Verlag Dreililien an Arnold Schönberg
3. Juli 1904
Lieber Herr Schönberg.
Sie
haben ganz recht, wir müssen
ins Reine kommen! Wir wären
garnicht ins Unreine gekom-
men, wenn Sie nicht zu den
Menschen gehörten, die mei-
nen, dass man Verträge
schlösse um sie nicht zu
halten. Sie hätten uns Ihr
Sextett schicken müssen und
etwa schreiben: falls Sie
es nehmen, bedenken Sie, dass
mir ein Vorschuss sehr an-
genehm wäre –! Dann hätten
wir uns überlegt, ob wir Ihren
Wunsch erfüllen könnten.
Statt dessen stellten Sie ziem-
lich brüske Forderungen,
sprachen von Ihren Erfolgen
– und das fand ich nicht
haben ganz recht, wir müssen
ins Reine kommen! Wir wären
garnicht ins Unreine gekom-
men, wenn Sie nicht zu den
Menschen gehörten, die mei-
nen, dass man Verträge
schlösse um sie nicht zu
halten. Sie hätten uns Ihr
Sextett schicken müssen und
etwa schreiben: falls Sie
es nehmen, bedenken Sie, dass
mir ein Vorschuss sehr an-
genehm wäre –! Dann hätten
wir uns überlegt, ob wir Ihren
Wunsch erfüllen könnten.
Statt dessen stellten Sie ziem-
lich brüske Forderungen,
sprachen von Ihren Erfolgen
– und das fand ich nicht
sehr rühmenswert – entschuldi-
gen Sie das harteoffene Wort – aber
ich halte Sie immer noch für
einen „Menschen“, der es ver-
trägt ein offenes Wort zu hören.
Sie werden sich daran gewöhnen
müssen, solange unser Vertrag
läuft, scheinbar (!) günstigeren
anderweitigen Verlagsofferten1
gegenüber kaltblütig zu blei-
ben. Wir sind Ihnen zu ei-
ner Zeit, als kein Verleger
sich um sie kümmerte, ent-
gegengekommen – war es
nötig, dass Sie schon nach ei-
nem halben Jahre rebellisch
wurden?
gen Sie das harteoffene Wort – aber
ich halte Sie immer noch für
einen „Menschen“, der es ver-
trägt ein offenes Wort zu hören.
Sie werden sich daran gewöhnen
müssen, solange unser Vertrag
läuft, scheinbar (!) günstigeren
anderweitigen Verlagsofferten1
gegenüber kaltblütig zu blei-
ben. Wir sind Ihnen zu ei-
ner Zeit, als kein Verleger
sich um sie kümmerte, ent-
gegengekommen – war es
nötig, dass Sie schon nach ei-
nem halben Jahre rebellisch
wurden?
Also – um Ihnen unseren
guten Willen zu beweisen:
wir gehen auf Ihre Vor-
schläge ein. Es sollen Ihnen
MK 200.– gutgeschrieben
werden, d. h. die Darlehns-
summe von MK 700.– verrin-
gert sich auf MK 500.–, die
Vorschusssumme vergrössert
sich um MK 200.– (Bis jetzt
guten Willen zu beweisen:
wir gehen auf Ihre Vor-
schläge ein. Es sollen Ihnen
MK 200.– gutgeschrieben
werden, d. h. die Darlehns-
summe von MK 700.– verrin-
gert sich auf MK 500.–, die
Vorschusssumme vergrössert
sich um MK 200.– (Bis jetzt
erhielten Sie MK 120.– Vor-
schuss auf op 1 u. 2). Die Par-
titur wird sofort in Stich
gegeben und vermutlich schon
weit vor dem 31. Okt (mitsamt
den Stimmen) fertig sein. An
einen bestimmten Tag uns zu
binden ist unnötig; es ist unser
Interesse das Werk so bald wie
möglich in den Handel zu brin-
gen2. Sie haben doch Stimmen3
nach denen gespielt ist? Bitte
schicken Sie sie uns zum Stich.
