28/4. 1914
Lieber Herr Direktor, Sie haben anscheinend einen
etwas „scharfen“ Tag gehabt, als Sie meine letzten
Briefe1 beantworteten. Da deren sprichwörtliche Lie-
benswürdigkeit kaum Anlass giebt zu soviel Ironie,
wie Sie über für mein „Ansehen“ aufwenden, so nehme
ich an, dass Sie eine Magenverstimmung gehabt haben
und wünsche baldige Besserung.
Zum Glück gleiten Ihre Sticheleien schon deshalb von
mir ab, weil sie durch die Tatsachen überholt
sind. Denn (von Prag haben Sie behauptet, dass wir
„damit zu rechnen haben“; nicht ich) drei Aufführungen
der Gurrelieder sind fix fürs nächste Jahr.
Ich hoffe mein Triumph freut Sie mehr,
als meine berechtigte (!!) Bosheit, Sie ärgert.
Denn (und das zur Erwiderung auf Ihre
Bemerkung, Sie könnten sich nicht außschließlich
von der Rücksicht auf meine Interessen leiten

lassen, ohne auf die des Verlages zu achten) was mein
Vorteil ist, ist doch auch der des Verlages und selbst
wenn meine Tantièmenanteile noch so sehr erhöht
würden, bleibt Ihre Freude (beachten Sie die feine
stilistische Umschreibung) stets die größere.
Freuen Sie sich also!
Ich tue es auch, denn jetzt habe ich mich
revanchirt und bin wieder gut!
I) Aus dem beiliegenden Amsterdamer-Brief
entnehme ich, dass Sie das Material offenbar
noch nicht angeboten haben, weil Sie sich
über die Herstellung noch nicht entschieden
haben. Ich möchte Ihnen deshalb 3 Vorschläge
machen
1) Ich bin einverstanden damit dass Sie
die Gurrelieder-Partitur einstweilen nicht
drucken, sondern warten bis soviele Aufführungen
gesichert sind, dass der Stich sich für Sie lohnt.
Denn ich möchte um jeden Preis gerne eine gestochene
Partitur davon haben. Und ich wünsche sehnlichst ich
genösse bei Ihnen (nun können Sie sich

wieder über meinen altmodischen Stil lustig
machen!) soviel Ansehen, ([...]nicht wie
meine Werke Ihrem Kunstwert nach verdienen –
soviel verlange ich gar nicht) dass es Ihnen
eine Freude wäre, meine Bitte zu erfüllen
und dass Sie die Autoren, mit denen
Sie mich vergleichen, ausschließlich unter
denen wählten, die künstlerisch höher
stehen, als ich. Also, bitte: belassen wir
es solange bei der geschriebenen Partitur
2. Lassen Sie auch das Material nicht
anfertigen, sondern benützen Sie das ge-
schriebene; und zwar:
das Leipziger für Leipzig u.
Amsterdam.
das neue für München,
und stellen Sie den Amsterdamern6
folgende Anträge. Entweder:
  • a) Dass Sie denen das Leipziger
    Material verkaufen, aber die Bedingung
    stellen, dass Sie es für einige von
    Ihnen zu nennende Aufführungen zur

