Universal-Edition an Arnold Schönberg
3. Februar 1914
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 3. Februar 1914.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
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Wien 3. Februar 1914.
W
Wohlgeboren
Herrn Arnold Schönberg
zzt. Leipzig
Lieber Herr Schönberg!
Sehr erfreut war ich, dass die Aufführung1 der Orchesterlieder
in Prag so schön war. Das was Sie über Zemlinsky schreiben, deckt
sich vollkommen mit meiner Ansicht über diesen ganz hervorragenden
Musiker und Dirigenten.
in Prag so schön war. Das was Sie über Zemlinsky schreiben, deckt
sich vollkommen mit meiner Ansicht über diesen ganz hervorragenden
Musiker und Dirigenten.
Bezüglich der Verhinderung der Quartettaufführung durch das
Löwensohn-Quartett, kann ich Ihnen nichts Befriedigendes mitteilen.
Es gibt höchstens eine Flucht in die Oeffentlichkeit. Das Urheber-
recht selbst bietet keine Waffe.
Löwensohn-Quartett, kann ich Ihnen nichts Befriedigendes mitteilen.
Es gibt höchstens eine Flucht in die Oeffentlichkeit. Das Urheber-
recht selbst bietet keine Waffe.
Ich teilte Ihnen schon mit, dass ich ein Exemplar des Bürsten-
abzuges „Pierrot lunaire“ über dringende Veranlassung einer Firma in
Lyon, an diese zur Ansicht geschickt habe. Wie Sie aus der, Ihnen
mitfolgend im Original zugehenden Zuschrift ersehen, ist eine Auf-
führung2 in Lyon seitens einer Musikzeitung projektiert, die Sie selbst
dirigieren sollen. Ich gebe gleichzeitig der Lyoner Firma Ihre Adresse
bekannt, schreibe aber auch, dass ich Ihnen von der Sache Kenntnis ge-
geben habe und bitte Sie, entweder mir oder direkt nach Lyon mitzuteilen,
welchen Honoraranspruch Sie stellen würden.
abzuges „Pierrot lunaire“ über dringende Veranlassung einer Firma in
Lyon, an diese zur Ansicht geschickt habe. Wie Sie aus der, Ihnen
mitfolgend im Original zugehenden Zuschrift ersehen, ist eine Auf-
führung2 in Lyon seitens einer Musikzeitung projektiert, die Sie selbst
dirigieren sollen. Ich gebe gleichzeitig der Lyoner Firma Ihre Adresse
bekannt, schreibe aber auch, dass ich Ihnen von der Sache Kenntnis ge-
geben habe und bitte Sie, entweder mir oder direkt nach Lyon mitzuteilen,
welchen Honoraranspruch Sie stellen würden.
Diese Frage ist allerdings für Sie nicht leicht zu beantworten,
denn wie eine derartige Aufführung, die von Lyoneser Musikern und einer
dortigen Rezitatorin gemacht würde, ausfallen dürfte, ist ein Rätsel.
Das Beste wäre, wenn die Berliner Besetzung die das Werk studiert und in mehreren
Städten aufgeführt hat, nach Lyon könnte. Ich glaube zwar, dass Frau
Zehmes Mitwirkung nicht möglich wäre, denn es ist offenbar eine franzö-
sische Aufführung geplant.
denn wie eine derartige Aufführung, die von Lyoneser Musikern und einer
dortigen Rezitatorin gemacht würde, ausfallen dürfte, ist ein Rätsel.
Das Beste wäre, wenn die Berliner Besetzung die das Werk studiert und in mehreren
Städten aufgeführt hat, nach Lyon könnte. Ich glaube zwar, dass Frau
Zehmes Mitwirkung nicht möglich wäre, denn es ist offenbar eine franzö-
sische Aufführung geplant.
