Arnold Schönberg an Universal-Edition
5. Februar 1912
Lieber Herr Direktor, gestern war mein Konzert1. Es hat entschieden schönen, manche
be[ha]upten: großen Erfolg gehabt. Ich finde, dass jedenfalls viel Applaus, viel
Aufmerksamkeit und sehr viel Stimmung da war. Bei dem Konzert
war auch ein französischer Musikschriftsteller anwesend, der in Paris an-
lässlich meines Abends (das Quartett wird übrigens noch ein zweites mal in
Paris aufgeführt2) einen Vortrag über mich halten will. Er ist eigens durch Ber-
lin durchgefahren (auf dem Weg nach Russland) um mich zu besuchen und hat seinen
Aufenthalt benützt um mein Konzert zu hören. Heute vormittag war er bei mir.
Er will im Mai veranstalten, dass ich nach Paris komme, um meine Orchester-
werke zu dirigieren3! Es ist der Herr M. D. Calvocoressi, Professeur à l’Ecole
des Htes Etudes Sociales, Paris 17. rue 164, rue de Courcelles. Er sagte
mir er habe um Recensionsexemplare meiner Werke bei Ihnen ange-
sucht, aber keine erhalten. Die Harmonielehre gab ich ihm selbst. Bitte schicken
Sie ihm nun das Uebrige: Orchester-Lieder, Pelleas, Klavierstücke, II. Quartett.
– Ferner bitte ich Sie sofort (!!!) an Herrn Georg Graener Redakteur der
Vossischen Zeitung (der für Pan und Signale schreibt) Berlin N. Bern-
be[ha]upten: großen Erfolg gehabt. Ich finde, dass jedenfalls viel Applaus, viel
Aufmerksamkeit und sehr viel Stimmung da war. Bei dem Konzert
war auch ein französischer Musikschriftsteller anwesend, der in Paris an-
lässlich meines Abends (das Quartett wird übrigens noch ein zweites mal in
Paris aufgeführt2) einen Vortrag über mich halten will. Er ist eigens durch Ber-
lin durchgefahren (auf dem Weg nach Russland) um mich zu besuchen und hat seinen
Aufenthalt benützt um mein Konzert zu hören. Heute vormittag war er bei mir.
Er will im Mai veranstalten, dass ich nach Paris komme, um meine Orchester-
werke zu dirigieren3! Es ist der Herr M. D. Calvocoressi, Professeur à l’Ecole
des Htes Etudes Sociales, Paris 17. rue 164, rue de Courcelles. Er sagte
mir er habe um Recensionsexemplare meiner Werke bei Ihnen ange-
sucht, aber keine erhalten. Die Harmonielehre gab ich ihm selbst. Bitte schicken
Sie ihm nun das Uebrige: Orchester-Lieder, Pelleas, Klavierstücke, II. Quartett.
– Ferner bitte ich Sie sofort (!!!) an Herrn Georg Graener Redakteur der
Vossischen Zeitung (der für Pan und Signale schreibt) Berlin N. Bern-
holmstr. 87 ein Recensions-
Exemplar meiner Harmonielehre
zu schicken!! – Ferner etwas
sehr dringendes: da die Stimmen
für Pelleas mir bis jetzt nicht zur
Korrektur vorgelegt wurden, sind
sie zur Aufführung4 noch nicht fertig.
Ich bitte Sie deshalb sofort zu veranlassen,
dass die Stimmen5 bis spätestens 16.
Februar in Prag sind. Natürlich die alten
aus denen seinerzeit gespielt wurde.
Ich muss mich darauf verlassen können,
deshalb schreibe ich jetzt, denn ich weiß
ja dass Ihre Leute nicht so schnell reiten
wie die Toten!
Exemplar meiner Harmonielehre
zu schicken!! – Ferner etwas
sehr dringendes: da die Stimmen
für Pelleas mir bis jetzt nicht zur
Korrektur vorgelegt wurden, sind
sie zur Aufführung4 noch nicht fertig.
Ich bitte Sie deshalb sofort zu veranlassen,
dass die Stimmen5 bis spätestens 16.
