Verlag Dreililien an Arnold Schönberg
21. Mai 1907
Herrn Arnold Schönberg
Lieber Herr Schönberg!
Soeben erhalte ich einen Brief des Herrn Professor Henri Petri/Dresden,
in dem er mir mitteilt, dass er es abgelehnt habe Ihr Quartett auf dem Mu-
sikfest in Dresden zu spielen. Was nun? Ich fürchte, dass dadurch eine Auf-
führung1 überhaupt in Frage gestellt sein wird. Schreiben Sie jedenfalls so-
fort in dieser Angelegenheit an Herrn Rösch. Wenn das Petri-Quartett jetzt
nicht alles aufbietet um eine Aufführung Ihres Quartettes überhaupt zu hin-
tertreiben und um zu verhindern, dass das Rosé-Quartett nach Dresden kommt,
soll man mich einen schlechten Psychologen heissen.
in dem er mir mitteilt, dass er es abgelehnt habe Ihr Quartett auf dem Mu-
sikfest in Dresden zu spielen. Was nun? Ich fürchte, dass dadurch eine Auf-
führung1 überhaupt in Frage gestellt sein wird. Schreiben Sie jedenfalls so-
fort in dieser Angelegenheit an Herrn Rösch. Wenn das Petri-Quartett jetzt
nicht alles aufbietet um eine Aufführung Ihres Quartettes überhaupt zu hin-
tertreiben und um zu verhindern, dass das Rosé-Quartett nach Dresden kommt,
soll man mich einen schlechten Psychologen heissen.
An der Scherlschen Preiskonkurrenz2 dürfen Sie sich nach Herzenslust
beteiligen; der Verlag hat absolut garnichts dagegen. Ich persönlich garan-
tiere Ihnen, dass Sie weder einen Preis bekommen werden, noch dass man eine
Ballade von Ihnen für das zu veröffentlichende Balladenheft3 ankaufen wird.
Sollten Sie aber wider Erwarten doch hinein geraten, so würde das sicher-
lich auf den Verkauf Ihrer anderen Arbeiten nicht den geringsten Einfluss
ausüben.
beteiligen; der Verlag hat absolut garnichts dagegen. Ich persönlich garan-
tiere Ihnen, dass Sie weder einen Preis bekommen werden, noch dass man eine
Ballade von Ihnen für das zu veröffentlichende Balladenheft3 ankaufen wird.
Sollten Sie aber wider Erwarten doch hinein geraten, so würde das sicher-
lich auf den Verkauf Ihrer anderen Arbeiten nicht den geringsten Einfluss
ausüben.
Und nun muss ich Ihnen leider mitteilen, dass der Verlag ausser
stande ist Ihnen eine jährliche Summe von Mk. 1000.- zuzusichern. Wir haben
bisher noch nicht den geringsten Erfolg mit Ihren Arbeiten erzielt und wir
können einen Erfolg einstweilen auch noch garnicht absehen. Sie sind davon,
dass Sie sich durchgesetzt haben respekt. nahe daran sind sich durchzusetzen
stande ist Ihnen eine jährliche Summe von Mk. 1000.- zuzusichern. Wir haben
bisher noch nicht den geringsten Erfolg mit Ihren Arbeiten erzielt und wir
können einen Erfolg einstweilen auch noch garnicht absehen. Sie sind davon,
dass Sie sich durchgesetzt haben respekt. nahe daran sind sich durchzusetzen
dass Ihre Arbeiten bereits einen Marktwert bei den
Verlegern haben, voll-
kommen überzeugt, wir indessen leider nicht. Wir sind aber nicht ohne Hoffnung
auf die Zukunft und wir sind gern bereit die natürliche Entwickelung der
Dinge ruhig abzuwarten. Sie unterschätzen durchaus das, was wir Ihnen bis-
her geleistet haben, und statt uns jährlich mit höheren Forderungen zu kom-
men, sollten Sie die Tendenz haben sich einzurichten und uns erst einmal
Atem schöpfen zu lassen. Wir senden Ihnen nunmehr Ihre Kammersinfonie und
die sechs Orchesterlieder zurück, um Ihnen Gelegenheit zu geben diese Arbei-
ten, die zu veröffentlichen wir uns momentan noch nicht entschliessen kön-
nen, anderen Verlegern anzubieten4 und dadurch die Höhe ihres Marktwertes
festzustellen. Das uns kontraktlich zugesicherte Vorkaufsrecht zu dem von
anderer Seite gebotene Preise behalten wir uns natürlich vor.
kommen überzeugt, wir indessen leider nicht. Wir sind aber nicht ohne Hoffnung
auf die Zukunft und wir sind gern bereit die natürliche Entwickelung der
Dinge ruhig abzuwarten. Sie unterschätzen durchaus das, was wir Ihnen bis-
her geleistet haben, und statt uns jährlich mit höheren Forderungen zu kom-
men, sollten Sie die Tendenz haben sich einzurichten und uns erst einmal
Atem schöpfen zu lassen. Wir senden Ihnen nunmehr Ihre Kammersinfonie und
die sechs Orchesterlieder zurück, um Ihnen Gelegenheit zu geben diese Arbei-
ten, die zu veröffentlichen wir uns momentan noch nicht entschliessen kön-
nen, anderen Verlegern anzubieten4 und dadurch die Höhe ihres Marktwertes
festzustellen. Das uns kontraktlich zugesicherte Vorkaufsrecht zu dem von
anderer Seite gebotene Preise behalten wir uns natürlich vor.
