Lieber Herr Schönberg!
Soeben erhalte ich einen Brief des Herrn Professor Henri Petri/Dresden,
in dem er mir mitteilt, dass er es abgelehnt habe Ihr Quartett auf dem Mu-
sikfest in Dresden zu spielen. Was nun? Ich fürchte, dass dadurch eine Auf-
führung
1 überhaupt in Frage gestellt sein wird. Schreiben Sie jedenfalls so-
fort in dieser Angelegenheit an Herrn Rösch. Wenn das Petri-Quartett jetzt
nicht alles aufbietet um eine Aufführung Ihres Quartettes überhaupt zu hin-
tertreiben und um zu verhindern, dass das Rosé-Quartett nach Dresden kommt,
soll man mich einen schlechten Psychologen heissen.
An der Scherlschen Preiskonkurrenz2 dürfen Sie sich nach Herzenslust
beteiligen; der Verlag hat absolut garnichts dagegen. Ich persönlich garan-
tiere Ihnen, dass Sie weder einen Preis bekommen werden, noch dass man eine
Ballade von Ihnen für das zu veröffentlichende Balladenheft3 ankaufen wird.
Sollten Sie aber wider Erwarten doch hinein geraten, so würde das sicher-
lich auf den Verkauf Ihrer anderen Arbeiten nicht den geringsten Einfluss
ausüben.
Und nun muss ich Ihnen leider mitteilen, dass der Verlag ausser
stande ist Ihnen eine jährliche Summe von Mk. 1000.- zuzusichern. Wir haben
bisher noch nicht den geringsten Erfolg mit Ihren Arbeiten erzielt und wir
können einen Erfolg einstweilen auch noch garnicht absehen. Sie sind davon,
dass Sie sich durchgesetzt haben respekt. nahe daran sind sich durchzusetzen

dass Ihre Arbeiten bereits einen Marktwert bei den Verlegern haben, voll-
kommen überzeugt, wir indessen leider nicht. Wir sind aber nicht ohne Hoffnung
auf die Zukunft und wir sind gern bereit die natürliche Entwickelung der
Dinge ruhig abzuwarten. Sie unterschätzen durchaus das, was wir Ihnen bis-
her geleistet haben, und statt uns jährlich mit höheren Forderungen zu kom-
men, sollten Sie die Tendenz haben sich einzurichten und uns erst einmal
Atem schöpfen zu lassen. Wir senden Ihnen nunmehr Ihre Kammersinfonie und
die sechs Orchesterlieder zurück, um Ihnen Gelegenheit zu geben diese Arbei-
ten, die zu veröffentlichen wir uns momentan noch nicht entschliessen kön-
nen, anderen Verlegern anzubieten4 und dadurch die Höhe ihres Marktwertes
festzustellen. Das uns kontraktlich zugesicherte Vorkaufsrecht zu dem von
anderer Seite gebotene Preise behalten wir uns natürlich vor.
Sie sehen also, lieber Herr Schönberg, dass wir keineswegs gesonnen sind
Sie irgendwie zu schädigen, indem wir ganz rigoros an unserem Vertrage fest-
halten. Reger hat für seine Sinfonietta M. 10000.– erhalten; vielleicht gelingt
es Ihnen für Ihre Kammersinfonie einen ähnlichen Preis zu erzielen. Wir würden
uns darüber ganz ausserordentlich freuen!
Da Sie erklärt haben, dass Sie unter keiner Bedingung auf die 1000 Mk.
verzichten wollen, nehme ich an, dass Sie die Absicht haben unseren Vertrag
zu brechen. Oder habe ich Sie falsch verstanden? Ueberlegen Sie sich die gan-
ze Angelegenheit noch einmal in Gemütsruhe. Vielleicht kommen Sie zu der
Einsicht, dass Sie ebensoviel Grund haben Geduld zu beweisen wie wir.
Mit besten Grüssen
Ihr

