Lieber Herr Direktor Hertzka, anbei ein neuer Brief des Frankfurter
Sängerchor“. Ich befürworte sehr, denen die Aufführung1 zu überlassen.
Mir macht das einen in jeder Hinsicht soliden Eindruck. Sie können un-
möglich gezwungen werden, eine Abmachung mit dem Opernhaus auch über
die zugesagte Aufführungsfrist hinaus zu halten. Sie setzen sich danne
eben, wie schon manchmal, zwischen 2–3 Stühle. Alles was Herr Grandpierre
schreibt, hat dagegen Hand und Fuss und ich halte es für das Werk für
sehr günstig, wenn gerade hier gezeigt wird, dass nicht die grossen
Unternehm[n]en allein eine Aufführung wagen können, sondern, dass das eben
bensogut von mehreren kleineren Vereinen gemeinrsam geschehen kann.
Ich will mich Ihrer Erfahrung nicht allzusehr entgegenstemmen, aber
hier habe ich einen guten Eindruck, das Fr.-Opernhaus hingegen hat uns
schon mehrmals aufsitzen lassen.
Zu unseren letzten Besprechungen (leider haben Sie, wie ich höre, einen Zug versäumt)
möchte ich noch sagen:
Zu einer Klärung der Situation können wir nur gelangen, wenn wir über
die Höhe der Auflagen einverstanden sind. Darum bitte ich Sie mir
so rasch als möglich einen verbindlichen Vorschlag zu machen, durch
welchen genau für alle Werke und alle deren Ausgaben, die gegenwärtige
Höhe der Auflage festgesetzt wird. In gewissen Einzelfällen wir[d] die
Angabe der vorhandenen Bestände ausserdem erforderlich sein und eine
gutgeschätzte Vermutung über den Zeitpunkt der Neuauflage.
Ich würde in beiderseitigem Interesse eine umgehende Erledigung
dieser Fragen für angezeigt halten, umsomehr, als nach meiner Auffas-
sung infolge des unanwendbaren Vertrages derzeit überhaupt kein Ver[trag]
trag besteht.
Weil ich es wünsche, nehme ich gerne an, dass es eine[n] Möglichkeit zur
Einig[n]ung giebt. Aber ich[h] muss wis[s]en, was mir meine früheren Werke
tragen können, ehe ich mich darauf einlassen kann, neue herzugeben.
Mit herzlichen Grüssen bin ich Ihr ergebener
Lieber Herr Direktor Hertzka, anbei ein neuer Brief des FrankfurterSängerchor“. Ich befürworte sehr, denen die Aufführung1 zu überlassen. Mir macht das einen in jeder Hinsicht soliden Eindruck. Sie können unmöglich gezwungen werden, eine Abmachung mit dem Opernhaus auch über die zugesagte Aufführungsfrist hinaus zu halten. Sie setzen sich dann eben, wie schon manchmal, zwischen 2–3 Stühle. Alles was Herr Grandpierre schreibt, hat dagegen Hand und Fuss und ich halte es für das Werk für sehr günstig, wenn gerade hier gezeigt wird, dass nicht die grossen Unternehmen allein eine Aufführung wagen können, sondern, dass das e bensogut von mehreren kleineren Vereinen gemeinsam geschehen kann. Ich will mich Ihrer Erfahrung nicht allzusehr entgegenstemmen, aber hier habe ich einen guten Eindruck, das Fr.-Opernhaus hingegen hat uns schon mehrmals aufsitzen lassen.
Zu unseren letzten Besprechungen (leider haben Sie, wie ich höre, einen Zug versäumt) möchte ich noch sagen:
Zu einer Klärung der Situation können wir nur gelangen, wenn wir über die Höhe der Auflagen einverstanden sind. Darum bitte ich Sie mir so rasch als möglich einen verbindlichen Vorschlag zu machen, durch welchen genau für alle Werke und alle deren Ausgaben, die gegenwärtige Höhe der Auflage festgesetzt wird. In gewissen Einzelfällen wird die Angabe der vorhandenen Bestände ausserdem erforderlich sein und eine gutgeschätzte Vermutung über den Zeitpunkt der Neuauflage.
Ich würde in beiderseitigem Interesse eine umgehende Erledigung dieser Fragen für angezeigt halten, umsomehr, als nach meiner Auffassung infolge des unanwendbaren Vertrages derzeit überhaupt kein Ver trag besteht.
Weil ich es wünsche, nehme ich gerne an, dass es eine Möglichkeit zur Einigung giebt. Aber ich muss wissen, was mir meine früheren Werke tragen können, ehe ich mich darauf einlassen kann, neue herzugeben.
Mit herzlichen Grüssen bin ich Ihr ergebener

22. Mai 1923


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 22. Mai 1923, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.851.

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