31/1.1914
Lieber Herr Direktor, die Orchesterlieder in Prag1
waren sehr schön. Winkelmann genügte zwar
nicht besonders. Aber Zemlinszky hat sie groß
artig gemacht. Ueberhaupt: Zemlinszky ist sicher
der erste lebende Dirigent. Ich hörte eine wun-
dervolle Parsifal-Aufführung2 von ihm und sah ihm
zu Tschaikowsky und Tod u Verklärung studieren und
dirigieren. Es ist unglaublich, was er aus solchem
nicht einmal erstklassigem Material herauspreßt.
Es ist sehr traurig, dass man so was nicht in den
Kunsthauptstädten hören kann!
Dass Sie von Pierrot eine kleine billige
Partitur herausgeben wollen ist mir sehr lieb.
Nur so kann sich das Werk verbreiten.
Die Korrektur kann ich erst lesen, bis ich von
Leipzig3 zurück bin. Solange hat es wohl noch Zeit.
Ich bin am 3. 4. und 5. dort.
Inzwischen macht Scherchen meine Kammer-
symphonie
in Berlin
4. Die soll ja auch in Graz
gewesen
5 sein. Haben Sie etwas davon gehört?

Sie haben mir über unsere letzte Abmachung
keine Bestätigung geschickt. Der Ordnung halber wäre
es mir lieb, sie zu bekommen.
Bitte antworten Sie mir umgehend auf folgende Frage:
Habe ich ein Recht die Aufführung6 meines II. Quar-
tetts
(durch das Löwensohn-Quartett in Berlin) zu
verbieten, wenn mir die Sängerin nicht genügt,
oder wenn ich bei den Proben sehe, dass das Quar-
tett schlecht spielt? Muss ich mir einen Miss-
erfolg bereiten lassen, durch eine unwürdige Auf-
führung? Kann ich gar nichts dagegen tun?
Das Titelblatt7 des Pierrot schicke ich Ihnen heute.
Jetzt muss ich die Gurrelieder Partitur studieren.
Also einstweilen:
herzlichste Grüße Ihr Arnold Schönberg
31/1.1914
Lieber Herr Direktor, die Orchesterlieder in Prag1 waren sehr schön. Winkelmann genügte zwar nicht besonders. Aber Zemlinszky hat sie großartig gemacht. Ueberhaupt: Zemlinszky ist sicher der erste lebende Dirigent. Ich hörte eine wundervolle Parsifal-Aufführung2 von ihm und sah ihm zu Tschaikowsky und Tod u Verklärung studieren und dirigieren. Es ist unglaublich, was er aus solchem nicht einmal erstklassigem Material herauspreßt. Es ist sehr traurig, dass man so was nicht in den Kunsthauptstädten hören kann!
Dass Sie von Pierrot eine kleine billige Partitur herausgeben wollen ist mir sehr lieb. Nur so kann sich das Werk verbreiten.
Die Korrektur kann ich erst lesen, bis ich von Leipzig3 zurück bin. Solange hat es wohl noch Zeit. Ich bin am 3. 4. und 5. dort.
Inzwischen macht Scherchen meine Kammersymphonie in Berlin4. Die soll ja auch in Graz gewesen5 sein. Haben Sie etwas davon gehört?
Sie haben mir über unsere letzte Abmachung keine Bestätigung geschickt. Der Ordnung halber wäre es mir lieb, sie zu bekommen.
Bitte antworten Sie mir umgehend auf folgende Frage: Habe ich ein Recht die Aufführung6 meines II. Quartetts (durch das Löwensohn-Quartett in Berlin) zu verbieten, wenn mir die Sängerin nicht genügt, oder wenn ich bei den Proben sehe, dass das Quartett schlecht spielt? Muss ich mir einen Misserfolg bereiten lassen durch eine unwürdige Aufführung? Kann ich gar nichts dagegen tun?
Das Titelblatt7 des Pierrot schicke ich Ihnen heute.
Jetzt muss ich die Gurrelieder Partitur studieren. Also einstweilen:
herzlichste Grüße Ihr Arnold Schönberg

31. Jänner 1914


Ort erschlossen aus der genannten Aufführung in Prag, 29. Jänner 1914 und Arnold Schönberg an Albertine Zehme, 31. Jänner 1914 (ASCC 382)

The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 31. Jänner 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.380.

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