Ich bitte, geben Sie mir sofort Nachricht in dieser Angelegen-
heit und besprechen Sie vielleicht auch die Frage der Herstellung der
Orchesterstimmen mit Frau Zehme. Ich habe von derselben leihweise die
Stimmen erbeten, einerseits, um sie bei der Korrektur der Partitur zu
berücksichtigen, andererseits, um die Stimmen zumindest in Abschrift
einmal für eine Aufführung in Händen zu haben. Frau Zehme meint nun,
dass sie vor 31. März mir die Stimmen nicht geben kann3. Ueberdies
weist sie auf das ihr zustehende alleinige Aufführungsrecht hin.
Sobald die Partitur veröffentlicht sein wird, ist es nicht ausgeschlos-
sen, dass Bewerbungen um die Aufführung erfolgen werden und wir müssen
uns dann klar darüber sein, wie wir uns verhalten sollen. Ich sehe
vollständig ein, dass Frau Zehme ein absolutes Recht hat, das Werk, für
das sie grosse Summen geopfert hat, noch eine Zeit für sich zu behalten,
aber Sie meinten, dass Frau Zehme auf das Monopol4 wohl nicht unbedingt
bestehen wird. Die Aufführung in Lyon ist wohl die erste Veranlassung,
bei welcher diese Frage zur Aussprache kommen könnte.
heit und besprechen Sie vielleicht auch die Frage der Herstellung der
Orchesterstimmen mit Frau Zehme. Ich habe von derselben leihweise die
Stimmen erbeten, einerseits, um sie bei der Korrektur der Partitur zu
berücksichtigen, andererseits, um die Stimmen zumindest in Abschrift
einmal für eine Aufführung in Händen zu haben. Frau Zehme meint nun,
dass sie vor 31. März mir die Stimmen nicht geben kann3. Ueberdies
weist sie auf das ihr zustehende alleinige Aufführungsrecht hin.
Sobald die Partitur veröffentlicht sein wird, ist es nicht ausgeschlos-
sen, dass Bewerbungen um die Aufführung erfolgen werden und wir müssen
uns dann klar darüber sein, wie wir uns verhalten sollen. Ich sehe
vollständig ein, dass Frau Zehme ein absolutes Recht hat, das Werk, für
das sie grosse Summen geopfert hat, noch eine Zeit für sich zu behalten,
aber Sie meinten, dass Frau Zehme auf das Monopol4 wohl nicht unbedingt
bestehen wird. Die Aufführung in Lyon ist wohl die erste Veranlassung,
bei welcher diese Frage zur Aussprache kommen könnte.
Indem ich mit Interesse Ihren Mitteilungen entgegensehe, verbleibe
ich mit herzlichen Grüssen Ihr ganz ergebener
ich mit herzlichen Grüssen Ihr ganz ergebener
Aufführung
Aufführung
Ein für April 1914 anberaumtes Konzert in Lyon kam nicht zustande (Arnold Schönberg an Charles
Fenestrier, 12. Februar 1914; ASCC
390; Comoedia
1927).
Stimmen nicht geben kann
Albertine Zehme an Emil Hertzka,
30. Jänner 1914 (ASGA B
24/1, S. 286).
Monopol
„Herr Arnold Schönberg räumt Frau Albertine Zehme das alleinige
Aufführungsrecht, dieser Kompositionen bis zum 30. April 1915 für alle Länder ein,
soferne sie bis zu diesem Zeitpunkt Manuskript bleiben, andernfalls
wird Herr Schönberg diese
Schutzfrist durch Vereinbarung mit dem betreffenden Verleger bis zu
diesem Zeitpunkt zu wahren bemüht sein.“ (Vertrag zwischen
Arnold Schönberg und Albertine Zehme, 10. März 1912; Nono-Schoenberg 1998, S.
109).
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
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Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 3. Februar 1914.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 3. Februar 1914.
W
Lieber Herr Schönberg!
Sehr erfreut war ich, dass die Aufführung1 der Orchesterlieder
in Prag so schön war. Das was Sie
über Zemlinsky schreiben, deckt sich
vollkommen mit meiner Ansicht über diesen ganz hervorragenden Musiker und
Dirigenten.
