Herrn Direktor Emil Herzka
Wien I.

Lieber Herr Direktor, warum ich hier bin, wird Ihnen Herr Polnauer er-
z[ähle]n. Die Sache1 ist, obwohl sie auf den ersten Blick vielleicht lächerlich
aussieht, sehr ernst! – Ich bedaure, dass ich Sie nicht mehr habe sprechen
können. Aber vielleicht kommen Sie bald nach München, dann besuchen
Sie mich wohl!! – Ich schicke heute Korrekturen (letzte, meinerseits druck-
reife) die ich Sie bitte rasch ansehen zu lassen. Von jetzt an bitte ich alles an
meine hiesige Adresse zu schicken. Doch bitte ich diese Adresse niemand
fremdem zu sagen, da mich der Irrsinnige noch immer in Besorgnis er-
hält. Sehr überrascht war ich, dass Sie die Stimmen meines II. Quartetts
autografieren haben lassen. Schade nur, dass ich nichts davon gewusst habe.
Ich hätte sonst lieber die von Rosé gespielten Stimmen als Vorlage gewählt. Was
größere Fehlerlosigkeit garantiert hätte. Pelleas muss ja nun auch bald fertig sein. Und
die Harmonielehre liegt in den letzten Ab-Zügen!!! Sie wollten auch meinen Chor
Fr[ied]e auf Erden“ den Schreker heuer aufführt2 stechen lassen. Es sind kaum mehr
als 10 Druckseiten. Das käme doch nicht teuer und würde sicher schon bei dieser einen

Aufführung die Druckkosten hereinbringen.
Bitte um Nachricht darüber
. Einstweilen
komponiere3 ich die „glückliche Hand
dann geht’s an das Kontrapunkt-Buch.
Vielleicht mache ich vorher noch ein
paar Orgelstücke. Auch ein
paar neue Klavierstücke habe
ich. –
Jetzt grüße ich Sie
herzlichst und hoffe bald von Ihnen
zu hören Ihr
Arnold Schönberg
Oberberg, bei Berg am
Starnberger-See
, Bayern bei
Zimmermeister Wiedl
Was sagen Sie zu den vielen Bergen?
Herrn Direktor Emil Herzka
Wien I.
Lieber Herr Direktor, warum ich hier bin, wird Ihnen Herr Polnauer erzählen. Die Sache1 ist, obwohl sie auf den ersten Blick vielleicht lächerlich aussieht, sehr ernst! – Ich bedaure, dass ich Sie nicht mehr habe sprechen können. Aber vielleicht kommen Sie bald nach München, dann besuchen Sie mich wohl!! – Ich schicke heute Korrekturen (letzte, meinerseits druckreife) die ich Sie bitte rasch ansehen zu lassen. Von jetzt an bitte ich alles an meine hiesige Adresse zu schicken. Doch bitte ich diese Adresse niemand fremdem zu sagen, da mich der Irrsinnige noch immer in Besorgnis erhält. Sehr überrascht war ich, dass Sie die Stimmen meines II. Quartetts autografieren haben lassen. Schade nur, dass ich nichts davon gewusst habe. Ich hätte sonst lieber die von Rosé gespielten Stimmen als Vorlage gewählt. Was größere Fehlerlosigkeit garantiert hätte. Pelleas muss ja nun auch bald fertig sein. Und die Harmonielehre liegt in den letzten Ab-Zügen!!! Sie wollten auch meinen Chor „Friede auf Erden“ den Schreker heuer aufführt2 stechen lassen. Es sind kaum mehr als 10 Druckseiten. Das käme doch nicht teuer und würde sicher schon bei dieser einen Aufführung die Druckkosten hereinbringen. Bitte um Nachricht darüber. Einstweilen komponiere3 ich die „glückliche Hand“ dann geht’s an das Kontrapunkt-Buch.
Vielleicht mache ich vorher noch ein paar Orgelstücke. Auch ein paar neue Klavierstücke habe ich. –
Jetzt grüße ich Sie herzlichst und hoffe bald von Ihnen zu hören Ihr Arnold Schönberg
Oberberg, bei Berg am Starnberger-See, Bayern bei Zimmermeister Wiedl
Was sagen Sie zu den vielen Bergen?

10. August 1911 (unsicher)


Datierung laut Poststempel

Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Postkarte

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 10. August 1911, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.6940.

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