Sie sehen also, lieber Herr Schönberg, dass
wir keineswegs gesonnen sind
Sie irgendwie zu schädigen, indem wir ganz rigoros an unserem Vertrage fest-
halten. Reger hat für seine Sinfonietta M. 10000.– erhalten; vielleicht gelingt
es Ihnen für Ihre Kammersinfonie einen ähnlichen Preis zu erzielen. Wir würden
uns darüber ganz ausserordentlich freuen!
Sie irgendwie zu schädigen, indem wir ganz rigoros an unserem Vertrage fest-
halten. Reger hat für seine Sinfonietta M. 10000.– erhalten; vielleicht gelingt
es Ihnen für Ihre Kammersinfonie einen ähnlichen Preis zu erzielen. Wir würden
uns darüber ganz ausserordentlich freuen!
Da Sie erklärt haben, dass Sie unter keiner Bedingung auf die 1000 Mk.
verzichten wollen, nehme ich an, dass Sie die Absicht haben unseren Vertrag
zu brechen. Oder habe ich Sie falsch verstanden? Ueberlegen Sie sich die gan-
ze Angelegenheit noch einmal in Gemütsruhe. Vielleicht kommen Sie zu der
Einsicht, dass Sie ebensoviel Grund haben Geduld zu beweisen wie wir.
verzichten wollen, nehme ich an, dass Sie die Absicht haben unseren Vertrag
zu brechen. Oder habe ich Sie falsch verstanden? Ueberlegen Sie sich die gan-
ze Angelegenheit noch einmal in Gemütsruhe. Vielleicht kommen Sie zu der
Einsicht, dass Sie ebensoviel Grund haben Geduld zu beweisen wie wir.
Inoffiziell: ich hoffe, dass wir einen modus
vivendi finden werden.!
vivendi finden werden.!
Aufführung
Scherlschen Preiskonkurrenz
Die im Verlag August Scherl
G.m.b.h. Berlin publizierte
Zeitschrift Die Woche hatte einen Balladen-Wettbewerb ausgeschrieben.
Aus diesem ging eine Auswahl von 50 Balladen hervor, welche 1906 unter dem Titel Neuer deutscher
Balladenschatz als 8. Sonderheft publiziert wurde (Exemplar aus dem
Schönberg-Nachlass; BOOK N6). Daraus folgend veröffentlichte die Zeitschrift im
Weihnachts-Heft 1906 ein
Preisausschreiben für Balladen-Kompositionen mit Einsendeschluss 1. Mai 1907 (Scherl 1906, S. 2212). Dieses
veranlasste Schönberg vermutlich zur Komposition der Zwei Balladen für Gesang und Klavier op.
12, deren Textvorlagen Jane Grey (Heinrich Ammann) und Der
verlorene Haufen (Viktor Klemperer) im Balladenschatz enthalten sind.
Einreichung Schönbergs nicht
nachweisbar. Die Bekanntgabe der gekürten Komponisten erfolgte im Februar 1908 (Scherl 1908, S. 183).
Balladenheft
Preisgekrönte Balladen.
Komponiert für die Woche. Berlin 1908.
anderen Verlegern anzubieten
Eine Kontaktaufnahme zu Robert
Forberg in Leipzig am 23. Juni 1907 geht aus Robert Forberg an
Arnold Schönberg, 25. Juni 1907 (ASCC
10651), hervor. Ob Schönberg konkrete Werke anbot, erschließt sich aus dem
Schreiben jedoch nicht.
Partitur
Partiturreinschrift, autograph;
Stichvorlage für den Erstdruck (ASGA B 11/2, Quelle B).
Klavierauszug
Klavierauszug zu vier Händen
(ASGA B 5, ohne Quellensigel).
Herrn Arnold Schönberg
Lieber Herr Schönberg!
Soeben erhalte ich einen Brief des Herrn Professor Henri Petri/Dresden,
in dem er mir mitteilt, dass er es abgelehnt habe Ihr Quartett auf dem Musikfest in Dresden zu
spielen. Was nun? Ich fürchte, dass dadurch eine Aufführung1 überhaupt in Frage gestellt sein wird. Schreiben Sie jedenfalls sofort in dieser Angelegenheit an Herrn Rösch. Wenn das Petri-Quartett
jetzt nicht alles aufbietet um eine Aufführung Ihres Quartettes überhaupt zu hintertreiben und um zu verhindern, dass das Rosé-Quartett nach Dresden kommt, soll man mich einen schlechten Psychologen
heissen.