Bezüglich der Verhinderung der Quartettaufführung durch das
Löwensohn-Quartett, kann ich Ihnen nichts
Befriedigendes mitteilen. Es gibt höchstens eine Flucht in die
Oeffentlichkeit. Das Urheberrecht selbst bietet keine Waffe.
Ich teilte Ihnen schon mit, dass ich ein Exemplar des Bürstenabzuges „Pierrot lunaire“ über
dringende Veranlassung einer Firma in
Lyon,
an diese zur Ansicht geschickt habe. Wie Sie aus der, Ihnen mitfolgend im
Original zugehenden Zuschrift ersehen, ist
eine Aufführung2 in Lyon seitens einer Musikzeitung projektiert, die Sie selbst
dirigieren sollen. Ich gebe gleichzeitig der Lyoner Firma Ihre Adresse bekannt, schreibe aber auch,
dass ich Ihnen von der Sache Kenntnis gegeben habe und bitte Sie, entweder mir oder direkt nach
Lyon mitzuteilen, welchen
Honoraranspruch Sie stellen würden.
Diese Frage ist allerdings für Sie nicht leicht zu beantworten, denn wie
eine derartige Aufführung, die von Lyoneser Musikern und einer dortigen
Rezitatorin gemacht würde, ausfallen dürfte, ist ein Rätsel. Das Beste
wäre, wenn die Berliner Besetzung die das Werk studiert und in mehreren Städten aufgeführt
hat, nach Lyon könnte. Ich glaube zwar,
dass Frau
Zehmes Mitwirkung nicht möglich wäre, denn
es ist offenbar eine französische Aufführung geplant.
Ich bitte, geben Sie mir sofort Nachricht in dieser Angelegenheit und besprechen Sie vielleicht auch die Frage der
Herstellung der Orchesterstimmen mit Frau Zehme. Ich habe von derselben leihweise die Stimmen
erbeten, einerseits, um sie bei der Korrektur der Partitur zu
berücksichtigen, andererseits, um die Stimmen zumindest in Abschrift
einmal für eine Aufführung in Händen zu haben. Frau Zehme meint nun, dass sie vor 31. März mir die Stimmen nicht geben kann3. Ueberdies weist sie auf das ihr zustehende alleinige
Aufführungsrecht hin. Sobald die Partitur veröffentlicht sein wird, ist es
nicht ausgeschlossen, dass Bewerbungen um die Aufführung erfolgen werden und wir
müssen uns dann klar darüber sein, wie wir uns verhalten sollen. Ich sehe
vollständig ein, dass Frau Zehme ein
absolutes Recht hat, das Werk, für das sie grosse Summen geopfert hat, noch
eine Zeit für sich zu behalten, aber Sie meinten, dass Frau Zehme auf das Monopol4 wohl nicht unbedingt bestehen wird. Die Aufführung in Lyon ist wohl die erste Veranlassung, bei
welcher diese Frage zur Aussprache kommen könnte.
Indem ich mit Interesse Ihren Mitteilungen entgegensehe, verbleibe
ich mit herzlichen Grüssen
Ihr ganz ergebener
Hertzka
Hertzka
Aufführung
Aufführung
Ein für April 1914 anberaumtes Konzert in Lyon kam nicht zustande (Arnold Schönberg an Charles
Fenestrier, 12. Februar 1914; ASCC
390; Comoedia
1927).
Stimmen nicht geben kann
Albertine Zehme an Emil Hertzka,
30. Jänner 1914 (ASGA B
24/1, S. 286).
Monopol
„Herr Arnold Schönberg räumt Frau Albertine Zehme das alleinige
Aufführungsrecht, dieser Kompositionen bis zum 30. April 1915 für alle Länder ein,
soferne sie bis zu diesem Zeitpunkt Manuskript bleiben, andernfalls
wird Herr Schönberg diese
Schutzfrist durch Vereinbarung mit dem betreffenden Verleger bis zu
diesem Zeitpunkt zu wahren bemüht sein.“ (Vertrag zwischen
Arnold Schönberg und Albertine Zehme, 10. März 1912; Nono-Schoenberg 1998, S.
109).
3. Februar 1914
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 3. Februar 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.17518.