Arnold Schönberg an Universal-Edition
10. August 1911
Lieber Herr Direktor, warum ich hier bin, wird Ihnen Herr Polnauer er-
z[ähle]n. Die Sache1 ist, obwohl sie auf den ersten Blick vielleicht lächerlich
aussieht, sehr ernst! – Ich bedaure, dass ich Sie nicht mehr habe sprechen
können. Aber vielleicht kommen Sie bald nach München, dann besuchen
Sie mich wohl!! – Ich schicke heute Korrekturen (letzte, meinerseits druck-
reife) die ich Sie bitte rasch ansehen zu lassen. Von jetzt an bitte ich alles an
meine hiesige Adresse zu schicken. Doch bitte ich diese Adresse niemand
fremdem zu sagen, da mich der Irrsinnige noch immer in Besorgnis er-
hält. Sehr überrascht war ich, dass Sie die Stimmen meines II. Quartetts
autografieren haben lassen. Schade nur, dass ich nichts davon gewusst habe.
Ich hätte sonst lieber die von Rosé gespielten Stimmen als Vorlage gewählt. Was
größere Fehlerlosigkeit garantiert hätte. Pelleas muss ja nun auch bald fertig sein. Und
die Harmonielehre liegt in den letzten Ab-Zügen!!! Sie wollten auch meinen Chor
„Fr[ied]e auf Erden“ den Schreker heuer aufführt2 stechen lassen. Es sind kaum mehr
als 10 Druckseiten. Das käme doch nicht teuer und würde sicher schon bei dieser einen
z[ähle]n. Die Sache1 ist, obwohl sie auf den ersten Blick vielleicht lächerlich
aussieht, sehr ernst! – Ich bedaure, dass ich Sie nicht mehr habe sprechen
können. Aber vielleicht kommen Sie bald nach München, dann besuchen
Sie mich wohl!! – Ich schicke heute Korrekturen (letzte, meinerseits druck-
reife) die ich Sie bitte rasch ansehen zu lassen. Von jetzt an bitte ich alles an
meine hiesige Adresse zu schicken. Doch bitte ich diese Adresse niemand
fremdem zu sagen, da mich der Irrsinnige noch immer in Besorgnis er-
hält. Sehr überrascht war ich, dass Sie die Stimmen meines II. Quartetts
autografieren haben lassen. Schade nur, dass ich nichts davon gewusst habe.
Ich hätte sonst lieber die von Rosé gespielten Stimmen als Vorlage gewählt. Was
größere Fehlerlosigkeit garantiert hätte. Pelleas muss ja nun auch bald fertig sein. Und
die Harmonielehre liegt in den letzten Ab-Zügen!!! Sie wollten auch meinen Chor
„Fr[ied]e auf Erden“ den Schreker heuer aufführt2 stechen lassen. Es sind kaum mehr
als 10 Druckseiten. Das käme doch nicht teuer und würde sicher schon bei dieser einen
Aufführung die Druckkosten hereinbringen.
Bitte um Nachricht darüber. Einstweilen
komponiere3 ich die „glückliche Hand“
dann geht’s an das Kontrapunkt-Buch.
Bitte um Nachricht darüber. Einstweilen
komponiere3 ich die „glückliche Hand“
dann geht’s an das Kontrapunkt-Buch.
Jetzt grüße ich Sie
herzlichst und hoffe bald von Ihnen
zu hören Ihr Arnold Schönberg
herzlichst und hoffe bald von Ihnen
zu hören Ihr Arnold Schönberg
Was sagen Sie zu den vielen Bergen?
