Arnold Schönberg an Universal-Edition
13. März 1936
Lieber Herr Dr. Kalmus,
ich bestätige mein heutiges Telegramm, in
welchem ich
mitteilte, dass ich Bergs Materiale zurücksenden musste, weil
nach meiner festen Ueberzeugung ein Jahr zur Fertigstellung
der Instrumentation erforderlich ist. Ich kann nicht annehmen,
dass Sie auf eine so weitgehende Verschiebung des Aufführungs-
termines hätten eingehen können, da es doch im Interesse Frau
Bergs liegt, möglichst bald Einkünfte davon zu beziehen. Und
ich kann nicht einmal sagen, dass ich diesen Termin hätte ein-
halten können, da ich hier oft sehr mit Arbeit überhäuft bin
und vielfach ausserdem durch Störungen belästigt werde. Aber
ich schätze, dass Berg, dessen Arbeitstempo eher langsamer war,
als das meinige, nur dann kürzere Zeit dafür benötigt hätte, wenn
er gerade nichts für den Broterwerb zu tun gehabt hätte. Ich
hätte ja gewiss mein Möglichstes getan, aber ich konnte, ange[sich] -
sichts eines Termines, den ich keinesfalls so früh erwartet hät-
te, die Verantwortung einer Verschiebung nicht auf mich nehmen.
Es tut mir sehr leid, dass nun doch eine bedeutende Verzögerung
eintritt. Aber ich glaube daran unschuldig zu sein.
mitteilte, dass ich Bergs Materiale zurücksenden musste, weil
nach meiner festen Ueberzeugung ein Jahr zur Fertigstellung
der Instrumentation erforderlich ist. Ich kann nicht annehmen,
dass Sie auf eine so weitgehende Verschiebung des Aufführungs-
termines hätten eingehen können, da es doch im Interesse Frau
Bergs liegt, möglichst bald Einkünfte davon zu beziehen. Und
ich kann nicht einmal sagen, dass ich diesen Termin hätte ein-
halten können, da ich hier oft sehr mit Arbeit überhäuft bin
und vielfach ausserdem durch Störungen belästigt werde. Aber
ich schätze, dass Berg, dessen Arbeitstempo eher langsamer war,
als das meinige, nur dann kürzere Zeit dafür benötigt hätte, wenn
er gerade nichts für den Broterwerb zu tun gehabt hätte. Ich
hätte ja gewiss mein Möglichstes getan, aber ich konnte, ange[sich] -
sichts eines Termines, den ich keinesfalls so früh erwartet hät-
te, die Verantwortung einer Verschiebung nicht auf mich nehmen.
Es tut mir sehr leid, dass nun doch eine bedeutende Verzögerung
eintritt. Aber ich glaube daran unschuldig zu sein.
Denn:
Nachdem ich anfangs Februar den Brief1 vom 14. Januar von Helene Berg
erhielt, erwartete ich mit zunehmender Nervosität täglich die
Vorlagen zu bekommen.
erhielt, erwartete ich mit zunehmender Nervosität täglich die
Vorlagen zu bekommen.
Die trafen erst am 9. März, mit einer Verspätung von fünf
Wochen ein, welche ich nicht verstehen kann, da ja Photokopien
in wenigen Stunden fertig gestellt werden.
Wochen ein, welche ich nicht verstehen kann, da ja Photokopien
in wenigen Stunden fertig gestellt werden.
Aus den Vorlagen entnahm ich, dass die Schwierigkeiten weit
grössere und andere sind, als ich erwarten konnte. Ueber das
schrieb ich ausführlich an Herrn Stein, der Ihnen alles er-
klären wird. Schliesslich erkannte ich, dass ich nicht drei
Monate, wie ich vorausgesetzt hatte, sondern ein Jahr benötige,
um das zu vollenden, da ich ja doch auch beruflich beschäftigt
bin. Obwohl ich bereit war auf eigenes Schaffen während eines
gewissen Zeitraumes zu verzichten, so war ich doch überzeugt,
Frau Berg diese Verzögerung nicht zumuten zu können. So hätten
also kostspielige Telegramme hin und her wohl kein anderes Re-
sultat herbeiführen können, als dass ein anderer nun die Fertig-
stellung übernehmen muss und ich hielt es somit für das Richtigste,
die Materiale schleunigst zurückzusenden. Dasselbe werde ich
tun, wenn die Photokopien der beiden ersten Akte eintreffen,
die ja auf alle Fälle für mich zu spät abgesandt wurden, was
mich auch sehr behindert haben würde.
grössere und andere sind, als ich erwarten konnte. Ueber das
schrieb ich ausführlich an Herrn Stein, der Ihnen alles er-
klären wird. Schliesslich erkannte ich, dass ich nicht drei
Monate, wie ich vorausgesetzt hatte, sondern ein Jahr benötige,
um das zu vollenden, da ich ja doch auch beruflich beschäftigt
bin. Obwohl ich bereit war auf eigenes Schaffen während eines
gewissen Zeitraumes zu verzichten, so war ich doch überzeugt,
Frau Berg diese Verzögerung nicht zumuten zu können. So hätten
also kostspielige Telegramme hin und her wohl kein anderes Re-
sultat herbeiführen können, als dass ein anderer nun die Fertig-
stellung übernehmen muss und ich hielt es somit für das Richtigste,
die Materiale schleunigst zurückzusenden. Dasselbe werde ich
tun, wenn die Photokopien der beiden ersten Akte eintreffen,
die ja auf alle Fälle für mich zu spät abgesandt wurden, was
mich auch sehr behindert haben würde.
