18.VI.1932
An die Direktion der
Wien, I. Karlsplatz 6
Ich bin Ihnen eine Aufklärung schuldig.
Der Tod Emil Herzkas hat mich wirklich tief
erschüttert und ich konnte nur an den Menschen denken, den
ich trotz aller gelegentlicher Zusammenstösse persönlich
sehr gern gehabt hatte: in diesem Gefühl habe ich Ihnen
einen (bereits fertigen) Nachruf versprochen.
Aber leider, als ich nach Berlin kam1, fand ich
Belege vor, aus welchen ich erfuhr, dass man sich nicht nur
an meinem amerikanischen Aufführungsrecht, sondern auch
an meinen Plattenrechten vergriffen hatte; und das bei
einem Werk, welches wohl die meisten Hoffnungen auf einen
meiner würdigen Ertrag geboten hätte!
Ich zögerte den Nachruf abzuschreiben, hätte
es aber vielleicht doch noch getan – obwohl es mir in
diesem Stadium als Heuchelei vorkam – die ich kaum mehr ver-
antworten konnte. Aber da traf schon die Nummer des Anbruch2
ein, mit dem Zirkular für die Gedächtnisstiftung und Sie
hatten mich damit der Qual der Entscheidung enthoben: so
habe ich also nicht unterzeichnet und so ist es gut.
Man hat mir mitgeteilt, dass die UE derzeit
von einem Direktorium: Fräulein Rothe, Herr Dr. Kalmus und
Herr Winter geleitet werde. Ich begrüsse dieses Direktorium
in der Hoffnung, dass es den Willen bezeigt, zu einer fried-
lichen Einigung mit mir zu gelangen. Ich habe aus diesem
Grunde das weitere Vorgehen meines Advokaten eingestellt
und möchte Ihnen sagen, dass, wenn Sie offen und ohne Hin-
tergedanken mit mir verhandeln wollen, Sie verständnisvol-
les Entgegenkommen und Friedenswillen bei mir finden wer-
den und dass ich froh sein werde, wenn ich gegen die UE
nicht jene ganze Härte werde anwenden müssen, welche der
Selbsterhaltungstrieb von mir fordert und zu welcher mir
bisher zugeredet wurde.
Aber ich bitte Sie – und das müssen Sie seh[r]
ernst nehmen – schieben Sie Sache nicht auf die lange [Bank]
Denn auch ich habe im Kampf gelernt und die Sache die[smal]
so angelegt, dass der Ausgang nicht mehr davon abhän[gt, ob]
ich – wie sonst immer – schliesslich die Lust und [das In-]
teresse daran verliere.
Ich wünsche herzlichst von Ihnen [Erfreuli-]
ches zu hören und bin in dieser Erwartung, Ihr h[ochachtungs-]
voll grüssender

Ich habe gesagt:
wenn ich gezwun
18.VI.1932
An die Direktion der
Wien, I. Karlsplatz 6
Ich bin Ihnen eine Aufklärung schuldig.
Der Tod Emil Herzkas hat mich wirklich tief erschüttert und ich konnte nur an den Menschen denken, den ich trotz aller gelegentlicher Zusammenstösse persönlich sehr gern gehabt hatte: in diesem Gefühl habe ich Ihnen einen (bereits fertigen) Nachruf versprochen.
Aber leider, als ich nach Berlin kam1, fand ich Belege vor, aus welchen ich erfuhr, dass man sich nicht nur an meinem amerikanischen Aufführungsrecht, sondern auch an meinen Plattenrechten vergriffen hatte; und das bei einem Werk, welches wohl die meisten Hoffnungen auf einen meiner würdigen Ertrag geboten hätte!
Ich zögerte den Nachruf abzuschreiben, hätte es aber vielleicht doch noch getan – obwohl es mir in diesem Stadium als Heuchelei vorkam – die ich kaum mehr verantworten konnte. Aber da traf schon die Nummer des Anbruch2 ein, mit dem Zirkular für die Gedächtnisstiftung und Sie hatten mich damit der Qual der Entscheidung enthoben: so habe ich also nicht unterzeichnet und so ist es gut.
Man hat mir mitgeteilt, dass die UE derzeit von einem Direktorium: Fräulein Rothe, Herr Dr. Kalmus und Herr Winter geleitet werde. Ich begrüsse dieses Direktorium in der Hoffnung, dass es den Willen bezeigt, zu einer friedlichen Einigung mit mir zu gelangen. Ich habe aus diesem Grunde das weitere Vorgehen meines Advokaten eingestellt und möchte Ihnen sagen, dass, wenn Sie offen und ohne Hintergedanken mit mir verhandeln wollen, Sie verständnisvolles Entgegenkommen und Friedenswillen bei mir finden werden und dass ich froh sein werde, wenn ich gegen die UE nicht jene ganze Härte werde anwenden müssen, welche der Selbsterhaltungstrieb von mir fordert und zu welcher mir bisher zugeredet wurde.
Aber ich bitte Sie – und das müssen Sie sehr ernst nehmen – schieben Sie Sache nicht auf die lange Bank Denn auch ich habe im Kampf gelernt und die Sache diesmal so angelegt, dass der Ausgang nicht mehr davon abhängt, ob ich – wie sonst immer – schliesslich die Lust und das In teresse daran verliere.
Ich wünsche herzlichst von Ihnen Erfreuli
ches zu hören und bin in dieser Erwartung, Ihr hochachtungs voll grüssender
Ich habe gesagt:wenn ich gezwun[?]

18. Juni 1932


Ort erschlossen

The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 18. Juni 1932, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.2250.

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