Was die symphonische
Dichtung anbelangt, so lassen
Sie nur – möglichst billig! –
Abschrift4 und Ausschrift der
Stimmen5 besorgen. Wir über-
nehmen die Kosten, womit
das Material natürlich unser
Eigentum wird. Sie müssen sich
Dichtung anbelangt, so lassen
Sie nur – möglichst billig! –
Abschrift4 und Ausschrift der
Stimmen5 besorgen. Wir über-
nehmen die Kosten, womit
das Material natürlich unser
Eigentum wird. Sie müssen sich
nur verpflichten,
falls wir
uns später über den Verlag
nicht einigen, falls wir die
Symphonie einem anderen Ver-
leger freigeben, das Material
zu demselben Preise zurückzu-
erwerben. Im Uebrigen wün-
sche ich Ihnen einen grossen
Erfolg. Ich werde wahrscheinlich
nach Wien (zur Aufführung6)
kommen. – Das neue Lied
in der „Wiener Mode“ zu ver-
öffentlichen7, steht Ihnen
natürlich frei. Als Anmerkung
empfehle ich: Alle Rechte
vorbehalten. Abdruck mit Be-
willigung des Verlages Dreililien
Berlin.
uns später über den Verlag
nicht einigen, falls wir die
Symphonie einem anderen Ver-
leger freigeben, das Material
zu demselben Preise zurückzu-
erwerben. Im Uebrigen wün-
sche ich Ihnen einen grossen
Erfolg. Ich werde wahrscheinlich
nach Wien (zur Aufführung6)
kommen. – Das neue Lied
in der „Wiener Mode“ zu ver-
öffentlichen7, steht Ihnen
natürlich frei. Als Anmerkung
empfehle ich: Alle Rechte
vorbehalten. Abdruck mit Be-
willigung des Verlages Dreililien
Berlin.
Wenn es Ihnen lieber ist, kön-
nen Sie auch MK 100.– ausgezahlt
bekommen, sodass nur MK 100.–
verrechnet würden.
nen Sie auch MK 100.– ausgezahlt
bekommen, sodass nur MK 100.–
verrechnet würden.
Sie werden uns noch ein-
mal als die honorigsten Ver-
leger schätzen lernen!!
mal als die honorigsten Ver-
leger schätzen lernen!!
anderweitigen Verlagsofferten
Neben einem Angebot von Eberle trat auf Vermittlung von Wilhelm von Wymetal
Lauterbach & Kuhn mit Schönberg in Kontakt; weitere Offerte
sind nicht belegt (Verlag Dreililien an
Arnold Schönberg, 10. April 1904; Lauterbach & Kuhn an
Arnold Schönberg, 6. April 1904; ASCC
13425).
in den Handel zu bringen
Die Publikation wird im Mai 1905 angezeigt (Hofmeister 1905, S. 244).
Stimmen
Handschriftliche Stimmen,
verschollen (ASGA B 22, Quelle C*).
Abschrift
Nachgewiesene Quellen: Partiturreinschrift,
autograph (ASGA B 10, Quelle C); Partiturabschrift, möglicherweise
autograph; zugleich Autographiervorlage für den Erstdruck, verschollen
(ASGA B 10, Quelle G*). Die Existenz einer Partiturabschrift
geht aus Verlag Dreililien an Arnold
Schönberg, 15. Oktober 1908 hervor; Herstellungszeitpunkt
nicht ermittelt.
Ausschrift der Stimmen
Handschriftliches
Stimmenmaterial der Uraufführung, teilweise autograph, verschollen (ASGA B 10, Quelle E*).
Aufführung
Das neue Lied in der „Wiener
Mode“ zu veröffentlichen
In den 14-tägig erschienenen
Ausgaben der Zeitschrift Wiener Mode wurde in den Jahren 1904 und 1905 kein
Schönberg-Lied veröffentlicht.
Aus dem Umfeld Schönbergs erschien
in der Zeitschrift Moriz Violin,
Ländler (Violin 1904)
sowie im Oktober 1905
Alexander Zemlinsky, Mädel kommst
Du mit zum Tanz? (Zemlinsky 1905).
Lieber Herr Schönberg.
Sie haben ganz recht, wir müssen ins Reine kommen! Wir wären
garnicht ins Unreine gekommen, wenn Sie nicht zu den Menschen gehörten, die meinen, dass man Verträge schlösse um sie nicht zu
halten. Sie hätten uns Ihr
Sextett schicken müssen und etwa schreiben:
falls Sie es nehmen, bedenken Sie, dass mir ein Vorschuss sehr angenehm wäre –! Dann hätten wir uns überlegt, ob wir Ihren
Wunsch erfüllen könnten. Statt dessen stellten Sie ziemlich brüske Forderungen, sprachen von Ihren Erfolgen –
und das fand ich nicht sehr rühmenswert – entschuldigen Sie das offene Wort – aber ich halte Sie immer noch für einen „Menschen“,
der es verträgt ein offenes Wort zu hören. Sie werden sich daran
gewöhnen müssen, solange unser Vertrag
läuft, scheinbar (!) günstigeren
anderweitigen Verlagsofferten1
gegenüber kaltblütig zu bleiben. Wir sind Ihnen zu einer Zeit, als kein Verleger sich um
sie kümmerte, entgegengekommen – war es nötig, dass Sie schon nach einem halben Jahre rebellisch wurden?
