[]
22/12.1913
Lieber Herr Direktor, zu meinem gestrigen Telegramm1: hoffentlich er-
ledigen Sie es günstig. Ich wollte schon lange an Sie herantreten wegen Seraphita2
und Sie bitten, mir einen grossen Vorschuss zu geben, damit ich das in Ruhe
komponieren kann. Das wird ein großartiges Werk werden, das mir endlich
auch das Interesse des großen Publikums verschaffen wird. Die Dichtung ist
das Schönste, das es giebt! Und außerdem: auch sehr wirkungsvoll. Die
Himmelfahrt wird ein Schaustück allerersten Ranges werden. Eben-
so die erste Scene. „Auf dem Fahlberg“.
Leider gehts mir jetzt gar nicht gut, materiell nicht und gesundheit-
lich nicht. Ich habe zu wenig Stunden und auch sonst wenig Verdienst.
Dagegen verfüge ich über ein ziemlich bösartiges Leiden, das sicher genau-
so alt werden wird, wie ich selbst. Zum Glück geht es nicht mit meinen
Werken in die Unsterblichkeit über.
Leipzig: das Orchester ist mäßig! Routinierte Culturlosigkeit!
Ganz ungeschult! Ich werde sehr viele Proben halten müssen um eine
gute Aufführung3 zu erzielen! Aber es wird wohl gehen. Ich habe
sehr guten Eindruck gemacht, da ich sehr gut studiert habe. – Das
Material ist sehr schön, aber es waren viele Fehler drin.
Dass Sie den Pierrot drucken wollen, ist mir sehr lieb. Ich
danke Ihnen sehr!
Die Partitur4 brauche ich nicht mehr.
Dagegen möchte ich Sie bitten folgende Aenderungen ausführen
zu lassen.
I. Vor der Partitur ein Inhaltsverzeichnis, das die Titel
der Stücke und die Besetzung angiebt.

[II.] Ebenfalls vorn ein kleines Vorwort, dessen Text5 ich Ihnen beiliegend
[sende].
[III.] Jedes Stück soll auf einer eigenen Seite beginnen.
[IV.] Die Partitur soll als Clavierstimme dienen, soll aber
auch die Stücke enthalten, die ohne Clavier sind.
Es muss deshalb die Clavierpartie so groß gedruckt sein,
wie sonst die vom Klavier-Trio (Solo)
Ebenso groß die Gesangsst Sprechstimme.
Die übrigen Instrumente etwas kleiner, aber nicht zu
klein
V. Die Anordnung ist stets folgende
1. Flöte (Pic) – wenn Klavier nicht dabei ist, ist
demnach die Sprechstimme in der
untersten Zeile z. Bsp.
1) Flöte (Blaße Wäscherin)
2. Clar
3. Geige
4. Sprechstimme
2. Clar (Bss Clar) –
3. Geige (Bratsche) –
4. Vcll
5. Sprechstimme –
6. Klavier –
VI. Die Noten in der Sprechstimme sind bei mir
so bezeichnet
(1/2), 1/4, 1/8 etc. Das kann der Stecher so machen, dass
[e]r für 1/4, 1/8 etc. das Doppelkreuz Zeichen nimmt. Für 1/2 Noten
setzt er es zweimal nebeneinander. z. Bsp. xx näher beisammen
ergiebt das X notehead black X notehead black, größer Large X notehead Large X notehead.
Sollte das nicht zweckmäßig sein, dann kann es so ge-
macht werden wie in der glücklichen Hand.

wozu auch das [...] Doppelkreuz dient.

