Arnold Schönberg an Musikblätter des Anbruch
13. März 1923
Da es sich in der letzten Zeit mehrmals ereignet
hat, dass Nachrichten über meine künstlerische
Tätigkeit durch die Blätter gegangen sind, se-
he ich mich gezwungen, zu erklären, dass
1. ich allensolchen Mitteilungen vollständig
fern stehe,
2. die mitgeteiltenvermeintlichen Tatsachen fast ausnahmslos
falsch oder bis zur Sinnlosigkeit verdreht dar-
gestellt sind;
3. dass, wie immer ich mich entwickeln sollte, ich
doch nie aufhören werde, allen äusseren Dingen
dieselbe auf Teilnahmslosigkeit und Mangel an
Ehrgeiz beruhende Noblesse entgegenzusetzen,
die vielleicht dem einen oder andern der ein
Gefühl für derlei hat, als Richtschnur für die
Beurteilung meiner Anlagen dienen durfte.
hat, dass Nachrichten über meine künstlerische
Tätigkeit durch die Blätter gegangen sind, se-
he ich mich gezwungen, zu erklären, dass
1. ich allensolchen Mitteilungen vollständig
fern stehe,
2. die mitgeteiltenvermeintlichen Tatsachen fast ausnahmslos
falsch oder bis zur Sinnlosigkeit verdreht dar-
gestellt sind;
3. dass, wie immer ich mich entwickeln sollte, ich
doch nie aufhören werde, allen äusseren Dingen
dieselbe auf Teilnahmslosigkeit und Mangel an
Ehrgeiz beruhende Noblesse entgegenzusetzen,
die vielleicht dem einen oder andern der ein
Gefühl für derlei hat, als Richtschnur für die
Beurteilung meiner Anlagen dienen durfte.
Ich bin ausserstande zu ermitteln, welcher mei-
ner Bekannten
es sein
kann, der, was ich ihm sage, nicht für
sich behalten kann: er weiss wohl nichts anderes
damit anzufangen, gie darum wohl giebt er es
rasch weiter.
sich behalten kann: er weiss wohl nichts anderes
damit anzufangen, gie darum wohl giebt er es
rasch weiter.
Arnold Schönberg, der Führer der Expressionisten in
der Musik, arbeitet zur Zeit an einem Violinkonzert. Bemerkens-
wert ist, daß Schönberg, der jahrelang nichts „Neues“ geschaffen
hat, in diesem Werk seine gewohnten Bahnen verlassen hat und
sich einem etwas gemäßigteren Stil anschließen will1
der Musik, arbeitet zur Zeit an einem Violinkonzert. Bemerkens-
wert ist, daß Schönberg, der jahrelang nichts „Neues“ geschaffen
hat, in diesem Werk seine gewohnten Bahnen verlassen hat und
sich einem etwas gemäßigteren Stil anschließen will1
anschließen will
P. T. Red. d. Anbruch, darf ich Sie um Abdruck der
folgenden Erklärung höflichst
bitten?
Da es sich in der letzten Zeit mehrmals ereignet
hat, dass Nachrichten über meine künstlerische Tätigkeit durch die
Blätter gegangen sind, sehe ich mich
gezwungen, zu erklären, dass 1. ich allensolchen Mitteilungen
vollständig
fern stehe, 2. die vermeintlichen Tatsachen fast ausnahmslos falsch oder bis zur Sinnlosigkeit
verdreht dargestellt sind; 3. dass,
wie immer ich mich entwickeln sollte, ich doch nie aufhören werde, allen
äusseren Dingen dieselbe auf Teilnahmslosigkeit und Mangel an Ehrgeiz
beruhende Noblesse entgegenzusetzen, die vielleicht dem einen oder andern
der ein Gefühl für derlei hat, als Richtschnur für die Beurteilung
meiner Anlagen dienen durfte.
Ich bin ausserstande zu ermitteln, welcher mei
ner Bekannten
es sein
kann, der, was ich ihm sage, nicht für sich behalten kann: er weiss wohl
nichts anderes damit anzufangen, darum wohl
giebt er es rasch weiter.
Arnold Schönberg, der Führer der Expressionisten in der Musik, arbeitet zur Zeit
an einem Violinkonzert. Bemerkenswert ist, daß Schönberg,
der jahrelang nichts „Neues“
geschaffen hat, in diesem
Werk seine gewohnten Bahnen verlassen hat und sich einem etwas gemäßigteren
Stil anschließen will1
anschließen will
13. März 1923
= [Erklärung] (in Bungardt et al. 2011 datiert auf 1924); anstelle dieses Entwurfs wurde Arnold Schönberg an Universal-Edition, 13. März 1923 abgeschickt, das Datum stimmt mit der angeklebten Beilage (Neues Wiener Journal 1923)
überein; Ort erschlossen
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Nachlass Arnold Schönberg
Wien
Archiv
Nachlass Arnold Schönberg
Brief
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Musikblätter des Anbruch, 13. März 1923, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.7411.