13.III 1923
Lieber Herr Direktor, im heutigen N. W. Journal1 steht Folgendes:
Arnold Schönberg, d[e]r Führer der Expressionisten in der
Musik, arbeitet zur Zeit an einem Violinkonzert. Bemerkens-
wert ist, dass Schönberg, der jahrelang nichts Neues ge-
schaffen hat, in diesem Werk seine gewohnten Bahnen ver-
lassen hat, und sich einem etwas gemässigteren Stile
(!!!!!anschliessen(!!!!) will
Abgesehen von den vielen Ungeheuerlichkeiten, enthält dieses
Lügengekröse auch eine richtige Tatsache: dass ich ein Violinkon-
zert
plane.
Da aus meinem Kreis nur Webern und Berg von dieser Absicht wis-
sen, so kann diese Veröffentlichung nur aus der U.E. stammen.
Ich muss Sie dringend bitten, der Sache energisch nachzugehen.
Ich habe nicht mehr als 20 Jahre auf meinen Ruf gesehen, um
mich nun lächerlich machen zu lassen. Ich bin nun einmal kein
Richard Strauss; weder s[e]inen Vorzügen nach noch seinen Feh-
lern nach.
Ich bin überzeugt, Sie nehmen diese Sache so ernst, wie ich.
Und bitte, wenn jemand bei Ihnen mich wirklich so verachtet,
wie es diese Notiz zum Ausdruck bringt, die ja darauf aufmerksam
macht, was für ein Konjunktur-Mensch ich bin, so bitte ich Sie
, ihn zu veranlassen, dass er mich bloss durch Verachtung straft
, nicht aber meine Schande an die grosse Glocke hängt.
Herzliche Grüsse Ihr
Ich muss diese Tage einmal zu Ihnen kommen, einiges zu besprechen.
Es wird Sie freuen, zu hören, dass ich bereits an der Serenade
weiterarbeite: d. h., dass zwei Serien Klavierstücke2 (11 Stücke)
bereits fertig sind. Wie viel ich in dieser Zeit, wo ich „jahre-
lang nichts Neues ges[c]haffen habe“ immerhin geschrieben habe, wird
man bald mit Staunen wahrnehmen, wenn ich all das Angefangene
fertig gestellt haben werde.
Ihr Sch
13.III 1923
Lieber Herr Direktor, im heutigen N. W. Journal1 steht Folgendes:
Arnold Schönberg, der Führer der Expressionisten in der Musik, arbeitet zur Zeit an einem Violinkonzert. Bemerkenswert ist, dass Schönberg, der jahrelang nichts Neues geschaffen hat, in diesem Werk seine gewohnten Bahnen verlassen hat, und sich einem etwas gemässigteren Stile (!!!!!anschliessen(!!!!) will
Abgesehen von den vielen Ungeheuerlichkeiten, enthält dieses Lügengekröse auch eine richtige Tatsache: dass ich ein Violinkonzert plane.
Da aus meinem Kreis nur Webern und Berg von dieser Absicht wissen, so kann diese Veröffentlichung nur aus der U.E. stammen. Ich muss Sie dringend bitten, der Sache energisch nachzugehen.
Ich habe nicht mehr als 20 Jahre auf meinen Ruf gesehen, um mich nun lächerlich machen zu lassen. Ich bin nun einmal kein Richard Strauss; weder seinen Vorzügen nach noch seinen Fehlern nach.
Ich bin überzeugt, Sie nehmen diese Sache so ernst, wie ich. Und bitte, wenn jemand bei Ihnen mich wirklich so verachtet, wie es diese Notiz zum Ausdruck bringt, die ja darauf aufmerksam macht, was für ein Konjunktur-Mensch ich bin, so bitte ich Sie, ihn zu veranlassen, dass er mich bloss durch Verachtung straft, nicht aber meine Schande an die grosse Glocke hängt.
Herzliche Grüsse Ihr
Arnold Schönberg
Ich muss diese Tage einmal zu Ihnen kommen, einiges zu besprechen. Es wird Sie freuen, zu hören, dass ich bereits an der Serenade weiterarbeite: d. h., dass zwei Serien Klavierstücke2 (11 Stücke) bereits fertig sind. Wie viel ich in dieser Zeit, wo ich „jahrelang nichts Neues geschaffen habe“ immerhin geschrieben habe, wird man bald mit Staunen wahrnehmen, wenn ich all das Angefangene fertig gestellt haben werde.
Ihr Sch

13. März 1923



Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 13. März 1923, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.801.

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