Also – um Ihnen unseren guten Willen zu beweisen: wir gehen auf Ihre
Vorschläge ein. Es sollen Ihnen MK 200.– gutgeschrieben
werden, d. h. die Darlehnssumme von MK 700.– verringert sich auf MK 500.–, die Vorschusssumme vergrössert
sich um MK 200.– (Bis jetzt
erhielten Sie MK 120.– Vorschuss auf op 1 u. 2).
Die Partitur wird sofort in Stich gegeben und vermutlich schon
weit vor dem 31. Okt (mitsamt den
Stimmen) fertig sein. An einen bestimmten Tag uns zu binden ist
unnötig; es ist unser
Interesse das Werk so bald wie möglich in den Handel zu bringen2. Sie haben doch Stimmen3
nach denen gespielt ist? Bitte schicken Sie sie uns zum Stich.
Was die symphonische Dichtung anbelangt, so
lassen Sie nur – möglichst billig! –
Abschrift4 und Ausschrift der Stimmen5 besorgen. Wir übernehmen die Kosten, womit das Material natürlich unser
Eigentum wird. Sie müssen sich nur verpflichten,
falls wir uns später über den Verlag nicht einigen, falls wir die
Symphonie einem anderen Verleger freigeben, das Material zu demselben Preise
zurückzuerwerben. Im Uebrigen wünsche ich Ihnen einen grossen Erfolg. Ich werde
wahrscheinlich nach Wien (zur Aufführung6) kommen. – Das neue Lied in der „Wiener
Mode“ zu veröffentlichen7, steht Ihnen natürlich frei. Als Anmerkung empfehle ich: Alle
Rechte vorbehalten. Abdruck mit Bewilligung des Verlages
Dreililien
Berlin.
Wenn es Ihnen lieber ist, können Sie auch MK 100.– ausgezahlt bekommen, sodass nur MK
100.– verrechnet würden.
Sie werden uns noch einmal als die honorigsten Verleger schätzen lernen!!
anderweitigen Verlagsofferten
Neben einem Angebot von Eberle trat auf Vermittlung von Wilhelm von Wymetal
Lauterbach & Kuhn mit Schönberg in Kontakt; weitere Offerte
sind nicht belegt (Verlag Dreililien an
Arnold Schönberg, 10. April 1904; Lauterbach & Kuhn an
Arnold Schönberg, 6. April 1904; ASCC
13425).
in den Handel zu bringen
Die Publikation wird im Mai 1905 angezeigt (Hofmeister 1905, S. 244).
Stimmen
Handschriftliche Stimmen,
verschollen (ASGA B 22, Quelle C*).
Abschrift
Nachgewiesene Quellen: Partiturreinschrift,
autograph (ASGA B 10, Quelle C); Partiturabschrift, möglicherweise
autograph; zugleich Autographiervorlage für den Erstdruck, verschollen
(ASGA B 10, Quelle G*). Die Existenz einer Partiturabschrift
geht aus Verlag Dreililien an Arnold
Schönberg, 15. Oktober 1908 hervor; Herstellungszeitpunkt
nicht ermittelt.
Ausschrift der Stimmen
Handschriftliches
Stimmenmaterial der Uraufführung, teilweise autograph, verschollen (ASGA B 10, Quelle E*).
Aufführung
Das neue Lied in der „Wiener
Mode“ zu veröffentlichen
In den 14-tägig erschienenen
Ausgaben der Zeitschrift Wiener Mode wurde in den Jahren 1904 und 1905 kein
Schönberg-Lied veröffentlicht.
Aus dem Umfeld Schönbergs erschien
in der Zeitschrift Moriz Violin,
Ländler (Violin 1904)
sowie im Oktober 1905
Alexander Zemlinsky, Mädel kommst
Du mit zum Tanz? (Zemlinsky 1905).
3. Juli 1904
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 3. Juli 1904, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.12384.