Max Marschalk
/Kammersinfonie
Partitur5 und Kla-
vierauszug
6. – Sechs
Lieder mit Orchester
.
Inoffiziell: ich hoffe, dass wir einen modus
vivendi finden werden.!
Lieber Herr Schönberg!
Soeben erhalte ich einen Brief des Herrn Professor Henri Petri/Dresden, in dem er mir mitteilt, dass er es abgelehnt habe Ihr Quartett auf dem Musikfest in Dresden zu spielen. Was nun? Ich fürchte, dass dadurch eine Aufführung1 überhaupt in Frage gestellt sein wird. Schreiben Sie jedenfalls sofort in dieser Angelegenheit an Herrn Rösch. Wenn das Petri-Quartett jetzt nicht alles aufbietet um eine Aufführung Ihres Quartettes überhaupt zu hintertreiben und um zu verhindern, dass das Rosé-Quartett nach Dresden kommt, soll man mich einen schlechten Psychologen heissen.
An der Scherlschen Preiskonkurrenz2 dürfen Sie sich nach Herzenslust beteiligen; der Verlag hat absolut garnichts dagegen. Ich persönlich garantiere Ihnen, dass Sie weder einen Preis bekommen werden, noch dass man eine Ballade von Ihnen für das zu veröffentlichende Balladenheft3 ankaufen wird. Sollten Sie aber wider Erwarten doch hinein geraten, so würde das sicherlich auf den Verkauf Ihrer anderen Arbeiten nicht den geringsten Einfluss ausüben.
Und nun muss ich Ihnen leider mitteilen, dass der Verlag ausser stande ist Ihnen eine jährliche Summe von Mk. 1000.- zuzusichern. Wir haben bisher noch nicht den geringsten Erfolg mit Ihren Arbeiten erzielt und wir können einen Erfolg einstweilen auch noch garnicht absehen. Sie sind davon, dass Sie sich durchgesetzt haben respekt. nahe daran sind sich durchzusetzen dass Ihre Arbeiten bereits einen Marktwert bei den Verlegern haben, vollkommen überzeugt, wir indessen leider nicht. Wir sind aber nicht ohne Hoffnung auf die Zukunft und wir sind gern bereit die natürliche Entwickelung der Dinge ruhig abzuwarten. Sie unterschätzen durchaus das, was wir Ihnen bisher geleistet haben, und statt uns jährlich mit höheren Forderungen zu kommen, sollten Sie die Tendenz haben sich einzurichten und uns erst einmal Atem schöpfen zu lassen. Wir senden Ihnen nunmehr Ihre Kammersinfonie und die sechs Orchesterlieder zurück, um Ihnen Gelegenheit zu geben diese Arbeiten, die zu veröffentlichen wir uns momentan noch nicht entschliessen können, anderen Verlegern anzubieten4 und dadurch die Höhe ihres Marktwertes festzustellen. Das uns kontraktlich zugesicherte Vorkaufsrecht zu dem von anderer Seite gebotene Preise behalten wir uns natürlich vor.
Sie sehen also, lieber Herr Schönberg, dass wir keineswegs gesonnen sind Sie irgendwie zu schädigen, indem wir ganz rigoros an unserem Vertrage festhalten. Reger hat für seine Sinfonietta M. 10000.– erhalten; vielleicht gelingt es Ihnen für Ihre Kammersinfonie einen ähnlichen Preis zu erzielen. Wir würden uns darüber ganz ausserordentlich freuen!
Da Sie erklärt haben, dass Sie unter keiner Bedingung auf die 1000 Mk. verzichten wollen, nehme ich an, dass Sie die Absicht haben unseren Vertrag zu brechen. Oder habe ich Sie falsch verstanden? Ueberlegen Sie sich die ganze Angelegenheit noch einmal in Gemütsruhe. Vielleicht kommen Sie zu der Einsicht, dass Sie ebensoviel Grund haben Geduld zu beweisen wie wir.
Mit besten Grüssen Ihr
Max Marschalk
/Kammersinfonie Partitur5 und Klavierauszug6. – Sechs Lieder mit Orchester.
Inoffiziell: ich hoffe, dass wir einen modus vivendi finden werden.!

21. Mai 1907


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 21. Mai 1907, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.12405.

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