Sache
Eskalation eines
Nachbarschaftsstreits mit Ing. Philipp Josef
van Wouvermans in der Hietzinger Hauptstraße 113. Anschuldigung Wouvermans, Schönbergs Tochter Gertrude habe seinen Sohn unsittlich berührt und übe generell einen
schlechten Einfluss auf seine Kinder aus. Der Konflikt eskalierte, als
Wouvermans im Haus randalierte,
Schönberg antisemitisch
beleidigte und ihm mit dem Umbringen drohte (Muxeneder 2018, S. 146ff.).
aufführt
komponiere
Kompositionsbeginn am 9. September
1910 (Erste Niederschrift, Dispositionstabellen sowie ein
von Schönberg beschriebener
Zettel; ASGA B 6/3, Quelle B). Worauf sich das nachträglich
hinzugefügte Datum bezieht und wie lange Schönberg bereits im Herbst 1910 an der Komposition gearbeitet hatte, ist unklar.
Kompositionsphasen: September 1910; August und vielleicht September 1911; Juli und August 1912; August bis November
1913 (ASGA
B 6/3, S. 247f.).
Lieber Herr Direktor, warum ich hier bin, wird Ihnen Herr Polnauer erzählen. Die Sache1 ist, obwohl sie auf den ersten Blick vielleicht lächerlich aussieht,
sehr ernst! – Ich bedaure, dass ich Sie nicht mehr
habe sprechen können. Aber vielleicht kommen Sie bald nach München, dann besuchen Sie mich wohl!! –
Ich schicke heute Korrekturen (letzte, meinerseits druckreife) die ich Sie bitte rasch ansehen zu lassen. Von jetzt an
bitte ich alles an meine hiesige Adresse zu schicken. Doch bitte ich diese
Adresse niemand fremdem zu sagen, da mich der Irrsinnige noch immer in
Besorgnis erhält. Sehr überrascht war ich, dass Sie die Stimmen meines II. Quartetts
autografieren haben lassen. Schade nur, dass ich nichts davon gewusst habe. Ich hätte sonst lieber die von Rosé gespielten Stimmen als Vorlage gewählt. Was größere
Fehlerlosigkeit garantiert hätte. Pelleas muss ja
nun auch bald fertig sein. Und die Harmonielehre liegt in den letzten Ab-Zügen!!! Sie wollten auch
meinen Chor „Friede auf Erden“ den Schreker heuer aufführt2 stechen lassen. Es sind kaum mehr als 10 Druckseiten. Das käme doch
nicht teuer und würde sicher schon bei dieser einen Aufführung die Druckkosten hereinbringen. Bitte um Nachricht darüber. Einstweilen
komponiere3 ich die „glückliche Hand“ dann geht’s
an das Kontrapunkt-Buch.
Vielleicht mache ich vorher noch ein paar Orgelstücke. Auch ein paar
neue Klavierstücke habe ich. –
Jetzt grüße ich Sie herzlichst und hoffe bald von Ihnen zu
hören Ihr
Arnold Schönberg
Was sagen Sie zu den vielen Bergen?
Sache
Eskalation eines
Nachbarschaftsstreits mit Ing. Philipp Josef
van Wouvermans in der Hietzinger Hauptstraße 113. Anschuldigung Wouvermans, Schönbergs Tochter Gertrude habe seinen Sohn unsittlich berührt und übe generell einen
schlechten Einfluss auf seine Kinder aus. Der Konflikt eskalierte, als
Wouvermans im Haus randalierte,
Schönberg antisemitisch
beleidigte und ihm mit dem Umbringen drohte (Muxeneder 2018, S. 146ff.).
aufführt
komponiere
Kompositionsbeginn am 9. September
1910 (Erste Niederschrift, Dispositionstabellen sowie ein
von Schönberg beschriebener
Zettel; ASGA B 6/3, Quelle B). Worauf sich das nachträglich
hinzugefügte Datum bezieht und wie lange Schönberg bereits im Herbst 1910 an der Komposition gearbeitet hatte, ist unklar.
Kompositionsphasen: September 1910; August und vielleicht September 1911; Juli und August 1912; August bis November
1913 (ASGA
B 6/3, S. 247f.).
10. August 1911 (unsicher)
Datierung laut Poststempel
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Postkarte
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 10. August 1911, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.6940.