Februar in Prag sind. Natürlich die alten
aus denen seinerzeit gespielt wurde.
Ich muss mich darauf verlassen können,
deshalb schreibe ich jetzt, denn ich weiß
ja dass Ihre Leute nicht so schnell reiten
wie die Toten!
Konzert
aufgeführt
Schönberg vermerkt im Kalender am
13. März 1912 „Paris II. Quartett“
(ASCI
DC12023) und am 20. März 1912
einen „Paris Abend“ (ASCI
DC12024).
Orchesterwerke zu dirigieren
Der Plan eines Dirigats der
Fünf Orchesterstücke op. 16 bei der
Société Musicale Indépendante in
Paris im Mai wurde nicht
realisiert (Die Zeit
1912a; Dezede
2025).
Aufführung
Stimmen
Handschriftliches
Stimmenmaterial der Uraufführung, teilweise autograph, verschollen (ASGA B 10, Quelle E*).
Lieber Herr Direktor, gestern war mein Konzert1. Es hat entschieden schönen, manche behaupten: großen Erfolg gehabt. Ich finde, dass jedenfalls viel
Applaus, viel Aufmerksamkeit und sehr viel Stimmung da war. Bei dem Konzert
war auch ein französischer
Musikschriftsteller anwesend, der in Paris anlässlich meines Abends (das Quartett wird übrigens noch ein zweites mal in
Paris
aufgeführt2) einen Vortrag über mich halten will. Er ist eigens durch Berlin durchgefahren (auf dem Weg nach Russland) um mich zu besuchen und hat seinen
Aufenthalt benützt um mein Konzert zu hören. Heute vormittag war er bei
mir. Er will im Mai veranstalten, dass ich nach
Paris
komme,
um meine Orchesterwerke zu dirigieren3! Es ist der Herr M. D. Calvocoressi,
Professeur à l’Ecole des Htes Etudes Sociales, Paris 17.
164, rue de Courcelles. Er sagte
mir er habe um Recensionsexemplare meiner Werke bei Ihnen angesucht,
aber keine erhalten. Die Harmonielehre gab ich
ihm selbst. Bitte schicken Sie ihm nun das Uebrige: Orchester-Lieder, Pelleas, Klavierstücke, II. Quartett.
– Ferner bitte ich Sie sofort (!!!) an Herrn
Georg Graener Redakteur der
Vossischen Zeitung (der für Pan und Signale
schreibt) Berlin N. Bernholmstr. 87 ein Recensions-
Exemplar meiner Harmonielehre
zu schicken!! – Ferner etwas sehr dringendes: da die Stimmen für
Pelleas mir bis jetzt nicht zur Korrektur
vorgelegt wurden, sind sie zur Aufführung4 noch nicht fertig. Ich bitte Sie deshalb sofort zu veranlassen, dass die Stimmen5 bis spätestens 16.
Februar in Prag sind.
Natürlich die alten aus denen seinerzeit gespielt wurde. Ich muss mich
darauf verlassen können, deshalb schreibe ich jetzt, denn ich weiß ja
dass Ihre Leute nicht so schnell reiten wie die Toten!
Konzert
aufgeführt
Schönberg vermerkt im Kalender am
13. März 1912 „Paris II. Quartett“
(ASCI
DC12023) und am 20. März 1912
einen „Paris Abend“ (ASCI
DC12024).
Orchesterwerke zu dirigieren
Der Plan eines Dirigats der
Fünf Orchesterstücke op. 16 bei der
Société Musicale Indépendante in
Paris im Mai wurde nicht
realisiert (Die Zeit
1912a; Dezede
2025).
Aufführung
Stimmen
Handschriftliches
Stimmenmaterial der Uraufführung, teilweise autograph, verschollen (ASGA B 10, Quelle E*).
5. Februar 1912
Datierung erschlossen aus Veranstaltungsdatum
4. Februar 1912, Berlin, Harmonium-Saal, Morgen-Konzert und
Poststempel; autografes Datum fälschlich 2. Februar
1912
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Postkarte
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 5. Februar 1912, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.6538.