Lieber Herr Schönberg.
Sie
haben ganz recht, wir müssen
ins Reine kommen! Wir wären
garnicht ins Unreine gekom-
men, wenn Sie nicht zu den
Menschen gehörten, die mei-
nen, dass man Verträge
schlösse um sie nicht zu
halten. Sie hätten uns Ihr
Sextett schicken müssen und
etwa schreiben: falls Sie
es nehmen, bedenken Sie, dass
mir ein Vorschuss sehr an-
genehm wäre –! Dann hätten
wir uns überlegt, ob wir Ihren
Wunsch erfüllen könnten.
Statt dessen stellten Sie ziem-
lich brüske Forderungen,
sprachen von Ihren Erfolgen
– und das fand ich nicht

sehr rühmenswert – entschuldi-
gen Sie das harteoffene Wort – aber
ich halte Sie immer noch für
einen „Menschen“, der es ver-
trägt ein offenes Wort zu hören.
Sie werden sich daran gewöhnen
müssen, solange unser Vertrag
läuft, scheinbar (!) günstigeren
anderweitigen Verlagsofferten1
gegenüber kaltblütig zu blei-
ben. Wir sind Ihnen zu ei-
ner Zeit, als kein Verleger
sich um sie kümmerte, ent-
gegengekommen – war es
nötig, dass Sie schon nach ei-
nem halben Jahre rebellisch
wurden?
Also – um Ihnen unseren
guten Willen zu beweisen:
wir gehen auf Ihre Vor-
schläge ein. Es sollen Ihnen
MK 200.– gutgeschrieben
werden, d. h. die Darlehns-
summe von MK 700.– verrin-
gert sich auf MK 500.–, die
Vorschusssumme vergrössert
sich um MK 200.– (Bis jetzt


erhielten Sie MK 120.– Vor-
schuss auf op 1 u. 2). Die Par-
titur wird sofort in Stich
gegeben und vermutlich schon
weit vor dem 31. Okt (mitsamt
den Stimmen) fertig sein. An
einen bestimmten Tag uns zu
binden ist unnötig; es ist unser
Interesse das Werk so bald wie
möglich in den Handel zu brin-
gen
2. Sie haben doch Stimmen3
nach denen gespielt ist? Bitte
schicken Sie sie uns zum Stich.
Was die symphonische
Dichtung
anbelangt, so lassen
Sie nur – möglichst billig! –
Abschrift4 und Ausschrift der
Stimmen
5 besorgen. Wir über-
nehmen die Kosten, womit
das Material natürlich unser
Eigentum wird. Sie müssen sich

nur verpflichten, falls wir
uns später über den Verlag
nicht einigen, falls wir die
Symphonie einem anderen Ver-
leger freigeben, das Material
zu demselben Preise zurückzu-
erwerben. Im Uebrigen wün-
sche ich Ihnen einen grossen
Erfolg. Ich werde wahrscheinlich
nach Wien (zur Aufführung6)
kommen. – Das neue Lied
in der „Wiener Mode“ zu ver-
öffentlichen
7, steht Ihnen
natürlich frei. Als Anmerkung
empfehle ich: Alle Rechte
vorbehalten. Abdruck mit Be-
willigung des Verlages Dreililien
Berlin.
Wenn es Ihnen lieber ist, kön-
nen Sie auch MK 100.– ausgezahlt
bekommen, sodass nur MK 100.–
verrechnet würden.
Sie werden uns noch ein-
mal als die honorigsten Ver-
leger schätzen lernen!!
Herzlichst Ihr
Max Marschalk
Lieber Herr Schönberg.
Sie haben ganz recht, wir müssen ins Reine kommen! Wir wären garnicht ins Unreine gekommen, wenn Sie nicht zu den Menschen gehörten, die meinen, dass man Verträge schlösse um sie nicht zu halten. Sie hätten uns Ihr Sextett schicken müssen und etwa schreiben: falls Sie es nehmen, bedenken Sie, dass mir ein Vorschuss sehr angenehm wäre –! Dann hätten wir uns überlegt, ob wir Ihren Wunsch erfüllen könnten. Statt dessen stellten Sie ziemlich brüske Forderungen, sprachen von Ihren Erfolgen – und das fand ich nicht sehr rühmenswert – entschuldigen Sie das offene Wort – aber ich halte Sie immer noch für einen „Menschen“, der es verträgt ein offenes Wort zu hören. Sie werden sich daran gewöhnen müssen, solange unser Vertrag läuft, scheinbar (!) günstigeren anderweitigen Verlagsofferten1 gegenüber kaltblütig zu bleiben. Wir sind Ihnen zu einer Zeit, als kein Verleger sich um sie kümmerte, entgegengekommen – war es nötig, dass Sie schon nach einem halben Jahre rebellisch wurden?
Also – um Ihnen unseren guten Willen zu beweisen: wir gehen auf Ihre Vorschläge ein. Es sollen Ihnen MK 200.– gutgeschrieben werden, d. h. die Darlehnssumme von MK 700.– verringert sich auf MK 500.–, die Vorschusssumme vergrössert sich um MK 200.– (Bis jetzt erhielten Sie MK 120.– Vorschuss auf op 1 u. 2). Die Partitur wird sofort in Stich gegeben und vermutlich schon weit vor dem 31. Okt (mitsamt den Stimmen) fertig sein. An einen bestimmten Tag uns zu binden ist unnötig; es ist unser Interesse das Werk so bald wie möglich in den Handel zu bringen2. Sie haben doch Stimmen3 nach denen gespielt ist? Bitte schicken Sie sie uns zum Stich.
Was die symphonische Dichtung anbelangt, so lassen Sie nur – möglichst billig! – Abschrift4 und Ausschrift der Stimmen5 besorgen. Wir übernehmen die Kosten, womit das Material natürlich unser Eigentum wird. Sie müssen sich nur verpflichten, falls wir uns später über den Verlag nicht einigen, falls wir die Symphonie einem anderen Verleger freigeben, das Material zu demselben Preise zurückzuerwerben. Im Uebrigen wünsche ich Ihnen einen grossen Erfolg. Ich werde wahrscheinlich nach Wien (zur Aufführung6) kommen. – Das neue Lied in der „Wiener Mode“ zu veröffentlichen7, steht Ihnen natürlich frei. Als Anmerkung empfehle ich: Alle Rechte vorbehalten. Abdruck mit Bewilligung des Verlages Dreililien Berlin.
Wenn es Ihnen lieber ist, können Sie auch MK 100.– ausgezahlt bekommen, sodass nur MK 100.– verrechnet würden.
Sie werden uns noch einmal als die honorigsten Verleger schätzen lernen!!
Herzlichst Ihr
Max Marschalk

3. Juli 1904


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 3. Juli 1904, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.12384.

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