An der Scherlschen Preiskonkurrenz2 dürfen Sie sich nach Herzenslust beteiligen; der Verlag hat absolut garnichts dagegen. Ich persönlich
garantiere Ihnen, dass Sie weder einen Preis bekommen werden, noch
dass man eine
Ballade von Ihnen für das zu veröffentlichende
Balladenheft3 ankaufen wird. Sollten Sie aber wider Erwarten doch hinein geraten,
so würde das sicherlich auf den Verkauf Ihrer anderen Arbeiten nicht den geringsten
Einfluss ausüben.
Und nun muss ich Ihnen leider mitteilen, dass der Verlag ausser stande ist
Ihnen eine jährliche Summe von Mk. 1000.- zuzusichern. Wir haben bisher
noch nicht den geringsten Erfolg mit Ihren Arbeiten erzielt und wir können
einen Erfolg einstweilen auch noch garnicht absehen. Sie sind davon, dass
Sie sich durchgesetzt haben respekt. nahe daran sind sich durchzusetzen dass Ihre Arbeiten bereits einen Marktwert bei den
Verlegern haben, vollkommen überzeugt, wir indessen leider nicht. Wir sind aber nicht ohne Hoffnung auf die Zukunft und
wir sind gern bereit die natürliche Entwickelung der Dinge ruhig
abzuwarten. Sie unterschätzen durchaus das, was wir Ihnen bisher geleistet haben, und statt uns jährlich mit höheren
Forderungen zu kommen, sollten Sie die Tendenz haben sich einzurichten und uns
erst einmal Atem schöpfen zu lassen. Wir senden Ihnen nunmehr Ihre Kammersinfonie und die sechs Orchesterlieder zurück, um Ihnen Gelegenheit zu
geben diese Arbeiten, die zu veröffentlichen wir uns momentan noch nicht
entschliessen können, anderen Verlegern anzubieten4 und dadurch die Höhe ihres Marktwertes festzustellen. Das uns
kontraktlich zugesicherte Vorkaufsrecht zu dem von anderer Seite gebotene
Preise behalten wir uns natürlich vor.
Sie sehen also, lieber Herr Schönberg, dass
wir keineswegs gesonnen sind Sie irgendwie zu schädigen, indem wir ganz
rigoros an unserem Vertrage festhalten. Reger hat für seine
Sinfonietta M. 10000.– erhalten; vielleicht
gelingt es Ihnen für Ihre Kammersinfonie
einen ähnlichen Preis zu erzielen. Wir würden uns darüber ganz
ausserordentlich freuen!
Da Sie erklärt haben, dass Sie unter keiner Bedingung auf die 1000 Mk.
verzichten wollen, nehme ich an, dass Sie die Absicht haben unseren Vertrag
zu brechen. Oder habe ich Sie falsch verstanden? Ueberlegen Sie sich die
ganze Angelegenheit noch einmal in Gemütsruhe. Vielleicht kommen
Sie zu der Einsicht, dass Sie ebensoviel Grund haben Geduld zu beweisen wie wir.
Inoffiziell: ich hoffe, dass wir einen modus vivendi finden werden.!
Aufführung
Scherlschen Preiskonkurrenz
Die im Verlag August Scherl
G.m.b.h. Berlin publizierte
Zeitschrift Die Woche hatte einen Balladen-Wettbewerb ausgeschrieben.
Aus diesem ging eine Auswahl von 50 Balladen hervor, welche 1906 unter dem Titel Neuer deutscher
Balladenschatz als 8. Sonderheft publiziert wurde (Exemplar aus dem
Schönberg-Nachlass; BOOK N6). Daraus folgend veröffentlichte die Zeitschrift im
Weihnachts-Heft 1906 ein
Preisausschreiben für Balladen-Kompositionen mit Einsendeschluss 1. Mai 1907 (Scherl 1906, S. 2212). Dieses
veranlasste Schönberg vermutlich zur Komposition der Zwei Balladen für Gesang und Klavier op.
12, deren Textvorlagen Jane Grey (Heinrich Ammann) und Der
verlorene Haufen (Viktor Klemperer) im Balladenschatz enthalten sind.
Einreichung Schönbergs nicht
nachweisbar. Die Bekanntgabe der gekürten Komponisten erfolgte im Februar 1908 (Scherl 1908, S. 183).
Balladenheft
Preisgekrönte Balladen.
Komponiert für die Woche. Berlin 1908.
anderen Verlegern anzubieten
Eine Kontaktaufnahme zu Robert
Forberg in Leipzig am 23. Juni 1907 geht aus Robert Forberg an
Arnold Schönberg, 25. Juni 1907 (ASCC
10651), hervor. Ob Schönberg konkrete Werke anbot, erschließt sich aus dem
Schreiben jedoch nicht.
Partitur
Partiturreinschrift, autograph;
Stichvorlage für den Erstdruck (ASGA B 11/2, Quelle B).
Klavierauszug
Klavierauszug zu vier Händen
(ASGA B 5, ohne Quellensigel).
21. Mai 1907
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 21. Mai 1907, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.12405.