  • Verfügung stellen (also z. Bsp. für die Leipziger)
    und dass Sie es umtauschen, sobald es gedruckt
    wird. Oder
  • b) dass Sie es Ihnen für 6 oder 8 Auf-
    führungen leihen gegen eine Gebühr von x M.
    und eine weitere Gebühr von 100 Mark
    für jede folgende Aufführung.
Mir scheint dieser Ausweg möglich
und Sie sehen daran, dass ich auch be-
strebt bin, Ihre Interessen zu wahren!!
So! Und nun bitte ich Sie, bringen
wir auch die Sache mit der Harmonielehre
in Ordnung. Mein Wunsch ist nicht unbillig,
das werden Sie wohl selbst finden und ich
bin überzeugt, es ist auch Ihr Wunsch, meine
Einkünfte so regelmäßig, wie möglich zu ge-
stalten.
An Frau Zehme schreibe ich, dass Sie sofort bei
Ihnen das Material bestellt. (Es handelt sich in Leipzig nur
mehr darum, dass ich die Proben hintereinander haben möchte)
Viele herzlichste Grüße Ihr Arnold Schönberg
28/4. 1914
Lieber Herr Direktor, Sie haben anscheinend einen etwas „scharfen“ Tag gehabt, als Sie meine letzten Briefe1 beantworteten. Da deren sprichwörtliche Liebenswürdigkeit kaum Anlass giebt zu soviel Ironie, wie Sie für mein „Ansehen“ aufwenden, so nehme ich an, dass Sie eine Magenverstimmung gehabt haben und wünsche baldige Besserung.
Zum Glück gleiten Ihre Sticheleien schon deshalb von mir ab, weil sie durch die Tatsachen überholt sind. Denn (von Prag haben Sie behauptet, dass wir „damit zu rechnen haben“; nicht ich) drei Aufführungen der Gurrelieder sind fix fürs nächste Jahr.
Ich hoffe mein Triumph freut Sie mehr, als meine berechtigte (!!) Bosheit, Sie ärgert. Denn (und das zur Erwiderung auf Ihre Bemerkung, Sie könnten sich nicht außschließlich von der Rücksicht auf meine Interessen leiten lassen, ohne auf die des Verlages zu achten) was mein Vorteil ist, ist doch auch der des Verlages und selbst wenn meine Tantièmenanteile noch so sehr erhöht würden, bleibt Ihre Freude (beachten Sie die feine stilistische Umschreibung) stets die größere.
Freuen Sie sich also!
Ich tue es auch, denn jetzt habe ich mich revanchirt und bin wieder gut!
I) Aus dem beiliegenden Amsterdamer-Brief entnehme ich, dass Sie das Material offenbar noch nicht angeboten haben, weil Sie sich über die Herstellung noch nicht entschieden haben. Ich möchte Ihnen deshalb 3 Vorschläge machen
1) Ich bin einverstanden damit dass Sie die Gurrelieder-Partitur einstweilen nicht drucken, sondern warten bis soviele Aufführungen gesichert sind, dass der Stich sich für Sie lohnt. Denn ich möchte um jeden Preis gerne eine gestochene Partitur davon haben. Und ich wünsche sehnlichst ich genösse bei Ihnen (nun können Sie sich wieder über meinen altmodischen Stil lustig machen!) soviel Ansehen, (nicht wie meine Werke Ihrem Kunstwert nach verdienen – soviel verlange ich gar nicht) dass es Ihnen eine Freude wäre, meine Bitte zu erfüllen und dass Sie die Autoren, mit denen Sie mich vergleichen, ausschließlich unter denen wählten, die künstlerisch höher stehen, als ich. Also, bitte: belassen wir es solange bei der geschriebenen Partitur
2. Lassen Sie auch das Material nicht anfertigen, sondern benützen Sie das geschriebene; und zwar:
das Leipziger für Leipzig u.
Amsterdam.
das neue für München,
und stellen Sie den Amsterdamern6 folgende Anträge. Entweder:
  • a) Dass Sie denen das Leipziger Material verkaufen, aber die Bedingung stellen, dass Sie es für einige von Ihnen zu nennende Aufführungen zur Verfügung stellen (also z. Bsp. für die Leipziger) und dass Sie es umtauschen, sobald es gedruckt wird. Oder
  • b) dass Sie es Ihnen für 6 oder 8 Aufführungen leihen gegen eine Gebühr von x M. und eine weitere Gebühr von 100 Mark für jede folgende Aufführung.
Mir scheint dieser Ausweg möglich und Sie sehen daran, dass ich auch bestrebt bin, Ihre Interessen zu wahren!!
So! Und nun bitte ich Sie, bringen wir auch die Sache mit der Harmonielehre in Ordnung. Mein Wunsch ist nicht unbillig, das werden Sie wohl selbst finden und ich bin überzeugt, es ist auch Ihr Wunsch, meine Einkünfte so regelmäßig, wie möglich zu gestalten.
An Frau Zehme schreibe ich, dass Sie sofort bei Ihnen das Material bestellt. (Es handelt sich in Leipzig nur mehr darum, dass ich die Proben hintereinander haben möchte)
Viele herzlichste Grüße Ihr Arnold Schönberg

28. April 1914



The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 28. April 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.7703.

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