LOS ANGELES, 24, CALIFORNIA
December 2, 1946
Herrn Alfred Schlee, Direktor
Wien.
Lieber Herr Schlee,
Ihre mitteilung über die Aufführungen1 des pierrot und die ge-
plante Tourné haben mich sehr gefreut. Leider kenne ich von den
Ausführenden nur Herrn Apostel, der sich ja glänzend entwickelt
zu haben scheint. Und meine Frau glaubt, dass sie Ihre Frau unter
ihrem Mädchennamen, Anne Marie Hegner im Konservatorium gekannt
hat. Ich freue mich zu hören dass ihre Leistung und die aller an-
dern sogar Polnauer und Ratz, die sehr strenge Kritiker sind und
meinen Stil kennen, gefallen haben. Das sagt mir wirklich etwas.
Es wird mich sehr freuen von den Aufführungen während der Tour-
né zu hören. Vielleicht schreibt mir jemand davon.
Sie haben vielleicht von meiner Krankheit2 und nachfol-
gender langen und langsamen Erholung gehört. Meine Augen3 hindern
mich sehr in der Arbeit, sodass ich noch nicht weiss, ob ich diesen
Brief werde heute vollenden können.
Wäre es nicht das, so hätte ich Ihnen schon längst den fol-
genden Vorschlag gemacht:
Ich möchte gerne unter dem Titel:
einen Band veröffentlichen der nebst den von der UE vor Jahren
veröffentlichten „TEXTE“ ein Drama „Der BIBLISCHE WEG“ und den
Text meiner Oper „Moses und Aron“ sowie einige A[p]horismen und
Sprüche enthalten soll. In Deutsch, natürlicherweise.
Der Band mag etwa 250–300 Seiten stark sein, im gebräuch-
lichen Buchformat. Ich glaube, dass man unschwer auch hier eine
erkleckliche Anzahl der Exemplare verkaufen wird, sicher aber in
vielen europäischen Sta[a]ten, da die beiden Hauptstücke das Problem
des Judentums behandeln.
Ich weiss nicht ob man das in Oesterreich jetzt schon
tun kann, und das zu erfahren ist der Hauptzweck dieser An-
frage. Wäre es möglich dann wird es leicht sein über alles andere
zu reden.
Grüssen Sie Frl. Rothe und alle meine Freunde, Ratz, Polnauer, [me]
meinen Sohn und seine Familie und die Mitwirkenden der Pierrot
aufführung.
Mit herzlichen Grüssen, Ihr
Arnold Schoenberg
LOS ANGELES, 24, CALIFORNIA
December 2, 1946
Herrn Alfred Schlee, Direktor
Wien.
Lieber Herr Schlee,
Ihre mitteilung über die Aufführungen1 des pierrot und die geplante Tourné haben mich sehr gefreut. Leider kenne ich von den Ausführenden nur Herrn Apostel, der sich ja glänzend entwickelt zu haben scheint. Und meine Frau glaubt, dass sie Ihre Frau unter ihrem Mädchennamen, Anne Marie Hegner im Konservatorium gekannt hat. Ich freue mich zu hören dass ihre Leistung und die aller andern sogar Polnauer und Ratz, die sehr strenge Kritiker sind und meinen Stil kennen, gefallen haben. Das sagt mir wirklich etwas. Es wird mich sehr freuen von den Aufführungen während der Tourné zu hören. Vielleicht schreibt mir jemand davon.
Sie haben vielleicht von meiner Krankheit2 und nachfolgender langen und langsamen Erholung gehört. Meine Augen3 hindern mich sehr in der Arbeit, sodass ich noch nicht weiss, ob ich diesen Brief werde heute vollenden können.
Wäre es nicht das, so hätte ich Ihnen schon längst den folgenden Vorschlag gemacht:
Ich möchte gerne unter dem Titel:
einen Band veröffentlichen der nebst den von der UE vor Jahren veröffentlichten „TEXTE“ ein Drama „Der BIBLISCHE WEG“ und den Text meiner Oper „Moses und Aron“ sowie einige Aphorismen und Sprüche enthalten soll. In Deutsch, natürlicherweise.
Der Band mag etwa 250–300 Seiten stark sein, im gebräuchlichen Buchformat. Ich glaube, dass man unschwer auch hier eine erkleckliche Anzahl der Exemplare verkaufen wird, sicher aber in vielen europäischen Staaten, da die beiden Hauptstücke das Problem des Judentums behandeln.
Ich weiss nicht ob man das in Oesterreich jetzt schon tun kann, und das zu erfahren ist der Hauptzweck dieser Anfrage. Wäre es möglich dann wird es leicht sein über alles andere zu reden.
Grüssen Sie Frl. Rothe und alle meine Freunde, Ratz, Polnauer, meinen Sohn und seine Familie und die Mitwirkenden der Pierrot aufführung.
Mit herzlichen Grüssen, Ihr
Arnold Schoenberg

2. Dezember 1946


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 2. Dezember 1946, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.4406.

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