen, dass Sie mir in dieser schweren Sorge
geholfen haben und sich Görgis so annehmen.
Ich wünsche herzlichst, Ihnen meinen Dank be-
weisen zu können!
Ferner danke ich Ihnen vielmals für
die Verzollung der Weihnachtssendungen und bin
sehr froh, dass es gelungen ist, sie ohne Zoll
herauszukriegen. Bitte sagen Sie auch dem Herrn,
der das besorgt hat meinen herzlichsten Dank.
Darf ich das gelegentlich wieder tun? Ich habe
soviele Leute in Wien, für die ich gerne etwas
tun möchte. Wenn ich nur in der Lage wäre! Aber
leider: davon ist es noch weit entfernt, obwohl
ich voller Hoffnung bin.
Des Weiteren bestätige ich mit Dank den
Empfang der Noten, und zwar von meinen Werken: Gurre-
lieder Partitur und Kl. A., Friede auf Erden, Variati-
onen
(Part) und Harmonielehre: ferner Bergs Symph.
Stücke
, eine fabelhaft schöne Partitur1 und ein gross-
artiges Stück, über das ich Berg noch schreiben werde2.
Ich habe mich entschlossen, der AKM beizutre-
ten und bitte Sie, meine Mitgliedschaft auf dem kür-
zesten Wege zu bewirken, so dass womöglich noch die
Aufführungsanteile aus dem vergangenen Jahr, die in
Amerika allein ziemlich zahlreich waren, mitverrech-
net werden, da ich ja in dieser Zeit von keiner Sei-
te etwas bekommen habe.
Mittlerweile haben Sie wohl das Journal
erhalten. Die Abfassung, der Druck und die Versen-
dung an circa 100 Menschen haben mich 10 Tage Ar-
beit gekost[t]et. Und ich hoffe, es wird niemand be-
leidigt sein, dass ich ihm nicht extra geschrieben
habe, denn ich habe in der ganzen Zeit hier nur ge-
faullenzt, wenn ich zu müd war.
Was Görgi weiter anbelangt, so muss ich
Sie bitten, ihm zu sagen, dass davon keine Rede sein
kann, dass ich ihm monatlich $ 50 sende. Wenn ich ihm
etwas senden kann, werde ich es tun; sofern er es
braucht. Aber ich kann mich vorläufig absolut nicht
verpflichten. Ich wollte ja das grosse Opfer brin-
gen, ihn hieher kommen zu lassen, weil ich Hoffnung
[habe, dass er sich hier selbst erhält]

habe, dass er sich hier selbst erhält. Auf Ihr Tele-
gramm
3 hin habe ich diesmal noch der Auszahlung zu-
gestimmt, könnte es aber in Hinkunft nicht verspre-
chen. Dagegen habe ich vorgestern an Sie eine Suite,
die ich hier für Schülerorchester geschrieben habe,
geschickt4. Er soll unverzüglich 1 die Stimmen auf
Lichtpauspapier schreiben, * da si[e] hier bestellt sind.
Eventuell werde ich auch den Druck in Oesterreich
machen lassen, wenn ich dafür durch Ihre Protektion
einen wirklich billigen Preis bekomme, so dass ich
nicht wieder prozessieren muss. Wenn Sie so freund-
lich wären, anzufragen, ohne meinen Namen zu nennen,
so wäre mir das sehr angenehm. Wahrscheinlich wer-
de ich dieser Tage mit einem Verleger hierüber ab
schliessen (ich hoffe dringendst, denn ich benötige
es sehr) und der wird dann über alles weitere ent-
scheiden. Die Erstaufführung5 wird voraussichtlich
in der Juilliardschule erfolgen, wohin man mich für
nächsten Winter haben will. Aber ich weiss nicht,
ob ich das New Yorker Klima noch einmal riskieren
kann. Das Geld wird Görgi nicht früher bekommen,
als bis er die Arbeit abgeliefer[t] hat. Höchstens
könnte man ihm, sobald er die Hälfte abliefert, ein
Drittel als Vorschuss geben. Ich werde dieser Tage
abschliessen und dann einen Scheck an Sie senden,
bitte Sie aber eventuell vorher für mich auszuzah-
len. Als Preis muss er sich einstweilen mit dem in
Wien üblichen begnügen. Sollte ich mehr erreichen
können, so will ich es ihm gerne verschaffen. Wie-
viel bezahlen Sie hiefür?
Seien Sie mir nicht böse, dass ich Sie
wieder damit befasse, aber ich weiss Niemand, der
das besser betreiben könnte, als Sie. Und deshalb
danke ich Ihnen auch sehr für Ihre Bemühungen, die
Voraussetzungen für seine Uebersiedlung nach
Amerika (vorraussichtlich nach New York) zu schaffen.
Vor Kurzem waren Sie freundlich, mich an
Bergs 50. Geburtstag zu erinnern und ich möchte
unter allen Umständen diesen Zeitpunkt diesmal
nicht versäumen. Ich nehme an, dass Sie ein Heft
des Anbruch rechtzeitig herausbringen können und
wenn ich etwas fertig habe, so sende ich es für die-
sen Zweck. Sollte das aber nicht möglich sein, dann
überlasse ich es Ihrem Gutdünken, ob Sie es dem
Reich geben wollen oder an einen besseren Ort.
Nun habe ich, glaube ich, alles erledigt
und danke Ihnen nochmals herzlichst. Viele Grüsse,
auch an Frl. Rothe und Dr Winter, Ihr

Bitte schreiben Sie mir nicht mehr Professor, das
war „bestenfalls“ mein deutscher Titel!
NB: Die Kammersymphonie für Orchester habe ich schon
auf Lichtpauspapier angefangen6.