VII. Der Stecher muss die Notenzeichen genau der vorgezeichneten
Tonhöhe entsprechend
auf die Linien setzen!!
Ich schicke Ihnen einen Entwurf des Titelblattes.
Ich habe sehr bedauert, dass Sie nicht nach Berlin oder Leipzig
gekommen sind. Ich hätte kolossal Wichtiges mit Ihnen zu besprechen
gehabt. Ich bräuchte sehr dringend Ihren Rat in einigen Angelegenheiten
und will Ihnen einen sehr interessanten Vorschlag für die
Herausgabe der Monodram Partitur machen. Eine wichtige tech-
nische Neuerung6!! Die Ihnen die Herausgabe meiner Partituren
finanziell sehr erleichtern wird. Ich habe die Probeseiten an-
gefertigt. Aber darüber muss man sprechen!
In Leipzig habe ich mich sehr geplagt. Täglich cirka 7 Stunden
stehend probiert mit nur 3/4 Stunden Mittagspause! Schade, dass
Sie nicht dort waren. Ich hätte gerne gehabt, dass Sie gesehen
hätten, wie ich probiere. Die Musiker sind übrigens sehr begeistert
vom Werk und scheinen das Gefühl zu haben, dass sie in
meinen Proben etwas lernen!
Wann kommen Sie nach Berlin?
Herzlichste Weihnachtswünsche und viele Grüße Ihr Arnold Schönberg
22/12.1913
Lieber Herr Direktor, zu meinem gestrigen Telegramm1: hoffentlich erledigen Sie es günstig. Ich wollte schon lange an Sie herantreten wegen Seraphita2 und Sie bitten, mir einen grossen Vorschuss zu geben, damit ich das in Ruhe komponieren kann. Das wird ein großartiges Werk werden, das mir endlich auch das Interesse des großen Publikums verschaffen wird. Die Dichtung ist das Schönste, das es giebt! Und außerdem: auch sehr wirkungsvoll. Die Himmelfahrt wird ein Schaustück allerersten Ranges werden. Ebenso die erste Scene. „Auf dem Fahlberg[?]“.
Leider gehts mir jetzt gar nicht gut, materiell nicht und gesundheitlich nicht. Ich habe zu wenig Stunden und auch sonst wenig Verdienst. Dagegen verfüge ich über ein ziemlich bösartiges Leiden, das sicher genauso alt werden wird, wie ich selbst. Zum Glück geht es nicht mit meinen Werken in die Unsterblichkeit über.
Leipzig: das Orchester ist mäßig! Routinierte Culturlosigkeit! Ganz ungeschult! Ich werde sehr viele Proben halten müssen um eine gute Aufführung3 zu erzielen! Aber es wird wohl gehen. Ich habe sehr guten Eindruck gemacht, da ich sehr gut studiert habe. – Das Material ist sehr schön, aber es waren viele Fehler drin.
Dass Sie den Pierrot drucken wollen, ist mir sehr lieb. Ich danke Ihnen sehr!
Die Partitur4 brauche ich nicht mehr.
Dagegen möchte ich Sie bitten folgende Aenderungen ausführen zu lassen.
I. Vor der Partitur ein Inhaltsverzeichnis, das die Titel der Stücke und die Besetzung angiebt.
II. Ebenfalls vorn ein kleines Vorwort, dessen Text5 ich Ihnen beiliegend sende.
III. Jedes Stück soll auf einer eigenen Seite beginnen.
IV. Die Partitur soll als Clavierstimme dienen, soll aber auch die Stücke enthalten, die ohne Clavier sind. Es muss deshalb die Clavierpartie so groß gedruckt sein, wie sonst die vom Klavier-Trio (Solo)
Ebenso groß die Sprechstimme.
Die übrigen Instrumente etwas kleiner, aber nicht zu klein
V. Die Anordnung ist stets folgende
1. Flöte (Pic) – wenn Klavier nicht dabei ist, ist
demnach die Sprechstimme in der
untersten Zeile z. Bsp.
1) Flöte (Blaße Wäscherin)
2. Clar
3. Geige
4. Sprechstimme
2. Clar (Bss Clar) –
3. Geige (Bratsche) –
4. Vcll
5. Sprechstimme –
6. Klavier –
VI. Die Noten in der Sprechstimme sind bei mir so bezeichnet (1/2), 1/4, 1/8 etc. Das kann der Stecher so machen, dass er für 1/4, 1/8 etc. das Doppelkreuz Zeichen nimmt. Für 1/2 Noten setzt er es zweimal nebeneinander. z. Bsp. xx näher beisammen ergiebt das X notehead black X notehead black, größer Large X notehead Large X notehead.
Sollte das nicht zweckmäßig sein, dann kann es so gemacht werden wie in der glücklichen Hand.
wozu auch das [...] Doppelkreuz dient.
VII. Der Stecher muss die Notenzeichen genau der vorgezeichneten Tonhöhe entsprechend auf die Linien setzen!!
Ich schicke Ihnen einen Entwurf des Titelblattes.
Ich habe sehr bedauert, dass Sie nicht nach Berlin oder Leipzig gekommen sind. Ich hätte kolossal Wichtiges mit Ihnen zu besprechen gehabt. Ich bräuchte sehr dringend Ihren Rat in einigen Angelegenheiten und will Ihnen einen sehr interessanten Vorschlag für die Herausgabe der Monodram Partitur machen. Eine wichtige technische Neuerung6!! Die Ihnen die Herausgabe meiner Partituren finanziell sehr erleichtern wird. Ich habe die Probeseiten angefertigt. Aber darüber muss man sprechen!
In Leipzig habe ich mich sehr geplagt. Täglich cirka 7 Stunden stehend probiert mit nur 3/4 Stunden Mittagspause! Schade, dass Sie nicht dort waren. Ich hätte gerne gehabt, dass Sie gesehen hätten, wie ich probiere. Die Musiker sind übrigens sehr begeistert vom Werk und scheinen das Gefühl zu haben, dass sie in meinen Proben etwas lernen!
Wann kommen Sie nach Berlin?
Herzlichste Weihnachtswünsche und viele Grüße Ihr Arnold Schönberg

22. Dezember 1913


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 22. Dezember 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.7480.

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