Ich hoffe, der Mann der nun die Fertigstellung über-
nimmt, wird den Termin einhalten können und versichere Ihnen,
dass es mir sehr leid tut, einen Entschluss haben fassen haben
zu müssen, der Berg einen Liebesdienst verweigert, den ich
ihm unter anderen Umständen gerne und sicher erwiesen hätte.
nimmt, wird den Termin einhalten können und versichere Ihnen,
dass es mir sehr leid tut, einen Entschluss haben fassen haben
zu müssen, der Berg einen Liebesdienst verweigert, den ich
ihm unter anderen Umständen gerne und sicher erwiesen hätte.
Mit besten Grüssen, Ihr
Brief
Helene Berg an Arnold Schönberg, 14. Jänner 1936 (ASCC
19710).
13.März 1936
Lieber Herr Dr. Kalmus,
ich bestätige mein heutiges Telegramm, in
welchem ich mitteilte, dass ich Bergs
Materiale zurücksenden musste, weil nach meiner festen Ueberzeugung ein
Jahr zur Fertigstellung der Instrumentation erforderlich ist. Ich kann
nicht annehmen, dass Sie auf eine so weitgehende Verschiebung des
Aufführungstermines hätten eingehen können, da es doch im Interesse Frau
Bergs liegt, möglichst bald Einkünfte davon
zu beziehen. Und ich kann nicht einmal sagen, dass ich diesen Termin hätte
einhalten können, da ich hier oft sehr mit Arbeit überhäuft bin
und vielfach ausserdem durch Störungen belästigt werde. Aber ich
schätze, dass Berg, dessen Arbeitstempo eher
langsamer war, als das meinige, nur dann kürzere Zeit dafür benötigt hätte,
wenn er gerade nichts für den Broterwerb zu tun gehabt hätte. Ich
hätte ja gewiss mein Möglichstes getan, aber ich konnte, ange
sichts eines Termines, den ich keinesfalls so früh erwartet
hätte, die Verantwortung einer Verschiebung nicht auf mich nehmen.
Es tut mir sehr leid, dass nun doch eine bedeutende Verzögerung
eintritt. Aber ich glaube daran unschuldig zu sein.
Denn:
Nachdem ich anfangs Februar den Brief1 vom 14. Januar von Helene Berg
erhielt, erwartete ich mit zunehmender Nervosität täglich die Vorlagen
zu bekommen.
Die trafen erst am 9. März, mit einer Verspätung von fünf
Wochen ein, welche ich nicht verstehen kann, da ja Photokopien in
wenigen Stunden fertig gestellt werden.
Aus den Vorlagen entnahm ich, dass die Schwierigkeiten weit grössere und
andere sind, als ich erwarten konnte. Ueber das
schrieb ich ausführlich an Herrn Stein, der Ihnen alles erklären wird. Schliesslich erkannte ich, dass ich nicht drei
Monate, wie ich vorausgesetzt hatte, sondern ein Jahr benötige, um das
zu vollenden, da ich ja doch auch beruflich beschäftigt bin. Obwohl ich
bereit war auf eigenes Schaffen während eines gewissen Zeitraumes zu
verzichten, so war ich doch überzeugt, Frau Berg diese Verzögerung nicht zumuten zu können. So hätten
also kostspielige Telegramme hin und her wohl kein anderes Resultat herbeiführen können, als dass ein anderer nun die
Fertigstellung übernehmen muss und ich
hielt es somit für das Richtigste, die Materiale schleunigst
zurückzusenden. Dasselbe werde ich tun, wenn die Photokopien der beiden
ersten Akte eintreffen, die ja auf alle Fälle für mich zu spät abgesandt wurden, was mich auch sehr
behindert haben würde.
Ich hoffe, der Mann der nun die Fertigstellung übernimmt, wird den Termin einhalten können und versichere Ihnen,
dass es mir sehr leid tut, einen Entschluss
fassen haben zu müssen, der Berg einen
Liebesdienst verweigert, den ich ihm unter anderen Umständen gerne und
sicher erwiesen hätte.
Brief
Helene Berg an Arnold Schönberg, 14. Jänner 1936 (ASCC
19710).
13. März 1936
Ort erschlossen; Beilage zu Arnold Schönberg an Erwin Stein, 9. bis 11. März 1936
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Wien
Wissenschaftszentrum Arnold Schönberg und die Wiener Schule
Archiv der Universal Edition, Depositum
Wien
Wissenschaftszentrum Arnold Schönberg und die Wiener Schule
Archiv der Universal Edition, Depositum
Brief
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 13. März 1936, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.2813.