14.I.1935
Herrn Direktor Dr. Kalmus
Wien
Lieber Herr Dr. Kalmus,
vor Allem sage ich Ihnen meinen herzlichsten Dank für alles, was Sie für Görgi getan haben. Es ist wirklich sehr, sehr lieb von Ihnen, dass Sie mir in dieser schweren Sorge geholfen haben und sich Görgis so annehmen. Ich wünsche herzlichst, Ihnen meinen Dank beweisen zu können!
Ferner danke ich Ihnen vielmals für die Verzollung der Weihnachtssendungen und bin sehr froh, dass es gelungen ist, sie ohne Zoll herauszukriegen. Bitte sagen Sie auch dem Herrn, der das besorgt hat meinen herzlichsten Dank. Darf ich das gelegentlich wieder tun? Ich habe soviele Leute in Wien, für die ich gerne etwas tun möchte. Wenn ich nur in der Lage wäre! Aber leider: davon ist es noch weit entfernt, obwohl ich voller Hoffnung bin.
Des Weiteren bestätige ich mit Dank den Empfang der Noten, und zwar von meinen Werken: Gurrelieder Partitur und Kl. A., Friede auf Erden, Variationen (Part) und Harmonielehre: ferner Bergs Symph. Stücke, eine fabelhaft schöne Partitur1 und ein grossartiges Stück, über das ich Berg noch schreiben werde2.
Ich habe mich entschlossen, der AKM beizutreten und bitte Sie, meine Mitgliedschaft auf dem kürzesten Wege zu bewirken, so dass womöglich noch die Aufführungsanteile aus dem vergangenen Jahr, die in Amerika allein ziemlich zahlreich waren, mitverrechnet werden, da ich ja in dieser Zeit von keiner Seite etwas bekommen habe.
Mittlerweile haben Sie wohl das Journal erhalten. Die Abfassung, der Druck und die Versendung an circa 100 Menschen haben mich 10 Tage Arbeit gekostet. Und ich hoffe, es wird niemand beleidigt sein, dass ich ihm nicht extra geschrieben habe, denn ich habe in der ganzen Zeit hier nur gefaullenzt, wenn ich zu müd war.
Was Görgi weiter anbelangt, so muss ich Sie bitten, ihm zu sagen, dass davon keine Rede sein kann, dass ich ihm monatlich $ 50 sende. Wenn ich ihm etwas senden kann, werde ich es tun; sofern er es braucht. Aber ich kann mich vorläufig absolut nicht verpflichten. Ich wollte ja das grosse Opfer bringen, ihn hieher kommen zu lassen, weil ich Hoffnung habe, dass er sich hier selbst erhält. Auf Ihr Telegramm3 hin habe ich diesmal noch der Auszahlung zugestimmt, könnte es aber in Hinkunft nicht versprechen. Dagegen habe ich vorgestern an Sie eine Suite, die ich hier für Schülerorchester geschrieben habe, geschickt4. Er soll unverzüglich 1 die Stimmen auf Lichtpauspapier schreiben, da sie hier bestellt sind. Eventuell werde ich auch den Druck in Oesterreich machen lassen, wenn ich dafür durch Ihre Protektion einen wirklich billigen Preis bekomme, so dass ich nicht wieder prozessieren muss. Wenn Sie so freundlich wären, anzufragen, ohne meinen Namen zu nennen, so wäre mir das sehr angenehm. Wahrscheinlich werde ich dieser Tage mit einem Verleger hierüber abschliessen (ich hoffe dringendst, denn ich benötige es sehr) und der wird dann über alles weitere entscheiden. Die Erstaufführung5 wird voraussichtlich in der Juilliardschule erfolgen, wohin man mich für nächsten Winter haben will. Aber ich weiss nicht, ob ich das New Yorker Klima noch einmal riskieren kann. Das Geld wird Görgi nicht früher bekommen, als bis er die Arbeit abgeliefert hat. Höchstens könnte man ihm, sobald er die Hälfte abliefert, ein Drittel als Vorschuss geben. Ich werde dieser Tage abschliessen und dann einen Scheck an Sie senden, bitte Sie aber eventuell vorher für mich auszuzahlen. Als Preis muss er sich einstweilen mit dem in Wien üblichen begnügen. Sollte ich mehr erreichen können, so will ich es ihm gerne verschaffen. Wie viel bezahlen Sie hiefür?
Seien Sie mir nicht böse, dass ich Sie wieder damit befasse, aber ich weiss Niemand, der das besser betreiben könnte, als Sie. Und deshalb danke ich Ihnen auch sehr für Ihre Bemühungen, die Voraussetzungen für seine Uebersiedlung nach Amerika (vorraussichtlich nach New York) zu schaffen.
Vor Kurzem waren Sie freundlich, mich an Bergs 50. Geburtstag zu erinnern und ich möchte unter allen Umständen diesen Zeitpunkt diesmal nicht versäumen. Ich nehme an, dass Sie ein Heft des Anbruch rechtzeitig herausbringen können und wenn ich etwas fertig habe, so sende ich es für diesen Zweck. Sollte das aber nicht möglich sein, dann überlasse ich es Ihrem Gutdünken, ob Sie es dem Reich geben wollen oder an einen besseren Ort.
Nun habe ich, glaube ich, alles erledigt
und danke Ihnen nochmals herzlichst. Viele Grüsse, auch an Frl. Rothe und Dr Winter, Ihr Arnold Schoenberg
Bitte schreiben Sie mir nicht mehr Professor, das war „bestenfalls“ mein deutscher Titel!
NB: Die Kammersymphonie für Orchester habe ich schon auf Lichtpauspapier angefangen6.

14. Jänner 1935


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 14. Jänner 1935, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.2543.

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