24.VII.1932
Lieber Stein, ich wollte eigentlich die Verhandlungen
abbrechen: mindestens persönlich nichts mehr damit zu
tun haben.
Nun war aber mein Berater1 verreist und ich habe mich
mit der Sichtung meiner fast 300 kleinen Manuskripte2
(die ich jetzt wahrscheinlich herausgeben werde) be-
fasst und so kommt die UE dazu, dass ich noch ein-
mal schreibe.
Zunächst also: mündliche Verhandlungen muss ich ableh-
nen.
1. mir war immer klar, dass Herzka mündliche Verhand-
lungen nur deswegen vorgezogen hat, weil er einen da [bes]
besser hineinlegen konnte. Ich bin überzeugt, dass weder
Herr Winter noch Doktor Kalmus das wollen. Und ich hät-
te jedenfalls weder Lust, noch Zeit, mich dem auszu-
setzen. Und schon deshalb würden Sie ja ohnedies nicht
mit mir, sondern
2. mit meinem Vertreter zu verhandeln haben und das
käme sie sicherlich zu teuer, ohne dass mehr Erfolg
für sie herausschaut.
3. aber: ich mag nicht mehr solange warten. Ich bin oh-
nedies sehr böse über die Hinausschiebungstaktik. Und
glauben Sie mir, Herr Stein, ich weiss nicht, ob ich Ih-
nen für Ihre Beschwichtigungstaktik sehr dankbar sein
soll
4. ganz abgesehen aber von all dem:
Eine Hinausschiebung hätte ich der UE nur bewilligen
können, wenn Sie mir zu allen meinen Vorschlägen For-
derungen greifbare und einigermasse akzep-
tierbare
Vorschläge gemacht hätte. Ausserdem
hätte [...] ich im gegenwärtigen Stadium vor Allem verlan-
gen müssen, dass die UE bei Eberle eine „Stillhaltung“
bis zu unserer Einigung erzielt. Denn wenn ich Eberle
einmal aus meiner Tasche habe bezahlen müssen, dann
gebe ich kein Jota mehr nach!
Ich will nicht lang herumreden und geheimtun; mich lang-
weilt das alles schon. Also: wenn man in den Hauptpunkten
einig oder nahezu einig ist, [...] und wenn eine ge-
wisse Sicherheit geboten ist, dass es zu einer friedli-
chen Einigung kommen muss, wo nicht ich nachgeben
muss (!!!).
Aber: bis jetzt hat die Universal Edition mir noch kein
akzeptables und verbindliches Angebot gemacht und das
nehme ich so übel und deswegen fürchte ich für den fried-
lichen Fortschritt.
Wenn Sie nun auch einmal etwas für mich tun wol-
len – das darf ich wohl auch verlangen, ohne Ihre Stel
lung zur UE dabei in Widerspruch zu bringen – so
wäre es, dass Sie erzielen, dass man mir einen aufrich-
tigen und endgültigen Vorschlag macht und mit dieser
kleinlichen Politik endlich aufhört.
Ich muss schliessen: viele herzlichste Grüsse, Ihr
24.VII.1932
Lieber Stein, ich wollte eigentlich die Verhandlungen abbrechen: mindestens persönlich nichts mehr damit zu tun haben.
Nun war aber mein Berater1 verreist und ich habe mich mit der Sichtung meiner fast 300 kleinen Manuskripte2 (die ich jetzt wahrscheinlich herausgeben werde) befasst und so kommt die UE dazu, dass ich noch einmal schreibe.
Zunächst also: mündliche Verhandlungen muss ich ablehnen.
1. mir war immer klar, dass Herzka mündliche Verhandlungen nur deswegen vorgezogen hat, weil er einen da besser hineinlegen konnte. Ich bin überzeugt, dass weder Herr Winter noch Doktor Kalmus das wollen. Und ich hätte jedenfalls weder Lust, noch Zeit, mich dem auszusetzen. Und schon deshalb würden Sie ja ohnedies nicht mit mir, sondern
2. mit meinem Vertreter zu verhandeln haben und das käme sie sicherlich zu teuer, ohne dass mehr Erfolg für sie herausschaut.
3. aber: ich mag nicht mehr solange warten. Ich bin ohnedies sehr böse über die Hinausschiebungstaktik. Und glauben Sie mir, Herr Stein, ich weiss nicht, ob ich Ihnen für Ihre Beschwichtigungstaktik sehr dankbar sein soll
4. ganz abgesehen aber von all dem:
Eine Hinausschiebung hätte ich der UE nur bewilligen können, wenn Sie mir zu allen meinen Forderungen greifbare und einigermasse akzeptierbare Vorschläge gemacht hätte. Ausserdem hätte ich im gegenwärtigen Stadium vor Allem verlangen müssen, dass die UE bei Eberle eine „Stillhaltung“ bis zu unserer Einigung erzielt. Denn wenn ich Eberle einmal aus meiner Tasche habe bezahlen müssen, dann gebe ich kein Jota mehr nach!
Ich will nicht lang herumreden und geheimtun; mich langweilt das alles schon. Also: wenn man in den Hauptpunkten einig oder nahezu einig ist, und wenn eine gewisse Sicherheit geboten ist, dass es zu einer friedlichen Einigung kommen muss, wo nicht ich nachgeben muss (!!!).
Aber: bis jetzt hat die Universal Edition mir noch kein akzeptables und verbindliches Angebot gemacht und das nehme ich so übel und deswegen fürchte ich für den friedlichen Fortschritt.
Wenn Sie nun auch einmal etwas für mich tun wollen – das darf ich wohl auch verlangen, ohne Ihre Stellung zur UE dabei in Widerspruch zu bringen – so wäre es, dass Sie erzielen, dass man mir einen aufrichtigen und endgültigen Vorschlag macht und mit dieser kleinlichen Politik endlich aufhört.
Ich muss schliessen: viele herzlichste Grüsse, Ihr

24. Juli 1932


Ort erschlossen

The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Erwin Stein, 24. Juli 1932, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.2257.

Download:
Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen