Please note my new Address
BRENTWOOD PARK
Los Angeles, Calif.
Tel: 35077, W.L.A.
May 20, 1936
Wien
Liebe Freunde, ungefähr vor einer Woche kündigte ich Ihnen
[di]e Absendung des Geldes (100 $) an, um dessen vorherige Aus-
[za]hlung von $ 50 und spätere am 1. Juni ich Sie gebeten hatte.
(das ist ein furchtbarer Satz). Gestern hörte ich in der Bank,
dass mein Auftrag, das Geld an Sie zu senden, nicht ausgeführt
wurde: Schlamperei! – Ich sende daher heute einen Barscheck, da
ich diesen per Luftpost senden kann, wodurch Sie ihn hoffentlich
in 8–10 Tagen haben. Ich hoffe, Sie haben inzwischen das Geld an
meinen Sohn vorherbezahlt, was ja für Sie in Anbetracht eines
zu erwartenden Guthabens meines Kontos für das kommende Halb-
jahr kein Risiko bedeutet. Jedenfalls meinen besten Dank im
Voraus.
Wir sind vor zwei Wochen endlich in ein neues Haus übersiedelt
und lassen endlich meine Möbel aus Paris kommen, was mir durch
einen Schüler ermöglicht wurde, der mir aus ganz eigenem Antrieb
zu diesem Zweck das Honorar für ein ganzes Jahr vorausbezahlt
hat. Ich werde im nächsten Jahr an der University of Southern
[Cal]ifornia
unterrichten und habe jetzt endlich auch eine ge-
nügende Anzahl von Schülern, so dass nach 2 1/2 Jahren, die
[ni]cht ganz so rosig für mich waren, als man vom Onkel aus
Amerika annimmt, ich endlich ein bischen freier werde atmen
können.
Ich möchte Sie bei dieser Gelegenheit fragen, wie denn eigentlich
diese Associated Publishers verrechnen. Ich habe in den Abrechnung[en]
gen eine ganze Anzahl von Aufführungen meiner Werke, darunter
solche die ich selbst dirigierte, nicht gefunden. Ebenso keine
über Verklärte Nacht1- und Gurrelieder-Platten2. Ein hiesiger Advokat
ist im Begriff, diese Angelegenheit zu klären und ich will
Ihnen das vor Allem rechtzeitig mitteilen, insbesondere da ich
höre, dass Dr. Kalmus in New York ist und da selbst ein bischen
überprüfen könnte. Ich muss Ihnen gestehen, dass mir die Leute,
als ich sie seinerzeit in New York sah, gar nicht gefallen haben
und dass ich ihnen alles zutraue.
Ich habe lange von Ihnen nichts gehört. Senden Sie mir doch ge-
legentlich Ausschnitte aus Zeitungen, die mich interessieren
könnten, aber keine Kritiken.
Ich muss trachten den Brief rechtzeitig zur Post zu bringen.
Deshalb Schluss.
Viele herzlichste Grüsse, Ihr
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BRENTWOOD PARK
Los Angeles, Calif.
Tel: 35077, W.L.A.
May 20, 1936
Liebe Freunde, ungefähr vor einer Woche kündigte ich Ihnen die Absendung des Geldes (100 $) an, um dessen vorherige Aus zahlung von $ 50 und spätere am 1. Juni ich Sie gebeten hatte. (das ist ein furchtbarer Satz). Gestern hörte ich in der Bank, dass mein Auftrag, das Geld an Sie zu senden, nicht ausgeführt wurde: Schlamperei! – Ich sende daher heute einen Barscheck, da ich diesen per Luftpost senden kann, wodurch Sie ihn hoffentlich in 8–10 Tagen haben. Ich hoffe, Sie haben inzwischen das Geld an meinen Sohn vorherbezahlt, was ja für Sie in Anbetracht eines zu erwartenden Guthabens meines Kontos für das kommende Halbjahr kein Risiko bedeutet. Jedenfalls meinen besten Dank im Voraus.
Wir sind vor zwei Wochen endlich in ein neues Haus übersiedelt und lassen endlich meine Möbel aus Paris kommen, was mir durch einen Schüler ermöglicht wurde, der mir aus ganz eigenem Antrieb zu diesem Zweck das Honorar für ein ganzes Jahr vorausbezahlt hat. Ich werde im nächsten Jahr an der University of Southern California unterrichten und habe jetzt endlich auch eine genügende Anzahl von Schülern, so dass nach 2 1/2 Jahren, die nicht ganz so rosig für mich waren, als man vom Onkel aus Amerika annimmt, ich endlich ein bischen freier werde atmen können.
Ich möchte Sie bei dieser Gelegenheit fragen, wie denn eigentlich diese Associated Publishers verrechnen. Ich habe in den Abrechnung gen eine ganze Anzahl von Aufführungen meiner Werke, darunter solche die ich selbst dirigierte, nicht gefunden. Ebenso keine über Verklärte Nacht1- und Gurrelieder-Platten2. Ein hiesiger Advokat ist im Begriff, diese Angelegenheit zu klären und ich will Ihnen das vor Allem rechtzeitig mitteilen, insbesondere da ich höre, dass Dr. Kalmus in New York ist und da selbst ein bischen überprüfen könnte. Ich muss Ihnen gestehen, dass mir die Leute, als ich sie seinerzeit in New York sah, gar nicht gefallen haben und dass ich ihnen alles zutraue.
Ich habe lange von Ihnen nichts gehört. Senden Sie mir doch gelegentlich Ausschnitte aus Zeitungen, die mich interessieren könnten, aber keine Kritiken.
Ich muss trachten den Brief rechtzeitig zur Post zu bringen. Deshalb Schluss.
Viele herzlichste Grüsse, Ihr
Arnold Schoenberg

20. Mai 1936


Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Wien
Wissenschaftszentrum Arnold Schönberg und die Wiener Schule
Archiv der Universal Edition, Depositum



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 20. Mai 1936, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.2836.

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