P. T. Red. d. Anbruch, darf ich Sie um Ab[d]ruck der fol-
genden Erklärung höflichst bitten?
Da es sich in der letzten Zeit mehrmals ereignet
hat, dass Nachrichten über meine künstlerische
Tätigkeit durch die Blätter gegangen sind, se-
he ich mich gezwungen, zu erklären, dass
1. ich allensolchen Mitteilungen vollständig
fern stehe,
2. die mitgeteiltenvermeintlichen Tatsachen fast ausnahmslos
falsch oder bis zur Sinnlosigkeit verdreht dar-
gestellt sind;
3. dass, wie immer ich mich entwickeln sollte, ich
doch nie aufhören werde, allen äusseren Dingen
dieselbe auf Teilnahmslosigkeit und Mangel an
Ehrgeiz beruhende Noblesse entgegenzusetzen,
die vielleicht dem einen oder andern der ein
Gefühl für derlei hat, als Richtschnur für die
Beurteilung meiner Anlagen dienen durfte.
Ich bin ausserstande zu ermitteln, welcher mei- ner Bekannten es sein kann, der, was ich ihm sage, nicht für
sich behalten kann: er weiss wohl nichts anderes
damit anzufangen, gie darum wohl giebt er es
rasch weiter.
Arnold Schönberg, der Führer der Expressionisten in
der Musik, arbeitet zur Zeit an einem Violinkonzert. Bemerkens-
wert ist, daß Schönberg, der jahrelang nichts „Neues“ geschaffen
hat, in diesem Werk seine gewohnten Bahnen verlassen hat und
sich einem etwas gemäßigteren Stil anschließen will1
P. T. Red. d. Anbruch, darf ich Sie um Abdruck der folgenden Erklärung höflichst bitten?
Da es sich in der letzten Zeit mehrmals ereignet hat, dass Nachrichten über meine künstlerische Tätigkeit durch die Blätter gegangen sind, sehe ich mich gezwungen, zu erklären, dass 1. ich allensolchen Mitteilungen vollständig fern stehe, 2. die vermeintlichen Tatsachen fast ausnahmslos falsch oder bis zur Sinnlosigkeit verdreht dargestellt sind; 3. dass, wie immer ich mich entwickeln sollte, ich doch nie aufhören werde, allen äusseren Dingen dieselbe auf Teilnahmslosigkeit und Mangel an Ehrgeiz beruhende Noblesse entgegenzusetzen, die vielleicht dem einen oder andern der ein Gefühl für derlei hat, als Richtschnur für die Beurteilung meiner Anlagen dienen durfte.
Ich bin ausserstande zu ermitteln, welcher mei ner Bekannten es sein kann, der, was ich ihm sage, nicht für sich behalten kann: er weiss wohl nichts anderes damit anzufangen, darum wohl giebt er es rasch weiter.
Arnold Schönberg, der Führer der Expressionisten in der Musik, arbeitet zur Zeit an einem Violinkonzert. Bemerkenswert ist, daß Schönberg, der jahrelang nichts „Neues“ geschaffen hat, in diesem Werk seine gewohnten Bahnen verlassen hat und sich einem etwas gemäßigteren Stil anschließen will1

13. März 1923


= [Erklärung] (in Bungardt et al. 2011 datiert auf 1924); anstelle dieses Entwurfs wurde Arnold Schönberg an Universal-Edition, 13. März 1923 abgeschickt, das Datum stimmt mit der angeklebten Beilage (Neues Wiener Journal 1923) überein; Ort erschlossen

Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Nachlass Arnold Schönberg

Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Musikblätter des Anbruch, 13. März 1923, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.7411.

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