Los Angeles 24, California.
Mai 22, 1949.
Direktor
Wien I.,
Lieber Herr Schlee,
Ich erfahre von verschiedenen
Seiten, dass meine Musik für deutsche
Aufführungen nicht zu haben ist. Ich
kann das nun, nachdem der Krieg jetzt
vier Jahre vorüber ist, nicht länger [anse]
ansehen. Ich sehe dass sie verschiedene
andere Werke von anderen Komponisten neu
aufgelegt haben – meine aber nicht. Ins-
besondere scheinen Materiale, Stimmen meiner
Werke nicht vorhanden zu sein.
Ich muss Ihnen mitteilen, dass wenn ich
nicht in der allerkürzesten Zeit sicher
bin dass meine Werke wieder vorhanden sind, ich
die Verträge für diese Werke werde kündigen
müssen.
In der Zwischenzeit sehe ich Ihren Nach-
richten entgegen in welcher Weise Sie mir
mein Guthaben überweisen wollen.
Sie erinnern sich, Herr Schlee, dass ich un-
gefähr in ’33, oder vielleicht ein Jahr früher,
Herrn Kalmus wenn wir einen neuen Vertrag1
machten, meine Oper „Von Heute auf Morgen“ zum
Vertrieb überlassen habe zum gegen eine per-
zentuelle Beteiligung für die Universal Edi-
tion
. Ich habe nie eine Abrechnung darüber be-
kommen. Heute aber möchte ich gerne, dass Sie
mir alles Material das ich Ihnen seinerzeit
geliefert habe – etwa 80–90 Partituren2 und eben so viele Klavier-
auszüge
3 und die Originale zu beiden4 und 2 sets Orchesterstimmen5
zurück schicken. Ich kann das hier viel besser verwerten.
Ich bin mit besten Empfehlungen, Ihr,
Los Angeles 24, California.
Mai 22, 1949.
Direktor
Wien I.,
Lieber Herr Schlee,
Ich erfahre von verschiedenen Seiten, dass meine Musik für deutsche Aufführungen nicht zu haben ist. Ich kann das nun, nachdem der Krieg jetzt vier Jahre vorüber ist, nicht länger ansehen. Ich sehe dass sie verschiedene andere Werke von anderen Komponisten neu aufgelegt haben – meine aber nicht. Insbesondere scheinen Materiale, Stimmen meiner Werke nicht vorhanden zu sein.
Ich muss Ihnen mitteilen, dass wenn ich nicht in der allerkürzesten Zeit sicher bin dass meine Werke wieder vorhanden sind, ich die Verträge für diese Werke werde kündigen müssen.
In der Zwischenzeit sehe ich Ihren Nachrichten entgegen in welcher Weise Sie mir mein Guthaben überweisen wollen.
Sie erinnern sich, Herr Schlee, dass ich ungefähr in ’33, oder vielleicht ein Jahr früher, Herrn Kalmus wenn wir einen neuen Vertrag1 machten, meine Oper „Von Heute auf Morgen“ zum Vertrieb überlassen habe gegen eine perzentuelle Beteiligung für die Universal Edition. Ich habe nie eine Abrechnung darüber bekommen. Heute aber möchte ich gerne, dass Sie mir alles Material das ich Ihnen seinerzeit geliefert habe – etwa 80–90 Partituren2 und eben so viele Klavierauszüge3 und die Originale zu beiden4 und 2 sets Orchesterstimmen5 zurück schicken. Ich kann das hier viel besser verwerten.
Ich bin mit besten Empfehlungen,
Ihr,

22. Mai 1949


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection

Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 22. Mai 1949, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.5074.

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