28/5. 1914
Lieber Herr Direktor,
1) Kammersymph: die Partitur für Orchester1
kann ich solange nicht zur allgemeinen
Benutzung hergeben, als ich sie nicht mindestens
in 2–3 Aufführungen, die ich selbst leite, aufs ge-
naueste ausprobiert habe, so dass dann alles
klingen muss. Ich will mir nicht fortwährend
durch schlechte Aufführungen Freunde erwerben! Die
meinen dann, meine Musik muss unklar klingen!
Und das gefällt ihnen. Ich will dagegen, dass meine
Feinde eine klare Sache hören, damit sie mich aus wohlver-
standener Gedankenlosigkeit ablehnen.
Deshalb bitte ich bei Anfragen bekanntzu-
geben, dass ich das selbst dirigieren will.
Meine Forderungen hiefür sind:
1) in Deutschland und Oesterreich: wenigstens 500–600
Mark
im Ausland entsprechend mehr
2) wenigstens 4 dreistündige Proben.
Wenn ich das Werk 3 mal geleitet habe, werde
ich es anderen Dirigenten, die sich zu einer genügenden
Probenzahl verpflichten
freigeben.

2) Bei dieser Gelegenheit eine andere Frage:
Könnten Sie nicht überhaupt, bei Lieferung
des Materials (eine (von mir [...] fallweise) festzu-
setzende Probenanzahl bedingen?
Ich halte das für den Verlag für ebenso wich-
tig, wie für mich, weil schlechte Aufführungen
schaden!
3) Auf der Rückseite des Kam. Sym-Umschlages,
in der Ankündigung meiner Werke sind zwei
Fehler
2. Der eine ist ein Druckfehler (es
muss heißen: Wie Georg v. Frundsberg von sich selber
sang
3; das kann er nämlich, während er das andere
wahrscheinlich nicht geb zusammengebracht hat, sonst
hätte ers auch getan).
Der 2te Fehler ist viel ärger und muss
unbedingt sofort korrigiert werden, indem
die ganze Ausgabe mit solchen Zetteln über-
klebt wird, wie auf einer Beilage.
Da steht nämlich, dass das Monodram
ein Chor-Orchester u. s. w Werk ist!!
Infolgedessen würde in absehbarer Zeit
kein Mensch dieses bereits fünf Jahre alte

Werk aufführen, weil Konzertdirigenten
von Ihnen die Antwort erhalten, dass das ein
Bühnenwerk ist; Bühnenleute, aber sehen
niemals in der Rubrik Orch. u. Chor-
Werke nach und erfahren somit nicht, dass
es mich als Theaterkomponisten giebt!!
Ich Der Zettel, den ich beilege, hat
genau das nötige Maß. Ich habe, um das
zu erzielen einen Ausweg gehen müssen,
der mir angehnehm ist: nämlich auch
gleich den Leuten zu sagen, dass es auch
Die glückliche Hand“ giebt. (Die
werden Sie ja doch jetzt auch bald drucken
und das doch umso lieber, wenn eine Aufführung
zustande kommt!!!)
Ich bitte dringendst diese Korrektur,
die nicht viel kostet, sofort zu machen!

Der Inhalt dieses Zettels ist meinen Angaben
entsprechend zu redigieren.
Beim Monodram op. 17
und Glückliche Hand op. 18
könnte die Opuszahl dazugesetzt werden.
Warum besuchen Sie mich nicht, wenn
Sie in Leipzig (d. i. 2 Stunden von Berlin)
sind?
Herzlichste Grüße Ihr Arnold Schönberg
28/5. 1914
Lieber Herr Direktor,
1) Kammersymph: die Partitur für Orchester1 kann ich solange nicht zur allgemeinen Benutzung hergeben, als ich sie nicht mindestens in 2–3 Aufführungen, die ich selbst leite, aufs genaueste ausprobiert habe, so dass dann alles klingen muss. Ich will mir nicht fortwährend durch schlechte Aufführungen Freunde erwerben! Die meinen dann, meine Musik muss unklar klingen! Und das gefällt ihnen. Ich will dagegen, dass meine Feinde eine klare Sache hören, damit sie mich aus wohlverstandener Gedankenlosigkeit ablehnen.
Deshalb bitte ich bei Anfragen bekanntzugeben, dass ich das selbst dirigieren will.
Meine Forderungen hiefür sind:
1) in Deutschland und Oesterreich: wenigstens 500–600
Mark
im Ausland entsprechend mehr
2) wenigstens 4 dreistündige Proben.
Wenn ich das Werk 3 mal geleitet habe, werde ich es anderen Dirigenten, die sich zu einer genügenden Probenzahl verpflichten freigeben.
2) Bei dieser Gelegenheit eine andere Frage: Könnten Sie nicht überhaupt, bei Lieferung des Materialseine (von mir fallweise) festzusetzende Probenanzahl bedingen?
Ich halte das für den Verlag für ebenso wichtig, wie für mich, weil schlechte Aufführungen schaden!
3) Auf der Rückseite des Kam. Sym-Umschlages, in der Ankündigung meiner Werke sind zwei Fehler2. Der eine ist ein Druckfehler (es muss heißen: Wie Georg v. Frundsberg von sich selber sang3; das kann er nämlich, während er das andere wahrscheinlich nicht zusammengebracht hat, sonst hätte ers auch getan).
Der 2te Fehler ist viel ärger und muss unbedingt sofort korrigiert werden, indem die ganze Ausgabe mit solchen Zetteln überklebt wird, wie auf einer Beilage.
Da steht nämlich, dass das Monodram ein Chor-Orchester u. s. w Werk ist!!
Infolgedessen würde in absehbarer Zeit kein Mensch dieses bereits fünf Jahre alte Werk aufführen, weil Konzertdirigenten von Ihnen die Antwort erhalten, dass das ein Bühnenwerk ist; Bühnenleute, aber sehen niemals in der Rubrik Orch. u. Chor-Werke nach und erfahren somit nicht, dass es mich als Theaterkomponisten giebt!!
Der Zettel, den ich beilege, hat genau das nötige Maß. Ich habe, um das zu erzielen einen Ausweg gehen müssen, der mir angehnehm ist: nämlich auch gleich den Leuten zu sagen, dass es auch „Die glückliche Hand“ giebt. (Die werden Sie ja doch jetzt auch bald drucken und das doch umso lieber, wenn eine Aufführung zustande kommt!!!)
Ich bitte dringendst diese Korrektur, die nicht viel kostet, sofort zu machen! Der Inhalt dieses Zettels ist meinen Angaben entsprechend zu redigieren.
Beim Monodram op. 17
und Glückliche Hand op. 18
könnte die Opuszahl dazugesetzt werden.
Warum besuchen Sie mich nicht, wenn Sie in Leipzig (d. i. 2 Stunden von Berlin) sind?
Herzlichste Grüße Ihr Arnold Schönberg

28. Mai 1914


Ort erschlossen

The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 28. Mai 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.416.

Download:
Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen