W
Wohlgeboren
zzt. Leipzig
Lieber Herr Schönberg!
Sehr erfreut war ich, dass die Aufführung1 der Orchesterlieder
in Prag so schön war. Das was Sie über Zemlinsky schreiben, deckt
sich vollkommen mit meiner Ansicht über diesen ganz hervorragenden
Musiker und Dirigenten.
Bezüglich der Verhinderung der Quartettaufführung durch das
Löwensohn-Quartett, kann ich Ihnen nichts Befriedigendes mitteilen.
Es gibt höchstens eine Flucht in die Oeffentlichkeit. Das Urheber-
recht selbst bietet keine Waffe.
Ich teilte Ihnen schon mit, dass ich ein Exemplar des Bürsten-
abzuges „Pierrot lunaire“ über dringende Veranlassung einer Firma in
Lyon, an diese zur Ansicht geschickt habe. Wie Sie aus der, Ihnen
mitfolgend im Original zugehenden Zuschrift ersehen, ist eine Auf-
führung
2 in Lyon seitens einer Musikzeitung projektiert, die Sie selbst
dirigieren sollen. Ich gebe gleichzeitig der Lyoner Firma Ihre Adresse
bekannt, schreibe aber auch, dass ich Ihnen von der Sache Kenntnis ge-
geben habe und bitte Sie, entweder mir oder direkt nach Lyon mitzuteilen,
welchen Honoraranspruch Sie stellen würden.

Diese Frage ist allerdings für Sie nicht leicht zu beantworten,
denn wie eine derartige Aufführung, die von Lyoneser Musikern und einer
dortigen Rezitatorin gemacht würde, ausfallen dürfte, ist ein Rätsel.
Das Beste wäre, wenn die Berliner Besetzung die das Werk studiert und in mehreren
Städten aufgeführt hat, nach Lyon könnte. Ich glaube zwar, dass Frau
Zehmes Mitwirkung nicht möglich wäre, denn es ist offenbar eine franzö-
sische
Aufführung geplant.
Ich bitte, geben Sie mir sofort Nachricht in dieser Angelegen-
heit und besprechen Sie vielleicht auch die Frage der Herstellung der
Orchesterstimmen mit Frau Zehme. Ich habe von derselben leihweise die
Stimmen erbeten, einerseits, um sie bei der Korrektur der Partitur zu
berücksichtigen, andererseits, um die Stimmen zumindest in Abschrift
einmal für eine Aufführung in Händen zu haben. Frau Zehme meint nun,
dass sie vor 31. März mir die Stimmen nicht geben kann3. Ueberdies
weist sie auf das ihr zustehende alleinige Aufführungsrecht hin.
Sobald die Partitur veröffentlicht sein wird, ist es nicht ausgeschlos-
sen, dass Bewerbungen um die Aufführung erfolgen werden und wir müssen
uns dann klar darüber sein, wie wir uns verhalten sollen. Ich sehe
vollständig ein, dass Frau Zehme ein absolutes Recht hat, das Werk, für
das sie grosse Summen geopfert hat, noch eine Zeit für sich zu behalten,
aber Sie meinten, dass Frau Zehme auf das Monopol4 wohl nicht unbedingt
bestehen wird. Die Aufführung in Lyon ist wohl die erste Veranlassung,
bei welcher diese Frage zur Aussprache kommen könnte.
Indem ich mit Interesse Ihren Mitteilungen entgegensehe, verbleibe
ich mit herzlichen Grüssen Ihr ganz ergebener

W
Wohlgeboren
zzt. Leipzig
Lieber Herr Schönberg!
Sehr erfreut war ich, dass die Aufführung1 der Orchesterlieder in Prag so schön war. Das was Sie über Zemlinsky schreiben, deckt sich vollkommen mit meiner Ansicht über diesen ganz hervorragenden Musiker und Dirigenten.
Bezüglich der Verhinderung der Quartettaufführung durch das Löwensohn-Quartett, kann ich Ihnen nichts Befriedigendes mitteilen. Es gibt höchstens eine Flucht in die Oeffentlichkeit. Das Urheberrecht selbst bietet keine Waffe.
Ich teilte Ihnen schon mit, dass ich ein Exemplar des Bürstenabzuges „Pierrot lunaire“ über dringende Veranlassung einer Firma in Lyon, an diese zur Ansicht geschickt habe. Wie Sie aus der, Ihnen mitfolgend im Original zugehenden Zuschrift ersehen, ist eine Aufführung2 in Lyon seitens einer Musikzeitung projektiert, die Sie selbst dirigieren sollen. Ich gebe gleichzeitig der Lyoner Firma Ihre Adresse bekannt, schreibe aber auch, dass ich Ihnen von der Sache Kenntnis gegeben habe und bitte Sie, entweder mir oder direkt nach Lyon mitzuteilen, welchen Honoraranspruch Sie stellen würden.
Diese Frage ist allerdings für Sie nicht leicht zu beantworten, denn wie eine derartige Aufführung, die von Lyoneser Musikern und einer dortigen Rezitatorin gemacht würde, ausfallen dürfte, ist ein Rätsel. Das Beste wäre, wenn die Berliner Besetzung die das Werk studiert und in mehreren Städten aufgeführt hat, nach Lyon könnte. Ich glaube zwar, dass Frau Zehmes Mitwirkung nicht möglich wäre, denn es ist offenbar eine französische Aufführung geplant.
Ich bitte, geben Sie mir sofort Nachricht in dieser Angelegenheit und besprechen Sie vielleicht auch die Frage der Herstellung der Orchesterstimmen mit Frau Zehme. Ich habe von derselben leihweise die Stimmen erbeten, einerseits, um sie bei der Korrektur der Partitur zu berücksichtigen, andererseits, um die Stimmen zumindest in Abschrift einmal für eine Aufführung in Händen zu haben. Frau Zehme meint nun, dass sie vor 31. März mir die Stimmen nicht geben kann3. Ueberdies weist sie auf das ihr zustehende alleinige Aufführungsrecht hin. Sobald die Partitur veröffentlicht sein wird, ist es nicht ausgeschlossen, dass Bewerbungen um die Aufführung erfolgen werden und wir müssen uns dann klar darüber sein, wie wir uns verhalten sollen. Ich sehe vollständig ein, dass Frau Zehme ein absolutes Recht hat, das Werk, für das sie grosse Summen geopfert hat, noch eine Zeit für sich zu behalten, aber Sie meinten, dass Frau Zehme auf das Monopol4 wohl nicht unbedingt bestehen wird. Die Aufführung in Lyon ist wohl die erste Veranlassung, bei welcher diese Frage zur Aussprache kommen könnte.
Indem ich mit Interesse Ihren Mitteilungen entgegensehe, verbleibe ich mit herzlichen Grüssen Ihr ganz ergebener
Hertzka

3. Februar 1914



The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 3. Februar 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.17518.

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